106
Vormittags 10 Uhr im Saarbücker
Casino ab. Auf der Tagesordnung stehen:
1. Jahresbericht pro 18882 /83.
2. Geschäftliche Mitteilungen und Beschlüsse.
3. Bericht über die Thätigkeit der Eisenbau—
Kommission des Central-Vereins.
1. Neuwahl des Vorstandes.
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
derung der Regierung wurde auch im Reichs—
tage und zwar unter besonderer Anerkennung
der zu Grunde liegenden Absichten anstandslos
bewilligt. Wie uns nun aus Mailand mitge—
teilt wird, ist zum dortigen Konsul Herr
Dr. jur. Grise bach, bisher in St. Petersburg,
ernannt worden. Wir geben uns der Hoffnung
hin, daß es Herrn Grisebach gelingen wird, die
zegenwärtig noch arg vernachlässigten deutschen
dandels⸗Interessen in Ober⸗Italien zur Geltung
zu bringen; doch müssen wir uns gestehen, daß
dies gerade für Herrn Grisebach, den Verfasser
zon „Tannhäuser in Rom“, „der neue Tann⸗
häuser“ ꝛ2c., seine Schwierigkeiten haben wird
Wir hätten an dieser Stelle weniger gern
einen Dichter, als vielmehr einen rechten Prak
iker gesehen, der ein Auge für industrielle
Verhältnisse hat. Bedenklich ist auch, daß der
neu ernannte Konsul seine Stelle noch immer
nicht angetreten hat und die Geschäfte noch
durch den niederländischen Vizekonsul ver—
sehen werden. Unter solchen Umständen erscheint es
allerdings sehr erklärlich, daß die mannigfachen und
viederholt laut gewordenen Klagen der deut—
schen Industrie uͤber die Handels- und Ver—
kehrsverhältnisse mit Oberitalien bisher daselbst
ingehört blieben oder unbeachtet verhallten.
kin niederländischer Vizekonsul hat allerdings
nicht das mindeste Interesse daran.
Nr. 25
1881 1882
Eisenerze 7473 324 T. 8150 162 T.
Zinkerze 659 6331, 694 711,
Bleierze 1647713 177 659
Kupfererze 623 697 566 509
Die Förderung von Silber⸗ und Golderzen
ist von 26787 T. auf 22977 T. gesunken,
ebenso hat die Gewinnung von Manganerzen
um mehr als die Hälfte abgenommen, während
die Produktion von Schwefelkies von 125087 T.
im Jahre 1881 auf 158 409 T. im folagenden
Jahre gestiegen ist.
An Kochsalz sind im Jahre 1882 455 952 T.
gegen 453 838 T. im Vorjahre gewonnen wor—
den; desgleichen hat die Gewinnung von Chlor—
kalium, Chlormagnesium, schwefelsaurem Mag—
nesia und Thonerde zugenommen, diejenige von
Glaubersalz und Alaun aber abgenommen.
Im deutschen Hüttenwerks-Betriebe nimmt
das Eisenhüttenwesen seinem Umfange und seinem
Produktionswerte nach bei weitem die erste
Stelle ein; die Roheisen-Produktion ist von
Jahr zu Jahr gestiegen und hat auch im ver—
zangenen Jahre wieder eine bedeutende Zunahme
erfahren, indem sie von 2857 726 T. im Jahre
1881 auf 3324812 T. im Jahre 1882 gestiegen
ist; auch die Gewinnung der übrigen wichtigeren
düttenprodukte Zink, Blei, Kupfer, Silber,
jat gegen das Vorjahr eine ansehnliche Zunahme
erfahren, wie dies cus folgenden Ziffern er—⸗
ichtlich iit“
Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen
wirtschaftlichen Interessen der Saar-Industrie
hält seine diesjährige ordentliche Generalver—
sammlung ebenfalls Donnerstag den 11.
Oktober 1883 und zwar Vormittags
11 Uhr in demselben Lokale ab. Auf der Tages⸗
ordnung stehen:
1. Jahresbericht pro 1882/83.
—A—
3. Bericht über die Dortmunder Kanalfrage.
Referent: der Geschäftsführer.)
4. Arbeiter⸗Versicherung.
5. Besprechungen über etwaige, beim Landes—
Eisenbahnrat vorzubringende Wünsche. (Zweite
Stückgutklasse, Schlackenfrachten ꝛc)
6. Vornahme von Wahlen.
Nach Schluß der Verhandlungen findet wie
im vorigen Jahre ein gemeinschaftliches
Mahl statt
Pfalz-⸗Saarbrücker Ingenieur-Verein.
