Saarhrützer Gewerheblutt
für Industrie, Handel und Verkehr.
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TAt“.
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VA Vereins-⸗Nachrichten.
hes sich hier überhaupt weniger um wirtschaft
liche Interessen, dürfte es angemessen erscheinen
ich nunmehr mit Beiseitelegung der staatsrecht
lichen Kontroverse mit dem materiellen Interess
unseres Handels nach Spanien zu befassen
das schon jetzt, obwohl unsere Anstrengunger
auf dem dortigen Markte bislang nicht genü—
gend energische waren, in einer Absatzsummt
»on 30-40 Millionen Mark sich beziffert. Wir
efinden uns Spanien gegenüber fast in der—
elben Lage wie Italien: Wir sahen bis vor
venigen Jahren zu, wie die Engländer und
Franzosen dort allein herrschten und das Land
als ihre industrielle Domäne behandelten. In
Italien beginnt seit Eröffnung des Gotthard—
unnels bereits eine uns günstige Wendung
Platz zu greifen, wofür die heftigen Klagen der
Franzosen der beste Barometer sind, in Spanien
soll und wird unsere Stellung eine ähnliche
Entwickelung nehmen, wenn anders wir die
aötige Kraft einsetzen. Die deutsche Statistik
gzibt den deutschen Ausfuhrwert auf 29, den der
kFinfuhr auf gegen 14 Millionen Mark an, es
dürfte dem Handelsstande aber genügend be—
lannt sein, daß der größte Teil unserer für
Spanien bestimmten Waren über die beiden
dansestädte, ferner über Belgien, Holland, Eng—
land und selbst Frankreich GParis) geht, meist
mit dem resp. Etiquette dieser Länder versehen,
vie das bisher das zum Teil selbstverschuldete
Schicksal unserer meisten Fabrikate im Export
zewesen ist. Nach der (unvollständigen) Reichs—
ttatistik stellen sich die Wertsummen unserer Ex—
porte, in Millionen Mark abgerundet, in fol—
jender Rangordnung dar: Branntwein 5, Bahn⸗
chienen 4,1, unbedruckte wollene Tuch⸗ und
Zeugwaren 1,5, wollene Posamentier⸗ und Knopf—
varen 1,2, Spitzen, Tülle und Stickereien aus
Wolle 0,8, Waren, teilweise oder ganz aus
edlen Metallen 0,8, Handschuhleder, Korduan,
Maroquin ꝛc. 0,8, Maschinen aller Art 0,7
vollene unbedruckte Strumpfwaren 0,6, feine
Fisenwaren 0,5, Eisendraht 0,6, Bahnachsen 0,5,
Baumwollengarn 0,5, Kleider⸗ und Putzwaren 0,4.
Wir haben im Vertrage mit Spanien keinerlei
Konzession für unsere Baumwollenwaren erreicht
und vermissen diese Branche leider auch unter
anseren bisherigen Hauptexporten, ein Beweis
sowohl für das englische Üebergewicht in Spa—
nien, als auch für den Mangel an Energie
deutscherseits im direkten Export. Denn ganz
zweifellos sind elsässische und andere Baͤum—
wollwaren durch Vermittelung französischer Kom—
nissionäre schon bis jetzt in erheblichen Posten
iach Spanien gegangen. ebenso durch englische
däuser.
Es ist jetzt, wo der neue Vertrag nunmehr
von den Parlamenten beider kontrahierenden
Staaten genehmigt ist, ohne praktisches Inter
esse, auszuführen, in welchen Warenilassen
andere, uns günstigere Verhandlungsresultate
erwünscht gewesen wären. Nehmen wir die
Dinge, wie sie geworden sind, so ist die trotz
mancher Mängel unbestreitbare Bedeutung des
Vertrages vor allem zu messen an dem Inter
esse, welches die immerhin schon beträchtlich—
Ausfuhr Deutschlands nach Spanien daran hat,
daß ihr die ermäßigten Sätze des spanischen
donventionaltarifes zugute kommen, während
iamhafte Konkurrenten von uns für jetzt noch
von jnher Skkon des anisfchon α«
Ueber die Thätigkeit der Eisenbankommission
des Vereiuns deutscher Eisen- und Stahl⸗
Industrieller.
Am 14. d. M. fand in Stuttgart eine
Sitzung des Hauptvorstandes des Vereins deutscher
Eisen- und Stahl-Industrieller statt. Einen der
Verhandlungsgegenstände bildete der Bericht
der Eisenbau-Kommission, welche der
Verein s. Z. bestellt hat, um der weiteren Ein—
führung des Eisens in das Bauwesen die Wege
zu ebnen. Diese Kommission hat sich in einer
Reihe von Sitzungen, die in Berlin, Düsseldorf
und Cochem stattgefunden, zu prinzipiellen Be—
schlüssen hinsichtlich der Herausgabe eines Muster—
buches geeinigt, welches Herr Scharowsky
in Berlin für den Verein ausarbeiten soll.
