Full text : 1.1883 (0001)

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Zahl anderer Ausnahmetarife verändert worden.
Die Majorität ging dahin, daß, wenn dem Herrn
Minister nach „ 16 des Gesetzes auch das Rech
zustehe, Ausnahmetarife, ohne sie dem Landes
Eisenbahnrat vorgelegt zu haben, einzuführen
auch in diesen Fällen über vorgenommene Aen
derungen Mitteilungen zu machen bezw. Mei
nungsäußerung herbeizuführen sei.
Der Eisenbahnrat faßte daher auf Auftrag
des Herrn v. Lente einen dahin gehenden Be—
schluß und beschloß ferner, den Herrn Minister
u bitten, ihm eine Zusammenstellung aller be
—— Ausnahmetarife, geordnet nach Artikeln
Relationen und Streckensätzen vorzulegen.
Für den Artikel Torfstreu wurde beschlossen,
den nach den oldenburgischen Einheitssätzen zu
bildenden Ausnahmetarif für Torfstreu zur Aus—
fuhr auf alle für die Torfstreufabrikation in
Frage kommenden Stationen im Verkehr mit
dene Harburg, Bremen, Bremerhaven,
eestemuͤnde und fuͤr die Station Meppen und
Papenburg auf Emden und Leer auszudehnen.
Die Handelskammer zu Altona hatte für die
Drahtindustrie an der Lenne gewisse besondere
Tarifbegünstigungen beantragt. Sie war dabei
von der Ueberzeugung geleitet worden, daß die
in Rede stehende Industrie dadurch in eine sehr
schwierige, kaum haltbare Lage versetzt worden
sei, daß in neuerer Zeit in Rheinland-Westfalen
größere Drahtfabriken entstanden sind, welche so—
wohl hinsichtlich des Bezuges der Rohmateria—
lien wie der Versendung der Fabrikate wesent—
lich günstiger gelegen sind.
Der Antrag wurde abgelehnt.*)
Außerdem wurde noch Beschluß über eine
Reihe von Deklassifikationen verschiedener Artikel
und Aenderung von Tarifvorschriften gefaßt.

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 35

Das Facit der Statistik für den verflossenen Der Koks wurde bis auf unerhebliche Quanti⸗
Monat ist, daß die Produktion wiederum ein äten selbst produziert. Die Stahlschmelzen
wenig zugenommen und nahezu die Höhe des haben 202865 Tonnen Ingots produziert, wo⸗
Monat August, die bisher überhaupt dagewesene von 161 145 für 26663 989 Mk. verkauft wur—⸗
höchste von 50087 T. erreicht, dagegen das den. Fast die Hälfte der Produktion wurde
dager etwas, wenn auch unerheblich abgenom- nach dem Auslande abgesetzt.
men hat. An diesen Bericht reihte sich der des Herrn
Menzel über den Betrieb der dem Bochumer
Verein gehörigen Gruben. Die auf der Stein—
kohlengrube Maria Anna 6Steinbank
im Vorjahr gemachten Aufschlüsse haben den
Erwartungen entsprochen. Auf den Eisen—
teingrüben im Siegen'schen wurden günstige
Aufschlüsse gemacht. Die Erzförderung sämt—
licher im Betrieb gewesener Gruben beziffert
sich auf 590 186 Ctr. Spateisenstein, 11 129 Etr.
kupferhaltigen Spateisenstein, 6670 Ctr. Braun—
eisenstein und 5087 Etr. Kupfererze. Von dem
zuerst genannten Spateisenstein wurden 502276
Ttr. geröstet, welche 401004 CEtr. Rost ergeben.
Nachdem der eigene Bedarf gedeckt war, wurde
der Rest an andere Hüttenwerke verkauft. Auf
der Grube Fontoy in Lothringen ist der Betrieb
vegen der hohen Eisenbahnfrachten auch im ver⸗
lossenen Jahre noch sistiert geblieben. —
Die General-Versammlung genehmigte ein—
sttimmig den Antrag des Verwaltungsrats, aus
dem Reingewinn von 1335 328,92 Mk nach
Abzug der dem Reservefonds statutgemäß zuzu—
führenden 15 pCt., sowie der statutarischen und
kontraktlichen Tantiemen eine Dividende von
32/2 pCt. — 19,5 Mk. pro Aktie zu zahlen und
den Rest nach dem Ermessen des Verwaltungs—
rates ganz oder teilweise zu Gratifikationen zu
serwenden

