15. November / 45. Jahrgang
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Regierungsrat Dr. SCHLESSMAN N, Saarbrücken,
Verkehrsreferent und Bevollmächtigter für den Nahverkehr beim Chef der Zivilverwaltung in Lothringen
YVerkehestucfen in Lothringen.
D“ nordlothringischen Gebiete waren seit Ausbruch
der Feindseligkeilen mit Frankreich den Auswirkungen
des Krieges unterworfen. Im Frühjahr diese:
Jahres erfolgte der Durchbruch der deutschen Armeer
durch die Maginotlinie an verschiedenen Stellen, Durch
die Kampfhandlungen selbst, insbesondere aber durch
die Maßnahmen der zurückgehenden {französischen
Armeen litten Verkehrswege und Verkehrseinrichtungen
besonders schwer. Die französischen Armecn haben
systematisch die Landstraßen durch große Sprengungen
unbrauchbar zu machen versucht; sie haben
fast sämtliche Straßenbrücken gesprengt; sie haben
Telepnonleitungen zerstört und mit diabolischer Gründ
lichkeit alle Eisenbahnwege. durch Aufreißen der Schie
nen und Sprengungen von Tunnels und Brücken un
brauchbar gemacht. Durch Zerstörungen aller Art und
Stauungen wurden auch die Wasserwege, insbesondere
die Saar, die Mosel und der Saar-Kohlen-Kanal unbenutzbar
gemacht. Die Transportmittel, insbesondere die
Nutzkraftfahrzeuge wurden zum erheblichsten Teil von
den Franzosen fortgeführt.
Der Chef der Zivilverwaltung stand vor einer
schwierigen Frage, da von der Lösung der Transport.
frage alles andere, insbesondere die Versorgung deı
Bevölkerung mit Lebensmitteln abhängt. Mit beispiel
losem Elan hat die Organisation Todt in Zu
sammenarbeit mit Pionieren, Bautruppen, Reichsarbeits
dienst und. den Dienststellen des Chefs der. Zivilverwal
tung die Arbeit angepackt und in kurzer Zeit die
Hauptverkehrsstraßen dem- allgemeinen Ver
kehr wieder zugänglich machen können. Zeitraubender
und. schwieriger waren die Wiederherstellungsarbeiter
an den Eisenbahnen. Lange Zeit konnten z. B. die
sehr wichtigen Bahnhöfe von Metz und Diedenhofen
nicht bedient werden. In überraschend kurzer Zeit war
wenigstens eine Eisenbahnlinie benutzbar, und zwar
die Verbindung Saarbrücken—Forbach-—Saargemünd -
Saaralben—Saarburg—Nancy. Aber auch hier brachter
die nächsten Wochen Schritt für Schritt eine Verbesserung;
hoffnungslos zerstörte Tunnels wurden wieder
fahrbar gemacht; neue Brücken wuchsen über die
Trümmerfelder der sinnlosen Sprengungen, Mit Ausnahme
von wenigen Sirecken ist heute der größte
Teil des Eisenbahnnetzes in Lothringen
wieder in Betrieb. Soweit die einzelnen Linien
die besonders verkehrswichtig sind, noch nicht mit
Zügen voll ausgeflahren werden können, wurde ein
Schienenersatzverkehr mit Kraftomnibussen
für die Personenbeförderung und mit Lastzügen für
die Güterheförderung eingerichtet
Die Deutsche Reichspost ist auch hier hel
fend eingesprungen. Sie hat sofort nach Uebernahme
der Verwaltung durch den Chef der Zivilverwaltung
großräumige Verkehrslinien als Ersatz für die zerstörten
Schienenwege bis zu deren Wiederhersiellung
eingerichtet und so wesentlich dazu beigetragen, das
stagnierende Verkehrsleben in Fluß zu bringen. Die
Arbeiten am Telephonleitungsnetz und in den Verteileranlagen
wurden so beschleunigt, daß das Fern.
snrechwesen nente fast wieder normal ist Anch der
übrige postalische Betrieb kann schon heute als zu
Ffriedenstellend bezeichnel werden.
Die Wassersiraßen sind trolz der großen Zer
störungen, die die Lage zunächst als wenig hoffnungsvoll
erscheinen ließ, schon vor dem Zeitpunkt, der als
iußerster Wiederherstellungstermin angenommen wer:
den konnte, betriebsfähig geworden. Die ersten Fracht
kähne sind üper Mosel, Rhein-Marne-Kanal, Saar-Kohlen-Kanal
in Saarbrücken eingetroffen, um zur
Entlastung der Schiene den Transport der Massengüter
Kohle und Erz aufzunehmen.
Ein besonders schwieriges Problem war der Güter
iIransport mit Kraftfahrzeugen. Der vorge-[undene
Bestand an Nutzkraftfahrzeugen
war denkbar gering und reichte nicht entfernt aus, um
auch nur die notwendigsten Transporte ausführen zv
können. Im Zusammenwirken mit den Kommandostellen
der Wehrmacht und den berufenen Reichsstellen
gelingt es Schritt für Schritt, die lothringische
Wirtschaft mit den nötigen Nutzkrafifahrzeugen aus:
zustatten. Durch die Beschlagnahme-Anord:
nung vom 15. September 1940 wurde das freie Verfügungsrecht
über Nutzkraftfahrzeuge aller Art ausgeschlossen,
um der Abwanderung aus Lothringen aus
gewinnsüchligen Zwecken vorzubeugen. Der Einsatz der
Nutzkraftfahrzeuge wird ähnlich der Regelung im Reich
durch den Bevollmächtigten für den Nah.
verkehr und durch seine Organe, die Fahrbereilschaftsleiter,
nach bestimmten Richllinien geregelt, um
die lebenswichligen Transporte sicherzustellen, wobei
es mitunter notwendig ist, in das freie Verfügungsrecni
der Besitzer von Nutzkraftfahrzeugen einzugreifen. Dic
Fahrbereitschalten sind bei dem Stadtkommissar in
Metz und bei den Landkommissaren eingerichtet, zu
deren Unterstützung an besonders wichtigen Orten
Stützpunktleiter bestimmt wurden.
Die Versorgung Lothringens mit Treibstoff war
von Anfang an gesichert. Die Bewirtschaftung erfolgle
ebenfalls durch das Verkehrsreferat beim Chef der
Zivilverwaltung, dem die Bedürfnisse der verschicdenen
Sektoren des Kraftverkehrs am ehesten geläufig
waren. Durch Ausgabe von besonderen Tankauswelskarten
wurde der Treibstoff-Verbrauch reguliert; die
rechtliche Grundlage für die Einschränkung der nich!
lebensnolwendigen Benutzung von Personenkraftfahr
zeugen scnaffte die Anordnung über die Weilerbe
nutzung von Kraftfanrzeugen vom 15. Juli 1940
Zur Ordnung des gesamten Güterverkehrs mit Krafllahrzeugen
ist die Anordnung vom 22. Oktober 1940
argangen, durch die der Güterfernverkehr, der gewerbliche
Verkehr, der Werkverkehr und der Kraftverkehr
der Deutschen Reichsbahn dem Bevollmächtiglen für
den Nahverkehr ausnahmslos unlerstellt wurde. Durch
eine Anordnung vom gleichen Tage wurde die Personenbeförderung
mit Kraftfahrzeugen
im Linien- und im Gelegenheitsverkehr
sowie mit Straßenbahnen der Genehmigungs:
pflicht und der Aufsicht des Chefs der Zivilverwallung
and seiner nachgeardnelen Dienstslellen unterwoarfen