Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr.?
Die Konsulate des deutschen
Reiches.
Das deutsche Reich hat gegenwärtig auf der
gesamten Erde in 671 Orten, welche sich auf 28
verschiedene Länder verteilen, Konsulate ir
Thätigkeit. Die bei Weitem überwiegendste Zahl
derselben sind natürlich kaufmännische Konsulate
nur 61 sind Berufskonsulate, worunter sick
allerdings einige befinden, welche mit einem
außerordentlich starken geschäftlichen Apparate
arbeiten. Die Berufskonsulate entfallen auf die
folgenden Länder und Orte:
1) Argentinische Republik: Buenos Aires; 2
Brasilien: Rio de Janeiro; 3) Central-Amerika
Guatemala; 4) Chile: Valparaiso; 5) China
Shanghai, Amoy, Canton, Tientsin; 6) Colum—
bien: Bogota; 7) Dänemark: Kopenhagen; 8
Frankreich: Havre de Grace, Marseille, Nizza
Algier; 9) England: London; 10) Britische Be
sitzungen: Hongkong, Singapore, Sydney; 11
Republik Haiti: Port au Prince; 12) Italien
Genuag, Messina; 13) Japan: Hiogo-Osaka, Yoko
hama; 14) Marokko: Tanger; 15) Oesterreich
Ungarn: Budapest; 16) Rumänien: Bukaresst
Galatz, Jassy; 17) Rußland: Kiew, Kowno, Mos
kau, Odessa, St. Petersburg, Tiflis, Warschau
Helsingfors; 18) Samoa- und Tonga-Inseln
Apia; 19) Schweden: Stockholm; 20) Norwegen
Christiania; 21) Serbien: Belgrad; 22) Siam
Bangkok; 23) Spanien: Barcelona; 24) Spa
nische Besitzungen: Havanna, Manila; 25) Türkei
Alexandrien, Kairo, Beirut, Konstantinopel, Dar
danellen, Jerusalem, Serajewo, Smyrna, Sofia
26) Tunis: Tunis; 27) Uruguay: Montevideo
28) Vereinigte Staaten von Nordamerika: Chi
cago, Cincinnati, Newyork. San Francisco, St
Louis.
Die stärksten Konsulate sind diejenigen von Lon
don, welches mit einem Generalkonsul, einen
Vize-Konsul, vier Sekretären und einem Regi
strator ausgerüstet ist, sowie das ebenso stark
der Stadt Newyork mit einem Generalkonsul
einem Konsul, einem Vizekonsul, einem Kassierer
einem Registrator, zwei Sekretären; dasjenig—
Konstantinopels arbeitet mit einem Generalkonsul
2 Vizekonsuln, einem Dragoman und 2 Sekre
tären. Tas Amt eines Ministerresidenten
haben gleichzeitig die Konsuln zu Bogota und
Belgrad inne. Am stärksten sind mit Berufs
konsulaten nachstehende Länder besetzt: Türke
(9), Rußland (9), Nordamerika (5), China (4) ꝛc.
also Länder, deren Verkehr mit Deutschland eir
sehr lebhafter ist, während sie selbst zu ausge
dehnt sind, als daß sich eine wirksame Interessen
Vertretung durch die Gesandtschaften ermöglichen
ließe. Das eigentliche Frankreich enthält nun
drei Berufskonsulate; Italien bisher nur zwei,
England endlich nur eins. Nach den Absichten
der Staatsregierung werden die Berufskonsulate
vom 1. Apriled. J. ab wieder vermehrt; von
besonderer Wichtigkeit für Westdeutschland ist
die Einrichturug eines solchen in Mailand. Ir
Paris befindet sich, wie aus obiger Tabelle her
vorgeht, kein Berufskonsulat, ebensowenig jedoch
überbaupt ein Konsulat, ein Umstand, welcher
wiederholt als ein Maugel erkannt und bezeich
net worden ist. Die Bedeutung der Konsulat
als Vermittler für unseren fremdländischen Ver
kehr ist fortwährend im Wochsen begriffen; es
ist deshalb erfreulich zu bemerken, daß dat
Streben der Reichsregierung ersichtlich daraus
hinausgeht, die kaufmännischen Konsulate durch
Berufskonsulate thunlichst an allen wichtigen
Orten zu ersetzen. Zumeist haben die Inhabern
kaufmännischer Konsulate als Handelstreibende ec
sehr bestimmte Interessen, die nicht selten mi—
denen der Allgemeinheit kollidieren; wiederhol—
ist es deshalb vorgekommen, daß erbetene Mit
hülfe zur Erlangung von auswärtigen Geschäfts
verbindungen oder auch bloße Auskünfte deut
schen Handelstreibenden von den kaufmännischer
Konsuln in auffallender und schroffer Weise ab
gelehnt wurden. Es erscheint dies begreiflich
denn für die ihnen enftstehenden unbezahlter
Mühen locken sich diese Konsuln nicht gern Kon
kurrenten ins Land; aber dem allgemeinen deut
schen Handel wird damit kein Dienst erwiesen
Hoffen wir deshalb, daß von den noch vorhan
denen 611 kaufmännischen Konsulaten nach und
nach ein beträchtlicher Teil dem Berufskonsulate
zugeführt wird. Eine der Hauptschwierigkei
dabei ist die Beschaffung des nötigen Personals
Hier kann nur wieder der deutsche Handel selbsu
zur Hilfe kommen, da man von ihm erwarten
muß, daß er dem deutschen Reiche allmälig die—
jenigen Kräfte im Auslande ausbildet, welche
zur Besetzung der Stellen gebraucht werden. Es
wäre verkehrt, die Konsulats-Karrière zu einer
lediglich juristischen oder diplomalischen machen
zu wollen. Soll das Konsulatswesen dem
deutschen Handel wirklich ersprießliche Dienste
eisten, dann muß es allmälig mit einer ansehn—
lichen Zahl tüchtiger kaufmännischer
Kapazitäten gehörig durchsetzt werden.
