Full text : 1.1883 (0001)

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der gegenwärtigen Lage der Dinge keine Ver⸗ausgestellten Gegenstände beigegeben wird Ver—
anlassung nehmen laßt, um eine Aenderung suchsweise wurden die Möbelarbeiter und Tape—
dieser Verhältnisse herbeizuführen, daß dies zierer für den 6. August geladen. Gruppen
vielmehr den speziell dabei Interessierten über anderer Gewerbe sollen diesen folgen. Die
lassen bleiben muß *) Kosten dieser Einrichtung bestreiten die Gewerbe
Die diesjährige ordentliche General- museen in Zürich und Winterthur.
Versammlung beider Vereine wird, indem
es wünschenswert erscheint, dieselbe in der Regel
im gleichen Monat abzuhalten, auf Donnerstag,
den 11. Oktober festgesetzt, und zwar für
den Eisen-⸗-Verein um 10 Uhr, für den Wirt—
schaftlichen Verein um 11 Uhr Vormittags im
Saarbrücker Kasino. Auf die Tagesordnung der
selben sollen, abgesehen von den statutenmäßig
vorgeschriebenen Aufgaben und vorbehaltlich
etwa noch eingehender weiterer Anträge aus der
Mitte der Vereine, die Eisenbau⸗- und die Kanal
Frage gestellt werden.
Zur Erwägung kamen schließlich noch die
Wuͤnsche, welche seitens der Vereine für den
Bezirks-Eisenbahnrat sowie für den
Landes-Eisenbahnrat vorliegen. In
ersier Linie wird es sich hier, was den Bezirks
Eisenbahnrat betrifft, namentlich um die Frach—
ten für Eisenfabrikate nach Antwerpen han—
deln, indem hier die preußischen Eisenbahn-Ver—
waltungen daraus, daß die belgischen Anteile
verhältnismäßig niedrige sind, Ursache nehmen,
die preußischen dementsprechend höher zu halten
Außerdem kommen die Frachten für Tafelglas
nach Basel und Antwerpen in Betracht, indem
der Minister wohl eine Ermäßigung derselben
auf 3 Pfg. pro Kl.T. für die deutschen Nord
seehäfen, aber (entgegen einem ausdrücklichen
Beschlusse der Eisenbahnkonferenzen in Köln,
nicht für die erwähnten beiden Exportstationer
der Glasindustrie an der Saar genehmigt hat
Beide Angelegenheiten werden im Bezirks⸗Eisen
bahnrate von den Vertretern des Vereins zur
Sprache gebracht werden. Für den Landes
Eisenbahnrat, wo die Vereine in der Per
son ihres Vorsitzenden Vertretung gefunden haben
liegen z. Z. keine Wünsche wor.
Schluüß der Sitzung um 72/4 Uhr.

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 20

Rotizen.
Um die deutschen Aussteller in Am—
sterdam vor Uebervorteilung und Zurücksetzung
zurch die Vertreter der fremden Nationalitäten
zu schützen, haben sich die deutschen Mitglieder
der internationalen Jury zu einer „deutschen
Kommission für die Amsterdamer Ausstellung“
vereinigt und zu ihrem ersten Vorsitzenden den
Dr. Dahlmann, Sekretär der oberbayerischen
Handels-⸗ und Gewerbekammer in München, zum
zweiten Vorsitzenden den Gewehrfabrikanten
Mauser aus Oberndorf (Württemberg) und zum
Sekretär den Fabrikanten Böhringer aus Stutt⸗
gart gewählt. Obwohl die deutsche Abteilung
auf der Ausstellung als gelungen bezeichnet wird,
haben die deutschen Aussteller doch wenig Aus—
sicht auf Preise, da Franzosen, Belgier und
dolländer in allen Gruppen eine erdrückende
Mehrheit besitzen.
Die Zahl der Lokomotiven, welche am
Schlusse des Jahres 1881 auf den gesamten
deutschen Eisenbahnen vorhanden war, betrug
10 869; von ihnen waren 10 339 von deutschen
und 530 von ausländischen Fabriken geliefert.
Unter anderen wurden von Borsig bezogen
2345 Stück, von Maffei 966, von der Han—
nover'schen Lokomotivfabrik 939, von Hensschel
u. Sohn 871, von der Sächsischen Maschinen—
fabrik 768, von Vulcan in Stettin 755, von
der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe 638,
von Eßlingen 634, von Wöhlert 629, von
Schwartzkopffs74, von Krauß 278. Außer⸗
dem wurden in eigenen Werkstätten der Bahnen
241 Maschinen gebaut. Von den eingeführten
Lokomotiven stammen 286 aus Oesterreich, 193
aus England und 51 aus Belgien.
Puddel-Oefen in den Vereinigten
Ztaaten waren am Ende des Jahres 1882
im Betriebe 4369; damit sind sie gegen Ende
1881 um 814 zurückgegangen.
Eine „Papier-Stadt“ ist unstreitig die
Stadt Holhyoke in den Vereinigten Staaten
von Nordamerika, denn dort befanden sich im
Jahre 1881 120 Papierfabriken, die zusammen
an 9000 Personen beschäftigten. Die Löhne be—
trugen im genannten Jahre über 2142 Millionen
Dollars, der Produktionswert belief sich auf
12 Millionen.