Aus der General-VBersammlung des
Vochumer Vereins für Bergbau
und Gußstahlfabrikation,
die zu Bochum am 27. Oltober anberaumt
vurde, heben wir Folgendes hervor:
Nach Konstatierung der statutgemäßen Ein—
»erufung der General-Versammlung eröffnete in
Bertretung des erkrankten Herrn Heimann Herr
Dr. Loewe die Sitzung um 118,4 Uhr vor
nittags mit der Verlesung eines Berichtes
iber die Lage des Geschäftes und
über die Bilanz-Resultate des ab—
Jelaufenen Geschäftsjahres. Zur Lage
des Geschäfts erörterte der Vorsitzende, daß das
letzte Rechnungsjahr den vor Jahresfrist ge—
hegten Erwartungen nicht blos enisprochen, son⸗
dern dieselben noch übertroffen habe. Bei starken
Abschreibungen sei der Bruttogewinn um 25pCt
höher als im vorigen Jahre, nämlich 2572 847
Mk. gegen 2013893 Mt. im Vorjahr. Der
Verwaltungsrat könne deshalb auch die Ver—
eilung einer höheren Dividende — 6i/3 pCt
zgegen 5 pCt. — in Vorschlag bringen. Bei
iahezu voller Beschäftigung der Gußstahlfabril
sei das Produktions- Quantum rund um 11 pCt.
iämlich von 136277 auf 151145 Tonnen ge
tiegen, und die Einnahme dafür um 10 pCt.
iämlich von 21241211 Mk. auf 26663 989 Mk
Die Ziffern des Exports stellten sich pro 1882,83
ruf 72 696 Tonnen gegen 79046 Tonnen in
1881/82. Das am 1Zuli cecr. begonnene Ge—
chäftsjahr lasse, obwohl überall, namentlich in
England, ein Rückgang in der Beschäftigung der
Stahlwerke eingetreten sei, in der ersten Hälfte
noch ein recht günstiges Resultat, in der
zweiten ein geringeres, im ganzen aber
doch ein befrie digendes Ergebnis erwarten.
Wenn eine genügende Ermäßigung der
Fisenbahn-Frachten sowohl für Erze und
kalkstein als für die Exportfabrikate nach den
Sechäfen erfolgt sein werde, was nach Lage
der Dinge nur eine Frage kurzer Zeit
sein könne, so würden die deutschen
Werke hoffenthich exportfähigblei
ben. Es sei um so sicherer auf eine erhebliche
Ermäßigung der Eisenbahn⸗-Frachten zu hoffen,
als die rheinisch-westfälische Industrie dabei dem
Staate keine Opfer zumute, sondern
uüberzeugt sei, daß das finanzielle Interesse der
Eisenbahnverwaltung dabei vollständig gewahrt
werden könne. Was den Bochumer Verein selbst
betreffe, so sei im Hinblick auf die Gesamtlage
und deine günstige Finanzlage unter normalen
Berhältnissen immerhin auch bei eingeschränktem
Betriebe eine befriedigende Verzinsung des Aktien—
Kapitals in Aussicht zu stellen, denn da rüber
fönnten die Akttionäre beruhigt sein, daß kein
inderes deutsches Werk in der Lage sei, billiger
als der Bochnumer Verein zu produzieren, so
daß demselben ein gebührender Anteil am in—
äudischen Absatzmarkt nicht wohl streitig ge—
nacht werden könne.
Die Jahresbilanz schließt mit 27 315 345,66
Mk. ab. Der Reingewinn beträgt 1335 328,92
Vdk. gegen 1009 940 Mk. im Vorjahr.
Der Generaldirektor, Geheimer Kommerzien—
rat Baare, berichtete über die vorigjährig—
Fabrikthätigkeit und die Finanzlage. Die Werk
tätten waren im abgelaufenen, Geschäftsjahr bis
nahe an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit be—
chaͤftigt. Im Oktober v. J. wurde der dritte
dohofen in Betrieb gesetzt. Die Gesamtproduk
jon an Bessemer- und Thomas-Eisen betrug
om 1. Oktober 1882 bis zum 1. Oktober d. J
113 930 Tonnen, also durchschnittlich monatlich
10000 Tonnen, davon Bessemer⸗-Eisen 81494
Tonnen und Thomas-Eisen 32436 Tonnen.
Der Verbrauch an Koks betrug 120067 Tonnen
uind zwar pro Tonne Bessemereisen 1,008 Tonner
brn Fonne IThomas⸗sFisen 1168 Ihnnen

