Full text : 1.1883 (0001)

408

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 27

Rotizen.
Fässer aus Holzfaserstoss. Ein Inge—
nieur zu Cleveland in Ohio hat ein Verfahren
erfunden, um aus besonders hergerichtetem Holz
faserstoff Fässer aus einem Stück herzustellen
Das Verfahren wird folgendermaßen beschrieben:
Der Stoff wird in einen eisernen Cylinder ge—
bracht, der inwendig genau die Form und Größe
eines Fasses hat. Der Cylinder wird mit einer
Geschwindigkeit von 100 Bewegungen in der
Minute nach allen Seiten gedreht. Durch die
Gewalt der Bewegung wird der Holzfaserstoff
mit großer Kraft nach allen Seiten des Cylin⸗
ders geschleudert und bildet eine gleichmäßige
Schicht. Nach drei bis vier Minuten wird durch
das Spundloch des Cylinders, das mit dem—
jenigen des Fasses genau harmoniert, kompri—
mierte Luft bis zu einem Drucke von 100 Pfund
gepumpt, während welcher Zeit die Bewegungen
des Cylinders immer fortdauern. Durch den
Luftdruck wird das im Faserstoffe befindliche
Wasser auf allen Seiten durch die Porenähnlichen
Oeffnungen des Cylinders hinausgedrängt. Nach
drei Minuten Pression wird der aus zwei Hälf—
ten bestehende Eylinder geösfnet, das vollkom—
men ausgebildete Faß herrausgenommen und
während 24 Stunden stehen gelassen, um ge—
hörig zu trocknen. Sodann wird dasselbe drei
Tage in einem Trockenhause einer Hitze von
1600 ausgesetzt, warauf es fertig zum Verkauf
ist. Diese neue Art Fässer wird nicht nur für
vollkommen wasserdicht, sondern auch für öldicht
erklärt und soll ganz geeignet sein, die Fässet
aus Eichenholz fuͤr die Versendung von Petro—
leum zu ersetzen. Auch in Bezug auf den Preis
soll das „Zutunftsfaß“ mit den Nebenbuhlern
aus Holz mit Vorteil wetteifern können. In
Cleveland soll sich bereits eine Gesellschaft zur
Ausbeutung der neuen Ersindung gebildet haben,
deren Aktien ziemlich vergriffen seien und man
soll die Absicht haben, eine Fabrik zu errichten,
die im Stande ist, täglich mehrere tausend Fäs
aus einem Stücke zu liefern. Die Schil—
erung ist sehr vielversprechend, aber wir wollen
abwarien, ob man später noch einmal darübe;
etwas hört.

Petroleum im Eisenhüttenbetrieb.! Schul-⸗ und Turnwesen in Berlin.
kin interessantes Faktum wird uns durch ame- Berlin gewährt in 134 Gemeinde- und Privat—
rikanische Journale berichtet. Dr. Duryee in chulen mit zusammen 2207 Klassen rund 124 000
New⸗NYork hat neuerdings auf praktische Weise Kindern uUnentgeltlichen Schulunter—
die Möglichkeit dargethan, das Eisenerz im Hoch- richt. Bei den Gemeindeschulen kommen auf
ofen ohne anderes Brennmaterial als Petroleum ede Klasse durchschnittlich 55 Kinder. Das ge—
zu behandeln. Der genannte Industrielle hat amte Lehrpersonal bestebht aus:
zu diesem Zwecke in Montreal Oefen angeleg 132 Rektoren,
ind seit einiger Zeit wendet er sein System an 1370 Lehrern,
Der Ofen in Montreal erfordert pro Stunde 681 wissenschaftl. Lehrerinnen,
3 T. Erze. An dem unteren Ende zeigt sich voll 530 technischen —
tändige Schlacke, welche darthut, daß die Um die Kommune leistet jährlich für jeden Ge⸗
chmelzung vollendet ist Man bringt das Pe meindeschüler 48 Mark, für jeden Schüler der
roleum durch Injekteure in den Ofen. Dasselbe üymnasien, der Real- und Gewerbeschulen 80 Mk.
wird durch das im Ofen befindliche Feuer ent- Zuschuß. Berlin zählt gegenwärtig 17 Privat⸗
zündet und die sich hieraus entwickelnde inten. Turn⸗-Anstalten, ba städtische Turnanstalten (die
ive Hitze bewirkt die Umschmelzung. Der Ofer zrößte ist die Central⸗-Turnanstalt), 8 fiskalische
st ein solcher von ca. 100 T, er mißt 36,377 Bauten und 1 Militär-Turnanstalt. Dem
Meter in der Länge und 1,624 Meter im Durch Rädchenturnen hat man in den letzten
nesser. Man hällt ihn für geeignet, um darin Jahren besondere Aufmerksamkeit zugewandt.
hro Stunde 4 T. Erze zu verhütten. Die Cana- dasselbe hat in Berlin einen lebhaften Auf—
dian Iron and Steel Company hat gleichfalls chwung genommen. In dem Mädchenturnsaal
»egonnen, ihr Eisenerz nach dieser Methode zu der Turnlehrer-Bildungsanstalt werden die
»erarbeiten und findet solche durchaus praktisch Lebungen für die Turnlehrerinnen abgehalten.
Man findet, daß in dem zu diesem Zwecke kon- Seit Einführung der Turnlehrerinnen-Prüfung,
truierten Ofen das Erz sich 6 Stunden in dem November 1875 bis Mai d. J., sind etwa 800
Schmelz-Cylinder und eine Stunde in dem Damen ausgebildet worden und hahen die Be—
Puddel⸗ oder Gußtiegel hält, was also zusammen echtigung zur Erteilung des Turnunterrichts
7 Stunden ergiebt, welche zur vollständigen Um- erlangt.
vandlung des Erzes und Entfernung der Schlacke
zenügen. Man gewinnt durch diesen Prozeß
eine sehr gute Qualität Eisen, sowohl zu Temper
wecken als zum Schweißen (ReW. 3.)

