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für Industrie, Handel und Verkehr.
GratisBeilage für die Abonnenten der „Saarbrücker Zeitnung“.
Erscheint Sonntags. Vierteljährlicher Extraszb AIpretc 75 Pfg. bei der Expedition, 1,50 Mark bei Franco-Zusendung per Post. Mit der „Saarbrücker
Zeitung“ zusammen 3 Mark hier und 3,40 Mark bei allen Pofianstalten. Inserate werden die viergespaltene Petitzeile mit 20 Pfennig berechnet.
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BVitte an unsere Teser!
Die Aufgaben, welche das „Saarbrücker
Gewerbeblatt“ sich gestellt hat, sind un—
sern Lesern nunmehr bekannt. Wir werden
dieselben jedoch nur dann im vollen Maße
erfüllen können, wenn das gesamte Lese—
publikum an dem Blatte mitarbeitet
Wir richten deshalb hiermit an den gesamten
Gewerbestand die Bitte, durch Beiträget
uns unterstützen zu wollen. Dazu genüglt
schon hie und da eine gelegentliche Notiz, eir
Aufmerksammachen auf besondere Verhältnisse
ein Wink nach der einen oder andern Rich
tung hin. Auch längere Artikel sind uns
sobald sie in den Rahmen des Blattes passen
willkommen. Namentlich dem Kleinge—
werbetum, dem es ja noch an Mitteln
fehlt, um sich bemerkbar zu machen, legen
wir es hiermit an's Herz, sich bei allen
passenden Gelegenheiten an uns zu wenden
Wo unsere Artikel den Nagel nicht auf den
Kopf zu treffen scheinen, da möge man an uns
schreiben und die Gegenansichten unver
holen kund thun. Wir werden mit der Ver
öffentlichung derselben nicht zurückhalten
Wir werden eine jede, aus dem Kreise un.
serer Leser heraus gebotene Anregung und
Mitarbeiterschaft freudig begrüßen. Das
„Saarbrücker Gewerbeblatt“ soll sich bald
als entschiedener Feind aller Einseitigkeit und
Voreingenommenheit erweisen!
Die Tarife für Kohlen und Cokes
auf der Gotthaͤrdroute.
(Schluß aus Nr. 1.)
Wenn man nun die Kritik an die italienischen
Tarife legen will, so darf man sich wohl dahin
aussprechen, daß die Kohlenfrachten hier noch
auf einer unbegründeten Höhe stehen. Es er—
giebt sich dies aus einem Vergleich mit den
italienischen Frachten nach dem allgemeinen und
dem Ausnahmetarif für Metalle ꝛc. Nach dem
allgemeinen Tarif fahren z B. alle Erze, ale
Blei⸗, Mangan-, Eisen⸗, Kupfer-, Nickel⸗ Zink
erze ꝛc. ebenso wie Ziegelsteine, Dachsteine
Sand, Torf und auch Holzkohle, welche saͤmtlich
nach Kategorie 30 des allgemeinen Tarifs be—
fördert werden, schon innerhalb der ersten Zonen
erheblich billiger als Steinkohlen und Cokes und
außerdem wird auch für gewisse und zwar ziem
lich umfangreiche Verkehrsgebiete teils halb
fertiges, teils sogar fertiges Eisenfabrikat billiger
befördert als Kohle!
Kategorie 9 des Ausnahmetarifs für Metalle ꝛc.
enthaltend: Bomben außer Gebrauch, Brucheisen,
rohes Eisen, Puddeleisen und Eisenluppen, alte
Eisenbahnschienen, Eisen⸗ und Stahlbruch und
Abfälle, Geschützkugeln außer Gebrauch, rohes
Gußeisen und Gußeisenabsälle, Hammerschlag,
Kanonen außer Gebrauch — tarifiert nämlict
(bei der gleichen Expeditionsgebühr von 1,83 Fres
pro Tonne) in der ersten Zone (1 bis 100 Kilom.
mit 5,00 Ets. per Tonnenkilometer, waährenb
hier Kohlen und Cokes mit 6,00 tarifieren. Ein
Doppelwaggon Luppeneisen z. B. kostet auf der
*
24
Strecke Chiasso-Mailand (52 Kilom.) 41,9 Fres.,
ein Doppelwaggon Kohlen oder Cokes dagegen
17,2 Fres., also 5,3 Fres. mehr.
Die Differenz wird gegen die Peripherie der
Zone natürlich noch größer, indem z. B. eir
Doppelwaggon Luppeneisen nach Bergamo (9
sKilom.) 56,6 Fres. ein ebensolcher mit Kohle
aber 66,9 Fres. kostet, womit sich eine Differen,
von 10,3 Fres. herausstellt. Auch noch für
Kategorie 7 gilt bei der Verwendung vor
Doppelwagen Aehnliches hinsichtlich der an der
Peripherie liegenden Stationen, indem von 8⸗
Kilom. ab die Gegenstände dieser Kategorie (in
folge der Ausgleichszone) um 0,52 Fres. pro—
Tonne billiger befördert werden als Kohle und
Tokes.
Kategorie 7 des Ausnahmetarifs für Metalle ꝛc
enthält unter Anderen: eiserne Anker, Ankertaue
Brücken- und Konstruktionsteile aus gewalzter
Platten und Stäben, eiserne Kondensations
röhren, Eisen in Röhren, Säulen, Blechen
Bandeisen und Flacheisen, Ambose, Ketten ꝛc
desselblech; eiserne Träger aus einem Stück ꝛc.
und somit kostet z. B. ein Doppelwaggon diese
Materialen von Chiasso nach Pavia (88 Kilom.
31,7 Fres., während für einen Doppelwaggon
Kohle 66,9 Fres erhoben werden. In den
'olgenden Zonen ist das Verhältnis ein ähn—
iches, nur daß natürlich mit der wechselnder
Entfernung die absoluten Differenzen noch größer
werden. In der Zone von 101 bis 200 Kilom.
3. B. wird (bei der gleichen Expeditionsgebühr
von 1,50 Fres.) erhoben:
Für Kategorie 9 des Ausnahmetarifs für
Metalle ꝛc. 4,0 Ets,, für Kategorie 8: 4,0 Ets.,
für Kategorie 7: 4,5 Ets., für Kohle (Allg. Tarij
29) 3.0 Ets.
In der Zone von 201 bis 300 Kilom. wird
allerdings nominell für die Kategorien 8 und
9 derselbe Satz wie für Kohle (4,00 Ets. pre
dilom.) erhoben, infolge der Ausgleichungen
edoch, welche für die an der Peripherie dieser
Zone liegenden Stationen und für diese Kate—
Jorien eintreten, ist thatsächlich für zahlreiche
Stationen der Frachtsatz für Kohlen höher als
derjenige für Kategorie ßZ und 9 des Ausnahme—
arifs für Metalle. Für Puddeleisen z. B
kommt auf die Strecke Chiasso-Padua (280
Kilom.) eine Fracht von 10,768 Fres. und für
façonniertes Eisen 12,28 Fres., für Kohlen da—
gegen ein solcher von 12,96 Fres. pro Tonne
zur Erhebung, also ergeben sich zu Ungunsten
der Kohlen die Differenzen 2,21 resp. 0, 68 Fres
Aehnlich wie in der Zone von 101 bis 200 liegt
das Verhältnis in der Zone von 301 bis 500
Kilom. Es beträgt der Streckensatz:
Für Kategorie 9 des Ausnahmetarifs für
Metalle ꝛc. 3,00 Ets., für Kategorie 8: 3,50 Cts.,
für Kategorie 7 desgl. und Kohle 4,00 Ets.
Gegen die Peripherie dieser Zone hin ver—
liert dies Differenzverhältnis an Schärfe, indem
hier die Ausgleichzone für den Kohlentarif ein
tritt und von 423 Kilom. ab tarifiert auf diese
Weise Kategorie 8 höher als Kohle. Erst von
501 Kilom. ab tarifiert Kategorie 9 des Aus—
iahmetarifs für Metalle und Kohlen ꝛc. zu dem—
elben Satze von 3,00 Ets. pro Tonne; aller⸗
»ings ist kaum darauf zu rechnen, daß jemals
eutsche Kohle 300 Kilom. tief in Italien ein
ringen wird
1883.
