Nr. 34
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
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Eine genaue Prüfung habe allerdings ergeben,
daß diese Behauptungen durchaus begründet sind
Nähere Angaben seien vorbehalten.
Der Ausschuß erklärte sich zunächst damit
einverstanden, daß üher die vorstehend aufge—⸗
führten drei Anträge, deren Tendenz die gleiche
sei, zusammen beraten wird. Alsdann begründete
herr Generaldirektor Seeb ohm den
don ihm gestellten Antrag, für die Beförderung
von Hochosenschlacken, sofern dieselben zu Zwecken
der Wegeverbesserung verwendet werden, die⸗
selben ermäßigten Frachtsätze zu gewähren,
welche im Bereiche der Saarbrücker⸗ und Rhein⸗
Rahe⸗Bahn in einzelnen Relationen für die
Besorderung von Steinschlag in Geltung seien.
Der Antrag sei nicht im Interesse der Hoch—
ofenwerke, sondern lediglich im Interesse der
kleineren armen Gemeinden gestellt worden,
welche sich nicht in der Lage befänden, für
Unterhaltung der Wege Steinschlag von weither
kommen zu lassen, aber Hochofenschlacken in
nächster Nähe hätten. Die Hochofenschlacke
ergebe ein vorzügliches Material zur Wegever—
besserung; die Schaffung guter Wege sei aber
für die Prosperität der Landwirthschaft von dem
allergrößten Vorteile, so daß es im allgemeinen
volkswirtschaftlichen Interesse liege, da, wo gutes
Steinmaterial fehle, die Verwendung der Hoch
ofenschlacke nach Möglichkeit zu erleichtern
Diesem stehe aber die hohe Eisenbahnfracht ent—
gegen. Der Bezug der Schlacken sei den viel—
sach mit außerordentlich hohen Rommunalabgaben
belasteten Gemeinden nur bei entsprechender Er—
mäßigung dieser Frachten möglich, und empfehle
er deshalb die Annahme des von ihm gestellten
Antrages.
Herr Freiherr von Hövel erllärt sich
für den von Herrn Gutsbesitzer Winkelmann
gestellten Antrag. Im Münsterlande fehle es
gänzlich an Steinen; der Bezug von Basalt
steinen vom Oberrheine sei mit ganz enorm
hohen Kosten verbunden, deren Erschwingung
ben Gemeinden absolut unmöglich sei.
Dagegen befänden sich in der Nähe viele
Hochofenwerke, deren Schlacken sich für die Wege—
verbesserung als vorzügliches Material erwiesen
hätten. Wie jedoch bereits von dem Herrn
Vorredner hervorgehoben sei, ständen dem Be—
zuge dieses Materials die hohen Eisenbahn—
frachten entgegen. Infolge dieser Umstände sei
denn auch der Wegebau im Münsterlande in
einem überaus verwahrlosten Zustande, zum
schweren Nachteile der ohnehin unter schwierigen
Verhältnissen arbeitenden einheimischen Land—
wirtschaft; im Interesse der letzteren, sowie im
Interesse der armen Gemeinden empfehle er
daher, dem Antrage des Herrn Winkelmann
zuzustimmen.
Herr Geheimer Kommerzienrat Hei—
mendahl ersucht um Annahme des von ihm
im Verein mit dem Herrn Rittergutsbesitzer
von Rath gestellten Antrages. Daß der Ge—
währung desselben prinzipielle Bedenken nicht
entgegenstehen könnten, beweise der Vorgang in
anderen Bezirken. In Hannover sei auf An—
regung des Landesdirektoriums für den Schlacken
bezug von der Ilseder Hütte eine ganz erheb—
liche Frachtermäßigung eingeführt worden. Hier
durch sei denn auch erreicht worden, daß sich
dort die Gemeindewege in einem vorzüglichen
Zustande befänden. Er vermöge nicht einzu
sehen, was hier der Gewährung der gleicher
Vergünstigungen entgegenstehen solle. Kein Di
strikt sei so steinarm, wie die in dem Antrag
erwähnten Kreise. Der in vereinzelten Lagerr
vorgefundene Kies habe sich hinterher als zun
Wegebau vollständig unbrauchbar erwiesen
Wenn daher etwas für die Wegeverbesserungç
geschehen solle, seien die Gemeinden angewiesen,
das Material vom Rhein her zu beziehen. Die
hierdurch entstehenden Lasten seien aber für die
Gemeinden unerschwinglich. Infolge dessen se
der Wegebau denn auch gänzlich eingestellt und
befinde sich zur Zeit in einem wahrhaft erschrek:
kenden Zustande. Diese Verhältnisse hätten sogar
die Regierung veranlaßt, zwangsweise gegen die
GBemeinden vorzugehen; dieselben hätten aber
erklären müssen, bei ihren hohen Kommunal
lasten unter den jetzigen Fruchiverhältnifsen kein⸗
Abbülfe schaffen 2u fännen
An die Eisenbahnverwaltung werde aber ein
unbilliges Verlangen in keiner Weise gestellt.
