Full text : 1.1883 (0001)

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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 26

Notizen.
Franzosen als Nach-Ersinder. Unter
der Ueberschrifst „Französische Erfindungen“ be—
klagt sich das hervorragende englische Fachblatt:
„Engineering“ über die Sucht der Franzosen
Erfindungen, welche notorisch von Engländern
herstommen, als Produkte französischer Erfinder⸗
thätigkeit darzustellen, indem es schreibt: „Die
Behauptung, daß die britische Nation in der
Fortschritten von Wissenschaft und Gewerbe nich:
länger die führende Stelle einnimmt, ist so of
wiederholt worden, daß sie nunmehr bei aller
als feststehende Thatsache angenommen wird
Groß wird aber das Erstaunen der Leser sein
zu erfahren, daß wir nicht nur die Führung
verloren haben, sondern in der wissenschaftlichen
und technischen Welt überhaupt keine Rolle mehr
spielen. Man höre nur: in dem französischen
Journal des Usines à Gaz“ eröffnen die fran—
zösischen Gasfabrikanten eine Subskription zur
Errichtung eines Denkmals für Philippe Lebou
„den Erfinder der Gasbeleuchtung“. Ferner
haben die Franzosen in den letzten zwei Jahren
Frederie Sauvage als dem „Erfinder der Schiffs—
schraube“ und dem Marquis Claude de Jouffrot
als dem „Erfinder der Dampfschiffahrt“ Denk—
mäler errichtet. Die Socièté d'Encouragemen
in Paris hat einem Franzosen namens Martin
einen Preis für die „Erfindung der Luftbremse“
verliehen. In Perdonnets Werk über Eisen—
bahnen steht auf dem Litelblatt des zweiter
Bandes das Portrait von Marc Seguin, der
die Schnellzug-Lokomotive erfunden haben soll
Vor 5 oder 6 Jahren brachten die „Times“ mil
gesperrten Lettern die Nachricht von dem Tode
eines Franzosen, welcher den Taucher-Anzug
(Scaphandre) erfunden haben sollte; doch schon
am nächsten Tage erschien in demselben Blat!
der Brief eines Herrn A. Siebe, der nachwies
daß sein Vater denselben Taucher-Anzug bereits
benutzt habe, bevor jener Franzose überhaupt
geboren war. Wenn wir Engländer als Nation
mehr Vergnügen daran fänden, unsere Erfinder
zu ehren und uns weniger selbst geringschätzten,
so wären jene Erfindungen längst als das
geistige ECigentum englischer Erfinder allgemein
anerkannt.“ Soweit das englische Blatt. Es
ist uns nun zwar neu zu hören, daß die Eng
länder in Geringschätzung ihrer Nation Großes
leisteten — eher das Gegenteil dürfte der Fall
sein — allein die Mahnung, welche das eng—
lische Blatt an seine Landsleute glaubt richten
zu müssen, möchte noch in weit staͤrkerem Maße
bon uns Deutschen beherzigt werden, die wir
bekanntlich in Geringschätzung eigener Leistungen
allen Nationen „über“ sind.
Neuer Hammer. In Amerika hat man
eine neue Einrichtung zur Befestigung des Stiels
in den Hammer erfunden, wodurch das genannte
Werlzeug bedeutend gekräftigt wird. Das Auge
im Hammer ist nach außen geschlossen und er⸗
hält die Wandung ein Schraubengewinde; ein
der Länge nach ausgebohrter hölzerner Stiel,
durch welchen eine eiserne Stange geht, deren
eines Ende in das Schraubengewinde einge—
schraubt ist, wird in das Auge eingesetzt, waͤh—
rend auf das andere Ende unten eine Mutter
aufgeschraubt wird. Es kann auch diese Ver⸗
bindungsstange an den Hammerkopf angeschmiedet
werden, wenn man dies vorzieht. Es sind hier⸗
bei also keine Keile zur Befestigung notwendig
und der Stiel ist durch die Stange außerdem
noch verstärkt, so daß man ohne Gefahr des
Brechens auch Nägel mit einem derartig kon—
struierten Hammer ausziehen kann.
Papier als Klärmittel. Zur Herstellung
desselben ließ sich R.Jacobsen ist Berlin
folgendes Verfahren palentieren (D R.Patent
Nr. 21591). Zur Klärung von Wein, Bier und
Spirituosen wird ungeleimtes Papier, Papier⸗
stoff, Zellulose oder ähnliches Material benutzt,
welches mit Klärmitteln, wie Eiweiß, Hausen⸗
blase, Gelatine oder Tannin imprägniert ist
Dabei kann ein bestimmtes Format des Papiers
einem bestimmten Quantum zu klärender Flüssig⸗
leit entsprechen. Vor dem Gebrauch wird die
Masse aufgeweicht