die Notwendigkeit, die heimische Lederfabrikation
zu schützen, namentlich gegen die nordamerika—
nische Kankurrenz, brauche ich mich wohl nicht
zu äußern: ich wollte Ihnen in Vorstehendem
nur etwas Material, direkt den thatsächlichen
Verhältnissen entnommen, übergeben, handle da—
bei aber nur für meine eigene Person, da ich
mich wegen Mangel an Zeil nicht mit den Mit—
zliedern des Vorstandes des durch mich ver—
retenen Vereins der südlichen und westlichen
Hruppe deutscher Lederfabrikanten in Verbindung
etzen konnte.“ —
Streit um Patente.
Dem Fabrikanten H. B. zu Burtsche id waren
wei deutsche Reichspatente, eines auf eine be—
sondere Art von Knieblechröhren, das
andere auf eine Maschine zur Herstellung
von Knieblechröhren' erfeilt worden.
Diese Patente datiren vom Jahre 1871 und
find, Veranlassung zu verschiedenen Processen
gewesen, die einesteils aus Patentderletz—
ungsklagen des Patentinhabers, andernteils
aus Nichtigkeitsklagen gegen beregte Pa—
tente resultirten. In der „deutschen Gewerbe—
schau“ wird der Verlauf des Streites in folgen—
der Weise beschrieben:
Der Fabrikant Gustav Riese zu Plag—
witz erfand nämlich selbständig die ihm eben—
falls patentirte Knierohrbiege-Ma—
schine, welches Patent jedoch von dem B'schen
ibhängig, so daß letzterer Umstand B. Veran—
inlassung gab, gegen Riese und zwar mit Er—
'olg Patentverletzungsklhage anzustrengen.
Bereits 1878 wurde seitens eines Berliner Fabri—
anten die Existenz des B'schen Knierohrpatents
angefochten und durch alle Instanzen gesrrieben,
edoch ohne Erfolg für den Käger. Trotz dieses
ungünstigen Verlaufes des ersten Nichligkeits—
prozesses streugte nun Gustav Riese die Nich—
igkeitsklage gegen beide B'schen Patente an,
welche am 28. September v. J. durch mündliche
Verhandlung beim Kaiserlichen Patentamt zu
Berlin zum Abschluß gebracht wurde, worauf
die Nichtigkeit beider Patente (715 und 1634
ausgesprochen wurde Die Vertretung des Klägers
stützte die Nichtigkeitsklage darauf, daß die duͤrch
die streitigen Patente geschützten Gegenstände
schon vor Inkrafttreten der aältesten deutschen
Landespatente B's, d. i. 3. Juni bez. 20. Oc—
tober 1871, in öffentlichen Druckschriften in einer
Weise beschrieben waren, welche Sachverständigen
die Möglichkeit gewährte, beregte Objecte aus—
führen zu können. Der Beweis dieser That—
sache stieß auf Schwierigkeiten, da klargesiellt
werden mußte, ob die in Frage kommenden
amerikanischen Patentschriften vor dem 3. Juni
1871 gedruckt und für Jedermann käuflich zu
haben waren Um hierin klar zu werden, wur—
den bei dem Patentamt zu Wajhington ver—
schiedene Auskünfte gezogen, von denen jedoch
die ersten wegen ihrer allgemeinen Fassung vom
Deutschen Patentamt als nicht bew⸗iskräftig er—
achtet wurden. Aus diesem Grunde wurden
von Seiten des Klägers weitere Schritte in
Wahshington eingeleitet und endlich mit Hilfe
des dortigen deutschen Consulats sowie des
kaiserlich deutschen Botschafters vom Chef des
Patentamtes der Vereinigten Staaten von Nord—
amerika durch amtliches Schriftstück der klare
und unumstößliche Beweis erbracht, daß die dem
Nichtigkeitsbeklagten B. in Deutschland paten—
tirten Object- vor dem 3. Juni 1871 in kaͤuflich
zu habenden Druckschristen ausführlich beschrie—
ben waren, welcher Umstand hauptsächlich da—
durch mit bedingt wurde, daß die dem H. B.
zehörigen, angefochtenen deutschen Patente über—
haupt amerikanischen Ursprungs sind und von
Letzterem wohl nur käuflich erworben und nach
Deutschland importirt wurden. Nach 8 2 des
—ADDD——
keit der beiden Patente Nr. 715 und 1634 aus⸗
gesprochen werden.