Heidelbeer⸗Wein.
Der berühmte Arzt und Naturforscher Geheim—
rat Dr. v. Pettenkofer in München sagt, es sei
ein glücklicher Gedanke gewesen, aus der Heidel—
beere einen Wein zu bereiten, denn man habe
damit der leidenden Menschheit in der Tha⸗—
einen großen Dienst erwiesen. Von den ver
chiedensten Seiten wird mündlich und schriftlich
von solchen, die solchen Wein gebraucht haben
das Nämliche versichert. Besonders bei Kindern
wenn sie magenleidend sind, wirkt der Heidel
heerwein außerordentlich gut. Herr Obermedizinal⸗
rat Dr. v. Kerschensteiner in München schreibt
iber den Wein folgendes: „Der im Spessar
aus Heidelbeeren gewonnene Wein läßt sich als
hausmittel gegen Varmkatarrhe, insbesondere die
mit Leibweh verbundenen, nach den an einigen
Proben gemachten Erfahrungen, sowie nach den
Ergebnissen der im hygieneschen Institute der
kgl. Universität München gepflogenen Unter
üchung ärztlicherseits bestens empfehlen.“ Das
dygienesche Institut faßt das Ergebnis seine
Ünlersuchung dahin zusammen, „daß bei ratio
nellem Betriebe aus der Heidelbeere ein Obst
vein sich herstellen läßt, an dessen Verwendbar
keit zu diätetischen und auch zu Heilzwecken nich
im geringsten zu zweifeln ist, da auch der Ge—
schmack des Produktes ein durchaus angenehmer
ist“. Wir wollen nicht verfehlen, die leidende
und die gesunde Menschheit mit dieser „Perle
des Spessarts“ hiermit bekannt zu machen, fest
überzeugt, daß üns mancher Dank dafür wisser
wird. Mit der Bereitung und dem Versand
des Heidelbeerweines befaßt sich der Darlehus
kassa-Verein zu Wiesen, Station Heigenbrücken
in Unterfranken, an den man sich bei Bedarf zr
wenden hätte.

*) Die bezügliche Untersuchung findet sich in diese
Nummer des „Saarbrücker Gewerbeblalt“ abgedruckt.

Handel mit Menschenhaar.
Für Menschenhaar ist der Hauptmarkt Paris
vo nach amtlichen Angaben ein jährlicher Um—
satz von etwa 100000 Kilogr. in diesem Artike!
tattfindet. Dieses Haar, das zum großen Teil
in Paris selbst verarbeitet wird, stammt teils
aus Frankreich, dessen Frauen sich sehr weichen
und feiner Haare rühmen, teils aus Italien
welches langes schwarzes Haar liefert, teils au⸗
Norddeutschland, von wo die blonden und über⸗
haupt hellen Schattierungen bezogen werden.
Oesterreich⸗ Ungarn und Rußland tragen nur
einen geringen Teil zu dem Haarkonsum (oll
wohl heißen zur Lieferung von Haar) bei. Seit
twa i0 Jahren exportiert China große Quan
itäten Haar, das jedoch nicht sehr geschätzt wird
veil ihm die Vorzüge des europäischen Haares
die Weichheit, Feinheit und Geschmeidigkeir
ftehlen. Daß auch Haar von Leichen in den
Handel komme, ist ein ziemlich allgemein ver
breitetes, aber irriges Vorurteil. Vorläufic
verarbeitet man Menschenhaar nur zu Chignons
Locken, Flechten und anderen Zierraten für
Frauenköpfe, sowie zu ganzen Perrücken.
Neuerdings aber hat man, da das menschliche
Haar eine so haltbare Faser besitzt, wie kaun
irgend ein anderes Produkt, den Versuch ge
mächt, dasselbe auch anderweit zu verwenden
Auf einer der letzten Versammlungen der bri
ischen Gesellschaftk zur Förderung der Wissen
chaft legte William Domson in Manchesten
zinige aus Menschenhaar verfertigte Artikel vor
— —
tannte. Derselbe Herr berichtet auch, daß seine
Schwester beabsichtige, aus 3500 Pfund Haar
einen feinen und leichten Stoff, gleich dem Al—
pakka, weben zu lassen. Man hat übrigens be—
reits einige Shawls hergestellt, bei denen die
Kette aus Baumwolle, der Schuß aus Menschen
haar bestand und die außerordentlich warm
leicht und dauerhaft sein sollen. (D. A. P. Z.)

