Full text : 1.1883 (0001)

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

zu erhalten, indem er Prämien auf die gute
Anwendung desselben aussetzte.
In bürgerlichen und ländlichen Kreisen blieb
das schnurrende Rädchen noch lange heimisch
Wir wissen aus des Dichters Musaäus Lebens
geschichte, daß derselbe sich den Stoff zu seiner
noch heute beliebten Märchensammlung aus den
Spinnstuben Thüringens zusammenholte; ebenso
maͤchte es der Hesse Jakob Grimm und der
Sachse Ludwig Bechstein. Karl Simrock besuchte
zu gleichem Zweck die Familienkreise auf dem
Hunsrück, dessen Spinnstuben W. O, v. Horn
(Pfarrer Oertel) so anmutig zu schildern ver—
stand, und der dänische Dichter Hans Christian
Andersen erzählt in seiner Lebensgeschichte, er
habe in Odense auf der Insel Fünen all⸗
Spinnerinnen gekannt, wenn sie alt genug waren
um gut erzählen zu können.
Freilich, seit die Maschinenarbeit mit dem
Spinnrad konkurriert, ist das Spinnen kaum
mehr ein einträgliches Geschäft, es hat sich daher
die Handhabung des Rades und der Kunkel aus
den städtischen Familienkreisen verloren.
Wird das Spinnrad jetzt durch die Rückkehr
zur alten Ausstattungsweise unserer Wohnräume
in bürgerliche Kreise wieder eingeführt, so tritt
es in die Reihe derjenigen weiblichen Haus
arbeiten, welche schon halb zum Luxus gehören.
Auch das Stricken ist seit Erfindung der
Strumpfwirkerei nicht mehr sonderlich einträg
lich und hat sich dennoch erhalten. Vollends
sind die meisten Stickarbeiten der Frauen und
Mädchen nicht gewinnbringend, bleiben aber
gleichwohl mit Recht in Ehren.
Vor fast allen weiblichen Handarbeitsarten
hat das Spinnen vielfache Vorzüge. Schon das
krumme Sitzen wird vermieden; aufrecht und
nicht gebogen sitzt die Spinnerin am Roöcken.
Sodann ist die Bewegung der Hände wie die
des tretenden Fußes bei weitem leichter und
graziöser als etwa an der Nähmaschine. End
lich und wiederum im Gegensatze zu der letzterer
schnurrt das Rädchen so leise und so anmutig
daß es viel eher gern als ungern gehört wird.
Das Wiedererstehen des Spinnens wird den
Sinn für das Familienleben erstarken machen
und die Pflege der Häuslichkeit fördern, die in
unserer rastilosen Zeit so vielfach verloren ge
gangen ist.
Darum schafft das Spinnrad wieder in euer
Wohnzimmer!

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zu viel Sodalösung ausgepreßt wird, wodurch!
dieselbe bis zur Rückseite des Teppichs durch—
dringen würde. Hält man die Wirkung für
genügend, so werden die Späne mittels einer
durch Fortbewegung rotierenden Bürste entfernt
und gesammelt, um später wieder benutzt zu
werden. Diese Bürstenapparate sind ähnlich ein—
zerichtet wie die kleinen Maschinen, welche man
zum Beschneiden des Rasens benutzt; statt des
Tylindermessers haben sie aber eine Bürste
welche die Späne in eiunen hinten befindlichen
Behälter wirft. Um nun die Sodalösung ordent
lich aus dem Teppich zu entfernen, werden darau!
Sägespäne, die mit reinem Wasser getränkt sind,
aufgeschüttet und eingewalzt, und nach deren
Entfernung wird der Teppich wieder tüchtig
ausgebürstet. Um ferner auch die teils vorher
schon verblaßten, teils noch durch die Sodalösung
unansehnlich gemachten Farben möglichst wieder
aufzufrischen, bearbeitet man den Teppich in der
eschriebenen Weise mit Sägespänen, die mit
Zuckersäurelösung getränkt sind. Zuletzt folgt
wieder eine Operation mit Sägespänen, die nur
reines Wasser enthalten. Bei allen diesen sehr
chnell vor sich gehenden Operationen wird nur
die obere Seite des Teppichs feucht, das feste
Brundgewebe dagegen bleibt fast trocken. Man
hat daher beim Trocknen der Teppiche nicht mit
den Schwierigkeiten zu kämpfen, denen man be—
gegnen würde, wenn man große Teppiche im
nassen Zustande behandeln wollte. Sind die
Operationen beendet. so wird der Teppich ge—
trocknet.
Schon durch bloßes Liegen an der Luft trocknet
der Teppich in kurzer Zeit; noch rascher ge—
schieht das, wenn man nach der letzten feuchten
Behandlung trockene feuchte baumwollene Stoffe,
wie englische Hosenzeuge, darüber ausbreitet
und mit der beschwerten Walze überrollt. Die
benutzten Sägespänen werden von Zeit zu Zeit
ausgewaschen, in der Centrifugalmaschine ent—
vässert und von Neuem präpariert.
So gelingt es aus alten unscheinbaren Tep—
pichen wieder nutzbar und gut aussehende Ge—
zrauchssgegenstände zu machen.

