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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 28
b) Lehrlings⸗Foachschulen, in welchen Lehrlinge nicht! zügen für die Organisation des gewerblichen Unterrichts⸗noch nicht als solche in ihrer alle menschlichen Erzeug⸗
nur theoretisch, sondern auch vraktisch unterrichtet wesens einverstanden und erkennt in denselben einen ge⸗ nifse veredelnden Formgestaltung so allgemein geworden
werden. igneten Plan fur die Befriedigung eines immer dring daß das Volk in ihren Werken sein böchstes Sireben
4. Die Meisterschulen haben den Zweck, solche junge icher hervortretenden Bedürfnisses. erkennt.
Leute, welche ihr Gewerbe bereits praltisch gelern! Sie beauftragt das Direltorium, diesen Plan durch ein« Der Redner entwickelt weiter, wie die Anhaltspunkte
und geübt haben, mit demjenigen Maß von Kenntnissen das Gebiet des niederen gewerblichen Unterrichts voll- zur Lösung jeder Aufgabe nach der Seite ihrer schönen
und Fertigkeiten anszustatten, welches für eine erfolg, tändig nach allen Richtungen umfafsende Denkschrift zu Erscheinung hin in der Natur selbst begrundet ist und
reiche Thatigkeit im Meisterberuf notwendig ist. vegründen und diese Denkschrift in allen denjenigen Kreisen die Forderung nicht unbegründet erscheint, daß über—
5. Die Grenzen zwischen den Aufgaben der Lehrlings u verbreiten, welche maßgebend für die Gestaltung des haupt jedes Erzeugnis menschlichen Schaffens den
schulen und Meisterschulen werden nicht immer strenge zier in Rede stehenden Unterrichtswesens sind. Stempel der Schoöͤnheit zur Schau zu tragen habe, so
zu ziehen sein, besonders nicht, wenn sie einem Speziac. Bei der Wahl des Präsidiums, die daß schließlich auch nicht das Unbedeutendfte geichaffen
gewerbe (Weberei, Keramik u. s. w.) dienen sollen. der Alkklamation erfolgte, wurde das bisherige werden soll, ohne in seiner Erscheinung den Adel kunft-6.
Die genannten gewerblichen Schularten bilden nicht Präsidium, bestehend aus den Herren General lerischer Vollendung zu bekunden. Für solche Anfor—
organijch zusammen hängende auf einander folgende Stufen. ireltor —— GBerlin)Commerzienrat derungen der Schönheit muß aber vor allem das
Welche von ihnen einzurichten ist, hängt von dem lokalen z1 MNrnb vͤ d— — Publikum mehr Auge gewinnen, muß auch die
und gewerblichen Bedürfnis, welche zu waählen ist, von Laßner Nürn erg), ürgermeister usse Industrie selbst mehr Sinn bezeugen; das kann aber
dem individuellen Bedürfnis ab. Berlin) und Regierungsrat Schuseck (Berlin dut geschehen, wenn die Kunst als solche in ihr heimisch
7. Gewerbliche Vorschulen eignen sich besonders für viedergewählt. wird. Ist es doch schließlich auch eine Lebensfrage für
solche gewerbetreibende Orie beziehungsweise Bezirke in Wenn man auch auf der einen Seite dire die Induftrie, daß sie ihre Produkte auch von dem Ge—
welchen nach Zahl und Wohlstand der Bevolkerung zu zroße Energie und Arbeitskraft, welche in un- ichtspunlt der Schönheit aus vervollkommnet und da—
erwarten steht, daß sich eine größere Anzahl von zum igennützigster Weise von den Delegierten des durch den hohen Rang, welchen fie zur Keit einnimmt.
Eintritt in die gewerbliche Arbeit bestimmten Knaben Fentralserbandes entwickelt werden, um jede iich auch behauptet.
finden wird, deren Eltern Wert darauf legen, ihren elne der sgwebenden Ta m e Die aus der griechischen und römischen Kunst her—
Söhnen eine über die Ziele der Volksschuse hinausgehende, * ge vorgegangen, auf deutschem Boden aber selbstständig uünd
die Bedürfnisse des praktischen Lebens berücksichtigend LWofung nahezuführen, urchaus anerkennen muß, national gewordene deutsche Kunst fand im Mittelalter
Bildung zu Teil werden zu lassen. so darf man sich doch auf der andexen Seite eichüche Pflege an den Höfen prunkliebender Fürsten.
