Full text : 45.1940 (0045)

1. Dezember / 45. Jahrgang

siriecl el Commercial durch sein Tochter
inslitul, dem Credit Indusitriel d’Alsace et de
Lorraine, in Meliz vertreten. Wenn schon diesen
Insliluten von vornherein jeglicher Regionalcharakter
'chlie, so kann man ihn auch dem in Deutschland besonders
 bekannten elsässischen Regionalinstitut, der
Allgemeinen Elsässischen Bankgesellschaft,
 die 1881 zur Uebernahme der elsässischen
Niederlassungen der Societe Generale gegründet wor
den war, nicht mehr zuerkennen. Die Allgemeine El:
sässische Bankgeseilschaft spielte aber insofern eine
Sonderrolle, als sie als einziges elsässisches Regionalinstitut
 durch Niederlassungen in Deutschland —
nach der 1938 erfolgten Aufhebung der Filiale Saarbrücken
 allerdings nur noch in Köln und Idar-Oberstein
 —- die deutsch-Iranzösischen Wirtschaftsbeziehun:
gen. pflegte. Alle diese Institute unterhielten in mehr
oder weniger großem Umfange an den mittleren Plät
zen Lothringens Filialen und in den kleineren nich!
sländig besetzte Agenturen. Einige kleine Metzer Prival
banken, wie z. B. die Banque de 1’Est, mit einem Aktien
kapital von nur 1. Mill. ffres., dürften von rein ört
licher Bedeutung gewesen sein. Schließlich darf nich
übersehen werden, daß Metz bis zu einem gewisser
Grade in den Aktionsbereich der nahen Wirtschaifitszen:
Irale Nancy einbezogen war. Das Schwergewicht des
lothringischen Kredit- und Kontokorrentgeschäfts mag
vor dem Kriege schätzungsweise überwiegend bei deı
Allgemeinen Elsässischen Bankgesellschaft, dem Credil
Industriel d’Alsace et de Lorraine und dem Credit
_Lyonnais gelegen haben.
Aus diesem Talbestand läßt sich einmal die Folgerung
 ziehen, daß der privatbankwirtschaftliche Sektor
recht reichlich besetzt war — übrigens eine für ganz
Frankreich kennzeichnende Erscheinung —, zum ande:
ren aber, daß Lothringen finanziell ebenso weitgehend
von der Pariser Haute Finance aus regiert wurde, wie
dies auf den übrigen Schlüsselgebieten der Wirtschaft
insbesondere bei der Großindustrie, der Fall war.
deren Gesellschaften mit einziger Ausnahme von de
Wendel seit der bekannten skandalösen Verschleude
rung des deutschen Besitzes entweder im Besitz Iran.
zösischer Großkonzerne oder doch zum mindesten im
Besitz von Gesellschaften waren, die ihren Sitz in Paris
halten. So ist selbsiverständlich auch das in Lothringen,
 verdiente Geld nicht dem Lande verblieben und
seiner Wirtschaft und seinen Gemeinden zugute gekommen.
 sondern nach Paris abgewandert

Bei dieser eindeutigen Lage mußte gründliche
Arbeit geleistet werden. Sie wurde einigermaßen dadurch
 beschleunigt, daß die Direktoren der Großbankfilialen,
 soweit sie Franzosen waren, es vorgezogen
hatten, ebenso wie ihre Kollegen aus der Großindusstrie,
 zu flüchten. Da ein funktionierender Kreditapparat
 nicht mehr vorhanden war, mußte, wie in den
übrigen besetzten Gebieten, auch hier zunächst die
Reichsbank durch Errichtung einer Zweigstelle der
Reichskreditkasse einspringen und für die Wiederingangsetzung
 des dringendsten Zahlungsverkehrs
Sorge tragen. Für die nur kurzfristig wiedererölfnelc
Banque de France kamen naturgemäß nur noch reine
Abwicklungsaufgaben in Betracht. Da andererseits die
Reichskreditkassen ihrer Struktur und Aufgabenstellung
nach nicht dazu bestimmt sind, den Kreditapparat zu
ersetzen, ergab sich zwangsläufig die Konsequenz einer
raschen Binechaliuns der deutschen Ranlken

