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Saarpfälzische Wirtschaftszeitung Nr. 1:
Generaldirektor PAUL RAABE, Metz,
Generalbeauftragter für die Eisenerzgewinnung und -verteilung in den Gebieten Luxemburg und Lothringen.
Das lothringifche Mincttc-Gebiet
und feine wirtfchaftliche Bedeutung,
Der Eisenerzbergbau Lothringens kann erst auf
eine verhältnismäßig kurze Geschichte zurückblicken,
dafür ist seine Entwicklung aber um so intensiver
Wohl wurde auch schon lange vor 1870 Eisenerz in
Lothringen gewonnen, doch handelte es sich vorwie
gend um die sogenannten „Bohnerze‘“, eisenreich«t
Brauneisensteingerölle, die in taschenartigen Vertiefun
gen nahe der Oberfläche abgelagert waren. Sie be
zeichnete der Bergmann als „mine“ (Erz), während dic
eisenarmen und phoshorreichen Oolithe der Dogger
formation, die heute den Bergbau tragen, verächtlich
als „minette‘“, das heißt Erzchen oder kleines, min
derwertiges Erz, bezeichnet wurden. Erst mit der
Entwicklung des Thomasverfahrens wurden auch phos
phorreiche Eisenerze von wirtschaftlichem Interesse
und bei den Friedensverhandlungen von 1871 war es
der preußische Bergrat Hauchecorne, der auf die
große Zukunftsbedeutung der lothringischen Minette-Vorkommen
für Deutschland hinwies, So kam der
Östliche Teil des Erzgebietes, in dem die Erze im
Ausgehenden oder nahe an der Tagesoberfläche lagen.
zum Deutschen Reich, während man den größeren
westlichen Teil, in dem die Erze bis zirka 300 Meter
tief liegen, und in dem man schwierige Wasserverhältnisse
fürchtete, bei Frankreich beließ.
Die lothringischen. Eisenerze liegen im Untergrund
der Hochebene von Briey, die den westlichen Teil der
weiten lothringischen Hochebene bildet und sich vom
Südrand der Ardennen bis südlich Metz ausdehnt. Sie
ist bei weitem nicht überall erzführend; sondern nur
ihr östlicher Teil, nahe der Mosel, enthält bauwürdige
Eisenerze. Das Erzgebiet Lothringens läßt sich durch
folgende Städte umgrenzen: Longwy—Esch-—Diedenhofen—Nancy—Toul—Longwy.
Innerhalb dieses Gebietes trennt die etwa 25 Kilometer
breite, erzfreie, aber kohlenführende Sattelzon«e
von Pont-ä-Mousson das Erzgebiet in zwei Becken
das größere und bedeulendere nördliche Erzbecken vor
Briey-—-Longwy und das Kleinere und weniger bedeutende
von Nancy. Das Kohlengebiet von Pont-ä-Mousson
ist der westliche Ausläufer des Saarkohlengebietes.
Sein unmittelbarer Zusammenhang mit ihr
ist zwar noch nicht mit aller Sicherheit nachgewiesen.
doch sehr wahrscheinlich. Diese scheinbar so ideale
Vergesellschaftung von Eisen und Kohle hat wirtschaftlich
nicht die Bedeutung, die man vermuten würde
denn die Kohle ist für Hüttenzwecke nur sehr be
dingt verwendbar. Abgesehen davon aber ist die Verkehrslage
des Minette-Gebietes günstig. Unter normalen
Verhältnissen bestehen leistungsfähige Eisenbahnverbindungen
zu den Hütten des Saargebietes wie auch
zu denen Nordfrankreichs. Die Mosel und das mit ihr
verbundene Kanalsystem ermöglicht auch Verladung
auf dem Wasserwege in Kähnen bis 300 Tonnen, was
besonders für das nahe an der Mosel liegende Erz:
becken von Nancy von Bedeutung ist.
Geologisch gehört die lothringische Minette deı
Juraformation an, und zwar dem unteren Dogger. Die
Erzformation ist eine 10 bis über 50 Meter mächtige
Schichtgruppe von mergeligen und kalkigen Gesteinen
der eine Reihe von eisenarmen Schichten eingelager
sind. Man unterscheidet insgesamt 6 solcher Lager
die in der Reihenfolge von unten nach oben das grüne
schwarze, braune, graue, gelbe und rote Lager genann'
werden. Einige von ihnen werden wieder unterteilt
so daß man auf eine Gesamtzahl von 11 Lagern kommt
die ersteren 3 bilden die sogenannte kieselige. Gruppe
das heißt neben dem Eisengehalt tritt ein mehr oder
weniger erheblicher Gehalt an Kieselsäure stark her
vor, der den Kalkgehalt beträchtlich übersteigt, Die
letzten 3 Lager werden als kalkige Gruppe bezeich
net, hier überwiegt der Kalkgehalt erheblich gegen
über dem Gehalt an Kieselsäure. Von diesen 6 Haupt
lagern ist nur das graue Lager fast über das ganzı
Erzgebiet verbreitet und auch ‚fast‘ überall bauwürdig
während die anderen Lager nur lokal auftreten und
auch in der Bauwürdigkeit schwanken. Im Erzbecken
von Nancy sind überhaupt nur 3 Lager bauwürdig
enlwickelt. Die gesamte Erzformation, das heißt‘ alsc
die KErzlager mit ihren eisenarmen oder eisenfreier
Zwischenmitteln, bildet im großen gesehen eine aus
gedehnte Schichtplatte, die gleichmäßig und sehr flach
nach Südwest bzw. Süden einfällt. So kommt 'es,- daß
im Osten bzw. Norden die Erzlager an der Tagesoberfläche
bzw, den Talhängen ausstreichen, während, jc
weiter man nach Südwesten geht, sie desto tiefer einsinken,
und in den westlichen Gruben in zirka 30C
Meter Tiefe liegen. Diese einförmige Lagerung wird
unterbrochen nur durch eine flache, schwachwellige
Auffaltung und eine Reihe von Verwerfungen. Falten
achsen wie auch Störungen streichen Südwest—Nord
ost. Erstere sind bergmännisch bedeutungslos. Die
Verwerfungen schwanken in der Sprunghöhe zwischen
wenigen Metern und 130 Metern und Sind mit für
den Bergbau wichtig. Aus der geschilderten Art deı
Erzformation geht schon hervor, daß das lothringisch«
Minettevorkommen sedimentärer Entstehung ist. Es
ist eine Ablagerung eines flachen, küstennahen Meeres
Als Herkunftsgebiet des Eisens muß man die Ardennen
ansehen, und zwar ist das Eisen zum größter
Teil in Lösung dem Meer zugeführt und durch che
mische bzw. biochemische Prozesse ausgeschieden wor
den. Teils ist es aber in Form kleiner‘ Gerölle ar
Küslensaum abgelagert worden.
Die Gesamtvorräte des lothringischen Erzbeckens
sind bedeutend. Man kann eine Fläche von zirka 110(
Quadratkilometer als erzführend betrachten. Die Vor
ratsberechnungen haben im Laufe der Zeit ziemliche
Schwankungen erfahren. Eine 1902 von Kohlmanr
durchgeführte Schätzung ergab: ;
Luxemburg = 300 Mill. Tonnen
Disch.-Lothringen = 1835
Frz.-Lothringen - 1300
Insgesamt — 3485 Mil Tanner