15. Dezember / 45. Jahrgang
Die monatlichen Vermittlungszahlen der Arbeitsämter
schwankte in den Kriegsmonaten zwischen 500000 und
800 000. Seit Ausbruch des Krieges sind von den Arbeitsämtern
rund eine Million Dienstverpflichtungen
ausgesprochen worden; zur Zeit sind etwa 500 000
Dienstverpflichtungen wirksam.
Il.
Zur gegenwärtigen Lage stellt Staatssekre:
tär Dr. Syrup fest, daß hinsichtlich des Arbeitsein:
satzes für die Landwirtschaft im großen und ganzen
eine Entspannung eingetreten sei. Nicht jedoch im
Sektor der industriellen Fertigung, wo weder im Som:
mer noch im Herbst 1940 ein Nachlassen der Anfor
derungen von Arbeitskräften festgestellt werden könne
Die in der Rüstungswirtschaft von Zeit zu Zeit ein:
tretenden Umschichtungen in der Fertigung würde zu
meist in erhöhtem Maße den Einsatz von Facharbei
tern erfordern, ebenso wie die Tatsache, daß die Rüstungswirtschaft
bis zum Zeitpunkt der militärischen
Niederringung Englands in verstärktem Maße fortge
führt werden müsse. Dr. Syrup betont in diesem Zu
sammenhang, daß es ıunverantwortlich wäre, wenn in
dustrielle Betriebe für die kommenden Friedensauf
gaben Arbeitskräfte förderten und sie nicht den zuı
Zeit vorliegenden wichtigsten Rüstungsaufgaben zur
Verfügung stellten. Deshalb könne auf eine Umschich:
tung von Arbeitskräften aus minder wichtigen Betrie:
ben in die Betriebe der Kriegswirtschaft ebensowenig
verzichtet werden wie auf den Ausgleich innerhalb der
Reichsteile. Daneben gewinne der Ausgleich der
Arbeitskräfte im Betrieb selbst, der Ersatz
von Facharbeitern durch angelernte Arbeiter und
die Umschulung von Hilfsarbeitern zu qualifizierten
Kräften immer größere Bedeutung. Der Betriebsführer
dürfe nur dann Facharbeiter anfordern, wenn im Betrieb
selbst jeder Qualitätsarbeiter auch mit Qualitätsarbeit,
die von keinem Angelernten ausgeführt werden
kann, beschäftigt ist. Betriebliche Menschen:
bewirtschaftung sei das Gebot der Stunde
Die Größe des Fehlbedarfes an Arbeitskräften
geht daraus hervor, daß die Zahl der bei
den Arbeitsämtern gemeldeten offenen Arbeitsplätze bei
einer Größenordnung von fast 11 Millionen liege;
dabei muß noch berücksichtigt werden, daß viele Be:
triebe ihren Bedarf gar nicht gemeldet hatten, in dem
Bewußtsein, daß eine Deckung doch nicht möglich ist
Die Zahl der in der gewerblichen Wirtschaft eingesetzten
Kriegsgefangenen belaufe sich auf
reichlich 300000. Wesentlich größer sei die
Zahl der ausländischen Arbeiter, die in der gewerblichen
Wirtschaft Deutschlands tätig sind. Ihre Gesamtzahl
hat eine halbe Million überschritten und
steige ständig weiter. Eine besonders dankenswerte
Entlastung hatten bereits die Beurlaubungen aus der
Wehrmacht gebracht, deren verstärkter Fortgang eine
weitere Entspannung der Arbeitseinsatzlage zur Folge
haben wird. Trotzdem sei jedoch die Lage des Ar:
beitseinsatzes in der gewerblichen Wirtschaft stark angespannt
und es bedarf der größten Anstrengungen
aller beteiligten Kreise, um den dringenden kriegswirtschaftlichen
Anforderungen gerecht zu werden und
eine unerträgliche Verzögerung der Rüstung aus
Arbeitermangel zu vermeiden.
