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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 29
glichen, resumierte er folgendermatßen: Bei den
Entgasungsräumen mit Gewinnung von Theer
und Ammoniak nach Knab-Carvès, Dr. Otto—
Coppée und F. Lürmann ist zum Gelingen des
Prozesses die Hauptbedingung: vollkommene
Verbrennung der Gase und richtige Verteilung
derselben im Momente ihrer Verbrennung an
geeignete und verschiedene Stellen, um die Ent—
gasungsräume überall in die nötige Temperatur
einführen zu können und sogenannte tote Stellen
zu vermeiden. Man wird diese Bedingung am
vollkommensten zu erfüllen im stande sein durch
eine derartige Anordnung der Verbrennungs
räume, daß zu jeder Zeit eine bequeme Kön—
trolle gestattet und die Möglichkeit gewährt ist,
die Gase ganz nach Willen und dem jeweiligen
Temperaturbedürfnis zu leiten — weniger voll—
kommen, wenn die Anordnung der Verbrennungs—
räume den Gasen, nachdem sie entzündet sind
Freiheit läßt, unter vielen Zuwegen beliebigt
wählen zu können oder aber wenn im Verlauf
ihrer Zugrichtung erst die nötige Verbrennungs
luft finden zu müssen.
enthält zum Belege des hier Gesagten in an—
ziehendster Form sehr wertvolles Material.
Inzwischen wäre es eine nicht zu verantwor—
tende Unterlassung, wenn wir nicht auch an
dieser Stelle konstatierten, daß sich erfreulicher
Weise in neuester Zeit auch aus kompetenten
Fisenbahn-Kreisen diejenigen Stimmen mehren,
velche die weitere Verwendung von Holzschwellen
owohl aus technischen, wie aus —konomischer
Bründen verwerfen.
Hier ist ein Gebiet, wo die zu erstrebende
Reform den angenehmen Charakter hat, erheb—
liche Vervollkommnungen eines wichtigen Faktors
inseres Verkehrs- und Wirtschaftslebens in
Aussicht zu stellen und dabei, statt dem National—
vermögen Opfer aufzulegen, gleichzeitig das
Arbeitsbedürfnis einer in ihrer Leistungsfähig—
keit großartig gesteigerten Industrie zu alimen—
tieren — Effekte, welche in den gesamten Kreisen
unseres Volkes wohl beherziat zu werden ver
dienen.
Welche Maschine eignet sich am besten
für den Kleinbetriebꝰ
„Welchen Kleinmotor kann man mit Vorteil
jeute anschaffen, wenn man nur etwa 3 Pferde—
tärken braucht und keine polizeiliche Konzession
rachsuchen mag?“ Diese Frage wurde in einer
der letzten Sitzungen der „Polyt. Gesellschaft“
n Berlin aufgeworfen und es knüpfte sich an die
elbe nachstehende Erörterung:
Herr Maerz: Wo man Leuchtgas haben
kann, ist es heute ganz selbstverständlich, daß
man zur Aufstellung eines Ottoschen Motors
zelangt, denn solcher bedarf keiner Konzession
und bietet eine ganze Menge von Annehmlich
keiten. Wo kein Gas vorhanden ist, wie etwa
bei einer auf dem Lande betriebenen Industrie
sind ohne Zweifel die Hoffmeistermotoren sehr
zu empfehlen.
Herr Globeck: Auch in den Städten ist der
Hoffmeistermotor der Gasmaschine vorzuziehen.
Die Betriebskosten der kleinen Dampfmaschine
ind erheblich geringer als bei den Ottoschen
Motoren, und letztere brauchen auch noch sehr
viel Schmiermaterial. Ein dreipferdiger Ottoscher
Motor braucht etwa an Gas 5 Mark pro Tag,
ein gleich starker Hoffmeistermotor braucht da—
jegen für 2 Mark Kohlen. Die von Herrn
Altmann gebauten Maschinen bedürfen auch keiner
Konzession; man hat nur nötig, die Maschine
beim Polizeilieutnant seines Reviers anzumelden
Herr Maerz: Mir scheint die nicht nötige
donzession bei den Maschinen mit kleinen Dampf—
kesseln nicht gehörig aufgeklärt zu sein. Der Um—
stand, daß bei diesen Motoren die Anzahl der
Quadratmeter Heizfläche und die Höhe der Dampf—
pannung unter gewissen Grenzen bleiben, ge—
stattet allerdings, daß die Maschinen unter be—
wohnten Räumen Aufstellung finden dürfen.
Die Dampfkessel bedürfen aber immer einer ge—
wissen Konzession und thatsächlich werden die
dessel der Altmannschen Maschinen direkt in der
Fabrik von dem zuständigen Beamten der Be—
hörde geprüft und der Druckprobe unterworfen.
