Nr 30
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
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ehreren sind ausführliche Einleitungen voran-⸗Diese Enlscheidung wird in den Kreisen der
geschickt, während mehrere besondere Register deutschen Papierfabrikanten die lebhafteste Be—
uͤber die Firmen, Industrieplätze und Haupt- kriedigung hervorrufen, und die Beseitigung
artikel der verschiedenen Fabrikationen den prak- dieses Patents und damit zugleich des finanzieller
tischen Gebrauch des Buches als eines Aus- Drucks, der auf den Fabrikanten lastete, und
kunftswerkes wesentlich erleichtern. die Wiederherstellung der Freiheit der intellek
Der erste Band des Werkes, welcher die Berg- tuellen Bewegung, welche die Beseitigung des
werks⸗ und Metall-Industrie sowie den gesamten Patentes im Gefolge hat, werden dahin führen,
Maschinenbau einschließlich der Herstellung von daß diese Erfindung vervollkommnet und zry
Transportmitteln, Instrumenten und Apparaten einem Gemeingute der ganzen deutschen Vapier
umfaßt, ist soeben in die Oeffentlichkeit einge. abrikation werden wird.
führt worden. — Diese Beseitigung wird auch für die deutscher
Er präsentiert sich in dem umfangreichen For Waldbesiher großem Vorteil sein, da vor
—— „Haussichtlich durch die Ausdehnung der Fabrika
Da die betreffenden Adressen In serat e sind sion uͤnd des Exports die Nachfrage nach den
so ist naturgemäß, daß nur ein Teil aller deut Jeeigneten Hölzern wachsen und dadurch auch
schen Export-Firmen im Adreßbuch figuriert den Forstbesitzern eine vermehrte Einnahme zu
Daß einige epene — vihe expor⸗ ließen wird.
tieren bang iehtent n Nangetz dttzne ESndlich aber ist es ein glückicher Umstand
iee begenndas Interesse eben dieser fehlen- daß domit das Pubuͤkum du die Auswuüͤchs.
— anseres heutigen Patentwesens deutlich aufmerk
am gemacht wird.
EFisenbahn ermöglicht wurde und zwar durch einen
Sonderzug, welcher nur fahren durfte, wenn kein
anderer Zug entgegen kam.
Auf sechs Eisenbahnwagen wurden die Guß—
ttücke verladen und sicher befestigt. Von der
gl. Eisen bahndirektion waren die betreffenden
Sektions⸗-⸗Ingenieure beauftragt, den Zug zu be—
gleiten, ebenso hatten zur Sicherung der Fahrt
der erste Maschinenmeister, sowie eine weitere
Anzahl von Hülfspersonal am Transport Teil
zu nehmen. So verließ der Sonderzug in der
Racht vom 27. zum 28. Juni den Bahnhof
München. Auf dem Umwege über Fürstenfeld—
bruck-Kaufecing, über das Lechfeld und Augs—
burg kam der Zug glücklich an die Donaubrücke
bei Donauwörth. Diese ist 4,30 M. breit, das
zrößte Stück aber maß in seinem engsten Durch—
messer 4.,4“9 M. Durch Drehen, Wenden und
Heben gelang es nach einer Stunde Arbeit über
die Bruͤcke zu kommen. Mehr Schwierigkeiten
bot die nur 3,99 M. breite Brücke in Marke—
berg bei Anspach. Hier mußte das schwere Stück,
welches links und rechts weit über den Wagen
hinausragte, auf dem schmalen Wagen mit Win—⸗
den fast 2 M. in die Höhe gehoben und konnte
dann erst auf seiner schwankenden Uuterlage mit
rößter Vorsicht über die Brücke geschoben werden.
Die Durchfahrt durch den folgenden Tunnel end—⸗
ich war nur dadurch möglich, daß das große
Stück verschoben, d. h. auf zwei nebeneinander
gestellte Wagen verladen und so durch den Tunnel!
gebracht wurde.
Hindernisse anderer Art jedoch traten der Wei—
erbeförderung entgegen, indem die preußischen
Fisenbahnbehörden erklärten, daß sie Güter,
velche das Normalmaß so weit überschreiten,
nicht befördern dürften. Die Direktion der hessi—
chen Ludwigsbahn in Mainz erklärte sich endlich
hereit, die zwei Wagen mit den schwersten Stücken
iach Worms und von da auf ihren Trajekt⸗
chiffen nach Rüdesheim zu bringen.
Im Beisein des Grafen von Eulenburg, des
derr Sartorius und mehrerer Mitglieder des
Ausschusses, sowie einer großen Anzahl von Zu—
chauern wurde das erste große Stück am 16.