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Staatssekretär Dr Svrup wendet sich sodann in
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nahmen für die Umstellung der Kriegsauf
die Friedenswirtschaft zu und umreißt
in großen Zügen die Aufgaben, die den Arbeitseinsatzbehörden
alsdann aufgegeben sind. Als wichtigste
Aufgabe wird die Eingliederung der Wehrmachtsangehörigen
in die Wirtschaft bezeichnet,
wobei das Recht auf Arbeit im Mittelpunkt
der Betrachtungen zu stehen habe. Dr. Syrup gibt der
Veberzeugung Ausdruck, daß sich diese Umstellung
ohne besonderen Reibungen vollziehen wird. Und dies
im Gegensatz zu der völlig anderen Lage, wie sie bei
Beendigung des Weltkrieges gegeben gewesen sei. Damals
mußten annähernd 6 Millionen Kriegsteilnehmer
in kürzester Frist in das wirtschaftliche Leben wieder
eingegliedert werden, ebenso wie die 1,2 Millionen
Flüchtlinge aus den entrissenen Gebieten. Dazu kam
die Zahl der Kriegsbeschädigten, die die Grenze von
1,5 Millionen überschritt. Hinzu kam, daß während des
Weltkrieges die Rohstoffe und Betriebsmittel gänzlich
verbraucht waren. Diese Tatsachen mußten umso
schwerer wiegen, als die wirtschaftlichen „Friedensbedingungen‘
bewußt eine Verelendung des deutschen
Volkes und damit seines Wirtschaftslebens zum Ziel
hatten. Demgegenüber wird sich die Umstellung deı
Kriegs- auf die Friedenswirtschaft nach der Sieg:
reichen Beendigung des jetzigen Krieges — wie Dr.
Syrup betont — unter völlig anderen, d. h. besonders
günstigen Voraussetzungen vollziehen: „An Stelle der
Belastung des Arbeitseinsatzes mit Auslandsdeutschen
und Rückwanderer wird ein Einsatz deutscher Menschen
in den in den deutschen Lebensraum einbezogenen
Gebieten treten. Die Eingliederung der Kriegsbeschädigten
in wesentlich geringerem Ausmaße
wird sich ohne Schwierigkeiten vollziehen. Die Freistellung
der Roh- und Betriebsstoffe, die während des
Krieges der Rüstungswirtschaft vorbehalten werden
mußten, für die Friedenswirtschaft wird diese alsbald
in Fluß bringen. Landwirtschaft und Bergbau, die
wichtigsten Rohstoffwirtschaften, werden in großem
Umfange Einsatzmöglichkeiten bieten. Die Bauwirtschaft
wird vor Aufgaben stehen, die ihre Höchstleistungen
im Jahre 1938 weit übertreffen werden.
Friedensbedingungen und Handelsverträge werden dafür
sorgen, daß die vom Auslande kommenden Rohstoffe
alsbald der deutschen Wirtschaft, besonders der
Verbrauchsgüterindustrie zufließen und vorhandene
Lücken schließen.“
Aus allen diesen Gründen brauche selbst in der
Zeit der Demobilmachung nicht mit einer nennenswerten
Arbeitslosigkeit gerechnet zu werden. Dr. Syrup
wendet sich im Anschluß hieran den Maßnahmen zu,
die die planvolle Regelung der Demobilmachung in
arbeitsmäßiger Hinsicht zum Ziele hat. Es ist dies in
erster Linie die Verordung des Ministerrats für die
Reichsverteidigung vom 1. 9. 1939, die bestimmt, daß
Jurch die Einberufung zu einer Dienstleistung im
Wehrdienst das bestehende Beschäftigungsverhältnis
nicht gelöst ist, sondern daß die beiderseitigen Rechte
und Pflichten nur für die Dauer der Einberufung
ruhen. Sollten der damit gegebenen Wiederaufnahme
des früheren Beschäftigungsverhältnisses Schwierig
keiten etwa dadurch erwachsen, daß in die Arbeits:
plätze der zum Wehrdienst Einberufenen Ersatzkräfte
eingestellt worden sind, so wird dem Unternehmer
zur eventuell notwendigen Freimachung der Arbeits
»lätze für die wiedereinzustellenden Wehrmachtsange
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