Ein Wasservelociped. Ein sehr zweck—
näßiges Wasservelociped baut der Erfin—
der desselben, Herr Blanchard, im Staate
Illinois, Vereinigte Staaten. Das ganze Vehikel
hat die Gestalt eines Schwanes, der auf leichtem
Bestell durch dünnes Blech oder wasserdichtem
Stoff gebildet wird. Die Fortbewegung geschieht
durch Fußkurbeln, Schaufeln und rotierende
Schwimmer, die aber unter den halb ausge—
hreiteten Flügeln des Schwanes verborgen
liegen. Ueber dem Fahrenden befindet sich ein
leines, nach allen Richtungen stellbares Zelt—
dach, das sowohl als Regen-oder Sonnenschirm,
vie als Segel benutzt werden kann. An dünnen,
chmiedeeisernen Armen sitzen Schwimmer, mit
dork oder anderem geeigneten Material gefüllt,
die das Gleichgewicht desselben sichern. Auf einem
olchen Velocipede sitzend, scheint man thatsäch—
ich auf dem Rücken eines Schwanes über die
Fluten getragen zu werden. Für die Nacht—
ahrten trägt der Schnabel des Schwanes eine
nagisch leuchtende Laterne. Eines ähnlichen
rahrzeugs bedient sich übrigens schon seit län—
rerer Zeit die Königin von Enaland

Gläserne Dächer und Fußböden. Die
„Lane and WMoodworth Patent Glass Roofing
Works“ in Youngstown (Ohio) fabrizieren Dächer
aus Glas. Die Fabrik ist im Stande, täglich
10000 Pfd. Glas zu produzieren. Das Glas
vird in Ziegeln in Diamantform gegossen. Die
Dächer sind völlig wasserdicht, ohne daß Kitt,
Zement oder irgend ein anderer Stoff ange—
wendet worden wäre. Nagellöcher sind nicht
porhanden und die eigentümlich geformten Nägel
sind dem Einflusse der Witterung, Gase ꝛc. nicht
unterworfen. Die Krümmung der Ziegel ver
leiht dem Dache eine gleichmaͤßige Tragkraft an
den Dachseiten und Latten und bewirkt, daß die
einzelnen Teile sich fest aneinander schließen
Die Ziegelu sind 5 Millimeter dick und sollen
jaltbarer als Schiefer sein. Im neuen Ver—
valtungsgebäude des „Creédit Lyonnais“ am
Boulevard des Italiens zu Paris sind ganze
Fußbodenflächen aus Glas hergestellt. In dem
Bebäude, welches unter dem Erdgeschoß zwei
Kellergeschosse enthält, besteht sowohl der Fuß—
boden des Erdgeschosses als auch der des ersten
Ddellers in seinen Hauptflächen lediglich aus
Blasplatten, die zwischen Eisenkonstruktionen
jelagert sind. Diese Bauart ist zweifellos sehr
leuer, bietet aber den großen Vorteil, überein—
ander gelegene Kellerräume ausreichend zu er—
hellen; denn das Tageslicht dringt aus den
weiten Räumen des Erdgeschosses durch die bei—
den Glaslagen in den untersten Keller immer
roch in solchem Maße, daß man dort überall
hne Schwierigkeiten lesen und schreiben kann.

