Full text : 1.1883 (0001)

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FSagrbrücker Gewerbeblatt
für Industrie, Handel und Verkehr.

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Nachdruck untore rααι
N 29.
Mitteilungen über die Thätigkeit
der Eisenbahnräte.

—1x

—

Aber.

1883.

scheine den folgenden Antrag: „Der Eisenbahn—
Bezirksrat erklärt die Einführung von Lade—
scheinen sowohl im internen Verkehr des Reiches
als im internationalen Verkehr für ein Bedürf—
nis des Handels und der Industrie. Derselbe
ezrsucht die Königliche Eisenbahndirektion und
durch deren Vermittelung den Herrn Minister
zu veranlassen, daß die deutschen Eisenbahnen
uuf Verlangen des Warenabsenders die Aus—
tellung von Ladescheinen eintreten lassen und
daß deutscherseits bei den weiteren Verhand—
ungen zur Herstellung von internationalen Ver—
zinbarungen auf Aufnahme einer gleichen Be—
timmung hingewirkt werde.“ Dieser Antrag
vurde nach einem sehr eingehenden von Herrn
Beneralsekretär Dittmar-Mainz namens der Han—
delskammer Mainz und des Mittelrheinischen
Fabrikantenvereins erstatteten Referate mit allen
zegen eine Stimme angenommen.
11. Tarif-Angelegenheiten. Inbezug
auf die von dem Verein der Spiritusfabrikanten
in Deutschland auf die Tagesordnung gebrachte
Frage der Detarifierung von Spiritus
nahm die Versammlung nicht den von diesem
Vereine gestellten Antrag, sondern jenen der
nit der Vorberatung dieser Frage betrauten
dommission an; „Der Bezirks-Eisenbahnrat er—
kennt die Vorteile, welche die in Aussicht genom—
menen Ausnahmetarife dem Spiritus-Export—
zeschäft bringen werden, dankbar an, bittet aber
zleichzeitig, Rohspiritus allgemein in Spezial—
tarif 1 zu versetzen.“ — Der Antrag der Han—
delskammer Frankfurt a / M. auf Aufnahme
roher Häute und Felle in die Klassel
des Spezialtarifs wurde angenommen. —
Der Antrag auf Herabsetzung der Frachtgebühren
ür Brennholz u s. w. fand insofern die Billi—
ung der Versammlung, als sich dieselbe für die
SFinführung eines Ausnahmetaärifs für Holz—
endungen, dessen Sätze 25 pCt. unter dem
Spezialtarife III betragen sollen, aussprach. Die
iächste Sitzung wird voraussichtlich am 19 De—
ember d. J, stattfinden

Ueber Koksöfen.
Auf der letzten General-Versammlung des
Vereins Deutscher Eisenhüttenleute in Vüssel—
doff hielt u. a. Herr Direktor A. Hüssener
einen Vortrag „über Koksöfen mit be—
sonderer Berücksichtigung der Ge—
vinnung von Nebenprodukten“. Der
Redner gab, nach dem Berichte des „Glückauf“,
zunächst eine ausführliche Geschichte der ver—
chiedenen Koksöfensysteme. Wir unterscheiden
Jeute, vom alten Backofen (Bienenkorbofen) ab—
zjesehen, Koksöfen mit vertikal und mit hori⸗
zontal angeordnetem Verkokungsraume. Die
Zauptsysteme sind der Appoltofen, Haldyofen,
Zmetofen, François Rexroth-Ofen u. der Coppée—
ofen. An letzterem hat die Firma Dr. Otto
1. Cie. in Dahlhausen wesentliche Neuerungen
angebracht und dem verbesserten System eine
Verbreitung verschefft, wie solche irgend einem
anderen Ofensystem bislang wohl nicht zu teil
geworden ist. Die Coppée⸗-Otto⸗Oefen haben
einen so heißen Gang, daß westfälische Kohlen,
welche wegen ihrer geringen Backfähigkeit in
anderen Ofensystemen nicht mit Vorteil verkokt
wurden, in den genannten Oefen sehr dichten
doks bei hohem Ausbringen ergaben. Die
Leistung des Ofens aus guter westfaͤlischer Kohle
beträgt 2—52,50 T. pro 24 Stunden. Wesentich
 verschieden von den bisherigen Ofensystemen
owohl in der Konstruktion wie in der Betriebs—
veise ist der Lürmann-⸗Koksofen. Er repräsen—
ciert einen wesentlichen Fortschritt in der Fort⸗
ildung der Koksofentkonsiruktionen und ist zur
Zeit fuͤr gewisse Kohlenquantitäten das geeig⸗
netste Hilfsmitiel zu ihrer besseren Verwertung.
Redner ging sodann auf die Frage der Ge—
vinnung von Nebenprodukten aus Koksöfen
Theer und Ammoniak) über und wies nach,
daß die Priorität dieses Industriezweiges Frantreich
 gebühre. Den Anfang machte 1856 AMr.
Carvès, Gérsnt de la Sociéèté de la carboniation
 de la Loire à 8t. Etienne. 1870 wurde
von dem Verein für Beförderung des Gewerb—
fleißes in Preußen ein Preis ausgeschrieben
ür eine in der Praxis bereits bewährte Koks—
ofenkonstruktion, welcher neben guten Hohofen⸗
koks auch die flüchtigen Destillationsproͤdukte
zuf ökonomischem Wege mit Vorteil verdichte.
Dennoch dauerte es laͤngere Zeit, ehe man zu
einer Verwertung der gewonnenen Erfahrungen
in der Praxis uͤberging. Das Verdienst, die
erste faktische Initiative zur Begründung einer
Hroßindustrie auf diesem Gebiete in Deutichland
ergriffen zu haben, gebührt der Aktiengesellschaft
für Kohlendestillation in Essen, die zur Zeit
in ihrem Etablissement zu Bulmke bei Gelsen—
irchen 50 Knab⸗-Carves-Oefen in Betrieb hat.
Die Resultate, welche man im Betriebe erzielt,
ind in jeder Beziehung ausgezeichnet. Das
Ausbringen in Gewichtsprozenten der Kohlen
hetruqg bei:
AM. Gaskohlen:
Sluoenemb e voet e ge
Kleinkoks 3,801, 74 38 pCt. Schwefels. Am⸗
dbie 935 pnpe mud. gen ae
B. Kokskohlen:
Stückkotks 75,00pCt. Theer 2,7 pCt.
leinkoks O,‚son, 2.0t —8 Schwefels. Am⸗
Lösche 1;20 o vCt. moniak L,10 pCt.
Nachdem Redner noch die verschiedenen Systeme
GGerminnuue 8.

