Saarbrützer Gewerbeblatt
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Machdrudck u*
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F 28.
1883.
—
auch für den Klassentarif, worüber augenblicklich noch
Verhandlungen schweben, nachgekommen sein würden.
Aus demselben Grunde kann die bereits für die
deutschen Strecken genehmigten und für die schweizeri—
schen Strecken zugestandene Ermäßigung von ca. 2 Fr.
pro Tonne für Kohlentransporte in geschlossenen Zügen
von mindestens 10 Dovpelwagen vorläufia nicht in
Kraft treten.
Es scheint somit in der That alles nur noch
auf die Schweiz anzukommen, ob eine baldige
Aenderung zum Besseren eintritt. Dieselbe wird
wohl nicht umhin können, dem Druck der öffent⸗
ichen Meinung nachzugeben, und den ersten
Schritt in der Herabsetzung der Tarife zu thun.
A Mitteilungen über die Gotthard—
Tarife.
Behandlung erfahren und dementsprechend auch gleich
hohe Taxen zahlen, während dieselben Sendungen im
italienischen Tarife nicht nur unter sich verschieden sind,
sondern sich auch einer Tarifbasis erfreuen, die bei
zrößern Entfernungen den Trausportpreis vermindert.
Wiewohl nun das italienische System sowohl vom
Publikum als auch von den meisten Bahnen als das
wveitaus rationellste anerkannt sei, so würde doch von
dem Momente, wo andere Länder es als ihren lokalen
Verhältnissen entsprechend adoptierten, diese Verwaltung
nicht verlangen können, daß andere dies System als
das absolut beste anerkennen, weil eben die Prinzipien,
auf welchen die verschiedenen Systeme beruhen, von ein⸗
ander unabhängig sind. Danach könne die Klajsifikation,
wie sie in den verschiedenen Tarifen für die Waren
hesteht, nur in der Annahme des einen oder andern
Systems seine Begründung finden. Es bestände aber
bei der oberitalienischen Direktion um so geringere Ge—
neigtheit zur Aufgabe des bestehenden Tarifsystems, als
dieselbe dieses System, welches sie für das beste und
yorzüglichste hält, selbst geschaffen und eingeführt hat.
In diesem Sinne etwa war die Antwort an
die Direktion erfolgt, also eine strikte Abwei—
sung aller deutschen Bestrebungen, welche auf
eine Aenderung des oberitalienischen Systems
ielten. Diese Antwort übermittelte die Direktion
chließlich dem Wirtschaftlichen Verein mittelst
»ines verbindlichen Schreibens. —
Die Aussichten auf eine Aenderung der
talienischen Anteile des Gotthardtarifs sind
also, soweit sich dieselben aus einem Aufgeben
des bestehenden Tarifschemas ergeben würden
auszerordentlich trübe. Herabsetzungen innerhalb
des alten Rahmens dagegen waren schon von
Anfang an in Aussicht gestellt, wenn sie auch noch
nicht zur Wirklichkeit geworden sind, indem
die italienischen Bahnen wiederholt erklärt
jaben, eine gleichzeitige Herabsetzung der
chweizerischen Anteile zur Bedingung für
hre eigenen Ermäßigungen machen zu müssen.
Mit Bezug auf die augenblickliche Lage der
dohlentarife auf der Gotthardroute isi dem Verein
neuerdings seitens der Direktion ein Schreiben zu
gzegangen, dem wir das Nachstehende entnehmen:
Mit Bezug auf die durch den dortigen Verein teils
n Brochüren, teils in der Zeitung des Bereins deut—
cher Eisenbahn⸗Verwaltungen veröffentlichten Abhand⸗
ungen über die bestehenden Gotthardtarife und speziell
iber die Kohlentarife, teilen wir Ihnen ergebenst mit
»aß wir die beregten Uebelstände zur Kenntnis der ober
talienischen Bahn gebracht und letztere ersucht haben,
bei Umgestaltung der Tarife diese Uebelstände, soweit
ich dieselben als gerechtfertigt erwiesen, zu beseitigen.