Die britische Bessemerstahlproduktion
im Jahre 1882 hat sich nach dem Jahresbericht
der British Iron Trade Association auf 1673 649
Tons belaufen oder auf 231930 Tons mehr als
im Jahre 1881.
Diese Produktion verteilt sich folgendermaßen
auf die einzelnen Bezirke:
Süd-⸗Wales .. 483086 T. mit 19 Convertern
Sheffield. 420000, „ 26,
Cleveland. .326924, „12 3
Lancashire . . 239983, „14 *
W.⸗Cumberland 191326, „7
Staffordshire 12330, . 2 2
Hiernach stellt sich die Produktion auf den
Converter zwischen 25425 und 2165 Tons, im
Mittel beträgt sie 20 920 Tons, zeigt also wie—
derum ein Wachstum gegen die Vorjahre (12 641
in eoj 13 125 in 1880 und 17 5382 Tons in
—1881).
Von obiger Produktionsmenge fallen auf die
Schienenfabrikation 74 pCt. oder 1235 785 T.,
auf die Darstellung von Bessemerblech kommen
33 500 Tons.
Die Gesamtproduktion des Jahres 1882
an Stahl- und Stahlfabrikaten ergibt sich zu
2109 649 .Tons gegen 1009511 Tons im
Jahre 1879.

Was Setzer und Drucker fertig bringen
können. Von der Washingtoner Staats⸗
druckerei werden einige gewaltige Arbeitsleistun—
zen berichtet, wie sie wohl in Deutschland noch
aicht vorgekommen sind. Es langte eines Nach—
mittags ein Manuskript an, das 332 Druckseiten
ergab, aber, weil es aus Originaldokumenten
bestand, nicht zerschnitten werden durfte. Am
andern Morgen war das Buch fertig gedruckt
und gebunden. — Ferner wurden in 6 Tagen
50 Millionen Etiketten für die Staatsschatz⸗
oerwaltung gedruckt; der Auftrag erforderte
1000 Ries Papier und für 4000 Mark rote
Druckfarbe.
Wieviel Kinder in Deutschland ver—⸗
dienen eigenes Brot? Ueber den Anteil
der Kinder an der Erwerbsthätigkeit ergab die
letzte Berufszählung folgende Zahlen: Es wur—
den 524 140 erwerbsthätige Personen unter 15
Jahren gezählt, wovon 320 260 männliche und
203 880 weibliche. Auf die Landwirtschaft und
Bärtnerei entfallen davon 187 455 Knaben und
103834 Mädchen.

Die Zahl der Schulkinder in England
hat sich in den letzten Jahren mehr als ver—
doppelt. Allein noch vieles muß gethan werden,
ehe England zu den „bestlernenden“ Ländern
zezöhlt werden kann. Etwa eine halbe Million
Kinder besuchen gar keine Schule; doch werden
nach allen Richtungen hin Anstalten getroffen,
daß auch diese regelmäßigen Unterricht in Schulen
erhalten können. Der Widerstand gegen den
obligatorischen Unterricht aller Kinder, worin
früher viele Engländer eine Einschränkung der
individuellen Freiheit der Eltern erblickten,
chwindet immer mehr.

Für künftige Gewerbe-Ausstellungen
empfiehlt sich eine Einrichtung, welche der
Züricher Handwerks- und Gewerbeverein für die
setzt dort stattfindende Landes-Ausstellung ge—
troffen hat. Er ordnet für die Gewerbsgehülfen
und Meister des Kanton Zürich belehrende
Besprechungen in der VLandesausstellung
an. Dieselben erfolgen in der Weise, daß je
einer Abteilung von zehn Mann aus demselben
Berufe ein Fachmann als Leiter des Meinungs
austausches über die in der betreffenden Gruppe

dir die Redaktion Dpera mortich: C. Hofer. Druck und Verlag von Gebr. Hofern
            
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