Die deutsche Industrie im Orient.
Wie man uns mitteilt, wird voraussichtlich
mit dem Bau der großen Eisenbahn- und Fahr⸗
brücke über die Donau bei Czernawoda die
Dortmunder Union betraut werden, welche bei
der von der rumänischen Regierung im Februar
d. J. ausgeschriebenen Submission unter sieben
Bewerben das vorteilhafteste Anerbieten machte
Die neue große Donaubrücke, die erste unter⸗
halb Budapest, wird einen Kostenaufwand von
mehr als 12 Mill. Mk. beanspruchen.
Die gewerbliche Fachschule der Stadt
Köln, welche im Jahre 1879 als ein städtisches
Institut ins Leben gerufen wurde, hat sich in
der kurzen Zeit ihres Bestehens in erfreulichster
Weise entwickelt. Im verflossenen Winter wurde
dieselbe von 103 Schülern besucht. Die Anstalt
macht es sich zur Aufgabe, ihren Schülern das—
jsenige Maß von Kenntnissen und Fertigkeiten
zu verleihen, welches im technisch und künstlerisch
entwickelten Gewerbe⸗Betriebe eine höhere Meister⸗
schaft bedingt. Demgemäß umifaßt die Fach—
chule: a. eine Maschinenbauschule; b. eine
Baugewerksschule; c. eine Schule für Dekora—
tionsmaler; d. eine Schule für Kunstschreiner
und Decorateure. Auch andere Kunsthandwerker,
als Bildhauer, Modelleure, Gold-, Silber⸗ und
Bronzearbeiter, finden Gelegenheit zu fachmäßiger
Ausbildung. Von Herbst 1883 an werden an
der Schule 14 Lehrer unterrichten, darunter 3
Ingenieure, 4 Architecten, 3 Dekorationsmaler,
2 Bildhauer. Am Schlusse eines jeden Semesters
inden Abgangsprüfungen der ausgebildeten
Schüler vor einer Prüfungskommission statt
An den Prüfungen in der bautechnischen Ab—
eilung nimmt der Verband rheinisch-westfälischer
Baugewerken-Vereine durch Delegierte teil.
Was Krupp an Gas verbrennt und
an Wasser verbraucht. Der Gasverbrauch
des Riesenwerkes hat stetig zugenommen. Der—
selbe betrug 1856: 30000, 1859: 100 000, 1864
L699 000, 1870: 3875000, 1873: 6386000
1876: 7403000, 1882: 8720550 Kubikmeter
und stellt sich pro 1. Semester 1883 auf 4572 300
dubikmeter. In demselben Verhältnis ist der
Wasserkonsum gewachsen. Derselbe bezifferte sich
in 1867 auf 2 159 300, 1870 auf 2769 160, 18738
auf 3666800, 1877 auf 4688 200, 1880 au‘
5574320, 1882 auf 7381638 Kubikmeter.
Es entfallen damit pro Jahr 746 Kubikmeter
Bas und 615 Kubikmeter Wasser auf iede Verson
die im Werke thätig ist.
Produktion der Eisenschmelzhütten
in den Vereinigten Staaten. Nach einer
tabellarischen Aufstellung der „Iron and Steel
Association“ betrug am 1. Juli er. die Zahl
der im Betrieb befindlichen Schmelzhütten, im
Vergleich mit dem 1. Januar 1883 und 1882
und die Produktion während des ersten Halb
ahrs von 1883 und 1882 wie folgt:
Im Betrieb Produktion
1. Juli. 1. Jan. 1 Jan. Tons.
Staat. 1883. 1883. 1882. 1883. 1882.
Fonnecticut. 11861 10867
NRewyork .. 173492 185784
New⸗Jersey 71611 78931
Pennsylvan 20811 1093418
Birginia 52730 39 165
Heorgia 20879 18947
Alabama 60 169 50341]
dentucky 25 569 29 697
Tennessee .. 64872 61429
Obio..... 62 79 310288 312000
Total.. 283 358 383 2012323 1880579
Diese Zahlen ergeben eine bedeutende Abnahme
der Schmelzhütten, aber eine Zunahme in der
Produktion. Dies ist hauptsächlich der Thatsache
zuzuschreiben, daß die kleineren Etablissements
zurch die groͤßeren verdrängt werden.
Der Flaächeninhalt und die Bevöl⸗
kerungsverhältnisse der fünf Erdteile:
Ewdieil: Dldch inheit Verpitepunaee antee
Europa... 9500000 313500000 33,21
Afrika ... 30 000 000 205679 000 G,es
Asien.... 44500 000 835 000 000 18,74
Australien. 9000000 40310600 O,
Amerika.. 43 (00 000 89570 000 2os
Summa 136 000 000 1449 780 000
in akm — 00*

