460
wendigen Rüstung nicht durchführbar sei. Er erließ
daher bereits Anfang November. 1936 eine Reihe von
Anordnungen auf dem Arbeitsgebiet, die die Lenkung
des Nachwuchses für die staatspolitisch bedeutsamer
Zweige, die Rückführung berufsfremd beschäftigte:
Facharbeiter, die vermehrte Einstellung älterer Angestellter,
die Erfassung der Bauvorhaben und schließlich
den Wechsel der Arbeitsplätze bei den Metall:
arbeitern und den Arbeitskräften der Bauwirtschaft
regelte. Inzwischen war die Zahl der Arbeitslosen im
Sommer 1937 auf eine halbe Million zurückgegangen
1938 beschränkten sich die Mangellagen im Arbeits:
einsatz nicht mehr auf Facharbeiter, sondern es fehlte
an Arbeitskräften überhaupt. Es wurder
Ende Juli 1938 noch 200000 Arbeitslose gezählt, vor
denen in Wirklichkeit jedoch nur ein Zehntel voll ein
satz- und ausgleichfähig war. In diesem Zusammenhang
weist Staatssekretär Dr. Syrup darauf hin, daß im
Laufe der Jahre seit der Machtübernahme ‚nicht nut
die Millionen Arbeitsloser Arbeit und Brot gefunden
hätten, sondern darüber hinaus viele Hunderttausende
deutscher Volksgenossen neu als Arbeiter und Ange:
stellte in das Erwerbsleben eingetreten seien. Der Zu:
gang belief sich von 1932 mit 12 Millionen Beschäftigten
bis 1938 mit annähernd 21 Millionen Beschäftigten
auf rund 9 Millionen Arbeitskräfte (ohne Berücksichtigung
der Einziehungen zur Wehrmacht und
zum Arbeitsdienst). Um bei dem Mangel an verfüg
baren Arbeitskräften und bei den ständig wachsenden
Anforderungen aller Wirtschaftszweige nach Arbeitern
und Angestellten die Gefahr zu beheben, daß vor
allem staatspolitisch besonders bedeutsame Vorhaben,
zu denen in erster Linie der Westwall gehörte, in
ihrer rechtzeitigen Durchführung in Frage gestellt
wurden, mußte unter Zurückstellung weniger wichtiger
Aufgaben eine Verschiebung von Arbeitskräften
aus minder wichtigen Betrieben in besonders wichtige
Betriebe vorgenommen werden. Die Voraussetzung
hierfür schuf der Beauftragte für den Vierjahresplan
durch die Einführung der Dienstverpflichtung
für alle deutschen Staatsangehörigen. Die Zahl
der Dienstverpflichtungen betrug im Jahre 1938 etwa
400 000 bei rd. 21 Millionen Arbeitern und Angestellten,
Im August 1939 hatte die Arbeitslosigkeit im
Großdeutschen Reich einen nie gekannten
niedrigsten Stand — 62000 — erreicht. Aber immer
noch wuchs der Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften
in ständig erhöhtem Maße.
I
Vebergehend zu der Einwirkung, die der Kriegsausbruch
auf dem Gebiet des Arbeitseinsatzes mit
sich brachte, stellt Dr. Syrup — gestützt auf Zahlenangaben
— interessante Vergleiche an hinsichtlich des
Ueberganges von der Friedens- in die Kriegsarbeit im
gegenwärtigen Kriege einerseits und beim Ausbruch
des Weltkrieges andererseits. Während unmittelbar
nach Ausbruch des Weltkrieges eine ungewöhnlich
große Arbeitslosigkeit unter den Industriearbeitern
Platz gegriffen hatte — im ersten Kriegsmonat
1914 sprang die Zahl der Arbeitslosen von 2,9 v. H.