In Bayern bestehe der beantragte Ausnahme—
arif seit längerer Zeit als Normaltarif und in
Baden ebenfalls als Ausnahmetarif mit teil—
veise noch niedrigeren Frachtsätzen. Der Antrag
jsolle als erster Versuch gelten, den Wegebau im
niederrheinischen Bezirke in bessere Zustände zu
ühren, und werde deshalb der Ausschuß drin—
gend ersucht, denselben auf das Lebhafteste zu
unterstützen.
Herr Rittergutsbesitzer von Rath
jebt die große Bedeutung einer guten Wege
interhaltung für die Landwirtschaft hervor. Die
außerordentlich schlechten Zustände, welche in
dieser Beziehung in den beregten Kreisen herrsch
en, hätten zu dem Antrage Veranlassung ge—
zeben. Es sei zu hoffen, daß durch die Er—
näßigung der Eisenbahntarife das Bestreben
zur Herbeiführung guter Wegebauzustände ge
veckt werden würde, da die Gemeinden den ihnen
zieraus erspringenden Vorteil sehr bald erkennen
nüßten. Er befürwortete dringend, die bean—
ragten Frachtermäßigungen sobald als möglich
einzuführen, damit noch im bevorstehenden
Winter, der geeignetsten Jahreszeit für die Vor—⸗
rahme von Wegeverb'sserungen, davon Gebrauch
gemacht werden könne.
Herr Geh. Kommerzienrat Heimen—
dahl spricht noch die Ansicht aus, daß den
Eisenbahnverwaltungen durch die Gewährung
der beantragten Frachtermäßigungen eine finan—
zielle Einbuße nicht erwachse, da anzunehmen
ei, daß in der Beförderung der Wegebau—
Materialien ein großer Aufschwung eintreten
verde.
Herr Präsident Thielen bemerkt, daß
ich die beantragte Frachtermäßigung als eine
—A
derisiere. Zur Gewährung einer derartigen staat—
ichen Subvention sei aber der Nachweis eines
vorhandenen Notstandes erforderlich. Wie der
Antrag jetzt gestellt sei, werde die Frachtermäßi—
fung auch den reicheren Gemeinden zu Gute
ommen, wozu seines Erachtens eine Veran—
assung nicht vorliege. Es sei aber auch nicht
zu erwarten, daß die Gemeinden von der Fracht—
ermäßigung in größerem Umfange Gebrauch
nachen würden. Schon von der früheren Rhei—
aischen Eisenbahngesellschaft seien für den Trans—
dort von Wegebau-Materialien verschiedentlich
Frachtvergünstigungen gewährt worden, dieselben
sen aber nirgends eine agrößere Wirkunq ge—
abt.
In Betreff der Verwendung der Hochofen—
chlacken sei anzuführen, daß die im rechts—
cheinisch-westfälischen Bezirk gewonnenen Schlak—
en sich zum Wegebau infolae ihres Kalkaehaltes
nicht eigneten.
Herr Dr. Hammacher ist der Ansicht, daß
die Sache wichtig genug erscheine, um einer
näheren Prüfung in der Richtung hin unter—
zogen zu werden, ob sich nicht empfehlen werde,
»eine allgemeine Ermäßigung der Frachten für
Wegebaumaterialien einzuführen. Er sei der
Ansicht, daß sich noch verschiedene andere Di—
trikte in derselben ungünstigen Lage befänden,
wie diejenigen, auf welche sich der Antrag der
derren Heimendahl und von Rath erstreckte
Es müsse also in dieser Richtung noch eint
zreitere Erörterung der Bedürfnisfrage vor sich
gehen; diese Erörterung hier anzustellen, er—
cheine aber unmöglich und empfehle er daher,
daß der Ausschuß sich darauf beschränke, sich nur
im Allgemeinen, ohne Befürwortung bestimmter
Frachtermäßigungen, den vorliegenden Anträgen
gegenüber zustimmend auszusprechen.
Herr Generaldirektor Seebohm be—
merkt, daß ihm eigentlich reiche Gemeinden nicht
bekannt seien. Wenn solche jedoch vorhanden
eien, würden diese zur Verbesserung ihrer Wege
andere Materialien als Hochofenschlacken, worauf
ich sein Antrag beschränke, in Benutzung nehmen.
Herr Geh. Kommerzienrat Heimen—
dahl gibt zu, daß sich noch verschiedene andere
Gemeinden in gleich ungünstiger Lage befinden
dürften, als diejenigen, auf welche sich sein An—
trag erstrecke, er wolle sich auch einer allge—
meinen Prüfung der Angelegenheit keineswegs
miderseken. mücse aßber voch ersuchen dem von
ihm im Namen sämtlicher in Frage kommender
Bemeinden und Landwirte gestellten Antrage
zuzustimmen, da die Bedürfnisfrage für diese
Bezirke genugsam erwiesen sein dürfte.
