102
schichtlichen Vorurteil für Paris bezw. Sèevres ꝛc
zu kämpfen. Schließlich werden wir auch hier
mit den ungleich billigeren Preisen bei großer
Feinheit des Decors und der Form siegen. Die
bisherigen geringen Anstrengungen der genannten
Branchen entsprachen keinesweas der Wichtigkei
des Markts.
Neben Paris hat auch England bisher wesent
lichen Marktanteil in vielen Luxusartikeln besß
serer Qualität gehabt. Der spanische Kauf
mann pflegt wenig an die Einkaufsplätze zu
reisen, es wird also nötig sein, das Land unserer
seits bereisen zu lassen.
Hoffentlich verfällt man nicht gleich am An—
fang in den alten, stets schwergebüßten Fehler,
fremde neue Märkte gerade für gut genug zu
halten, vor Allem die bei uns unanbringbare
Ramschwaare dahinzuwerfen. Will man sich
Bahn brechen, so folge man dem englischen
Grundsatz, gerade bei neuen Märkten doppelt
gewissenhaft auf solide Ware zu halten, unsere
billigeren Preise werden dann die Wege schor
breiter ebnen.
Wenn wir oben auf die Notwendigkeit der
sorgsamen Anpassung der Dekoration und Formen—
gebung aller für Spanien bestimmten Waren
hinwiesen, so geschah dies, weil es kaum ein
Land Europas giebt, in welchem das Volk im
Ganzen so konservativ und zäh an seinen alten
Mustern und Gewohnheiten festhält wie dort
und Bürgerstand und Menge, mögen auch die
vornehmen Klassen wie überall der Mode hul—
digen, den von der heimatlichen Industrie ihnen
seit alter Zeit gebotenen Waren der nationalen
Geschmacksrichtung den Vorzug giebt. Das
hängt mit der nationalen Geschichte zusammen,
bezw. dem tiefen Gegensatz des Volkscharakters
gegen das französische Wesen und die unruhig
wechselnde Mode.
Frankreich wird sicherlich auch hier, wie gegen
wärtig in Italien, erhöhte Anstrengungen machen
gegen die deutsche Waare seinen Vorrang
zu verteidigen, desto mehr wird es unsere Auf⸗
gabe sein, die richtigen Wege mit solider Hand—
lungsweise einzuschlagen und auf diesen alsdann
energisch vorwärts zu gehen.
Sicher könnten unsere deutschen Konsuln durch
eingehendere Berichte über die Richtungslinien
unsrer mercantialen Feldzüge, die Haupterfor—
dernisse der kaufmännischen Operationen, die
Lage der Kreditverhältnisse im allgemeinen, die
gemachten Fehler im Besonderen das Wer!
wesentlich fördern, mehr als dies leider bisher
geschehen ist. Bis jetzt haben wir uns oft erst
in den österreichischen Konsulatsberichten Ra
erholen müssen.
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 26
nuch die äußere Ausstattung, wie wir uns per⸗
jönlich in Stuttgart, wo gelegentlich der Dele
gierten-Versammlung des Centralverbandes deut
cher Industrieller der soeben aus der Presst
gekommene J. Band zur Ansicht gezeigt wurde,
überzeugen konnten. Die Verlagsbuchhandlung
von Otto Spamer in Leipzig hat weder Mühe
roch Kosten gespart, um selbst den weitgehend—
tten Ansprüchen zu genügen! Es ist dadurch
ein Prachtwerk geschaffen, welches auch in typo—
zraphischer Beziehung der deutschen Industrie
ur Ehre gereicht.
PRoheisen⸗Produktion im Saar⸗
und Mosel⸗Revier.
VIII.
Monat August.
Nach den statistischen Aufnahmen der „Süd
vestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen—
und Stahl⸗Industrieller“ hat die Produktion
der dieser Gruppe angehörenden Werke im Mo
iat August 1883 betragen:
1. Puddelroheisen .. 41831 Tonnen
2. Spiegeleisen. ..
3 Bessemerroheisen.
4. Thomasroheisen.. 5595
5. Gießereiroheisen. 2671,
zusammen 50097 Tonnen.
Im Aug. vorigen Jahres hatte die Pro
»uktion 45648 T. betragen, dieselbe ist also
in diesem Jahre um 4449 T. oder 9,7 pCt. ge
stiegen. Der jährliche Durchschnitt in der
Produktion pro Monat belief sich bis zum 1
Aug. d. J. auf 45542 T., die diesmonatlich
Proöduktion ist somit um 4555 T. oder 10 pCt
gestiegen. Im Monat Juli v. J. hatte die
Produktion betragen 46016 T., diejenige pro
Aug. ist somit um 13082 T. oder um 113 vCt
zestiegen.«
Der Lagerbestand am Ende des Mona
Aug. betrug:
1. Puddelroheisen .. 11732 Tonnen
2Spiegeleisen ... —2*
3. Bessemerroheisen.. — —
4. Thomasroheisen.. 2266 ,
sGiekereiroheisen. . 1042 ,
zusammen 15040 Tonnen.