Juli aufgezogen. Obwohl die Schwere der Sta—
zue allein genügend Halt gegeben hätte, wurde
dieselbe zur festeren Verbindung mit dem Posta—
mente doch noch bis auf die Hoͤhe von 2,50 M.
rusgemauert. Drei Wochen später konnte unter
estlicher Stimmung aller Anwesenden und freu—
diger Teilnahme der Besucher von nah und fern
der Kopf auf die Figur gehoben werden.
Mit drei Monteuren aus der Kgl. Eisen⸗
gießerei wurde die Aufstellung vollendet. Die
einzelnen Teile wurden von innen vernietet und
verschraubt. Nachdem der Kopf glücklich befe—
stigt war, mußte der junge von Miller mit den
drei Monteuren durch den hoch erhobenen Arm
herausgezogen werden. Vom ersten Beginn der
Bußarbeiten bis zu diesem letzten, bei der im
Innern des Metallkolosses herrschenden erschlaf⸗
enden Hitze und bei der schwindelnden Höhe
ehr gefährlichen Wagnisses war kein Mann bei
den Arbeiten verletzt worden oder verunglückt.
Als letztes Stück wurde die Krone mit der Hand
befestigt und mit einem aus tiefer Seele kommen—
den „Herr Gott, Dir danken wir“ konnte am
28. Juli Mittags der junge Miller seinem alten
Vater und seinen Brüdern die Nachricht senden;
„Alles vollendet.“
Die wesentlichsten Abmessungen des Bildwerkes
ind folgende: Die Höhe der Figur von der
Plinthe bis zum Scheitel ist 10,60 M., von der
Plinthe bis zur Kronenspitze 12,26 M., der Durch⸗
messer auf der Höhe des Thronsessels ist 6 zu 5 Mi,
die Höhe der Krone 1M. ihr Durchmesser
80 M., die Gesichtslänge beträgt 1 M., der
Umfang des Kopfes 3,70 M., der Hüftenumfang
7 M., die Plinthe hat eine Standfläche von
3,80 M. im Quadrat mit gebrochenen Ecken,
das Schwert mit Griff ist 750 M. lang, das
Gewicht der fertigen Statue beträgt 700 Ctr.
Zur Vergleichung sei angeführt, daß die , Bavaria“
in München von der Sohle bis zum Scheitel
der Figur 16,95 M., bis zur Spitze des erho⸗
zenen Hranzes 19777 Mwißt
Unerhörte Zustände im Patentwesen
—
ten Patentstreitsache herausgestellt, die
für die ganze deutsche Papierindustrie
voraussichtlich von den allerwichtigsten
Folgen begleitet sein wird.
Seitdem der Papierkonsum so ungeahnte Aus—
dehnung genommen hat, und infolge dessen der
Vorrat von Hadern, die früher den Rohstoff für
die Fabrikation bildeten, bei weitem nicht mehr
ausreichte, hat es die Wissenschaft als ein Pro—
blem angesehen, Ersatz und Surrogate zu finden.
Einem deutschen Erfinder (Keller im Königreich
Sachsen) gebührt das Verdienst, zuerst auf die
Verwendbarkeit des Holzes zu diesem Zwecke
hingewiesen zu haben.
Nachdem durch die Praxis mehrere Methoden
für die Gewinnung des Holzstoffes auf mechani—
schem und auf chemischem Wege bereits einge—
führt waren, nahm der Amerikaner Tilgh—
manschon vor etwa 20 Jahren in Eng—
land Patente für ein von ihm neu erfundenes
Verfahren zur Gewinnung von Faserstoff mittels
Behandlung des Holzes unter Mitbenutzung von
schweflig-sauren Salzen. Diese Patente kamen
derartig in Vergessenheit, daß, als vor einigen
Jahren Herr Professor Mitcherlich in
Minden um ein Patent für die gleiche Methode
der Herstellung von Cellulose nachsuchte, dem—
selben das Patent ohne Weiteres erteilt wurde
Herr Professor Mitcherlich hat sich von jedem
Fabrikanten, der sein Verfahren ausnutzen wollte
auf eine Reihe von Jahren, und zwar über die
eigentliche Gültigkeit seines Patentes hinaus
pro 100 Kilo der fabrizierten Cellulose2 Mk
Abgabe ausbedungen und sich dadurch eine Rente
zugefichert, die schon jetzt eirca Million
Mark jähr lich betraͤgt. Es sind in Deutsch—
land 82 Licenzen vergeben und für jede Licen;
hat der Fabrikant eine Minimalsumme voß
circa 15000 Mk. jährlich garantiert. Diese
Belastung zu Gunsien eines Einzelnen drückte
natürlich die ganze deutsche Papierindustrie und
erschwerte den Erport, auf den bei der Ent—
wickelung unseres gewerblichen Lebens jeder
Industriezweig mehr oder weniger angewiesen
ist, und machte im Grunde jeden einzelnen Pa—
pier⸗-Konsumenten, Zeitungsleser ec. zum Tribut⸗
pflichtigen des Erfinders“, der die Sache gar
nicht einmal ersunden hat!