Die Rauchschäden
haben in London eine bedenkliche Höhe erreicht.
Man erwäge, daß der Rauch allein an dem
Parlaments-Gebände eine jährliche Ausbesserung
m Betrage von 2500 Pfd. Sterl. gleich 50 000
Mek. notwendig macht! In einer neulich abge—
haltenen Jahresversammlung des „Vereins für
sauchvertilgung“ wurde der Rauch als der
größte Fluch Londons und anderer Großstädte
zezeichnet. Zugleich wurden aber auch für Ein—
richtung einer Anstalt, wo alle Vorschläge und
Apparate zuc Rauchverminderung oder Rauch—
vertilgung gesammelt und geprüft werden sollten,
zroße Summen, von einzelnen Mitgliedern 100
zis 500 Pfd. Sterl., gezeichnet. Die Wissenschaft
ind die Praxis werden in London schon seit
Jahren vereint zur Bekämpfung dieses größten
Feindes des großstädtischen Lebens aufgeboten.
Bei uns könnte man sich in dieser Beziehung
nuch etwas rühren und es ließe sich zum besten
unserer Saarstädte manches erzielen, was man
heute für unerreichbar hält. Der Rauch unserer
Schornsteine und die durch den Rauch verdorbene
Luft sind keine notwendigen, sondern vielmehr
berhältnismäßig leicht überwindbare Uebel; denn
die Apparate, welche man zur vollständigen
Rauchverzehrung erfunden hat, sind unzählig;
es kommt nur darauf an, sie anzuwenden. Aber
zegen die Gleichgiltigkeit ist eben nichts zu machen.
Zelbst der Hinweis darauf, daß eine gut ge—
regelte Rauchverbrennung ganz erhebliche Pro—
zensätze an Brennmaterial erspart, nützt nichts;
denn daß dem so ist, weiß jeder, aber daß auch
jeder es anwendet — das hat gute Wege!
So sieht man jahraus, jahrein die dunklen
Kohlenwolken ungestört gegen Himmel paffen
ind dann wieder als gesundheitsgefährliche Par—
ikelchen zu Boden fallen. Die Verrauchung
inserer Häuser, welche uns wahrhaft nicht zur
Zierde gereicht, wäre unschwer zu beseitigen,
venn man energisch daran gehen wollte.
Auch könnten wir uns manches Erneuern der
Schilder⸗ und Hausanstriche, den Hausfrauen
aber ebenso mauchen Waschtag (und damit uns
wieder manchen Aerger) ersparen, wenn wir es
fertig brächten, die Rauchverbrennung allgemein
zur Einführung zu bringen.
Wie man sich schon im kleinen helfen kann,
darauf wurde bereits in Nr. 33 des Gewerbe—
blattes bingewiesen

e) Veral. hierzu unsere Mitteilungen aus dem Protokoll
der Generalversammlung des „Vereins zur Wahrung
der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saar—
Industrie“ vom 11. Okt. d. J., wo man sich über diese
Angelegenbeit in dem gleichen Sinne aussprach.

VARoheisen⸗-Produktion im Saar⸗
und Mosel-Revier.

·
Oktober.
Im Monat Oktober des laufenden Jahres
ist von den der „Südwestlichen Gruppe des
Vereins deutscher Eisen- und Stahl
In dustrieller“ angehörenden Werken an Roh
zisen produziert worden:
1) Puddelroheisen 41416 Tonnen
2 Spiegeleisen — p
— Besseinerroheisen — F
Thomasroheisen 4995
50 Gießereiroheisen 3531
zusammen 49942 Tonnen.
Die Produkt on im vergangenen Monat haf
betragen 49 248. T., so daß die Produktion also
wieder um etwa 1,5 pCt. gestiegen ist; die Pro—
duktion im Monat Oktober des vergangenen
Jahres hatte 47568 T. betragen, so daß also
auch dem gegenüber eine Steigerung und zwar
eine solche von 5 pCt. zu verzeichnen ist. Die
durchschnittliche Monatsproduktion des laufenden
Jahres beträgt 47029 T, so daß endlich auch
hier eine Zunahme und zwar eine fsolche von
etwa 6 pCt besteht.
Der Lagerbestand betrug am Schlusse des
Monat Oktober:
1) Puddelroheisen 16339 Tonnen
20 Spiegeleisen —
3; Bessemerroheisen —
49 Thomasroheisen 1236
59 Gießereiroheisen 1037 *
zusammen 18612 Tonnen.
Ende September betrug das Lager 18972 T.,
so daß also eine Abnahme der Bestände um
allerdings noch nicht ganz 2pCt. eingetreten ist
das Lager am Ende des Oktober im vergangenen
Jahre betrug 10939 T., so daß sich eine Zu—
nahme von etwa (O pCt. ergibt; durchschnitt⸗
lich betrug im laufenden Jahre das Lager
13529 T., so daß auch dem gegenüber eine Zu—
nahme und zwar eine solche von etwa 37 pCt
— 22
            
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