Ztraßenpflaster aus Eisen und Stahl.
Die Entscheidung darüber, ob Asphalt, Stein,
Holz, Eisen oder irgend ein anderer Stoff das beste
Matexial für Straßenpflaster bietet,
ist noch nicht erfolgt. Jeder neue Beitrag zur
Lösung ist aber um so dankbarer entgegen zu
nehmen, als in allen Städten die Gemeinden
sinanziell durch die Kosten der Pflasterung, so—
wohl was die Neuherstellung als die Reparatur
betrifft, stark in Anspruch genommen werden.
In Bezug auf das Straßenpflaster aus
Eisen hat sich, wie dankend anzuerkennen ist,
die Vereinigte Königs- und Laurahütte ange—
legen sein lassen, auf ihre Kosten u. a. auch 'in
Berlin, neuerdings wiederum an der Möckern—
brücke, einzelne Strecken ausführen zu lassen,
uim den Stadtbehörden, den Fuhrwerksbesitzern,
überhaupt dem Publikum Gelegenheit zu geben,
berschiedene Systeme der eisernen Pflasterung
kennen zu lernen und zu prüfen. Weitere Ver—
uuche sind in Aussicht genommen, um eine Kom—
bination des eisernen Pflasters mit
Pferdebahn-Geleisen herzustellen.
Wenn wir auch nicht behaupten wollen, daß
»em Eisenpflaster an allen Orten und in allen
Fällen unbedingt der Vorzug gebührt und daß
sogar für sogenannte feinere Straßen ein ge—
räuschloseres Pflaster aus Asphalt, Holz u. dgl.
trotz seiner Mängel gewählt werden kann, so
steht doch schon soviel fest und wird von allen
Fuhrwerksbesitzern zugestanden, daß für Straßen
mit starkem Verkehr, besonders aber für Last—
fuhrwerk das Eisenpflaster die vollste Beachtung
verdient. Eine neue Anlage in Eisenpflaster
mag sich vielleicht ebenso teuer, oder pro Kubik—
meter noch um weniges teurer stellen, als ein
cecht gutes Steinpflaster, dafür bietet aber das
Fisenpflaster den nicht hoch genug zu schätzenden
Vorzug sehr geringer Reparaturkosten, einer fast
anverwüstlichen Haltbarkeit (besonders seitdem
die Laurahütte ihr Pflaster aus Stahl her—
stellt), wie ferner nicht außer Acht zu lassen ist,
daß ein abgenutzties Steinpflaster wertlos ist,
während das Eisen- oder Stahlpflaster, wenn
nach Jahrzehnten endlich abgenutzt, auch dann
ioch einen resnektaheln Verkaufswert revräsentiert.
Geschäft und Gemüt.
Ueber Berufskrankheiten sind bereits wieder—
jolt wissenschaftliche Erörterungen in die Oeffent—
ichkeit gedrungen. Ein französischer Arzt hat
iun auch den Versuch gemacht, den Einfluß der
Berufsarten auf die Gemütsstimmung zu er—
ründen.
Nach den Beobachtungen dieses Gelehrten
ind Zuckerbäcker, Bonbonverkäufer, kurz Leute,
die mit Süßigkeiten handeln, verdrießliche
Jdeute; die Umgebung des Papiers soll schweig—
'am machen, und so erklärt sich das höfliche,
iber einsilbige Wesen der Buchhändler und
Papierverkäufer. — Die sanftesten und ge—
zuldigsten Menschen trifft man in Hand—
chuhläden; Lederwaren wirken überhaupt be—
änftigend auf das Gemüt ein. — Stoffe, ins⸗
»esondere Seidenstoffe, sollen die Langmut
tählen, ebenso besitzen Optiker einen bewunde—
rungswürdigen Gleichmut. — Die Mitteil—
amkeit und Zuvorkommenheit der
Zarbiere ist bekannt, und hier sei die im Deut⸗
chen sprüchwörtliche böse Zunge des Scheeren⸗
chleifers, der ewige Durst des Bürsienbin—
ders eingeschaltet. — Die Beschäftigung mit
dem Tabat soll die liebens würdigen Ge—
mütsanlagen fördern, demnach sollen die Ci—
garren- und Tabakhändler höfliche Leute sein;
nervös aufgeregt und ungeduldig ge—
berden sich nach der Versicherung des Forschers
Porzellanverkäufer. — Ueberaus geduldig
ind nachgiebig erweisen sich Graveure u. s. w.
Möge Jeder diese Beobachtungen mit den
eigenen Erfahrungen vergleichen, ob sich eine
Uebereinstimmung herausjtelle.