Im Aug. vorigen Jahres hatte der Lagerhestand
11414 T. betragen, derselbe ist also in
diesem Jahre um 3626 T. oder 24,1 pct. g e—
wachsen. Der jährliche Durchschnitt des Lager—
hestandes belief sich bis zum J1. Aug. d. J. auf
13698 T., also ist auch dem gegenüber der
gegenwärtige Lagerbestand gewachsen; die Zu—
nahme beträgt 1348 T. doder fast 10 pCct.
Im Monat Juli d. J. stand der Lagerbestand
duf 16229 T., so daß hier eine Abnahme,
edoch von nur 189 T. zu verzeichnen ist.
Während somit die Produktion nochmals er—
Jeblich gestiegen, hat das Lager sich nahezu auf
Zer hisßerigen Höhe erhalten.
in dem Westrich einen Teil der Frachtkosten
rragen, welchen die Kohlen bei ihrem Weiter⸗
ransport in die Vorderpfalz dem Betrieb der
ofälzischen Bahnen naturgemäß verursachen. Man
pricht davon — und es wäre von unterrichteter
Seite zur Beruhigung des Publikums Auftklä—
cung erwünscht — daß durch diesen Differen⸗
tialtarif die Kohlen für den Westrich jährlich
um mehr als eine halbe Million Mark
verteuert würden. In den letzten Jahren soll
sogar die Summe auf Mk. 620 000 gestiegen
sein. Sind diese Angaben der Wahrheit ent—
prechend, dann wäre die der Westpfalz aufer⸗
legte Kohlensteuer allerdings eine ganz enorme.
Der Beweis hiefür wäre leicht zu führen. Die
Pfalz zählt 640 000 Einwohner. Die Vorder—
afalz ist bevölkerter als die Westpfalz; auf diese
darf man höchstens 2/3 der Einwohnerzahl der
ganzen Provinz rechnen. Es wären dieses un—
zefähr 250 000 Einwohner und diese zahlen an
die pfälzer Bahnen eine Kohlensteuer von 500 000
Mark durch den für sie ungünstigen Differential—
tarif. Das deutsche Reich hat 45 Millionen
Einwohner. Es entsprechen somit die Lasten,
welche der Westricher Bevölkerung durch den
Lohlentarif aufgebürdet sind, einer Reichskohlen—
steuer im Betrage von 1121,3 Millionen Mark.
Diese Zahlen sprechen deutlicher als alle Worte
für die Gerechtigkeit unserer Beschwerden. Schon
oft wurden von dem hiesigen Handels- und Ge—
werbegremium Vorstellungen um Abstellung dieser
ingerechten Tarifierung der Transportkosten für
dohlen an die Direktion der pfälzischen Bahnen
gerichtet: bis heute ohne jeden Erfolg. Daß
aber unsere Abgeordneten endlich einmal unsere
Bemühungen um Beseitigung eines solchen Miß—
tandes, welcher das wirtschaftliche Leben des
Westrichs arg schädigt, gelegentlich der Beratung
—DD
unterstützen werden, da ja bei der Direktion der
ofälzer Bahnen in diefer Hinsicht gar nichts zu
erreichen ist — das hoffen und erwarten wir
mit Zuversicht. Ein solches Beginnen muß von
Erfolg gekrönt sein. Die Klagen sind berechtigt.
Zu lange schon haben wir diese Lasten ohne
Murren ertragen. Wir verlangen keine Bevor—
ugung, aber wir ertragen auch keine Benach—
eiligung; wir wollen wie in allen anderen
dasten so auch hier, gleich mit den anderen
Babvern behondelt werden“
Gegen den Ruß.
Eine sinnreiche Erfindung ist die patentierte
Schornstein⸗Kuppe, welche der Erfinder derselben,
Herr Direktor C. Schönau in Berlin Dorotheen—
traße Nr. 11, anfertigen läßt und die auf jeden
vorhandenen Schornstein aufgesetzt werden kann.