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In welcher Form dies geschah, ist bekannt: Die
Deutsche Bank errichtete Filialen in Metz und
Diedenhofen und knüpft mit der VUebernahme des
Geschäfts des Credit Industriel an die Arbeit der chemaligen
 Filiale der Disconlo-Gesellschaft in Metz an
Ihre eigene Filiale war 1918 infolge des Waffenstillstandes
 nicht mehr zur Eröffnng gekommen. Die
Dresdner Bank übernimmt mit Filialen in Melz
und Diedenhofen das Geschäft der BNCI. und is!
außerdem als Treuhänderin der Allgemeinen Elsässischen
 Bankgesellschaft für Lolhringen eingesetzt, während
 das lothringische Geschäft des Credit Lyonnais
dem in Berlin und Saarbrücken domizilierenden Bankhaus
 K. Papenberg übertragen wurde, das die
Metzer Zweigniederlassung übernimmt und in St. Avold
eine Geschäftsstelle eröffnet. Die gleichfalls schon. in
der Vorweltikriegszeit in Lothringen * wie im Elsaß
aktiv tätige Saarbrücker Bank Gebr. Röchling
nimmt ihren früheren Wirkungskreis durch Zweigniederlassungen
 in Metz und Diedenhofen wieder auf
Schließlich gründete auch die Bank der Deut.
schen Arbeit in Metz und Saargemünd Zweig
niederlassungen.
Auf dem Gebiete der gewerblichen Genos
senschaften gab es in Lothringen ganz im Gegensatz
 zum Elsaß, wo zwischen 1907 und 1914 etwa
18 Volksbanken errichtet wurden, nur den 1892 gegründeten
 „Kreditverein für Lothringen e. G. m. b. H,
in Metz“, Dieses Institut unterhielt in Lothringen mehrere
 Filialen und verhinderte die Errichtung weilerer
selbständiger Volksbanken. Nach dem Weltkriege fand
as ein unrühmliches Ende, so daß es bei VUebernahme
ler Verwaltung in Lothringen keine einzige deutsche
Volksbank und kaum noch Warengenossenschaften gab
An die Stelle der deutschen Volksbanken Irat die französische
 Einrichtung der „Banques Populaires‘“, deren
gleichlautende Bezeichnung nicht darüber hinwegtäu
schen darf, daß ihre wesentlich stärker zentralisierte
Organisation von dem auf Selbsthilfe, Selbstverwaltung
und Selbstverantwortung beruhenden deutschen Genos:
senschaftswesen weit abweicht. Ohne auf die Organisation
 der Banques Populaires hier näher einzugehen.
sei nur festgestellt, daß Aufsicht und Kontrolle der
Banques Populaires dem Staate und der Banque de
France obliegt und daß sie in der Hauptsache dazu
berufen sind, an das Handwerk und die kleineren und
mittleren Gewerbetreibenden Staatskredite zu vermitteln.
 Ihr Kundenkreis war also grundsätzlich elwa der
gleiche wie bei unseren Volksbanken. In Metz bestand
sine Hauptanstalt, die „Banque commerciale el in.
lustrielle de l’Est de la‘ France“ firmierte und 14
Niederlassungen mit täglichen und 9 mit nicht täglichen
 Geschäftsstunden unterhielt. Es ist klar, daß
hier ein völliger Neubau notwendig war, zumal das
in der Banques Populaires ruhende gewerbliche Geschäft
 unbedeutend und zur Uebernahme größtenteils
nicht geeignet sein dürfte, Den diesbezüglichen Auftrag
erhielt Direktor Händel von der Zentralkasse
Südwestdeutscher Volksbanken A-G. in
Karlsruhe,
Unter erfreulich starker Mitwirkung des einheimi
schen Gewerbes sind bisher folgende Volksbanken gesründet
 worden:
1. Volksbank Diedenhofen e. G. m. b. H.:
2. Volksbank St. Avold e. G. m. b. H..
3 Volksbank Saarburg e. G. m. b. H, mit 6
sachäffeetn]lle in Pfalzhure-
            
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