Inbetreff der Kohlentarife ergab fich, daß in dem
irekten Tarife seitens der italienischen Bahnen eint
Durchjchnittsgebühr von 1 Fr. 75 Cts. eingerechnet ist
vährend im italienischen Lokal-Verkehre bis zu einer
Entfernung von 101 Kilometer nur 1 Fr. 10 Cts. und
⸗ↄon da ab 1 Fr. 80 Cts. plus 275 Ets. Uebergangs⸗
zebühr zur Anrechnung kommen. Die deutsche Kohle
velche indessen nur kürzere Entfernungen auf italieni⸗
schem Bahngebiete zu durchlaufen hat, trägt daher in
den weitaus meisten Fällen den Nachteil einer hohen
Durchschnittsgebuhr und kann nur in seltenen Fällen
die erst bei weitern Entfernungen eintreienden Vorteile
derselben genießen.
Dementsprechend stellen sich in vielen Fällen die in⸗
irekten Kohlenfrachten billiger als die direkten Fracht⸗
ätze.
Diesen mißlichen Verhältnissen würde, wie schon be—
merkt, nur durch eine Umrechnung der Kohlentarife be⸗
gegnet werden können. Eine solche kann jedoch vor—⸗
läufig nicht stattfinden, weil die oberitalienische Bahn
erktlärt hat, daß sie derselben erst dann näher treten
verde, wenn die schweizerischen Bahnen der an sie ge—
tessien Anfarderuns um Heraobsetung ihrer Tarenieil⸗
1.
Die italienischen Kohlen-Tarife.
In Nr. 1 des „Saarbrücker Gewerbeblattes“
brachten wir einen Artikel: „Die Tarife für
Kohlen und Kokes auf der Gotthard-Route“ zum
Abdruck, welcher nachwies, daß die eigenartige
Konstruktionsweise der italienischen Tarife zu man—
nigfachen Inkonsequenzen führt, die sich nament
lich in dem Verhältnis der Frachten von Eisen
und Kohlen zu einander zeigen. Der Artikel
wies z. B. nach, daß für ansehnliche Strecken
im italienischen Bahngebiete Kohlen und Kokes
erheblich teurer als fabriziertes Eisen befördert
werden, was nicht nur unserem Tarifsystem
sondern ebenso dem italienischen widerspricht,
welches ebenfalls davon ausgeht, den teureren
Fabrikaten eine höhere Fracht aufzulegen als
den billigeren, namentlich aber als den Roh—
produkten. Die erwiesene Inkonsequenz beruhn
in der That in dem unglücklichen Zonen-System,
welches die Italiener angenommen haben und
bei welchem derartige Anomalien infolge des
wiederholten Wechsels von Expeditionsgebühr und
Kilometersatz kaum zu vermeiden sind. Eine
Lösung der entstehenden Schwierigkeiten würde
sich jedoch schon bei weniger strengem Aufrecht—
halten des Systems in gewissem Grade, gänz—
lich aber durch Annahme eines dem unsern
ähnlichen Systems erzielen lassen.
Dieser Artikel war gleichzeitig in der „Zei—
tung des Vereins deutscher Eisenbahn⸗Verwal—
tungen“ (Berlin) erschienen und kam damit zur
Kenntnis der deutschen Eisenbahn-Verwaltungen,
u. a. auch der Direktion Köln (linksrh.). Letztere,
welcher bereits die Denkschrift des „Vereins zur
Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen In—
teressen der Saar⸗-Industrie“, in welcher die
Botthard⸗Tarife aussührlich behandelt worden,
zugegangen war, nahm Veranlassung, die Di—
rektion der oberitalienischen Eisenbahnen in
Mailand auf die nachgewiesenen Widersprüche
aufmerksam zu machen, indem sie gleichzeitig
jenen Artikel, sowie die Denkschrift des Wirischaftlichen
Vereins der Direktion in Mailand
übersandte. Letztere mußte hierauf den Bestand
——
sie sich nicht gemüßigt eine Abstellung derselben
in Aussicht zu stellen Sie führte etwa iol—
gendes aus:
Vorerst müsse bemerkt werden, daß nicht, wie es
der Versasser der Broschüre gethan hat, aus einem
Vergleiche der Frachten für verschiedene Waren gefolger!
werden kann, daß die italienischen Bahnen gewisfer
maßen gehalten seien, die Kohlenfrachten herabzuseten
blos, weil dieselben höher, als die für Eisen sind.