44.
Bezirks⸗Eisenbahnrat Frankfurt a M.
Ueber die am 3. Oktbr stattgefundene Sitzung
wird aus Frankfurt Nachstehendes berichtet:
J. Personen-Verkehrs-⸗Angelegen—
heiten. Aus der Mitteilung der Königlichen
Eisenbahndirektion über die am 1. Septem—
ber d. J. zur Einführung gelangten
Abonnementskarten ist zu entnehmen, daß
diese Karten auf die Dauer von einem bis zu
zwölf Monaten zur Fahrt in J., II. und ill
Wagenklasse ausgefertigt worden und die Be—
rechnung der Preise dergestalt erfolgt, daß für
die hetr. Entfernung bei einem Abonnement auf
1Monat 30, auf 2 Monate 50 und auf jeden fol⸗
zenden Monat 15 einfache Fahrten mehr in An
satz gebracht werden. Die so berechneten Preise
werden demnächst bei Abonnements auf Entfernun
gen von mehr als 10 Kilometer um so viele
Prozente — bis zu höchstens 50 pCt. — er—
mäßigt, als die Entfernung in Kilometern die
ienige von 10 Kilometer übersteigt. Für die
Strecken Höchst a / Main-Frankfurt 'a / Main und
Sachsenhausen-Offenbach bleiben die bisherigen
Bedingungen bestehen. Auf Antrag der Han—
delskammer Nordhausen wurde beschlossen, die
Königl. Eisenbahndirektion möge die Genehmi—
zung des Herrn Ministers dazu herbeiführen
daß allen Retourbillets nach Berlin,
welche auf den der Königl. Eisenbahn-Direktion
unterstehenden Stationen — bis inel. Sanger
hausen — zur Ausgabe gelangen, eine Gültig
keitsdauer von mindestens 6 Tagen beigeleg
werde. — Der Antrag der Haͤndelskammer
Frankfurt a / M. auf Einführung von Retour
villets auf der Route Frankfurt a/ M.Berlin für
die Zwischenstationen, auf welchen die Schnell
züge halten, z. B. Nordhausen, Erfurt, Magde—⸗
burg, Halle ec. und zwar mit einer fünftägiger
Gültigkeitsdauer, wird gleichfalls angenommen
iJ1. Güterverkehrs-Angelegenheiten
Dispositionsbefugnisse der Adrefsa—
ben vor Aushändigung des Fracht
briefes. Die zur Vorberatung der Frage
über die Dispositionsbefugnisse der Adressaten
vor Aushändigung des Frachtbriefes erwählt
Nommission haite in ihrer Sihung vom 22 Aug
2. J. die Frage, ob ein Beduͤrfms vorliege, die
Dispositionsbefugnisse der auswaänts wohnenden
Adressaten durch reglementarische Vorschrijten
ergänzen, bejaht, und es lagen dem Bezirks—
Eisenbahnrate eine Reihe von Vorschlägen der
Lommission vor, welche den Zwed versolgen
dem erwähnten Bedürfnisse auf dem Wege regle—
mentarischer Vorschristen zu entjprechen. Die
Versammlung begnügte sich jedoch damit, einem
Antrage des Herrn Haurand-Frankfuri a M.
zuzustimmen, in welchem die Bedurfnisfrage de
jaht, die Findung der Rechtsform, unter' wel
hher dem Bedürfnis Genüge geleifiet würde,
edoch vorbehaltlich der Abstimmung des qui
Einführung obligatorischer Ladescheine gerich
teten Antrags der Staatsregierung überlassen.
wird. Im Anschlusse an diese Frage stellten die
Handelskammern Mainz, Frankfurt a / M., Gießer
und Halle, sowie der Mittelrhein. Fabrikanten.
Verein und der Deutsche Brauerbund bezüglich
der Frage der Finführnne ite33

R Vereins-Nachrichten.
Am vergangenen Donnerstage, den 11. Ok—
tober, fanden im Saarbrücker Kasino die ange—
ündigten ordentliche General-Versamm—
ungen der „Südwestlichen Gruppe des
Bereins deutscher Eisen- und Stahl—
Industrieller“ sowie des „Vereins zür
Wahrung dergemeinsamen wirtschaäft—
lbichen Interessen der Saar-Industrie“
inter dem Präsidium des Vorsitzenden beider
Lereine, Herrn Geh. Kommerzienrat Stumm,
tatt. An letzterer Versammlung nahm auf die
Tinladung des Vorstandes auch der Direktor des
Eisenbahn-Betriebsamtes Saarbrücken, Herr Re—
zierungs- und Baurat Bormann, Teil, wäh—
rend der gleichfalls eingeladene Vorsitzende der
Bergwerks-Direktion, Herr Geh. Oberbergrat
Silert, am Erscheinen verhindert war. Die
Verhandlungen, weiche unter dem regsten Inter—
esse der Teilnehmer verliefen, währten von 10
Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags, worau'
sich die Mehrzahl der Teilnehmer zu einem ge
neinschaftlichen Mahle im Kasino selbst ver
einigten. — Nähere Mitteilungen über die ver
handelten Gegenstände in der nächsten Mummer
—————
            
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