Die Erfindung bezweckt die gründlichste Abhilfe
gegen Rauch und Schutz der Esse vor allen
Witterungseinflüssen, als Sonne, Regen, Sturm
c. Der Aufsatz ist so konstruiert, daß diejenigen
Seiten der Rauchausströmungsöffnungen, welche
den einwirkenden Elementen entgegenstehen,
durch das Element selbst geschaffen werden und
auf der entgegengesetzten Seite der Rauch seinen
Abzug finden kann. Es ist nämlich auf die
obere Oeffnung des Schornsteins eine etwa 2
sohe eiserne Kuppe aufgesetzt, deren obere Oeff⸗
rung durch einen drehbaren, die Reinigung des
Schornsteines gestattenden Deckel geschlossen ist.
Nach jeder der 4 Himmelsrichtungen hin ist
eine vierkantige von oben nach unten gehende
Röhre angenietet, die durch ihre untere Oeffnung
ein Ausströmen des Rauches zuläßt. Die Kom—
munikation der 4 Röhren mit dem Hauptteil
der Kuppe geschieht in den Seitenwänden der
letzteren. Die unteren Oeffnungen sind durch
Zlappen verschließbar, die sich durch ihre eigenen
Bewichte, in Scharnieren drehend, öffnen. In
der Mitte der vier Seiten geht von jedem der—
selben eine Eisenstange hoch und hat jede dieser
Stangen in dem oberen Teile eine eiserne Wind⸗
fahne. Nach Aufhören des Windes, der die
unteren Klappen schloß, treten die Eisenstangen
in ihre vorige Lage zurück, so daß sich die
Klappen durch ihr eigenes Gewicht öffnen können.
Sollten die Strahlen der Sonne 2 oder 3 der
rwähnten Rauchröhre derart erhitzen, daß das
Musatreton dee Mauches erschwert wird so tretes
Jul. Frühauf,
im deutschen Handelshlatt.
Adreßbuch deutscher Exportfirmen
Von dem Adreßduch deutscher Exportfirmen,
welches auf Anregung des königl. preußischen
Handelsministeriums im Auftrage des deutscher
Handelstages und des Centralverbandes deut
scher Industrieller herausgegeben wird, ist nun
mehr der erste Teil erschienen. Derselbe um
faßt die Montan-Industrie in zwei Haupt
abteilungen: 1. Bergbau und Metall⸗Industrie
und 2. Maschinen, Transportmittel, Instru—
mente. Der zweite Teil, dessen Erscheinen ir
kurzem bevorsteht, wird die Textilindustrie um
schließen mit den Hauptgruppen der Fabrikation
in Baumwolle, Wolle, Leinen, Seide, Jute
u. s. w. Der dritte endlich wird alle übrigen
Industriezweige enthalten, insbesondere die In
dustrie in Steinen, Erden und Glas, in Hol—
und Holzwaren, in Leder, in Papier, in allen
Konsumtibilien. Außerdem wird derselbe in
einem Schlußartikel die Handelshäuser bringen,
welche Exportgeschäfte betreiben oder sich mil
Kommission und Spedition beschäftigen. Aus—
führliche Inhaltsverzeichnisse werden einen Suyple—
mentband bilden.
Das Werk gibt ein glänzendes Bild von dem
Umfange und der Vielseitigkeit der deutschen
Industrie und wird zur Förderung unseres Aus—
fuührhandels um so sicherer beitragen, als es
durchweg in vier verschiedenen Sprachen abge
jgßt ist Per Fülle des Rnyßhalts aher entspricht
Zur Kohlenfrage in der Pfalz
schreibt die „Kais. Ztg.“: „Der bayerische Land—
tag ist für die nächste Zeit nach München ein—
berufen. Hauptgegenstand dieser Session wird
die Beratung des Budgets für die nächste
Finanzperiode bilden. Dabei wird sich der baye;
rische Landtag auch mit den pfälzer Bahnen
befassen und zwar, wenn man den Zeitungs
nachrichten aus unserer Hauptstadt glauben darf,
nicht nur mit deren finanzieller Lage, sondern
auch mit deren organisatorischen Verhältnisseu.
Ja es verlautet sogar, als trüge man sich aus
Preußenfurcht ernstlich mit dem Gedanken der
Verstaatlichung derselben. Daran glauben wir
nun nicht. Auch liegt uns in dem Westrich eine
ganz andere Klage schwer auf dem Herzen. Das
ist der Kohlentarif auf den pfälzischen Bahnen
in dem internen Verkehr. Durch diesen wird
der arme Westrich zu Gunsten der reichen Vor⸗
derpfalz in ganz unglaublicher Weise belastet
Damit unseren Landsleuten in der Vorderpfal;
die Kohlen billiger geliefert werden können, und
»amit die Saarkohle der Ruhrkohle in der
Pheingenend könfuüurrenzfähia wirn müssen mis