Man erkennt somit wohl mit voller Deutlich—
keit, welch' umfangreiche und wichtige Gebiete
der Einfuhr, wenn nicht der deutschen Kohle, so
doch zum mindesten des Cokes gewonnen werden
könnten, wenn die Fracht dafür nur auf den
Satz der Eisenfabrikate herabgesetzt würde.
Wenn die italienischen Eisenbahnen diese Eisen—⸗
fabrikate zu einem so erheblich niedrigeren sope
befördern können, ohne Verluste zu erleiden, so
könnten sie auch die Kohle zum wenigsten zu
demselben Satze befördern. Es ist aber mit
voller Sicherheit noch weiter dahin zu schließen,
daß die Bahnen darin noch erheblich unter diesen
Satz für Eisenfabrikate heruntergehen können,
denn innerhalb Deutschland stellen sich beide
Tarife zu einander wie 2,76: 2,30; ebenso könnte
der italienische Kohlentarif ohne Schaden in
diesem Verhältnis herabgesetzt werden, so daß
er kilometrische Streckensätze von etwa 4,0, 3,0
und 2,5 Ets. ergeben wuͤrde, welches immer
noch wesentlich höhere Sätze sind, als die für
den Kohlentarif im deutschen Verkehr.
Auf deutsch-schweizerischer Seite ist nun aller—
dings die Kohlenfracht durchweg niedriger als
die Eisenfracht, jo daß nicht notwendig auch
bei allen italienischen Stationen, die ab Chiasso
höhere Kohlen- als Eisenfrachten haben, im Ver⸗
tehr mit deutschen Stationen dasselbe der Fall
ist; aber für die weiter abgelegenen Stationen
ist die zu gunsten der Eisenfabrikate eintretende
Frachtdifferenz bereits so groß, daß die auf
deutsch⸗schweizerischer Seite in umgekehrter Weise
zu gunsten der Kohle entfallende Frachtdifferenz
wieder aufgehoben, sogar überschritten wird, und
es somit eine ganze Reihe von italienischen
Stationen giebt, nach welchen halbfertiges und
fertiges Eisenfabrikat aus Deutschland billiger
hingelangt, als Kohle und Cokes. Die Fracht
ür einen Doppelwaggon Kohle ab Mülheim a.d. R.
„.B. kostet über Chiasso nach Ravenna (352
silom.) 254 4 159 413 Fres., während für
dieselbe Relation ein Doppelwaggon Luppeneisen
»der alter Eisenbahnschienen ꝛc. 283 4 128,3 *
111,3 Fres. kostet. Noch eher wird diese Grenze
natürlich vom Saarbrücker Kohlenreviere aus
erreicht; denn für dieses beträgt die Differenz
wischen einerseits Kohle, andererseits: a) Kate—
Jorie 8, b) Kategorie 9 des Ausnahmetarifs für
Metalle ec. nur 1,35 resp. 1,60 Fres. pro Tonne,
Differenzen, die sich nach den Obigen in um—
zekehrtem Sinne auf italienischer Seite bereits
in Entfernungen von ca. 250 Kilom. ab ein—
zustellen beginnen. Vom Saarbrücker Revier
aus gelangt deshalb Kohle und Cokes z. B. nach
Bologna, Ferrara, Venedig, Treviso, Ravenna, Ri,
nini, Florenzec. erheblich billiger als Eisenfabrikat,
Niemand wird aus diesen Gegenüberstellungen
der Kohlen- und Eisenfrachten folgern wollen,
daß die Eisenfrachten verhältnismäßig zu niedrig
iind, sondern man wird umgekehrt schließen
müssen, daß die Kohlenfrachten auf Grund der
destehenden Eisenfrachten noch zu hohe sind. Der
zegenwärtige Verkehr zwischen Deutschland und
Italien entspricht durchaus noch nicht den durch die
Botthardbahn thatsächlich geschaffenen günstigen
Vorbedingungen, noch weniger den ursprünglich
zehegten Erwartungen. Der Grund dafür liegt,
wie sich dies hinsichtlich Kohlen und Cokes aus
Vorstehendem wohl als unzweifelhaft ergeben
hat, in den zu Recht bestehenden Tarifen