Petroleum und Gas als Konkurrenten.
In dem Verwaltungsbericht des Berliner Ma—
zistrats pro 1882 wird über die Konkurrenz ge—
klagt, welche das Petroseum dem Gaslich
bereitet:
Während im Vorjahre 12 519 Leitungen vor—
handen waren, die nicht benutzt wurden, weil
die Inhaber der betreffenden Räume vorzogen,
Petroleum zu verwenden, ist die Zahl im letzten
Betriebsjahre auf 13 716 gestiegen. Die Kon—
kurrenz hat sich also in diesem Jahre nicht
unerheblich erhͤht. Woran liegt das? Der
Verwaltungsbericht sagt darüber, daß es, da
die Benutzung des Petroleums zur Beleuchtung
oder zu Heizzwecken sicherlich vor dem Gase
fkeine sonstigen Vorteile darbietet, nur Rücksichten
der Sparsamkeit seitens der Konsumenten
naßgebend sein könnten. In der That ist das
tädtische Gas viel zu teuer, als daß es für die
„Lampe des armen Mannes“ verwendbar wäre;
elbst Geschäftsräume, die nur mit einem be—
cheidenen Ueberschuß rechnen können, müssen
mehr und mehr auf dasselbe verzichten. Auch
weist der Verwaltungsbericht des Magistrats
nach, daß das Petroleum trotz des Zolles nicht
teurer, sondern billiger geworden ist, und daf
eben dieses Herabgehen des Preises einen Ein—
luß zu Gunsten der Konkurrenz des Petroleums
zegen das Gas ausgeübt hat. Im Jahre
1881/82 hat der niedrigste Preis für Petroleum
23,20 Mk. für 100 Kilogr. betragen, im Jahre
1882/83 nur 21,70 Mk. und so kam es, daß
der Verbrauch von Petroleum zum Nachteile
des Gaskonsums um 11 pCt. stieg.
Im Allgemeinen muß man das Zurückgehen
der Gasbeleuchtung als ein ungünstiges Zeichen
für die Geschäftslage auffassen, denn es beweist,
daß die Geschäfte zu Sparnismitteln greifen,
was nur in den Zeiten der Geschäftsstille ein⸗
zutreten pflegt. Außerdem aber darf man auch
darauf schließen. daß die Gaspreise noch zu
—XXXV

Wie man in London alte Teppiche
reinigt.
In England, wo die Benutzung von Fuß.
teppichen viel allgemeiner verbreitet ist, als be—
uns, bildet auch die Reinigung und das Wieder
auffrischen der Teppiche ein großartiges Geschäft,
das namentlich in London viele Menschen- und
Maschinenkräfte in Thätigkeit setzt. Ueber das
hierbei übliche Verfahren hat Friedrich Roth
in der „Musterzeitung“ einige interessante An
gaben veröffentlicht.
Besondere sinnreich gebaute Maschinen be
sorgen das Ausstäuben und Bürsten der Teppiche
Damit der sich entwickelnde Staub die Nachbar—
schaft nicht belästige, läßt man denselben am
zweckmäßigsten durch eine Lage glühenden Coaks
nach einem hohen Schornstein abziehen, die
durch das Verbrennen sich entwickelnde Wärme
wird nebenbei zur Heizung von Wasserreservoirs
und Dampfkesseln benutzt. Das bloße Aus
stäuben genügt aber in den seltensten Fällen zur
vollständigen Reinigung; vielmehr kommt zu—
nächst noch folgendes Verfahren hinzu: Nachdem
die Teppiche vom Staub gereinigt sind, werden
sie ausgebreitet und mit einer halbzolldicken
Lage von groben Sägespänen bedeckt, die ge
rade so stark mit Sodalösung befeuchtet sind,
daß dieselbe nicht von selbst aͤbtropft. Mittels
eiserner Walzen, ganz gleich denen, welche man
in Gärten zum Glattwalzen der Wege benutzt,
werden die Sägespäne einige Male Strich fur
Strich gewalzt. Durch die Schwere der Walzen
wird die Flüssigkeit ausgepreßt, um kurze Zeit
darauf, wenn die Walze weiter gegangen ist,
wieder aufgesogen zu werden. Das Gewicht der
Walze kann dem Feuchtigkeitsgehalte der Späne
oentsprechend reauliert werden damit nicht Ama

Notierung der Viehpreise.
Wie aus einem Erlasse des Ministers für Land—
wirtschaft hervorgeht, hat sich die mehrfach ange—
regte Notierung der Viehpreise nach Lebend⸗
wewicht zurfx Zeit als undousfübrbar eroeben

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