Full text : 1.1883 (0001)

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—5— der „British Iron Trade Association“
enützen:
1883 1882
T. T.
Gesamtverbrauch an Roh—
eisen für 6 Monate 4191304 4339392
Hiervon ab: Verschiffun—
gen nach dem Ausland 1972379 2094 839
Einheimischer Verbrauch
während 6 Monate 2218925 2244553
Der Unterschied ist nicht groß; wenn man sich
aber daran erinnert, wie lebhaft das Geschäft
bei den Schiffs-und Maschinenbauern war, so
wird man davon überrascht sein, daß keine Zu—
nahme, sondern eher eine Abnahme vorliegt.
Die Zahlen für das laufende Halbjahr werden
ich, wie wir fürchten, kaum so befriedigend
tellen, denn es ist kein Geheimnis, daß be—
timmte Anzeichen für das Nachlassen des Ge
schäfts bei den Schiffsbauern vorliegen, und dies
muß im Laufe der Zeit auch von den Maschi—
nenbauern empfunden werden. Es ist schon eine
beträchtliche Anzahl Arbeiter auf den Schiffs—
werften davon unterrichtet worden, daß wahr—⸗
r schon von der nächsten Zeit an keine
eschäftigung mehr für sie vorhanden sein wird.
Um die Bedentung dieser Industriezweige zu
veranschaulichen, sei bemerkt, daß der gegen—
wärtige Konsum der Schiffs- und Schiffsmaschi—
nenbauer nicht weniger als 7560000 T. an
fabriziertem Eisen und Stahl beträgt.
Roheisen war einige Zeit im Preis be—
ständig geblieben. In der vergangenen Woche
herrschte einige Spekulation auf dem Glasgower
Markt infolge eines Berichts, daß eine Anzahl
Hohöfen ausgeblasen werden sollte; als es aber
bekannt wurde, daß der größere Teil dieser Oefen
nur deshalb kalt gelegt werde, um Aenderungen
an denselben vorzunehmen, wurde der Markt
xuhiger. Man weiß, daß mit diesen Aenderun—
gen der Zweck verfolgt wird, das Ammoniak aus
den Hohöfen auszuscheiden, und es werden,
wenn dies mit Erfolg geschieht, die Herstellungs
kosten des Roheisens billiger werden In Cleve—
land herrscht ruhige Stimmung. Eisen für bal⸗
dige Lieferung wird mit einem Abschlag von
z per T. angeboten. Daran ist ohne Zweifel
ein Gefühl der Unsicherheit in bezug auf die
Zukunft des Schiffsbaues schuld, sowie die That⸗
sache, daß dieser Distrikt für denselben einen so
großen Teil des Bedarfs liefert — an Blechen
und Winkeleisen ist in diesem Jahre so viel
fabriziert worden, daß sich eine Zahresproduk⸗
tion von ungefähr 500009 T. per Jahr ergeben
wird. Seit einiger Zeit liegt ein großer Druck
auf dem Geschäft in Hämatitroheisen; die Preise
waren so niedrig wie noch nie, und es ist gegen—
wärtig verhältnismäßig das billigste Eisen, das
im Lande hergestellt wird. Die Wirkung dieses
Druckes hat sich auch in den Preisen fuͤr eng—⸗
lische und ausländische Erze gezeigt, sowie in
den Frachten für aus Spanien bezogene Hämatit⸗
Erze. Eine anhaltende Erhöhung der jetzigen
Frachtsätze würde wahrscheinlich in diesem Be—
zirke eine Krisis erzeugen, da die Schmelzer nich!
im stande sind, eine höhere Fracht zu bezahlen
so lange die Roheisenpreise so niedria wie gegen—
wärtig stehen.
Die gedrückte Lage des Stahlschienen—
Geschäfts ist hauptsächlich der ungeheuren Ver—⸗
mehrung der Walzenstraßen auf beiden Seiten
des Atlantischen Oceans zuzuschreiben. Wir
geben nachstehend die Zahlen, welche die Zu—
nahme der Produktion während der letzten fünf
Jahre nachweisen:
1882: 1878:
Vereinigtes Königreich 1285 785 T. 633 733 T
Vereiniate Staaten 1241 000 T. 508000 T
2476785 T. 1141733 T
In den Jahren 1881 und 1882 verschifften
wir 490 895 T. Schienen (hauptsächlich Stahl⸗
schienen) nach den Verein. Staaten, in den ab
elaufenen 9 Monaten des laufenden Jahres
dn wir nur 56648 T. versandt, das ist
weniger als ein Drittel der durchschnittlichen
Verschiffungen der letzten 2 Jahre. In den
Verein. Staaten hat die Erweiterung der Werke
diesen eine solche Leistungsfähigkeil verliehen,
daß Amerika seinen Bedarf selbet decken kann