Es werde vielmehr zugestanden werden müssen, daß
es sich um ein Tarif-System handelt, das, wie alle
Systeme pure auf Konvention beruht, und wobei man
daher zu obiger Schlußfolgerung nicht gelangen kann.
Zahlreich seien die Fälle von Disparifäten, denen man
nicht nur in italienischen, sondern auch in deutschen
Reformen und französischen etc. Tarifen begegnet; einmal
werden hier manche Waren mit hohen Ptreisen tariert
welche in Deutschland zu geringen Preisen berechnet
werden; ein andermal zahlen Waren hier niedrigere
d welche bei dortiger Bahn zu erhöhten Vreisen
gehen.
Wenn man daher dem Systeme des Autors der
Broschure, verschiedene Waren unter sich zu vergleichen
folge, würde man finden, daß in dem deutschen Tarif
die Sendungen ohne Gemichtshenaung eine aleicharüg—
A Vereins-Nachrichten.
Central:-Verband Deutscher Industrieller.
Schluß.)
II.
Reform des Consulatswesens.
Die Delegierten⸗Versammlung erkennt dankend an,
vas von Seiten der deutschen Reichsregierung für die
bessere Entwickelung des deutschen Consularwesens und
»amit im Zusammenhange für die Förderung der deut⸗
chen Exportinteressen bereits geschehen ist; sie bezeichnet
s jedoch als erforderlich, daß auf diesem Gebiete noch
entschiedener vorgegangen werde, insbesondere auch durch
veitere Vermehrung der Berufsconsulate. Sie beauf⸗
ragt das Direktorium, in diesem Sinne vorzugehen
und überweist demselben die Resolution der Herren
Referenten, namentlich auch die bezüglich der Errichtung
ines Handelsmuseums als hierhei zuu benukendeß Ma—
erigl
III.
Ausstellungswesen.
Der Centralverband beschließt, zur Vorberatung über
»as Ausstellungswesen eine Commission einzusetzen, und
rmächtigt das Direktorium, die Mitalieder derselben zu
rnennen.
Er erklärt aber schon jetzt, daß er die von einzelnen
us Privatunternehmungen zu veranstaltenden Aus—
tellungen nicht für zweckmäßig erachtet und denselben
ntaegentreten werde.*) w
Gewerbliches Unterichtswesen, speziell Or⸗
rzanisation der Lehrlings⸗ und Meisterschulen.
J. 1. Dem wirtschaftlichen Bedürfnis entsprechen fol⸗
zende Organisationen von niederen gewerblichen Fachchulen:
a) Gewerbliche Vorschulen,
b) Lehrlingsschulen,
c) Meisterschulen.
2. Die gewerblichen Vorschulen haben den Zweck,
olche Schuler, welche die Volksschule durchgemacht haben,
in einem in der Regel einjährigen Kursus mit den für
das gewerbliche Leben erforderlichen theoretischen Kennt⸗
aissen auszurüsten Die Ausdehnung des Kursus auf
zwei Jahre ist da ins Auge zu fassen, wo es gestattet
vird, befähigte Schüler nach Erreichung des Zieles der
Polksschule schon vor Abschluß des schulpflichtigen Alters
n die gewerbliche Vorschule überzuführen.
Im Unterricht der Volksschule muß der Vorbildung
ür gewerbliche Thätigkeit dadurch Rechnung getragen
werden, daß der Zeichenunterricht intensiver und metho—
aischer betrieben wird, als es jetzt noch vielfach geschieht.
stamentlich ist auch dafür zu sorgen, daß die seminaristijch
zebildeten Lehrer zur Erieilung eines erfolgreichen Zeichen⸗
ainterrichts befaͤhigt werden.
3. Die Lehrlingsschule verfolgt den Zweck, die im
Lehrlingsverhällniß stehenden jungen Leute für den er—
vählten gewerblichen Beruf auszubilden. — Die Lehr⸗
lingsschulen sind entweder
a) Gewerbliche Fortbildungsschulen.
Diefer Punkt bezieht sich auf die in nor Mr. ermahnte Erpori-FTBu“