8. Gewerblche Fortbildungeschulen find in allen gee nicht verhehlen, daß thatsächliche Erfolge Es ist dies heutzutage indiesem Maßstab nicht mehr
werbetreibenden Orten ins Leben zu rufen, beziehunas- davon bisher nicht zu verzeichnen waren. Wir möglich, es soll auch heutzutage die Kunst eine mehr
weise zu fördern. enthalten uns zu untersuchen, wo die Gründ der Allgemeinheit angehörende sein, und diesen Zwecken
9. Lehrlingsfachschulen sind in denjenigen gewerbe⸗ dafür liegen, denn diese unbestreitbare Thatsacht zu dienen, sind gerade die Gewerbemuseen berufen.
treibenden Bezirken einzurichten, wo die Ausbildung der n sich genügt, um den Resolulionen jeden Der praktische Zweck derselben ist, die gegenwärtige
Lehrlinge durch eine ausgedehnte Anwendung von Ma— ratfish W t zu benehme Nur in gewerbliche Welt zu kunstlerischen Bestrebungen anzu—
schinen und durch eine weitgehende Arbeitsteilung ganz p Hen Werte nis ie die gen und die jungere Generation zu solchen zu erziehen.
besonders erschwert wird; sowie in solchen Bezirken, wo ofern hätten fie vielleicht Wert. als sie die Diesen Bestrebungen verdankt auch das Pfaͤlzische Ge—
zur wirtschaftlichen Kräftigung der Bevölkerung neue enigen, welche berufen sind, an die Lösung der⸗ werbemuseum Entstehung und Entwicklung.
Gewerbe eingefuͤhrt oder bestebente vernoslkommnet werden Iartiger Fragen praktisch heranzutreten, also die Redner schildert hierauf in eingehender Weise die
jollen. — Staatsmänner und Volksvertreter, darüber auf⸗ praltischen Leistungen, welche das Pfälzesche Gewerbe—
10. Meisterschulen sind für diejenigen Gewerbe geeig⸗ zuklären vermögen, welche Wünsche in den beteilig-, museum schon aufzuweisen hat. Die UÜnstellung von
net, zu deren erfolgreichem Betriebe ein solches erwei- en Kreisen herrschen. Aber auch darin können sie Lehrkräften, die Erwerbung von Kunstwerken, sei es in
tertes technisches Verständnis erforderlich ist, welches rügen, da sich in derartigen Versammlungen Original, sei es in plastischer oder bildlicher Reproduktion,
über das Maß der im Lehrlings- und Gesellenverhältnis licht Aufschien Geltung verschaffen, welche die Beschaffung von Modellen, Zeichnungen u. s. w., die
zu erwerbenden Kenntnisse und Fertigkeiten hinausgeht. —9 8 p des e Ange ne foͤt e Begründung einer allgemeinen Fachbibliothek, haben be—
II. Bezüglich der Organisation der vorgeschlagener. d ense 4 wR delt g n R 3 erusstreiyes eits in ziemlich hohein Mane hotigefunden umd Früchte
stategorien von niederen gewerblichen Fachschulen sind Am den es andelt. entsyrechen. getragen.
folgende Grundsätze festzuhalten: Saͤmtliche Patentschriften des Deutschen Reichspatent-PBei
der Auswahl der Lehrgegenstände und bei der amtes vom Dezember 1881 bis zum heutigen Tag sind
Feststellung der Lehrziele für den theoretischen Unterricht horhanden und stehen den Interessenten zur Einsicht zur
sind unter sorgfältiger Berückichtigung der lokalen ge— Verfügung. Während sich in eigenen Ateliers eine
werblichen Verhaltnisse lediglich die Bedurfnisse des prak ünstlexische Thätigkeit entfaltet, Entwürfe und Um—
schen Lebens beziehungsweise derjenigen Gewerbe maß arbeitung von solchen für Gewerbe und Induftrie ge—
gebend, für welche die detreffende Schule errichtet ist. ertigt werden, findet in den Lehrlingswerkstätten ein
2. Neben den für die fachliche Ausbildung in den Ge— zründlicher Unterricht von Lehrlingen in Zeichnen, Mo—
werben wichtigen Unterrichtsgegenständen sind von all— ꝛellieren u. s. w. statt. Der letzte Kursus zählte 65
gemein bildenden Disziplinen nur Deutsch, Geschichte, Teilnehmer, welche durch denselben befähigt wurden,
Geographie in die Lehrpläne der niederen gewerblichen Arbeiten wie Treiben und Ciselieren der Meialle, Holz⸗
Fachschulen aufzunehmen. chnitzereien u. s. w. zur vollsten Zufriedenheit auszu⸗
3. In der gewerblichen Vorschule erstreckt sich demnach führen. Die alte Schmiedetechnik lebt wieder auf und
der Unterricht auf: Deuͤtsch, Schreiben, Zeichnen, Rechnen, Arbeiten, welche entweder von Auswãrts bezogen oder
isch ie Gergraphie. durch auswärtiges Personal angefertigt werden mußten,
4. In der gewerblichen Fortbildungsschule ist der werden nun wieder durch einbeimische Kräfte zur Aus—
Zeichenunterricht als die Hauptsache zu betrachten, die führung gebracht.