Die dem Gustav Riese in Plagwitz er⸗
teilten Patente erhielten nunmehr erst durch die
neue Sachlage selbstständigen Charakter und der
Erfinder der deutschen Knierohrbiege-Maschine
'ann nunmehr endlich nach jahrelangen Hemm—
nissen die Früchte seiner eigenen geistigen Thä—
igkeit mit Nachdruck nutzbringend pflücken
Die Not in der Eifel und der
Schutzzoll.
Die „Frankf. Ztg.“ hatte kürzlich behauptet,
daß der Rückgang der Gerbereien in der Eisel
der neuen Zollpolitik zuzuschreiben sei
Der „Ledermarkt“ veröffentlicht zur Widerlegung
dieser Behauptung verschiedene von ihr an „kompe
tenter“ Stelle erbetene Aeußerungen. Unter
anderem spricht sich Herr J. B. Keller in
Beurig-Saarburg, der Vorsitzende des
„Vereins der südlichen und westlichen Grupp—
deutscher Lederfabrikanten,“ solgendermaßen da
über aus:
„Der von Ihnen angezogene Artikel ist ge
radezu lächerlich; es ist ein ganz neuer Gesichts
punkt, daß der Rückgang des Wohlstandes in
der Eifel dem durch den erhöhten Eingangszoll
auf Leder und durch den Lohzoll hervorgerufenen
Verfall der Gerbereien zuzuschreiben sei! Der
Artikel soll eben „Stimmung“ machen, ist dabei
aber so oberflächlich geschrieben, daß es, wenn
es sich überhaupt der Mühe lohnen sollte, eit
Leichtes sein würde, in vielen Punkten thatsäch
liche Unrichtigkeiten nachzuweisen. Gleich im
Anfang heißt es: „Die in dieser Industrie be
schäftigte Arbeiterzahl ist seit 10 Jahren von
500 auf 300 und der jährlich gezahlte Urbeits
lohn von 250 000 Mk. auf 100000 Mk. ge
unken. Angenommen, daß die beiden ersten
Zahlen richtig sind, so mußten die Löhne, da
die Lohnsätze sich im Allgemeinen nicht verändert
haben, bei 300 Arbeitern, gegen 500 mit 260 000
Mk. Arbeitslohn, doch noch 150000 Mk. be—
tragen; hier aber ist die Zahl 100000 genannt.
was also einem Rückgang der Lohnsätze von
331/8 pCt. gleichkäme!
Ferner wird angeführt, daß Hr Sonnemant
bei der Zolldebatte im Reichsstag im Juni 1879
herausgerechnet, daß der Satz von 36 Mk. einen
Wertzoll von 18ÿ20 pCt. gleichkommt und da
mit nachgewiesen habe, daß Deutschland durck
diesen Zollsatz zu dem hochschutzzöllnerischster
Vande Europas gemacht worden ist. Hr. Sonne
mann hat damals die amerikanischen Zölle nich
erwähnt und was sagt er dazu, daß uns mitt
lerweile Oesterreich in dieser Beziehung erreich
und Frankreich mit seinem Zoll für Leder aller
Art von 60 Fr. — 40 Mk. uns um 4 Mk. über
boten hat?
Ich wollte mit Vorstehendem nur auf die
oberflächliche Art hinweisen, in welcher der be
—ADDD—
noch Folgendes hinzufügen:
Der erhöhte Lederzoll hat es seither allerdings
noch nicht zuwege gebracht, die Sohllederindustri
im Allgemeinen in eine befriedigende Positior
zurückzuführen, hat aber einzelnen Zweigen der
elben unzweifelhaft Nutzen gebracht und eben
so sicher ein weiteres Zurückgehen der Lederpreise
berhindert. Nach meiner Ueberzeugung würde
derselbe noch wirksamer gewesen sein, wenn der
Satz von 36 Mk. für Leder aller Art zur An
wendung gekommen wäre Was nun speziell
die Gerbereien von Malmedy und St. Vith an
zeht, so ist ja ein Rückgang derselben nicht zu
leugnen, indessen datiert derselbe aus der
Zeit der niederen Zölle und haben seither
so weit mir bekannt, weite e Einschränkungen
nicht stattgefunden. .....
Im Uebrigen wird gewiß Jeder der Eife
besser Hommunikationsmittel wünschen
Was hat aber das mit dem Schutzzoll für Lede
zu thun, oder wären etwa dahin gehende Maß
regeln durch den Lederzoll ausgeschlossen? Ueber