Die Fabrikation der Stacheldraht
zäune, welche in Ameritka eine so eminente
Rolle spielen, lag viele Jahre lang fast aus—
schließlich in den Händen einer Gesellschaft in
Worcester, Mass. Dieselbe führt die Fabrikation
erstens in der vollendesten Weise unter Be—
gnügung mit dem denkbar kleinsten Nutzen durch
und haste außerdem alle wichtigen Patente auj
Stacheldrahtzaͤune und deren Herstellung durch
Kauf erworben. Außerdem hatte sie es durch—
gesehzt, daß einige der älteren Patente nach ei
nem in Amerika zuläßigen Verfahren noch ein—
mal erteilt wurden und zwar diesmal mit An—
sprüchen, welche das Recht, Drahtzäune mit
Stacheln zu versehen, überhaupt geradezu aus—
schlossen. Unter solchen Umständen zahlten die
anderen Fabrikanten jener Gesellschaft gern
oder ungern die Lizenzgebühr, welche nur 2
Dollars für 1000 Fuß Zaun betrug, aber der
Gesellschaft mehrere Millionen jährlich einbrachte
Nun hörte aber eine Firma mit Rücksicht auf
die nachträgliche Erweiterung der alten Patente
auf, die Lizenzabgabe zu entrichten und in dem
dadurch hervorgerufenen Prozeß wurde auch
entschieden, daß eine solche nachträgliche Aus—
dehnung der Patentwirkung rechtsungiltig ist.
Die Stacheldrahtfabrikation ist damit, abgesehen
von einigen noch patentierten speziellen Kon—
struktionen, freigege ben Daß dieselbe keinen
geringen Umfang habe, geht daraus hervor,
daß die Gesellschaft im Jahre 1882 eine halbe
Million Meilen Länge Stacheldrahtzaun ge—
liefert hat

Befestigung von Gardinenhaltern.
Die bisher übliche Befestigung der Gardinen—
jalter — einfaches Einschlagen eines eisernen
Stiftes mit Holzschraubengewinde in die Mauer —
jat große Uebelstände. Die Stifte werden meistens
ehr bald locker und ruinieren Mauer und Ta⸗
oete. Außerdem bietet das Anwenden des Stifts
noch die Unannehmlichkeit, daß die Mauerfugen
ohne vorherige Anzeichen schwer zu treffen sind.
Diese Uebelstände soll eine patentierte Halter—
befestigung v. E. Franke, Berlin, Mulackstr.,
beseitigen. Ein kleiner gußeiserner Körper von
vierseilig-prismatischer Form wird in die Wand
an passender Stelle eingemauert. Dieser
Körper hat längs seiner größten Ausdehnung
in der Mitte ein cylindrisches Loch mit einer
Nut von rechteckigem Profil; das Loch und die
Nut gehen nicht vollständig durch das Gußstück,
ondern lassen am Ende noch eine Wand stehen,
velche bei der Einmauerung des Körpers nach
sdinten zu liegen kommt. In das Loch wird ein
eiserner Stift gesteckt, der durch eine einseitig
angebrachte Haken⸗Nase, welche sich in der Nut
führt, am Drehen gehindert wird. Vorn ist
der Stift behufs Aufnahme des Gardinenhalters
mit Holzschraubengewinde versehen. Um nun
beim Anschrauben des Halters den Stift nicht
herauszuziehen, wird letzterer mit der Nase in
eine Erweiterung des Loches in dessem hinterstem
Teile gedreht. Dabei ist die Korstruktion so
gewählt, daß sich beim Anziehen der Schraube
die Haken-Nase des Stiftes gegen einen Ansatz
im Innern biegat.

Ein Desinfectionsmittel, welches wenig
zekannt ist und sich ausgezeichnet bewähren soll,
wird nach den Angaben englischer Zeitungen
vie folgt bereitet: „Eine halbe Drachme sal—
etersaures Blei wird in einem Liter kochenden
Wassers und zwei Drachmen Kochsalz in einem
dübel Wasser aufgelöst. Beide Lösungen werden
zusammengegossen und man läßt sie stehen, bis
ich ein Niederschlag gebildet hat.“ Die auf
diese Weise erhaltene Flüssigkeit ist ganz geruch
los und das stärkste Desinfectionsmittel. Ein
in diese Flüssigkeit getauchtes Tuch reinigt
venn es in einem von faulen Gerüchen ver
»esteten Raum aufgehängt wird, sofort die Luft
In Kanäle gegossen oder über Misthaufen ge—
prengt, wirkt die Lösung gradezu wunderbar
ind unterdrückt sofort jede übelriechende Aus—
dünstung; ebenso ist sie zur Desinfizierung von
Wäsche, Kleidern u. s. w. ausgezeichnet zu ge—
»rauchen. Auf die Haut wirkt die an sich agif—
tige Lösung nicht schädlich

Eine Pfahlbrücke von 211/2 Meilen Länge
wird für die New-Orleans and Northeastern
Railroad über den Pontchartrain gebraucht und
zwar 1312 Meilen vom People's Avenue-Canal
dis zum Point, 584 Meilen über den See und
20/10 Meilen auf der Nordküste des Sees. Hier—
zu sind 32 644 Pfähle und außerdem noch über
15000000 SFSuß Holz nötia

⸗R VDtinn nhorantnnrttim. & 53452* Druck und Mersar unn Ro5655654
            
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