Dieses Musterbuch soll aus zwei getrennten
Abteilungen bestehen. Die erste Abteilung
wird die heute üblichen Konstruktionen in Eisen
für den inneren Ausbau wie Decken, Treppen,
Dächer ꝛc. für die verschiedensten Fälle enthalten
und etwa mit der Darstellung eines Sialles,
Bewächshauses ꝛc. abschließen, während alle
höheren Zwecke der zweiten Abteilung vor—
behalten bleiben. Das Format wurde auf das
„Reichsformat“ festgestellt. Hinsichtlich des Um—
fanges und der Kosten des Werkes bestanden
noch einige Differenzen, die in Stuttgart zur
Sprache gebracht wurden, worauf sich die Ver—
sammlung dahin einigte, vorerst einmal einige
Probeblätter ausarbeiten zu lassen, aus
denen man sich ein Bild von dem Werkemachen kann,
wozu 1000 Mark bewilligt wurden. Ferner be—
willigte der Vorstand 5000 Mark aus der Haupt⸗
vereinskasse, jedeoch unter Voraussetzung, daß
der übrige Aufwand durch freiwillige Beiträge
aufgebracht wird. Damit die aufzufordernden
Werke sich selbst von dem Charakter und der
Qualität des Musterbuches überzeugen und dar
nach ihre Zeichnung bemessen können, sollen den
Aufruf die von Hrn. Scharowsky zu bearbeiten
den Probetafeln des Musterbuches beigelegt wer
den. Obige 1000 Mark gelten als fonds perdu,
wenn das Musterbuch nicht zu Stande kommen
sollte; während sie im Faul des Erscheinens
des Musterbuchs von den später zu zahlenden
5000 Mark des Vereins in Abzuggebracht
werden sollen. — Ueber den Verlauf der weiteren
Verhandlungen werden wir in nächster Numme
des Gewerbeblattes berichten.
Aus der Generalversammlung der Aktionäre
der Dillinger Hüttenwerke, welche am
20. d. M. stattfand, können wir mitteilen, dafß
die bisherigen Mitglieder der Direktion, Herr
Schäffner und Herr Bergrat Reusch ausge—
schieden und dafür neben dem darin verbliebenen
Braß die Herren Gathmann und Weiß an
die Spitze der Geschäfte getreten sind. Zugleich
ist Herr Geh. Kommerzienrat C. Stumm Vor
sitzender der Generalversammlung und des Ver—
waltunasrates geworden
Der spanische Markt und die deutsche
In dustrie.
Nachdem in der deutschen Presse der Streit
über das verfassungsmäßige Recht des Reichs
tages gegenüber dem spanischen Handelsvertrag
mit einer BRreit⸗ geführt marnnen 1s 8
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1883.
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unterworfen sind. (Oesterreich, Frankreich, Schwe⸗
den und Norwegen schlossen vor uns Verträge
mit Spanien ab.)
Den Angelpunkt des Vertrages sehen wir in
der Meistbegünstigungsklausel. Man mag über
die für manche Vertragsverhandlungen und er—⸗
wünschte Konzessionen zweifellos hinderliche
Klausel theoretisieren wie man will, so viel ist
gewiß, sie ist aus den Handelsverträgen nicht
mehr herauszubringen und jeder Staat wird
als erste Bedingung der ihm unsererseits vor⸗
gelegten Forderungen ebenso natürlich als sicher
diese Klausel wie selbstverständlich für den zu
dereinbarenden Vertrag ansehen.
Es tritt nunmehr an den deutschen Handels—
stand die ernste Forderung heran, den spani—
schen Markt zu studieren, der einerseits
uns noch viel zu wenig bekannt, anderseits nach
einem Bericht des österreichischen General—
sonsulats in Barcelona gerade für deutsche
Waren sehr aufnahmefähig ist, so lange keine
Revolution das Land in politische Wirren stürzt.
Einige deutsche Branchen haben sich bereits mit
Blück Eingang verschafft (feine Möbel, süddeut—
che Bijoulderien, Frankfurter Lederwaren, Ber—⸗
iner Wolltücher und Rüschen, Solinger und
Remscheider Stahlwaren), und die englische und
französische Konkurrenz zurückgedrängt. Der drei⸗
jzährige Frieden ist dem Volkswohlstande außer⸗
ordentlich zu statten gekommen, der Verkehr
vächst allenthalben, das ehedem furchtsame
dapital wagt wieder sich am Handel zu be—
eiligen, die günstigen Weinernten haben die
daufkraft gehoben. Für alle Waren geschmackooller
Dessins mäßigen Preises, worin gerade
Deutschland seit der neuen kunstgewerblichen
Strömung sich auszeichnet, sind die Chancen für
uns günstig. Es ist aber nötig, daß die deut—
chen Textil⸗Fabriken sich spanische Stoffe, der
Farben⸗Wahl und ⸗Stellung wegen, kommen
assen, da alle südlichen Länder gerade für
Farben einen außerordentlich empfindlichen Sinn
haben und obendrein traditionellen alten Mu—
tern gern folgen. Dieser einfachen Klugheit,
remde Gewohnheiten und Geschmacksrichtungen
orgsam zu studieren, haben wir Deutschen bis⸗
her noch viel zu wenig Rechnung getragen, ob—
wohl uns der gewandtere Schweizer Kaufmann
darin als Beispiel so nahe wohnt. Das erste,
was die Schweizer Webwaren-Fabriken nach
Eröffnung Japans thaten, war, von dort Mu—
sterproben für alle ihre Hauptartikel zu be—
siehen und japanische Dessins zu fabrizieren
mit durchschlagendem Ersolg, wie sich sehr bald
zeigte). Der Luxus des spanischen Hauses ist im
Zunehmen begriffen, es beginnt auch dort bereits
die Strömung für bessere, wenn möglich ele—
zante kunstgewerbliche Ausstattung der bisher
neist dürftig dekorierten Räume, wobei sich der
angeboren feine Geschmackssinn des Volkes überall
zu zeigen pflegt. Hier kommen also eine statt⸗
liche Reihe deutscher Branchen in Betracht. In
Bronce⸗-, Kunstschlosser⸗ und Metallarbeiten, in
Porzellan⸗ und Steingutgeschirren sind die Aus—
sichten um so günstiger, als wir uns den Fran—
zosen bisher überall, wo sie seit alter Zeit allein
herrschten, hart an die Seite zu draͤngen und
bielfach schon siegreiche Konkurrenz zu machen
mm Stande waren. Mit unserer keramischen
ruxusware haben wir weit weniger mit der
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