Nachdem inzwischen auch in anderen Ländern,
beson ders in Schweden das gleiche Verfahren
auf. Grund des Tilghmanschen Palents sich ver
breitet hatte, wurde manauch in Deutschlant
auf dasselbe aufmerkfam. und Herrn Fabrik
besitzer Behrend aus Varzin gebuührt das Ver
dienst, daß er zuerst auf die Gleich ar tig
keit beider Erfindungen, der Tilghmanschen und
der Mitcherlichschen hingewiesen und das Nich⸗
tigkeits verfahren gegen das Patent des Letzteren
eingeleitet hat. Das Patentamt hat sich in
einer letzten Sitzung den Ausführungen' des
Hlägers vollständig angeschlossen, und schon n ach
kurzer Beraiung die Nichtigkeit des Mit—
cher lich schen Celluipteprents 4u
gdesprackz*
Die Guß- und Transportarbeiten des
Niederwald⸗Denkmals.
Am 9. September 1879 brachte Professor
Schilling auf 6 Eisenbahnwagen sein in 63 Stücke
abgeteiltes Modell selbst nach München. v. Miller
der Besitzer der Kgl. Erzgießerei) wollte der
zrößeren Festigkeit wegen die Figur nur in fünf
jorizontale Hauptstücke zerlegen. Die Schwie—
rigkeiten wurden dadurch allerdings bedeutend
erhöht, denn das unterste Stück wurde so groß,
»aß für dasselbe allein 325 Etr. Metall in
xIluß gebracht werden mußten; auch war das
Stück nur in die größte Gießgrube der Anstalt
u bringen, die über 100 Fuß vom großen
Schmelzofen entfernt ist, so daß das flüssige
Metall, um auf dem weiten Wege nicht zu er—
kalten, beim Schmelzen einen höheren Hitzegrad
ails sonst wohl nötig, erhalten mußte.
Seine Majestät der Kaiser bewilligte 550 Ctr
danonenmetall, welches von der Kandnengießerei
in Spandau abgegeben wurde. Zu bemerken ist
dabei, daß hierfür keine eroberten französischen,
ondern nur preußische Kanonen genommen wur—
den. Am 1. Februar 1881 fand der oben er—
vähnte erste große Guß statt; schon nach 20
Stunden Feuerung war die ganze Masse Erz
in den entsprechenden Hitzgrad gebracht und die
brausende Metallflut stürzte in den ihr ange—
viesenen Formen in die Tiefen. Nach einiger
Sekunden banger Erwartung zischte das flüssige
Metall aus den Luftröhren, als sicheres Zeichen,
daß der Guß gelungen sei. Jubelnd wurde
dieses Gelingen von der angesammelten Menge
don Zuschauern und Arbeitern begrüßt. Frohen
Mutes wurden nunmehr die weiteren Bronze—
güsse unternommen — und kein einziger miß
ang.
Die Erfahrung, die nötig ist, so große Massen
Erz in den richtigen Fluß zu bringen, die Mon—
tirung der einzelnen Gußstuücke und die Gefahren,
die es mit sich bringt, die mehrere hundert Eent⸗
ner schweren Stücke immer wieder von neuem
nufeinanderzuheben, genau zusammenzupassen und
endlich fest zu vereinigen; das alles bot eine
ange Reihe gefahr- und mühevoller Arbeiten
von deren Umfange die Menge des zur Ver
vendung gelangten Materials ein anschauliches
Bild gibt. Bei den Formarbeiten zur Ger—
mania allei wurden verwendet: 1460 Körb
Holzkohlen, 540 Etr. Schmiedekohlen, 200 CEtr
—
Ziegelsteine, mehr als 220 CEtr. Eisen, an Eisen—
draht 13 Etr. In Fluß wurden gebracht im
Banzen über 1500 Etr. Erz, und zum Schmelzer
dieser Masse 125 Ebm. Fichtenholz verwendet.
Am 9. Juni 1883 stand die Statue vollende
in der Giesgrube, wo sie von der Sohle der
elben bis zur Decke des Gießhauses reichte
Dort blieb sie drei Tage stehen, um dann wieder
auseinander genommen und an ihren Bestim—
mungsort gesendet zu werden.
Diese Aufgabe bot neue, große Schwierigkeiten
Die Zuvorkommenheit der Generaldirektion der
zayrischen Verkehrsanstalten zeigte aber einen
Ausweg,. durch welchen die Beförderung auf der