Full text : 1.1883 (0001)

Saurbrütker Gewerbeblutt

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e

N 35.
D Mitteilungen über die Gotthard⸗
Tarife.

17t

1883.
— — —
angebahnt und droht natürlich durch die ein—
getretene Erhöhung der Tarife von Grund aus
ruiniert zu werden.
(Schluß folgt.)

gorie 7 klassifiziere und deshalb höhere Frachten
zu bezahlen habe. Nun ist aus der Waren—
klassifilation kaum ein bestimmter Anhalt dafür
zu finden, als was die italienischen Bahnen
Façoneisen oder Profileisen, welches sie in dem
Texte ihrer Klassifikation gar nicht kennen und
aufführen, eigentlich ansehen, indem sie es in
dategorie 7 verweisen; denn in Kategorie7
lassifizieren die folgenden Gegenstände:
„Eiserne Anker; eiserne Ankertaue; Brücken und
indere Konstruktionsteile aus gewalzten Platten und
Stäben; eiserne Condensationsröhren; Eisen in Röhren
Säulen, Blechen, Bändern (Bandeisen) oder Streifen
Flacheisen); grobe Eisenwaren als: Ambose, grobe
Seile, Ketten, Mauerschließen ꝛc.; Kesselblech: eiserne
Träger aus einem Stück.“
Den einzigen Anhaltspunkt, welchen man hierin
haielleicht dafür finden könnte, daß Facçoneisen
als in Kategorie 7 gehörig betrachtet wird, könnte
man in der Aufführung des Artikels: „Träger
aus einem Stück“ sinden. Man beachte jedoch,
daß das italienische Original anders lautet und
der deutschen Wiedergabe widerspricht; denn es
tehen sich gegenüber:
Deutsch:
Träger, eiserne, aus einem Stüf.
Italienisch—
Armature di ferro.
Armatureé di ferro sind aber nicht das, was
vir unter Träger zu verstehen gewohnt sind
ondern offenbar „Eisenkonstruktionen“ d. h
Konstruktionen, die aus den verschiedensten Teiler
usammengenietet, verbolzt ꝛc. sind. Im italieni—
swen Text der Warenklassifikation ist also ein
thatsächlicher Gegensatz derartiger Konstruktionen
gegenüber dem noch nicht zusamengearbeiteten
Façon- und Profileisen konstruiert, indem Erster
inzweideutig in Kategorie 7, Letztere ebenso un
—
es sich hier aber um die italienische Klassifikatior
jandelt, ist schließlich der italienische Text aus
chlaggebend. Derselbe spricht sich aber, wie
gesagt, dahin aus, daß das, was wir unter
Façoneisen verstehen, in Kategorie 8 zu klassifi
zieren hat.
Unter so bewandten Umständen mußte nur
eine Bekanntmachung der deutschen Eisenbahn
Becwaltungen, welche erst vor wenigen Wocher
erschienen ist und einfach mitteilt, daß
„Eisen, unbearbeitetes mit Profil T, J. V, V, L, X
nuf den italienischen Strecken zu Spezialtarif A
kategorie 7 berechnet wird, hohe Ueberraschung
bereiten und unverständlich bleiben. Aus dem
ttalienischen Texte der Waren-Klassifikation sind
venigstens Begründungen dafür nicht zu ent
iehmen.
Neuerdings hat die Angelegenheit nun inso—
'ern wiederum ein etwas anderes Gesicht be
kommen, als die deutschen Eisenbahn-Verwal⸗
ungen Berichtigungen zu den Gotthard-Tarifen
iusgegeben haben, in welchen sie berichtigend
einfach mitteilen, daß in der Warenklassifikation
bei „Eisen, façonniert, auch verzinkt, in Stan⸗
gen ꝛc.“ das Wort façonniert zu streichen
ist. Damit soll das Dilemma behoben werden;
aber es steht wohl zu erwarten, daß die deutsche
Eisenindustrie sich nicht ohne Weiteres in diese
turbulente Behandlungsweise der hochwichtigen
Botthard-Tariffrage finden wird. Der gesamte
zisherige Verkehr in Façoneisen hat sich auf der
FRrundsange der nierrigeren Toren der Sofennrie —