In manchen Kreisen ist man wohl noch darum
gegen die Gasmaschinen eingenommen, weil die
Zahlungsbedingungen bei der Anschaffung man—
hen kleinen Fabrikanten ziemlich streng erscheinen.
Herr Dr. Frank: Der Betriebskostenpunkt
dei den Gasmaschinen hat nicht seinen Grund
in Mängeln der Maschine, sondern in dem hohen
Preis unseres Leuchtgases, das von den Gas—
anstalten viel billiger geliefert werden könnte
Die Leiter der städtischen Gasanstalten stehen
mmer viel mehr auf dem Standpunkte eines
Beamten als auf dem eines Geschäftsmannes
s'onst würden sie ganz von selbst dazu kommen,
Bas zum Motorenbetrieb und zur Heizung von
Wohnungen billiger abzugeben. Dies könnte
im so eher geschehen, als das Gas zur Beleuch—
ung nur in den Abendstunden in großen Mengen
verlangt wird, die Gasanstalten also nur für
diese Zeit arbeiten müssen, während sie während
des Tages bezüglich der Gasabgabe fast still
iegen. Gerade aber während der Tagesstunden
verden Gas-⸗Maschinen und Heizungen stark be
nützt und könnten oute Ahnehmer der Gasan—⸗
stalten sein, wenn für sie das Gas billiger ge—
iefert würde. In einzelnen Städten kommen
die Gasanstalten auch schon langsam dazu, für
Industriezwecke das Gas billiger abzulassen.
Herr Maerz: Als Illustration zu dem von
derrn Dr. Frank soeben Angeführten möchte ich
hier eine Thatsache anführen, die höchst inte—
ressant ist, wenngleich ich damit von den Klein—
notoren abkomme, vielmehr von sehr großen
Motoren zu berichten habe.
Auch die Gasmaschine hat jetzt gewissermaßen
wie die Dampfmaschine die Tendenz zum Groß⸗
motor zu werden. Wenn eine kleine Dampf—⸗
maschine, wie wir beim Hoffmeistermotor sehen,
oro Stunde und Pferdestaͤrke nicht unter 3 Kg.
Kohlen braucht, so brauchen die großen Dampf—⸗
maschinen von etwa hundert odet mehr Pferde⸗
tärken, wenn sie mit allen Feinheiten der Kon—
ttruktionen ausgestattet sind, welche der heutige
Maschinenbau kennt, nur etiwa 115 Kg. Kohlen.
Die Deutzer Gasmotorenfabrik hat nun vor
nehr als einem Jahre die Zuckerraffinerie der
derren Pfeifer u. Langen in Elsdorf bei Köln
mit Gasmaschinen von 100 Pferdestärken aus—
zestattet und ein Jahr hindurch betrieben Es
arbeiteten eine Gasmaschine von 60 Pferde⸗
und 2 von je 20 Pferdestaͤrken zusammen Für
diese wurden eigene Retortengaserzeuger gebaut
und man findet nun in dem Sitzungsbericht des
Vereins für Gewerbefleiß vom' 4. Märzed. J.
von Herrn Dr. Slaby einen eingehenden Bericht
ilber die Betriebskosten dieser Anlage. Es stellte
sich dabei das erstaunliche Faktum heraus, daß
bei Berücksichtigung und mit in Rechnungziehung
aller Umstände pro Pferdestärke und Stuüude ein
Kohlenaufwand von 6,327 Kg. nötig war. 100 Kg.
Kdohlen sind dabei zu 1 Mark gerechnet; die
Kosten betrugen pro Pferdestärke und Stunde
O,327 Pfennig.
So bedeutend hat sich also die große Gas—
maschine selbst der großen Dampfmaschine gegen⸗
iber überlegen gezeigt, wenn das Gas zum Selbsi⸗
sostenpreis zu beschaffen ist, und dabei auch die
Unterhaltungskosten für ein großes städtisches
Rohrsystem nicht vorhanden sind
— —
Verwendung von Eisen.