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
und wir können uns jetzt nur noch Hoffnung
machen auf wenige Auftraͤge von solchen entfernt
liegenden Ländern, die zur See billiger von
England aus erreicht werden können. Nach den
neuesten Nachrichten werden Stahlschienen zum
Preise von 38 Dollars notiert; aber trotz des
ermäßigten Zollsatzes würden sich Stahlschienen,
velche England f. o. b. 4 8. 15 Sh., kosten,
mit Fracht, Zoll und sonstigen Unkosten in New⸗
York auf 44 Dollars stellen. Die gegenwärtigen
niedrigen Preise für Stahlschienen werden ohne
Zweifel die Eisenbahn⸗-Gesellschaften veranlassen,
zu bestellen, was irgend für Erneuerungen, für
Weichen ꝛc. nötig ist, und sie würden thöricht
ein, sich die Gelegenheit entschlüpfen zu lassen,
die sich jetzt bietet. Es wäre ein interessantes
Problem, zu untersuchen, wie die gegenwärtige
inanzielle Lage der Eisenbahnen sich gestaltete,
venn Sir Henry Bessemer nicht den Prozeß ent⸗
deckt hätte, der auf seinen Namen bekannt ist
ind der eine außerordentliche Prämie den Eisen—
»ahn-Aktionären in der Form von Schienen,
velche dauerhaft und billig sind gewährt. Es
zjenügt aber vorher zu konstatieren, daß die all—
nähliche Substitution des Stahles an die Stelle
des Eisens in Zukunft ernstlich Konsequenzen
für das Eisengeschäft haben wird, da infolge
dieser Aenderung die Ausgaben für die Erneue
rung sich bedeutend vermindern werden.
Die Petition um Einführung einer
gesetzlichen Beschränkung der
Weinfabrikation,
velche von verschiedenen landwirtschaftlichen Ka
inos ausgeht und zunächst bei den Winzern der
Mosel behuss Sammlung von Unterschriften um—
'aufen soll, lautet nach der „Tr. Ztg.“:
„Hoher Reichstag! Die schlechten Weinernten
n den letzten zehn bis zwölf Jahren haben wohl
nicht nur an der Mosel, sondern auch in an—
dern weinbautreibenden Gegenden des Reichs
einen Industriezweig entstehen lassen, der, wenn
er in den nächsten zehn Jahren in dem Maße
unimmt wie bisher, die Existenz der weinbau—
treibenden Bevölkerung aufs höchste gefährden
nuß. In besonders nassen und kühlen Jahren
st der geerntete Wein nur durch Zusatz von
Zucker zu einer verkäuflichen Ware herzustellen
und ist dieses Verzuckern schon vor vielen Jahren
ein Mittel zur Verbesserung des Weines ge
vesen. So lange diese Weinverbesserung sich
in bestimmten Grenzen bewegte, d. h. dem Weine
eine andern Ingredienzien als guter Candis—
zucker beigegeben und dieser mit dem Moste der
iatürlichen Gärung überlassen wurde, so lange
diese Weinverbesserung sich nur auf die Herbst⸗
nonate, die Zeit der Gärung des Mostes be
chränkte, so lange hatten die Winzer keine Ur⸗
ache, besorgt zu sein: es fand keine Massen—
abrikation statt, der Wein wurde durch Zucker⸗
zusatz wirklich verbessert, dadurch wertvoller und
im Handel absatzfähiger. Bald rissen vielt
Weinhändler diese Weinverbesserung an sich und
machten sie zu ihrem Monopol. Nicht lange
aber blieb es bei dieser, der Gesundheit nich!
iachteiligen Weinverbesserung. Die Versuchung
irat an die Weinhändler heran, Wein herzustellen
dessen Bestandteile nur zum allerkleinsten Teile
aus wirklichem Wein, zum größten Teile aber
aus Wasser und sonstigen Zuthaten bestehen
Seit mehreren Jahren haben Weinhandlunger
aus der Fabrikation von solchen Kunstweinen
ein Geschäft gemacht: auf kaltem und anderem
Wege werden große Massen solcher Fabrikate
hergestellt und in den Handel gebracht, bei denen
es mitunter sogar höchst fraglich, ob überhaupf
noch wirklicher Wein bei der Fabrikation zur
VPerwendung gekommen ist. Die Folge davon
st, daß die Winzer für ihre Weine aus schlechten
Jahrgangen, ob verzuckert oder nicht, keine Käufer
inden. Die Weinkünstler kaufen die mit Zucker
derbesserten Weine nicht, weil sie ihnen zu teuer
ind, die Naturweine aber deshalb nicht, weil
ie, da nur ein winziges Quantum zu ihrer
Weinfabrikation nötig ist, ihren Bedarf an
olchen Weinen mit wenigen Fudern gedeckt
jaben. Daher kommt es, daß die Weine aus
dem Herbste 1881 noch zum größten Teile die
RThr Me⸗ Nehanftinn verantwörtsic IFruck und Nerson non Rohe 65f

Nr. 32

1882r aber fast noch alle unverkauft in den Kellern
der Winzer lagern. Bei dem erleichterten Ver—
kehr, welchen die neu eröffneten Eisenbahnlinien
gzeschaffen und welcher es gestattet, die Weine
nach den entferntesten Provinzen zu versenden,
in denen der Wein früher nur dem Namen nach
gekannt war, ließe sich für diese Erscheinung
keine Erklärung finden, wenn sie sich eben nicht
in der Massenfabrikation von Kunstweinen von
selbst darböte. Dieser unnatürliche Zustand führt
zum Ruin der Winzer nicht nur, sondern auch
des reellen Kaufmanns, dem es widerstrebt,
Kunstweine herzustellen, und der mit seinen Na—
turweinen die Konkurrenz der Fabrikanten nicht
zu bestehen vermag. Bereits haben reelle Wein⸗
handlungen ihre Geschäfte auf ein Minimum
beschränken, andere sie ganz einstellen müssen.
Die unterzeichneten Winzer sind der Ansicht,
daß die Staatsregierungen ein größeres Interesse
in der Erhaltung des Weinbaues, bei welchem
Hunderttausende fleißige Bürger ihren einzigen
Erwerb finden, als daran haben, daß eine ver⸗
hältnismäßig geringe Anzahl von Kaufleuten
in wenig Jahren zu großem Reichtum gelangen.
Bestützt auf diese Ansicht, erlauben sich die
interzeichneten Winzer, den hohen Reichstag
ehrfurchtsvoll und gehorsamst zu bitten, den Er—
laß eines Gesetzes hochgeneigtest herbeiführen zu
wollen, welches „die Herstellung von Weinen,
bei welcher andere Bestandteile als Naturwein
und Candiszucker zur Verwendung kommen, gänzlich
 verbietet und welcher anordnet, daß über⸗
haupt Weinverbesserungen mittels Zuckerzusatzes
nur vom Tage der Weinlese ab bis zum Jahres—
chlusse im Wege der gewöhnlichen Gährung des
Mostes voraenommen werden dürfen“
Zweite Stückgutklasse.
Die Frage der Wiedereinführung der
zweiten Stückgutklasse wird auch auf
dem hessischen Handelskammertage zur Verhand⸗
lung kommen, nachdem sich die hessischen Handels⸗
kammern, darunter diejenige, in Mainz, dringend
dafür ausgesprochen haben.
Weiter ist in dieser Frage zu erwähnen, daß
in Duisburg am 9. Oktober auf Einladung der
Bladbacher Handelskammer verschiedene In—
dustrielle der Baumwolle⸗ und Leinen⸗Industrie
versammelt waren, um über Vorschläge zur
Tarifreform zu beraten. Es waren ver—
treten die Gladbacher, Elberfelder, Osnabrücker
und Duisburger Handelskammern. Die Aachener
and Bielefelder Handelskammern hatten sich ent—
schuldigt. Es wurde nach längerer Beratung
beschlossen, u. a. dahin zu wirken, daß bei der
bevorstehenden Eisenbahnkonferenz befürwortet
werde, daß eine zweite Stückgutklasse zu errich—
ten, gleichzeitig aber in den Spezialtarif gering—
vertige Gewebe mit aufzunehmen seien

Der deuntsche Handwerkerverein zu
Konstantinopel in Not.
Dem deutschen Handwerkerverein in Konstan⸗
tinopel ist das Unglück widerfahren, daß er durch
Untreue des Kassierers sein kleines Kapital ver—
loren hat. Er gedenkt nun, den Schaden wenig⸗
tens teilweise dadurch einzubringen, daß er gegen
Weihnachten eine Verlosung von Gegen⸗
tänden veranstaltet, welche groößtenteils von
einen Mitgliedern gearbeitet sind, und er hofft
dabei auf die Mitbeteiligung deutscher Abnehmer,
insbesondere darauf, daß auch die heimisschen
hdandwerkervereine ihren in Not geratenen
Benossen zu Konstantinopel durch Ankauf von
dosen zu Hülfe kommen. Der Hauptzweck des
Lereins ist Unterstützung kranker Mitglieder
und notdürftiger Witwen und Waisen, welche
von verstorbenen Mitgliedern hinterlassen sind;
er kann also der allgemeinen Teilnahme bestens
empfohlen werden. — Sendungen, Anfragen ꝛc.
bittet man an Herrn Kommerzienrat Franz
Wagner in Leipzig, Königstraße 3, zu rich—
ten, von dem auch Verlosungskataloge unentgelt⸗
lich bezogen werden können. — Vielleicht empfiehlt
ich eine Beteiligung an dem Unterstützungswerke
in der Art, daß die Vereine eine gewisse Anzahl
Lose fest übernehmen, um diese darauf mieder
an ibhre Miftolieder abzuseken
            
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