A.
Tarif⸗Erhöhungen statt Ermäßigungen.
Aus all' dem, was bisher über die Gotthard—
Tarife an dieser Stelle mitgeteilt worden ist,
war zur Genüge zu erkennen, daß dieselben für
eine Reihe unserer wichtigsten Industrieprodukte
noch zu hoch sind, als daß sich ein lebhafter
Verkehr mit Italien darauf aufbauen ließe.
Das gilt namentlich von der Eisenindustrie und
zwar so weit, als hierbei die schweizerischen und
stalienischen Anteile in Frage kommen. Die
Interessenten gaben sich aber bisher der zuver
sichtlichen Hoffnung hin, daß mit der Zeit Er—
mäßigungen erzielt werden würden und leiteten
in dieser Zuversicht mit erheblichen Opfern Be—
ziehungen zur oberitalienischen Kundschaft ein.
Statt der erhofften Ermäßigungen sind
aber leider Erhöhungen zu verzeichnen und
zwar beziehen sich letztere gerade auf solche Artikel
der Eisenbranche, welche bei niedrigen Frachten in
erster Linie einen guten Absatz versprochen haben
würden, nämlich auf Façonée isen. Die Sache
ist für unseren engeren Bezirk so außerordeat—
lich wichtig, daß wir es notwendig erachten, sie
hier in der detailliertesten Weise zur Sprache
zu bringen.
Das, was wir unter „Facçoneisen“ verstehen
klafsifiziett nach der deutschen Ausgabe der
Warenklassifikation für die Gotthard-Tarife —,
gültig vom 1. Juni 1882, zweite Auflage vom
1. September 1882, — auf den italienischen
Strecken unzweifelhaft nach dem Ausnahme—
Tarif 19 für Metalle und metallurgische Er—⸗
zeugnisse in Kategorie 7, indem es in der
Warenklassifikation heißt:
Deutsch:
Eisen, façonniert, auch verzinkt, in Stangen, Stäben,
auch Roststäbe und Rundeisen aller Art mit einem
Durchmesser von 7 Millimeter oder darüber, zu Bündet
gebunden. (Jenes unter 7 Millimeter wird als Eisen⸗
draht hetrachtet und berechnet) Klasse VII.
Italienisch:
Férro, in barre o verghe, piatte o tonde, d'ogn
qualit, anche zincato, di 7 millimetri o pià di
diametro, legate in fasci. (Quello di diametro inferiore
 à considerato eome filo di ferro.)
Spezial⸗Tarif A (A. T. 19) Kategorie 8.
Allerdings ist die deütsche Uebersetzung keine
wörtliche, da das Wort „façonniert“ im ilalieni—
schen Text nicht vorkommt; aber sie widerspricht
trotzdem dem Sinne des italienischen Textes
nicht, indem der Uebersetzer offenbar mit voller
Absicht die Wendung „d'ogni qualità in das
unserem Sprachgebrauch gerecht merdende focon⸗
niert“ übertrug.
Auf Grund dieser Klassifizierung ist in der
That auch Façoneisen von Änfang an unbean—
standet von den deutschen Versandistationen als
in Kategorie 8 des italienischen Anteils gehörig
angesehen und berechnet worden, ohne auch daß
anfänglich seitens der italienischen Bahnen Re—
klamationen erfolgt sind. Erst im Laufe dieses
Sommers fanden sich bezügliche Reklamationen
zin und zwar bezogen sich dieselben lediglich auf
die Empfangsstation Turin, während z. B. Mai
land, wohin ebenfalls wiederholt Sendungen von
Façoneisen expediert worden sind, nicht in Frage
kam. Die erhobenen Reklamationen gingen von
der Untersteslsung aus daß Focon-isen Gas⸗

L Mitteiluugen über die Thätigkeit
der Eisenbahnräte.
IV.
Nachdem der Landeseisenbahnrat am
22. September d. J. seine konstituierende Sitzing
 abgehalten hatte, war derselbe am 16. d. M.
zum ersten Male zur Erledigung seiner ge—
chäftlichen Angelegenheiten zusammengetreten.
Von den 40 Mitgliedern waren 37 erschienen.
Den Vorsitz übernahm der Ministerialdirektor
derr Brefeld, welcher dem Bedauern des
herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten Aus—
druck gab, daß er durch eine angetretene Dienst⸗
reise nach dem Rhein verhindert worden sei,
den Landeseisenbahnrat persönlich zu begrüßen.
Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde
zur Erledigung der Tagesordnung geschritten.
Bezüglich der für den Staatshaushaltsetat
hestimmten Uebersicht der Normal⸗-Transport⸗
zgebühren der Staatseisenbahnen, welche nach
dem Gesetze dem Landes-Eisenbahnrate zur
Aeußerung vorzulegen sind, wurden folagende
Beschlüsse gefaßt:
1. den Herrn Minister der öffentlichen Ar—
beiten zu ersuchen, eine statistische Uebersicht
vorzulegen, durch welche der Landeseisenbahnrat
in die Lage versetzt wird, über die finanziellen
und wirtschaftlichen Wirkungen der Beseitigung
der bestehenden Ungleichheiten in den Normal—
transport⸗ und Exrpeditionsgebühren ein Urteil
zu gewinnen;
2. die Uebersicht der Normaltransportgebühren,
welche gegenüber den bisherigen nicht geändert
sind, gibt dem Landeseisenbahnrat zur Zeit zu
hesonderen Bemerkungen keinen Anlaß.
Hieran knüpfte sich der auf Antrag des Mit—
zliedes Herrn Frenzel-Berlin gefaßie Beschluß
den Herrn Minister zu bitten, dem Landes—
eisenbahnrat eine Uebersicht bezüglich der auf
den Staatsbahnen der übrigen deutschen Staaten
gjeltenden Normaltransportgebühren vorzulegen.
Bei dieser Gelegenheit kam auch der von
em Mitgliede Herrn Bueck-Düsseldorf gestellte
Antrag auf Einführung einer 2 Stückgurklasse
zur geschäftlichen Behandlung, indem derselbde
dem Ausschuß des Landeseisenbahnrats zur
VBorberatung überwiesen wurde.
Die im Laufe des Jahres eingeführten Aus—
rahmetarife
a) für Tafelglas zum überseeischen Export
on Rheinisch westfälischen Stationen und der
Zaar nach den Elb⸗, Weser- und Emshäfen;
b) für Spiritus zum Cxrport
wurden dusch Kenntnisnahme erledigt
Ein Antrag des Mitgliedes Herrn Stumm.
die Annahme des Ausnahmetarifs für Glas
von rheinisch-westfälischen Stationen nach Basel
jerbeizuführen, wurde dem Ausschuß überwiesen.
Zu einer längeren Debatie gab der Umstand
VBeranlassung, daß nur die beiden vorerwähnten
Ausnahmetarife dem Landeseisenbahnrat von
dem Herrn Minister vorgelegt seien, während
nach dem Gesetze alle Ausnahmetarife an den
randeseisenbahnrat zur Aeußerung gelangen soll—
»Fs seien im Kauf⸗ des ZRahres eine oqrof
            
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