allgemein bildenden Unterrichtsgegenstaͤnde sind nach Be— In Keramik und Galvanoplastik ist mit bescheidenen
durfnis zu berücksichtigen. Mitteln ein vielversprechender Anfang gemacht. Ange⸗
58. In der Lehrlingsfachschule ist der Unterricht zur trebt wird noch eine permanente Ausstellung von ferti⸗
Erlangung der manuellen Fertigkeiten und theoretischen zen Erzeugnissen der Industrie und die Errichtung von
Kenntnisse fur das erroählte speelle Gewerbe die Haupt⸗ hemischen und mechanischen Laboratorien.
sache. Daneben soll die Beschäftigung mit den oben Redner schließt mit den Worten: „Ich bin überzeugt
bezeichneten allgemeiner Unterrichtsgegenständen möglichste daß Sie Mittel und Wege finden werden, meine Herren,
Berücksichtigung finden, namentlich auch Geschichte und eine Sache zu unterstützen, von der ich nach dem Ge—
Geographie in Hinsicht aui Gewerke. Technolpaie und childerten hoffe, daß sie für die Folge Ihr lebhaftes
Handel. Interesse erregen wird. In dem zwischen Rhein und
6. Der Unterricht der Meisterschulen soll sich erstrecker Mosel eingeschlossenen Industriegebiet besteht dieses In—
auf die speziell fachlichen Unterrichts-Gegenstände und titut dermalen als einziges. Wenn es auch auf bah⸗—
außerdem auf: Deutsch, Geschichte, Geographie, Rechnen cischem Boden belegen: wo treten heutzutage noch Landes-Mathemathik
und Naturwissenschaften, soweit dieselben ir schranken auf, wenn es gilt, in unserem deutschen Vater⸗
den beireffenden Gewerben Anwendung finden. lande öffentliche Interessen zu wahren? So gut Sie
7. Lehrlingsschulen, sowie Meisterschulen können mi in Ihrem Vereinsleben selbst keine Barrieren kennen, so
Lehrwertstätten zur practischen Unterweisung verbunder gut das Kohlengebiet Sie Alle eint und Sie unter ge—
sein. Die Notwendigkeit der Einrichtung von Lehrwerk⸗ neinsamer Flagge tagen, ebensogut wird Ihnen ein
stätten und der Umfang des in denselben zu erteilenden Inftitut nicht fremd sein sollen, das in diesem Industrie⸗
praktischen Unterrichts richtet fich nach den jeweiliger gebiet zu wirken seiner natürlichen Lage nach bestimmt ist.
lokalen und gewerblichen Verhältnissen. Lassen Sie sohin den Appell nicht in Ihrem Innern
8.. Der praltische Unterricht in den Lehrlingse um verhallen, den ich mir nicht als Direktor des Gewerbe—
Meisterschulen muß von Techenikern, beziehungsweist nuseums, sondern als eines ihrer Mitglieder im Inter⸗
Handwerlern erteilt werden, welche fich bereits in der esse der künftigen Wohlfahrt des Instituts an Sie zu
yrnktischen Ausübung ihres Berufs bewährt haben. richten gestalte, Meine Worte sind aus innerfier Ueber—
II. Je nach dem Grade des vorwaltenden Interesses zeugung fur eine gerechte, segensreiche und entwickelungsgrößerer
oder weniger großer gewerblichen Kreises haben fähige Sache gespeochen, mögen Sie dieselben auch als
der Staat, die Provinz die Stadt — oder Vereine solche in ihren Eindrücken bewahren und zum Wohl
von Industriellen und Gewerbetreibenden — oder ein⸗ nseres Unsernehmens beherzigen
zelne Privatunternehmer für die Aufbringung der Geld— drei .
mittel zur Errichtung und Erbaltung der technischen Der Vortrag fand reichsten Beifall; es wurde
Fachschulen einzutteten sofort eine Kommission ernannt, welche sich mit
Das in allen niederen gewerblichen Fachschulen grund⸗ der Frage, in welcher Weise der Verein sich am
sätzlich zu erhebende Schulgeld ist nur als zufällige und thatkräftigsten an diesem Unternehmen beteiligen
co den wedeinde in zur 8 koͤnne, zu beraten haben wird. Außerdem fan—
altung und Vervollkommnung derselben zu verwenden i önli eldun ur Mit⸗
und nicht als konstante Einnahmequelle bei der Etati— dD Wanise personliche * gen 3
sierung der Anstalten in Anschlag zu bringen. gd .
IV Die Delegiertenversammlung erklärt sich mit den Nunmehr erhielt Herr Crusius das Wort
Arstehbennen van inkre GComiütan nusoestelssten Mrund,- —X oin em Nortroge üher
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