auf 22,4 v. H., das heißt fast ein Viertel aller
Industriearbeiter, die nicht zum Heeresdienst ein:
gezogen waren, wurden durch Betriebsstillegungen
und Betriebseinschränkungen arbeitslos — hat es
eine bemerkenswerte Arbeitslosigkeiil
1030 hai Ayushruch dea goecenwärtiger
Saarpfälzische Wirtschaftszeitung Nr. 1t
Krieges nicht gegeben. Denn der höchste
Stand an Arbeitslosen in diesem Kriege, so stellt deı
Staatssekretär fest, betrug 263000, und zwar im
Februar 1940 zur Zeit des schweren und anhaltender
winterlichen Einflusses. „In jedem Friedenswinter vor:
einer derartigen Härte und Dauer waren viele Hun:
derttausende von Arbeitskräften freigesetzt worden
Zur Zeit beträgt die Zahl der Arbeitslosen 32000.
von denen aber nur 2800 voll einsatz- und ausgleichfähig
sind.“
Dr. Syrup hebt in diesem Zusammenhang hervor
daß für den reibungslosen Uebergang der Friedens- ir
die Kriegswirtschaft die von den Militärbehörden una
der Arbeitseinsatzverwaltung getroffenen Maßnahmen
zur Unabkömmlichstellung der unentbehrlichen Ar
beitskräfte sehr wesentlich gewesen Seien.
Das Kennzeichen der Lage des Arbeitseinsatzes
während des Krieges sei ein ständig zunehmender Bedarf
an Arbeitskräften gewesen. Dabei gelang aui
der Seiteder Männer einen Teil der eingezoge:
nen Arbeiter und Angestellten durch Zugänge auszugleichen,
die seit Ausbruch des Krieges auf rund
1600000 Kräfte zu beziffern sind; diese kamen insbe:
sondere aus dem Kreis der bisher noch nicht berufs:
tätigen, vor allem aus dem Schulentlassungsjahrgang.
sodann aus dem Kreis der bereits aus dem Berufsleben
ausgeschiedenen und schließlich aus dem Kreis
der Bewohner früher polnischer Gebiete sowie aus
dem Ausland. Die Erwartung, daß auch von der Seite
der Frauen eine Zunahme an Arbeitskräften eintrete,
hat sich zunächst als trügerisch erwiesen, denn die
Zahl der als Arbeiter oder Angestellte beschäftigten
Frauen, die vor Ausbruch des Krieges 8,1 Millionen
betrug, war bis Ende Februar 1940 auf mancherlei
Gründen (wie z. B. Schwierigkeiten in der Haushalts:
führung, Verheiratungen, Verzicht auf die Arbeits
pflicht für Empfänger des Familienunterhalts usw.)
um eine halbe Million zurückgegangen. Jedoch sei seit
Frühjahr 1940 der Ausfall an Frauen (die genannte
halbe Million) reichlich aufgeholt worden; die Zahl
der beschäftigten Frauen ist gegenwärtig um 300 000
höher als bei Ausbruch des Krieges.
Demgegenüber standen die Anforderungen an Ar:
beitskräften von seiten der Landwirtschaft, der industriellen
Fertigung und der Bauwirtschaft. Dr. Syrup
stellt als besonders bemerkenswert fest, daß es gelun:
gen ist, die Ernte des Jahres 1939 zu bergen und die
Frühjahrsbestellung und Ernte 1940 durchzuführen. Es
sei u. a. weiterhin gelungen, der Landwirtschaft an:
nähernd 1,4 Millionen Arbeitskräfte aus den Kriegsge:
fangenen und den ausländischen Arbeitern zuzuführen.
so daß der notwendigste Bedarf der Landwirtschaft
an Arbeitskräften gesichert werden könnte. Im Mittel:
punkt der Anforderungen der industriellen Fertigung
stand und steht die Rüstungsindustrie mit ihren Auf
trägen für das Heer, die Marine und die Luftwaffe
Zu ihnen treten das Werkzeugmaschinenprogramm
das Lokomotiv- und Wagenprogramm, das Binnen
schiffahrtsprogramm sowie der Bergbau und die chemische
Erzeugung und schließlich die Verkehrswirtschafi
und einige andere wichtige Bereiche. Der Gesamtum:
fang der Arbeiteranforderungen für die wichtigster
Fertigungsgebiete belief sich ständig auf mehrere
100 000. Die zur Befriedigung dieses Bedarfes unerläß
lich planvolle Umschichtung der Arbeitskräfte wurde
Jurch entsprechende Maßnahmen (Beschränkung de:
Arheitenlatzwecheele Dienetversflichtungen) oeeicher: