Full text : 1.1883 (0001)

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

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Pr. 32

In dieser Beziehung ist das Erforderliche noch nicht! Wir halten es für nicht unangebracht, diese
bei allen Knappschaftävereinen erreicht worden, inden Resolution ihrem Wortlaute nach hier zu wieder
hie und da noch das System der prokollarischen Stimm⸗ holen. Die Resolution lautet:
gebung besteht — stau der Wahl vermitnelst der Ar .Bei einer Reform der in Preußen geltenden
habe von Slimmzetein —, Lder dem Knappschafisvot · gessimmungen üͤber die Knappschatsvereine ift
ge ee ee n ei die thunlichse dücsicht auf deren historische
a q aute mehreren zu prasen ierenden Per- Entwickelung zu een d
sonlichteiten ein maßgebender Einfluß auf die Bestellung Die auf eine obligatorische Trennung der
der Aeltesten gewährt ist. Kranken⸗- von den Invalidenkassen innerhalb der
Die in dieser Hinficht noch beste henden Einschränkunger Knappschaftsvereine, sowie auf eine zwangsweise
des freien Wahlrechtes der Vereinsgenofsen sind zu be. Beseiligung kleinerer, aber sonst lebensfähiger
seiligen, da sie an und fur sich entbehrlich find, anderer Anappfchaflskafsen gerichteten Bestrebungen sind
jeits aber nach den vorliegenden Erfahrungen zum Miß. As derderbuch zu bekampfen.
rauen aa ei ddene eetuce Selbit ln ein⸗ Aenderung des Gesetzes vom 24. Juni
ändigkeit der Aeltesten Anlaß geben können.
s Es zu erstreben sein, auch den minderberech— 1866 ist erst dann heranzutreten, wenn die
tägten Vereinsmitgliedern den Erwerb des Rechtes zur ozialpolitische Gesetzgetung im Reich so weit
Teilnahme an den Wahlen zugänglich zu machen. Die zum Abschluß gelangt sein wird, um deren Ein⸗
empfohlene Bildung von b sonderen Krankenkassen bezw virkung auf die Knappschaftsvereine klar über
ven Kursprengeln mit gesonderter Rechnungsfützrung ehen zu können.“
würde es erleichtern, in dieser Hinsicht den mehrfach
laut gewordenen Wünschen zu e denn enide —
bei einer solchen Organisation möglich werden, Knapp- 3 ⸗Verß ife
schaftsaͤlteste — bezw. neben diesen besondere Vertrete— Die Sisentehn Deroncllari
der Vereinsmitglieder — zu bestellen, deren Aufgabt
darauf beschränkt bliebe, bei der Verwaltung des Kranken- In Nr. 28 d. Bl. hatten wir eine Uebersicht
Unterstützungswesens mitzuwirken. — Selbstverständlic der verschiedenen Eisenbahn-Personentarife in
würde es unbenommen bleiben, die Befugnis zur Teil⸗ Europa gegeben, die ursprünglich in der „ZBtg
nahme an den Wahlen von dem Nachweise des Vor. des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen?
handenseins gewisser persönlicher Eigenschaften abhangit erschie nen war Wir waren baid darauf auf—
zu machen, insbesondere von der Erreichung eines be— t daß diese Ueberuih
limmten Lebensalters, von einer gewifsen Dauer der mer sam gemacht worden, daß diese Uebers
Vereinsangehörigkeit, dem Besitze der bürgerlichen Ehren Desern nt
rechte u. dergl. egennur 3 Personenklasse
Es ist im allgemeinen darauf Bedacht zu nehmen berichtigt jenes Organ diesen Puntt selbst, in—
eine Verstärkung der Reservefonds herbeizuführen, derer dem es die folgende Zuschrift veröffentlicht, die
Höhe gegenwärtig in den Statuten der Knappjchafts ihm aus Norwegen zugegangen ist:
vereine vielfach ungenügend auf einen maßig gegriffenen Obgleich angeblich auf Grund amtlicher
—33 — pro Kopf der meistberechtiaten Mitaliede Miiteilungen Amitielt find die Angaben der
normiert ist. 4— —
Bezuͤglich der vorhandenen bezw. neu zu bildenden Uorwegischen Fahrpreise unrichtig. Die Taxen
Krankenkassen sind die Bestimmungen im 8 82 der der norwegischen Bahnen sind nämlich in
Reichs⸗Kranken⸗Versicherungs⸗Gesetzes zu beachien. Pfennigen pro Kilometer:
E. Unter Berücksichtigung der vorstehend hervor J. Klasse II. Klasse III. Klasse
gehobenen Gesichtspunkte haben die Königlichen Ober 7,2 -78 b,0- 6,1 3,1-3,6
—ã de — des Knappschaftslassenwesens in also nicht so ganz ausnahmsweise niedrig ge—
ihren Bezirken einzuleiten. — 1153
ae aesee sehsen, zunächst mit den Knapp tellt. wie in Ihrer Quelle angegeben wurde.
schaftsvorständen zusammen zu treten, um die Grund—
züge der Reform zu beraten und insbesondere darüber
eine Verständigung herbeizuführen, welche Aenderungen
in der bestehenden Vereins-Organisation au er—
XL
Die Königl. Oberbergämter haben sodann ihrerseitt
einen umfassenden Reform-Plan aufzuftellen und den
Knappschaftsvereinen wegen der Ausführung desselben
unter Beifügung von Entwurfen zu den Statuten sun
„besondere Krankenkassen“ und für „Pensions-Verbände“
die ins Leben zu rufen sein möchten. formulierte Vor—
schläge zu machen.
Die Knappschaftsvereine werden zur Prüfung dieser
Vorschläge und zur Vorbereitung der Beschlüfsse ihrer
General⸗Versammlungen Ausschüsse einzusetzen, und wer
den die Königlichen Oberbergämter sich durch ihrerseits
zu bestellende Kommifsarien an deren Beratungen zu
beteiligen haben, um ein einheitliches Zusammenwirken
der Organe der Knappschaftsvereine ihres Bezirks unt
das Zustandekommen sachgemäßer Beschlüsse zu fördern.
Im Hinblicke auf das lebhafte Interesse, welches der
gedeihlichen Entwickelung der Einrichtungen des Knapp—
schaftswesens in den Kreisen der Beteiligten zugewendet
wird, darf gehofft werden, daß es an dem erforderlicher
gegenseitigen Entgegenkommen im allgemeinen, wie ins—
besondere bei den Vertretungen der Einzelbereine zu
ꝛinander nicht fehlen wird.
Sollte sich ergeben, daß vermittelft der Autonomie
welche die Knappschaftsvereine besißen, nicht zum Ziel
zu gelangen ist, so wurde in Erwägung zu ziehen sein
ob die erforderlichen Reformen im Wege der Gesetz
gebung zur Durchführung zu bringen sein werden.
Eventuell würde ich dieserhalb den Anträgen der
Königl. Oberbergämter entgegensehen.
Zunächst erwarte ich innerhalb 8 Monaten eingehen⸗
den Bericht darüber, was in Ausführung dieses Erlasses
geschehen ist und in welcher Lage sich die bezüglichen
Verhandlungen befinden.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten
Maybach.
Dieser Erlaß ist umso bemerkenswerter, als
er die seit kurzem gehegten Mutmaßungen über
eine bevorstehende Aenderung der Bestimmungen
über die Knappschaftsvereine bestätigt. Unseren
Lesern ist es bekannt, daß der Verein zur
Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen In—
teressen der Saar⸗Industrie“ dieser Frage gegen
über bereits feste Stellung genommen hat, in
dem er in seiner ordentlichen General-Versamm⸗
lung vom 11. Oktober nahezu einstimmig eine
bezuügliche Resosution andgenommen kag

Die Lage der Eisen-Industrie.
Das englische Finanzblatt „The Economist“
zringt eine Besprechung der Lage des Eisen—
zeschäfts im allgemeinen und in England speziell
Daß die Lage der Eisenindustrie nicht be'riedigt,
ist bereits seit geraumer Zeit bekannt. Der
„Economist“ scheint jedoch zu bestätigen, daß
die Verhältnisse in England, soweit die Eisen—
zroduktion in betracht kommt, einer Krisis ent—
zegendrängen; denn England hat, wie auch der
„Economist“ nachweist, in rücksichtsloser
Weise produziert. Der Artikel des „Econo
nist“ lautet nach einer Uebersetzung der „Rh.
Westf. Ztg.“ im allgemeinen wie folgt:
Gegenwärtig scheint in der ganzen Welt in
illen großen Centren der Eisenindustrie ein
— gedrückter Zustand zu herrschen. In
Deutschland werden besonders Klagen über
die Lage der Drahtind ustrie laut. Infolge
des außerordentlich großen Bedarfs der Ver—
einigten Staaten während der letzten Jahre sind
in Deutschland die Drahtwalzwerke bedeutend
vergrößert worden, und es ist Deutschlands
Drahtproduktion gegenwärtig die größte in der
ganzen Welt. Die letzte Krisis in den Ver—
einigten Staaten hat Deutschland in hohem
Maße empfunden, und es bedarf so dringend
der Aufträge, daß die Preise bedenklich gesunken
sind, so daß sie nicht nur den deutschen Fabri—
santen keinen Gewinn mehr gewähren, sondern
uuch auf die Lage aller anderen Draht-Produ—
zenten, besonders der enalischen. ungünstia ein—
wirken.
Die Krisis im amerikanischen Eisen—
Geschäft ist bereits seit einiger Zeit offen—
undig, und zeigt sich in dem in weitem Um—
'ange stattfindenden Ausblasen von Hohöfen, in
dem bedeutenden Fallen der Preise und in der
Zunahme der Vorräte. Nach den neuesten Nach—
richten hat sich die Anzahl der im Betrieb be⸗
sindlichen Hohöfen seit dem 1. Juli von 430 auf
343 vermindert, und der Preis für Roheisen
Nr. 1 ist von 25 Dollars auf 21 TDollars ge—
'allen. Dieser Rückgang ist deutlich aus der
Finschränkung der Eisenbäbnbauten nachzuweisen

Die Unternehmer sind nicht im stande, ihre
Linien zu bauen, weil es schwer fäll.e, Eisen—
bahnbonds unterzubringen.
Während der letzten zwei oder drei Jahre
war die Lage des englischen Eisen-Ge—
schäfts weit davon entfernt, befriedigend zu
jein; die Vreise bleiben sehr niedrig und ohne
Nutzen, und es kann auch der Blick in die
Zukunft kein befriedigender genannt wer—
den. Die Ursachen dieser Geschäftslage find
vohl in der sinershen Erregung der Jahre
1879 und 1880 zu finden, und in der außer—
Jewöhnlichen Ausdehnung der Industrie, welche
darauf folgte. Die nachstehenden Zahlen machen
dies anschaulich; zur Vergleichung haben wir
die Periode 186851873 gewählt, in welcher
eine früher unerhörte Produktionssteigerung
tattfand:
Roheisen-Produktion in den folgen—
den Ländern:
1868. 1873.
T. T.
Vereinigtes Königreihh 4970206 6566 451
Vereinigte Staaten 1603000 2868278
Deutĩichland 1053260 2174 737
7626 466 11609 466
T. T.
1877. 1882.
6608664 84893 287
2314585 5178121
1421667 3170957
10354916 16842 365
Zunahme 58 pCt.
Die außerordentliche Thätigkeit, welche in
Amerika während der Jahre 1880 und 1881
herrschte, machte es möglich, daß die vermehrte
Produktion jener Jahre absorbiert wurde; die
Produktion war aber schon damals für alle
Bedürfnisse des Verkehrs überreichlich genügend.
Nachdem jedoch jetzt die konsumierende Thätig—
keit eine bedeutende Erschütterung erlitten hat,
stellt es sich heraus, daß die Produktion
biel zu groß ist, und die Preise sind infolge
dessen so weit gesunken, daß viele Produzenten
sie als nicht im geringsten lohnend betrachten.
Niedrige Preise müssen im Laufe der Zeit zum
Ztillstand vieler Werke führen; dieser Prozeß
»ollzieht sich aber sehr laungsam, weil die Fa—
»rikanten nur ungern diesen äußersten Schritt
hun. In den Vereinigten Staaten hat es,
vie wir bereits gezeigt haben, an eingreifenden
Maßregeln in dieser Richtung nicht gefehlt; in
England hat sich jedoch diese Bewegung nur
angsam vollzogen, wie die folgenden Zahlen
aus dem Londoner „Iron Trade Exchange“ be—
veisen:
Im Betrié«k befindliche Hohöfen im
Ver⸗ nigten Königreich.
1. Januar 561 1. Juni 548
1. Februar 546 1. Juli 540
1. März 556 . August 545
1. April 553 l. Septemb. 537
1. Mai 549 1. Oktober 535
Nachdem wir uns soweit über die allge—
neine Lage des Eisengeschäfts ausgesprochen
jaben, wollen wir jetzt mehr im einzelnen den
Stand der Dinge in unserm Lande untersuchen.
Verhältnismäßige Stetigkeit und Ruhe charak⸗
erisieren bis jetzt das Geschäft während des
aufenden Jahres. Die Preise hatten eine wei⸗
hende Tendenz, in Wirklichkeit sind aber die
Preise nur wenig gewichen. Schottisches Roh—⸗
eisen (Warrants) schwankte zwischen 49 Sh. und
16 Sh.; Nr 3 Middlesbro zwischen 43 Sh.
und 39 Sh ; Hämatiteisen (gemischte Nummern)
zwischen 5382 Sh. 5 P. und 48 Sh. und Stahl⸗
schienen zwischen 5L. und 5L. 150 Sh. Die
Fxporte für die ersten 9 Monate des Jahres
zeigen im Vergleich mit 1882 eine Abnahme
hon 2478569 T.; da a'er die Verschiffungen
nach den Vereinigten Staaten nur 540039 T.,
zegen 960905 T. in der gleichen Periode des
Jahres 1882 betrugen, ergibt sich ein Mehr—
betrag von 163007 T. an Verschiffungen nach
anderen Ländern, was als ein befriedigendes
Resultat zu betrachten ist. Der einheimische
Tonsum ist nicht ganz so groß, wie der des
Roriahres menn wir als Anhaltspunkt die An—
            
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