Es ist im Laufe der letzten Jahre von den
verschiedensten Seiten auf die großen national—
ökonomischen Momente hingewiesen, welche sich
aus einer erweiterten Verwendung des Eisens
für Bauzwecke ergeben. Es kommt hierbei in
erster Linie die Erhaltung unserer Wälder in
Betracht, denen im Haushalte der Natur so—
wohl, als rückwirkend in wirtschaftlicher Be—
ziehung bekanntlich außerordentlich wichtige Funk
tionen anvertraut worden ist, welche sie bedauer
licherweise seit Jahrzehnten schon nicht mehr in
ausreichendem Maße haben erfüllen können. So
dann ist hier aber auch diejenige Gewerbthätig
keit starl beteiligt, welche wir im deuischen
Vaterlande als die wichtigste zu betrachten
haben, nämlich die Eisen- und Stahl-Industrie
mit ihren gesamten Dependenzen, dem Erz⸗ und
Kohlenbergbau ꝛc. Auf der anderen Seite wird
man bei der Frage, wie eine wirksame Erhöhung
des Eisen- und Stahlkonsums am Handgreif
lichsten herbeizuführen sein werde, nicht umhin
können, die Eisenbahnen als den bedeutendsien
Konsumenten dieses Meaterials anzusehen. Ziffer
mäßig wird diese Bedeutung klar, wenn man
berechnet, daß das europäische Eisenbahnnetz
rot. 174 000 Kilometer Geleise umfaßt, welche
z. 3. zum größten Teile noch mit hölzernen
Schwellen ausgerüstet sind. Würden diese 174 000
Kilometer anstatt mit Holzschwellen mit aus
schließlich eisernen Schwellen versehen, so würde
pro Kilometer Geleis ein Mehrgewicht an Eisen
von ca. 50 000 Kilngramm Verwendung finden,
was die enorme Summe von 8700 Ptillionen
Kilogramm Eisen ergeben würde.
Wir entnehmen dieses Exempel einer kleinen
Brochüre, welche von dem Hüttendirektor Haar—
mann in Osnabrück als Gelegenheitsschrift
anläßlich der Hygieine-Ausstellung herausgegeben
worden ist und in welcher in ebenso eindring
licher als klarverständlicher Weise die Vorteile
dargelegt sind, welche der allgemeinen Volks
wirtschaft und zugleich der Sicherheit des Eisen—
bahnbetriebes durch die ausschließliche Einführung
eiserner Oberbausysteme erwachsen wuͤrden. Machen
sfich auf der einen Seite der Verein Deutscher
Eisenhüttenleute und der Verein Deutscher Eisen—
und Stahl-Industrieller dadurch um unsere
Volkswirtschaft verdient, daß sie durch Heraus—
gabe eines brauchbaren Handbuches mit reicher
Auswahl von Mustern und ausführlichen Be—
rechnungen die vermehrte Verwendung des Eisens
zu Bauzwecken im allgemeinen zu fördern suchen,
so ist dem Direktor Haarmann, bezw. dem Osna—
brücker Stahlwerke andererseits das offenbare
Verdienst nicht abzustreiten, daß sie nicht nur
durch theoretische Aussührungen auf die Mög—
lichkeit und Zweckmäßigkeit der Verwendung
eisernen Oberbaues hingewiesen, sondern daß sie
auch durch Konstruktion geeigneter und be—
währter Oberbausysteme die thatsächliche Ver—
wendung eiserner Schwellen in respektablem
Maße veranlaßzt und dauernd gefördert haben
Die kleine uns vorliegende Schrist: „Der Eisen
hahne-MOhberhau auf der Hygieine-NRusstessung“
Die diesiährige Ernte in Europa
vurde gelegentlich des seit einigen Jahren all—
ährlich Ende August in Wien im Lokale der
Frucht⸗ und Mehlbörse stattfindenden Saaten—
narktes nach den eingegangenen Berichten in
nachstehender Weise abgeschätzt, wobei der, eine
mmer größer werdende Rolle spielende Mais
eider nicht berücksichtigt ist. Die Schätzung ist
in Prozenten einer Mittelernte abgefabte Dem—
nach erntete man in:
an Weizen Roggen Gerste Hafe—
90 84 94 92
80 75 85 95
499 85 94 98
75 50 85 100
92 92 885 100
27 78 95 95
23 100 85 80
9 756 65 100
100 100 — 70
1005 70 — —
88 89 96 104
100 86 92 79
6565 70 — —
87 87 — —
80 — — —
85 85 100 100
100 90 95 90
Preußen.
Sachsen ..
Altbayern.
Pfalz ..
Baden ..
Würtemberg
Mecklenburg
Schweiz. ...
Dänemark...
Schweden u. Norwegen
Desterreich. .
Angarn.
Oberitalien. ...
Mittelitalien . ..
Anteritalien...
Frankreich .. ..
Holland. . ...
England, Schottland
und Irland. .. — 101 102
Rußland, nördliches. 84 85 105
„ mittleres 68 68 89
Jiüdliches 3 100 585 102
Rumänien... 90 113 85 80
Moldau.... 80 70 75 90
Serbien.... 110 100 85 95
Egypten hat in Weizen 120, in Gerste 100
pCt. einer Mittelernte. Amerika hat 430 Mil—⸗
ionen Bushel Weizen gegen 504 in 1882, Mais
1800 Millionen gegen 1617 im Vorjahre ge—⸗
rntet. Indien soll 20 —25 Millionen Centner
Hrotgetreide abzugeben haben