Herr Freiherr von Hövel erklärt, daß
inbetreff des VicinalWegebaues ein Notstand in
janz Preußen vorhanden sei. Die Landwirt⸗
scchaft, für welche diese Frage von ganz außer—⸗
yrdentlicher Bedeutung sei, hätte wohl erwarten
dürfen, daß den Anträgen dasselbe Wohlwollen
entgegenbracht würde, welches die wiederholten
Anträge auf Frachtermäßigungen zu Gunsten
der Eisen- und Stahlindustrie gefunden hätten.
Herr Präsident Offermann bemerkt,
daß er seinerseits keinen Anstand nehme, sich
sür die allgemeine Bewilligung einer Frachteꝛrmäßigung
für die zum Wegebau bestimmten
Schlacken auszusprechen, daß ihm jedoch bedenk—
iich erscheine, für sonstiges Wegebaumaterial
zenerelle, nicht auf bestimmte Verkehrsrelationen
beschränkte Ermäßigungen zu bewilligen und
deshalb sich empfehlen möchte, die dahin zielen—
den Anträge auf bestimmte Bedürfnisfälle ein—
zuschränken.
Der Antrag des Herrn Generaldirekltors See—
bohm wurde angenommen, dagegen wurden die
Anträge des Herrn Winkelmann, sowie der
Herren Heimendahl und von Rath abgelehnt.
Das Referat für die Plenar-Konferenz des
Bezirks-Eisenbahnrats übernahm alsdann, wie
hereits erwähnt, Herr Generaldirektor Seebohm.
Vom Central⸗Gewerbe⸗Verein.
Am 9. November, nachmittags 3 Uhr, fand
in der städt. Tonhalle zu Düsseldorf unter zahl—
ceicher Beteiligung die 2. ordentliche General—
Versammlung des Central-Gewerbe⸗-Vereins für
Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke
tatt. Nachdem der Vorsitzende des Vereins,
hHerr Kommerzienrat Lueg, die erschienenen
Mitglieder namens des Verwaltungsrates be—
zrüßt und einige kurze geschäftliche Mitteilungen
zemacht hatte, trug Herr Direktor Frauberger
den Jahresbericht über das verflossene Geschäfts—
ahr vor.
Hierauf legte der Schatzmeister des Vereins,
derr Bankier Trinkaus, den Rechnungs—
ibschluß pro 1882/83 vor und erläuterte die
einzelnen Posten. Während die Jahresrechnung
in Einnahme und Ausgabe mit 20653,68 Mk.
abschließt, gleicht sich die Vermögensrechnung in
Finnahme und Ausgabe mit 249676,87 Mk.
aus; nach Vorlesung des seitens der Revisions⸗
kommission aufgenommenen Protokolls, erteilte
die Versammlung die beantragte Decharge.
Der aufgestellte Etat für das laufende Geschäfts—
jahr wurde hierauf vorgelegt und seitens der
Versammlung genehmigt. Der Voranschlag der
Jahresrechnung saldiert in Einnahme und Aus—
zabe mit 32400 Mk., derjenigen der Vermögens—
rechnung mit 269776,87 Mk. Nachdem noch
die Ergänzungswahl der Revisionskommission,
sowie des Verwaltungsrates vorgenommen, er—
folgte unter dem Ausdrucke des Dankes seitens
der Versammlung die Annahme der von der
Familie Böninger dem Verein als Geschenk
überwiesenen „Eduard-Böninger-Sammlung“.
hiermit war die Tagesordnung erschöpft und
vurde die Versammlung durch den Vorsitzenden
zeschlossen.
Möge das Geschäftsjahr 188384 für den
Tentral-⸗Gewerbe-Verein ebenso günstig und er—
olgreich schließen, wie es das verflossene ge—
han hat.
Die augenblickliche Lage der fran⸗
zösischen Industrie
indet in einem Artikel, den der Abgeordnete
Lockroh im „Rappel“ veröffentlicht, folgende
Darstellung: Die deutsche Regierung hat sich der
kisenbahnen bemächtigt, sie hat die Herabsetzung
von Tarifen bewilligt und es so dazu gebracht,
nach Paris selbst, auf unseren eigenen Markt,
deutsche Produkte zu führen, welche billiger ver—
kauft werden als die unserigen. Sie hat den
Gotthard durchstochen, sie hat endlich den Han⸗
delsverkehr auf dem Mittelmeer ihren Interessen
dienstbar gemacht. Was haben wir während
vieser Zeit getban? Wir haben Lokalhabnen ge—