Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr.)
Rotizen.
Falsches Maß. Was eine tüchtige Haus—
frau ist, besitzt als Hauptstück in ihrer Küche
eine Wage, auf welcher sie nicht allein die
Quantitäten, welche sie nach Scheibler's Koch
buch für die Puddings und Speisen braucht,
abwiegt, sondern auch ihre Markteinkäufe ge
wissenhaft auf jedes Gramm nachwiegt. Diese
Vorsicht ist in der That auch eine wohlbegrün—
dete. Denn es ist erstaunlich, wie viel un—
richtige Maße, Wagen und Gewichte gebraucht
werden. In Berlin war kürzlich der ganze Hof
des Polizeigebäudes damit erfüllt und repräsen—
tierte doch nur das Ergebnis der Beschlagnahmen
eines Vierteljahres. Die Konfiskations-Ge—
schichte stand an jedem Objekt zu lesen. Auf
dem Wege der Autktion wanderten sie in die
Hände der Tröaler. Doch etablierte sich an
Ort und Stelle sofort ein lebhafter Zwischen—
handel, da mehrere Interessenten sich passende
Stücke anssuchten und sie mit anständiger Avance
erstanden; denn es waren unter den konfiszierten
Gegenständen viele tadellose Sachen, die nur
wegen fehlender Eichung der Konfiskation ver—
fallen wareu. Die erste Serie, etwa ein Dutzent
Brückenwagen, wurden einzeln versteiger!
und brachten von 36 bis 2 Met. das Stück
Dann folgten 28 Centner Gewichte, für die
70 Mtk. gezahlt wurden. 80 Pfund zinnerne
Gemäße brachten ebenfalls 70 Mek., ein Berg
Blechmaße dagegen nur 1 Wik 50 Pig., reich—
lich drei Centner eiserne Hohlmaße 1Mk. 40
Pig., etliche hundert hölzerne Maße 2 Mk. 30
Pfg., ein Posten Ellen und Metermaße 50 Pfg.
und 4 Destillations-Kannen 4 Mk. 50 Pifg.
Eine Goldwage im Glassehäuse ging für 5
Mk. fort, 4 Holzwagen für 3 Mk. 50 Pfg., 13
Ziehwagen für 4 Mk. 50 Pig, 8 Wagen mit
Hornschalen für 5 Mk., 105 Pfund Messing
Gewichte für 48 Mk., 5 Fischwagen für 7 Mk
50 Pfg., 14 Bäckerwagen für 14 Mk., 13
messingene Wiegeschalen für 5 Mk. 50 Pfg., 6
kupferne Kaufmanns-Wagen für 25 Mk. 50 Pfg
Kurz, es war unter den konfiszierten Maßen
und Gewichten jedes Gewerbe vertreten
vöten ohne Lötkolben läßt sich fertig bringen.
venn man die zu verlötenden Teile mittelst der
Feile oder an der Drehbank so zurichtet, daß sie
senau passen, dieselben dann mit einer Lötflüssig
eit bestreicht, ein Stück glattes Blattzinn da
wischen legt, sie mit Bindedraht zusammenbinde
und das Ganze dann über einer Lampe oden
am Feuer erwärmt, bis das Blattzinn schmilzt
Auf diese Weise lassen sich Messingstücke so zu—
ammenlöten, daß die Verbindungsstellen kaum
jesfunden werden können. Mit gutem, weichem
Lote vermag man fast alle Lötarbeiten über der
Lampe zu verrichten, ohne daß der Lötkolber
dazu nötig wäre. Hierbei läßt sich auch der
derschiedene Grad der Schmelzbarkeit der Lott
nit Vorteil zu mehreren Lötungen oder Ver—
bindungen an einem und demselben Stücke ver—
venden. Wenn man das erste Mal mit feinen
Lote, das aus 2 Teilen Blei, 1 Teil Zinn und
2 Teilen Wismut besteht, lötet, so läusft mar
aicht Gefahr, daß es schmelze. wenn man selbs
nahe an der Lötstelle nochmals mit Wismutlot
usammengesetzt aus 4 Teilen Blei, 4 Teilen
Zenn und einem Teil Wismut lötet, denn die
Schmelzpunkte dieser beiden Lotarten liegen zu
veit auseinander, als daß die erste Lötung be
der zweiten schmelzen würde. — Manche Lote
dilden keine schmiedbaren Verbindungen. Um
Messing, Kupfer oder Eisen mit einander zu
ammenzulöten, muß man hartes Lot anwenden
B. ein Lot von gleichen Teilen Silber und
Messing. Für Eisen, Kupfer oder schwer schmelz—
bares Messing sind dünn ausgewalzte Silber
münzen zweckmäßig, die eine zähe Verbindung
ergeben und nicht allzu tbeuer sind, da sich Sil—
ber gut strecken läßt. Zu den härtesten Loten
ist Borax das beste Flußmittel, denn es lösr
Dxyde auf, die an der Oberfläche des Metalles
vorkommen, und schützt es vor weiterer Ein—
virkung der Luft, so daß das Lot vollkommer
in Berührung mit den zu verbindenden Ober
lächen kommt Für weichere Lotarten ist fol
zende Lötflüssigkeit gut: gleiche Teile Wasser
uind Salzsäure, mit Zink gesättigt. Bei der
Benutzung gewöhnlichen Blechschmiedlotes ist
darz das beste und billigste Flußmittel. e—
jat den Vorteil daß es an dem Artikel, an wel
hem es gebraucht wird, kein Rosten veranlaßt
Aufstellung des Schildes zwei Stützen an dem—
selben, welche sich in die Erde einspießen lassen.