Sonntag den 23. d. M. fand in Kaisers—
lautern eine Sitzung des Pfalz-Saarbrücker
Ingenieur-Vereins statt, mit welcher die Be—
sichtigung einer Reihe von industriellen Sehens—
würdigkeiten verknüpft war. Wir werden an
der Hand einer Mitteilung, die uns soeben zu—
geht, in der nächsten Nr. des Blattes eingehend
darüber berichten
—2 íií —
Die Produktion der deutschen
Bergwerke, Salinen und Hütten im
Jahre 1882.
Vor kurzem hat das kaiserl. statistische Amt
die vorläufige Uebersicht über die Produktion
der Bergwerke, Salinen und Hütten im deut—
chen Reiche während des Jahres 1882 ver—
jffentlicht. Es ist die Produktion derjenigen
Werke, welche für das Jahr 1882 berichtet
yJaben, sowohl für dieses Jahr wie für das Vor—
ahr nach Menge und Wert aufgeführt; dazu
st, um ungefähr ermessen zu können, in wie
weit die nachgewiesene Produktion von der Ge
samtproduktion differiert, in der letzten Spalte
der Nachweisung die Produktion derjenigen
Werke, welche im Jahre 1881 produziert hatten,
iber welche aber für 1882 Berichte nicht vor—
liegen, nach den definitiven Ergebnissen für das
Jahr 1881 als Notiz angeführt. Diese Pro—
zuktionsziffern sind indes nicht so belangreich,
daß das Gesamtresultat für 1882 dadurch be—
sonders alteriert werden könnte.
Es ergibt sich aus den vorliegenden Nach—
weisen im allgemeinen, daß die Produktion der
wichtigeren Montanerzeugnisse, welche schon in
den Jahren 1880 und 1881 gegen die betr
Vorjahre erheblich gestiegen war, im Jahre
1882 eine weitere nicht unbedeutende Steigerung
erfahren hat.
Die Produktion der Bergwerke im deutschen
Reich erstreckt sich vorzugsweise auf die Foͤrde—
cung von Mineralkohlen und Bitumen; in
weiter Linie steht die Gewinnung von Erzen
ind in dritter Linie die Produklion von mi—
neralischen Salzen. Unter den Mineralkohlen
stehen die Steinkohlen obenan; ihre Produktion
ist von 48677 140 Tonnen im Jahre 1881 auf
52094895 T. im Jahre 1882 gestiegen, da—
gegen ist der Durchschnittspreis pro Tonne in
derselben Zeit von 5,18 Mk. auf 5,15 Mk. ge—
sunken. Die Braunkohlen-Produktion ist von
12818210 T. im Jahre 1881 auf 13238 030
Tonnen im Jahre 1882 gestiegen, auch hier ist
der Durchschnittswert pro Tonne von 2,87 Mk.
auf 2,72 Mark gesunken. Während auch die
Produktion von Graphit und Erdöl im Jahre
1882 gegen das Vorjahr zugenommen hat —
etztere hat sich fast verdoppelt — ist diejenige
»on Asphalt von 42 330 T. aufa37 120 Tonnen
zesunken.
Die Steinsalzgewinnung hat sich von 311907
Tonnen im Jahre 1881 auf 322 442 T. im
Jahre 1882 vermehrt, ebenso ist die Produktion
der Kalisalze, mit Ausnahme von Kainit, im
letzteren Jahre gestiegen. An Eisen-, Zink—-,
Bleie und Kupfererzen sind im Jahre 1888
vesentlich mehr gefördert worden als im Vor
ARee mia ν Sendorr oet sharn- 4264
1881 1882
Zink 100 617 T. 108 545 T.
Blockblei 86729, 92525,
Blockkupfer 118020 20011;
Silber 186 990 Ko. 208598 Ko.
Die Goldproduktion ist aber von 381 Ko auf
376 Ko. gesunken, ebenso die Gewinnung von Zinn
von 106,36 T. auf 101,61 T.
Was nun das Roheisen insbesondere anlangt,
'o stellte sich die Zunahme der Produktion der
einzelnen Arten desselben in Tonnen gegen dos
Vorjahr wie folgat:
1881 1882
Masseln zur Gießeree.... 244 304 268 456
Flußeisenbereitung . 859841 1147463
— „Schweißeisenbereitg. 1711132 1864019
Bußwaren erster Schinelzung. 29299 31444
Brucheisenn.. —13150 13430
Die Herstellung von Masseln zur Flußeisen—
bereitung hat also 1882 gegen das Vorjahr
allein um 33,6 pCt. zugenommen. Während
ferner bei den Masseln zur Flußeisenbereitung,
den Gußwaren erster Schmelzung und dem Bruch⸗
eisen der Durchschnittswert einer Tonne
im Jahre 1882 gegen das Vorjahr eine Ab—⸗
nahme erfahren hat, ist derselbe Durchschnitts—
wert bei den Masseln zur Gießerei von 59,51
Mark im Jahre 1881 auf 64,61 Mk. im Jahre
1882 gestiegen, ebenso derjenige bei den Maͤsseln
zur Schweißeisenbereitung von 48.13 Mk. auf
32,30 Mark.