Getreideproduktion in Indien. Ein
Korrespondent der „Indian Daily News“ schreibt,
daß das Punjah-Gebiet nahezu 100 Millionen
Bushel Weizen produziert, wovon ein Viertel
exportiert werden kann. Die Billigkeit der
Arbeitskräfte in Indien gleicht vollkommen den
Unterschied in der Oceanfracht im Vergleich mit
der von den Vereinigten Staaten aus. Die
indische Regierung macht großartige Bewässe—
rungsanlagen, um Ländereien, die zur Zeit noch
unbebaut sind, der Weizenkultur zu eröffnen.
Ohne Zweifel wird Indien sich in nicht gar
erner Zeit Rußland und den Vereiniglen
Staaten in der Lieferung der Brotstoffe für
Furopa an die Seite stellen.
Eine Kuppel aus komprimiertem
Papier, die vierte dieser Art in Amerita, ist
dor kurzem für das Observatorium des Co—
lumbia⸗College in Newyork aufgestellt worden.
Dieselbe hat 6 Meter Durchmesser bei 3,35 Meier
döhe und besteht aus 24 Teilen. Sie ist so
leicht. daß sie von Hand gedreht werden kann.

Vom Arbeitsmarkt.
Zu viel Schuhmacher! Es giebt viel zu
diel Schuhmacher in der Welt, wenigstens in
Deutschland. Der Kongreß der Schuhmacher
in Gotha behauptet es, wohl nicht ganz mit
Unrecht, und läßt ein Flugblatt drucken, in
welchem er Eltern und Vormündern dringend
abrät, ihren Pflegebefohlenen das Handwerk
Hans Sachs' lernen zu lassen.
Arbeitsgelegenheit für junge Kauf⸗
leute. Die Stellenvermittelung des Berliner
Vereins junger Kaufleute hält es für wünschens—
wert, daß für die möglicherweise zum Oktober
aufsteigende Konjunctur sich geeignete Kräfte
frühzeitig genug vormerken lassen, damit die
Thefs, welche erst immer im letzten Momente
und bei dringender Notwendigkeit zu engagieren
pflegen, eine genügende Auswahl von Bewerbern
finden. Die Verwaltungsmitglieder, in deren
händen die Stellenvermüttelung ruht, sind zur
strengsten Discretion verpflichtet.
Abnahme im Seemannsberuf. Die
rrüher in allen Küstenstädten und Stranddörfern
Neu Vorpommerns herrschende Neigung See⸗
mann werden zu wollen, ist, seitdem der Um—
schwung von der Segel- zur Dampfschiffahrt sich
energisch vollzieht, fast gaͤnzlich erloschen. Dies
»eweist nicht blos die Verödung der Schiffs—
werften, sondern auch die Thatsache, daß die
Navigationsschulen kaum die Hälfte der Schüler
haben wie früher. Beispielsweise hatten sich
zu der in den letzten Tagen des August statt—
zefundenen Steuermannsprüfung, die den Schluß
eines fast jährigen Unterrichtskürsus bildet, 8
Aspiranten gemeldet, während es in früherer
Zeit meistens gegen 40 waren.
Streik der Möbeltischler in Paris.
Es streiken abermals die Möbeltischler des Fau—
bourg Saint-Antoine. In einer Proklamation
erklären sie, die Notwendigkeit eines Streiks tief
zu bedauern, doch sei es ihnen unmöglich, die
von mehreren Arbeitgebern unter dem Vor—
wande der Möbelkrise vorgenommene Lohnherab—
etzung zu ertragen, da sie selbst von den gegen—
wärtigen Kühnen nicht seben können

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Bücher und Zeitschriften.
Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen.
Nr. 150 vom 15. Sept. 1883, Band 13, Heft 6 ent⸗
hält: Die Allgemeine deutsche Ausstellung auf dem Ge⸗
hiete der Hygieine und des Rettungswesens in Berlin
1883. — Bericht über Bergbau und Hüttenwesen, von
Bergrat A. Haßlacher in Berlin. — Eisenb.⸗Prüfungstommisfion.
 Entgegnung auf den in Nr. 145 von
Elasers Annalen enthaltenen Artikel. — Statuistische
Berechnung gemauerter Senkkasten (Caissons), von Ing.
L. Brennecke in Berlin. — Versuche mit dem Eisen⸗—
bahnwagen- und Lokomotiv-Schieber, konstruiert von
Kgl. Masch.⸗Meister W. Schmid in Munchen. — Be⸗
richte aus Fachvereinen. — Schweizerischer Eisenbahn⸗
Verkehr 1872-1882, von Ing. Abt in Paris. —
Deutscher Marktbericht. — Cirkular⸗Erlaß des Herrn
Ministers der öffentlichen Arbeiten, betr. die zu Liefe—
rungs⸗ und Werkverdingungs⸗Verträgen zu verwenden—
den Stempel. — Bekannimachung der Kgl. technischen
Prüfungskommission vom 1. Sept. d. J. — Perional-NTachrichten.
 — VPaotenftliste — 6itterattetion

XRBR eftinn verontnetlich / FI 647

Drarick 8 Morsor nan so 60627*
            
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