Behufs leichteren Transports ist der Schild zum
Zusammenklappen eingerichtet. Derselbe wiegt
nicht mehr als 3,5 Kilog. Es ist keine Aussicht,
daß Feldsoldaten solche Schilde mitgegeben wer—
den; wohl aber ist es denkbar, daß im Vertei—
digungs- und Angriffskampf bei befestigten Po—
itionen solche Schilde in Anwendung kommen.
Auswanderung. Im letzten Jahre sind über
deutsche Häfen 193687 deutsche Auswanderer
defördert worden; 1881 betrug die Zahl der
Beförderten sogar 210547. Der überwiegendste
Teil derselben geht nach Nordamerika.
Die ältesten englischen Batente, welche in
den Listen des dortigen Patentamts geführt wer—
den, datieren aus dem Jahre 1617; doch dürften
sich in den Archiven noch Nachrichten über früher
verliehene „Monopole für Erfindungen“? geschicht
lich feststellen lassen.
Rücher und Zeitschriften.
Westdeutsches Gewerbeblatt. Organ des
Lentral⸗Gewerbe-Vereins für Rheinland, West—
ijalen und benachbarte Bezirke in Düsseldorf.
dommissionsverlag August Bagel. — Der
„Central-Gewerbe-Verein“ zu Düusseldorf hat so—
eben die erste Nummer des „Wesideutschen Ge—
werbeblattes“ ausgegeben und damit die Auf—
gabe, ein eigenes Vereinsorgan zu schaffen, er—
füllt. Das Blatt präsentiert sich in einfacher
aber würdiger Erscheinung und enthält in ge—
schmackvoller Ausstattung neben einem Aufruf
des Vorstandes, dem Programm der Re—
daktion und den von der Direktion mitgeteilten
Zielen des Central-Gewerbe Vereins drei illu—
strierte Aufsätze, die ebenso für den Hand—
werker wie den Laien belehrend und anregend
zu lesen sind. Drei Tafeln, eine autographͤrrte
Beilage und zwei in den Text gedruckte Illu—
strationen geben mustergültige Vorlagen. Auch
enthalten die Vereins-Nachrichten, die klei—
nen Mitteilungen und der Fragekasten
interessanten Stoff. Man kann das Wesideutsche
Gewerbeblatt mit gutem Gewissen als ein über—
aus reiches und vielseitiges Fachorgan empfehlen.
Der Abonnementspreis ist verhältnismäßig ge—
ring und beträgt nur 4 Mark für sämtliche 10
im Jahr 1883 erscheinenden Nummern. Diese
verhältnismäßig kleine Ausgabe wird sich dem—
jenigen Gewerbtreibenden, der innerhalb eines
Jahres auch nur einen guten Gedanken aus
dem Blatte schöpft, mehr als wieder einbringen.
Bute Gedanken liegen aber in Fülle in dem
Blatte; es kommt nur darauf an, sie sich nutzbar
zu machen.
„Der deutsche Ingenieur als Regierungs—
rat“, zu bezichen für 28 Pfg. durch W Haase's
Buchhandlung in Magdeburg.
Rauchfangfeuern vorzubeugen. In vielen
Fallen ist die Ursache von Bränden im An—
brennen des sich in den Schornsteinen ansam—
melnden Rußes zu suchen. Diese Ansammlung
von Ruß kann dadurch verhütet werden, daß
man dem Mörtel, mit welchem die inneren
Ziegelsteine der Schornsteine gemauert werden
etwas Salz hinzufügt. Dieses saugt die Feuch
tigkeit der Atmosphäre an sich, hierdurch löst
—
ab und fällt nieder und kann, wenn am Fußt
des Schornsteins ein Thürchen angebracht ist
leicht auch ohne Hülfe des Schornsteinfegers ent
fernt werden.
Stahlschilde für Soldaten. Der dänisch
Kapitän Holstein hat eine Art Schild konstruiert,
velcher leicht genug ist, um von jedem Soldaten
in's Feld geführt zu werden, und stark genug
im gegen die Wirkung feindlicher Infanteriege—
chosse zu schützen. Der aus Stahlblech gefertigte
Schild bildet ein in den Ecken abgerundetet
Viereck von ca. 40 Centim. Höhe und ca. 38
Centim. Breite. Auf der oberen Kaute befinde
sich ein Ausschnitt, in welchen das Gewehr von
dem auf dem Boden liegenden Schützen gelegt
werden kann, und außerdem befinden sich zur
Anzeigen.
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