Die Herstellung von verarbeitetem Roh—
eisen hat im letzten Jahre gegen 1881 wie folgt
zugenommen:
1881 1882
Gußeisen zweiter Schmelzung 519810T. 591191T.
Schweißeisen (Schmiedeeisen
und Stahl) . .. 1335597, 1488801,
Flußeisen (einschl. Tiegelguß⸗
ftaht “. 803118, 1070703,
Die Gewinnung von Flußeisen ist also am
meisten, nämlich um 19,9 pCt. gestiegen, nächst⸗
dem folgt diejenige von Gußeisen zweiter
Schmelzung mit 13,7 und dieienige non Schweiß—
⸗ꝛisen mit 11.25 pEt.
Infolge der allgemeinen Mandatsniederlegung
der Saarbrücker Handelskammer hielten die—
jenigen Mitglieder derselben, welche als Dele
gierte dieser Lörperschaft zum Bezirks-Eisen—
bahnrat Köln gewählt worden waren, näm—
lich Herr Seebohm-Burbach als eigentlicher
Delegierter und Herr E. Hald y⸗St. Johann
als Stellvertreter desselben, ihre Mandate für
erloschen. Sie ließen deshalb eine entsprechende
Mitteilung an den Vorsitzenden des Bezirks—
Eisenbahnrats, Herrn Direktions-Präsidenten
Offermann, gelangen. Letzterer teilte jedoch diese
Auffassung nicht, sprach vielmehr die Ansicht
aus, daß nach 8 3 des Gesetzes vom 1. Juni
v. J. die Mitglieder des Bezirks-Eisenbahnrats
auf drei Jahre gewählt worden sind und sie
nach8 22(abgesehen von dem Falle des Verlustes der
Fähigkeit, oͤffentliche Aemter zu bekleiden) nur
durch Tod oder Verzicht ausscheiden können.
Herr Seebohm hat darauf den Präsidenten
ersucht, die Sache dem Bezirkseisenbahnrat zu
unterbreiten. Aber auch darauf erklärte der
Präsident nicht eingehen zu können, da der
Wortlaut des Gesetzes durchaus klar sei.
Herr Seebohm, welcher seiner Zeit als Mit
glied des Ausschusses des Bezirks-Eisenbahn—
rats gewählt worden war, ist sonach auch nach
wie vor Mitglied dieses Ausschusses. Außerdem
ergibt sich aus der Entscheidung des Präsidenten
daß selbst die neu konstituierte Handelskammer
heide Hexrxren als ihre Delegierten betrachten muß
Das Berufskonsulat in Mailand.
Wie man weiß, hatte die Reichsregierung im
Etat pro 1883/84 das Gehalt für einen Be—
rufskonsul in Mailand, wo bisher ein
kaufmännisches Konsulat bestand, ausgeworfen
Die Regierung handelte hierbei zum Teil aus
eigenem Willen, indem sie überhaupt seit län—
gerer Zeit bereits bestrebt ist, die wichtigeren
Konsulate aus kaufmännischen Konsulaten in
Berufskonsulate zu verwandeln; zum Teil aber
gab sie damit auch Anregungen nach, welche aus
der Mitte des handeltreibenden Publikums er—
folgt waren, indem der „Verein zur Wah—
rung der gemeinsamen wirtschaft—
bichen Interessen der Saar-Indu—
strie“ sich im Juli vorigen Jahres an der
Reichskanzler um Errichtung eines Berufskon
ate in Maisand omand h D 0
Die Verzollung der Emballage im⸗
portierter Waren nach Nordamerika.
Die vom Finanzminister eingesetzte Kommission
zur Entwerfung einheitlicher Regeln inbezug auf
die Auslegung des 87 des neuen Tarifgesetzes
kam, nachdem sie in Newyork mehrere Sitzungen
zehalten, zu dem einmütigen Schlusse, daß nach
obigem Paragraphen die äußere Emballage
zänzlich zollfrei sein müsse. Inbetreff der in—
teren Verpackung der Ware dagegen kam die
dommission zu keiner Einigung und wurde be—
chlossen, dem Finanzminister zwei Berichte zu
——— —— mmochon 8⏑ —⏑—— 606c,6326