Full text : 45.1940 (0045)

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Gewerbes wird es unvermeidbar sein, daß solche
kleinen Zwergbetriebe infolge der Unmöglichkeit, ihre
Daseinsberechtigung nachzuweisen, und auch weil infolge
 der veränderten Verhältnisse ein Bedürfnis für
derartige Betriebe heute nicht mehr besteht, verschwinden
 müssen. Hinzu kommt noch, daß eine große An:
zahl von Betrieben infolge Abwesenheit der bisherigen
Inhaber noch geschlossen sind. Es wird daher bei der
Prüfung der Frage, ob und inwicweit solche Betriebe
wieder eröffnet werden sollen, Gelegenheit gegeben
sein, die Zahl der Gaststätten mit der Einwohnerzahl
in Einklang zu bringen. Man kann sich des Eindrucks
nicent erwehren, daß das Gaststättengewerbe
besonders in Metz, übersetzt ist. Um dieser Uebersetzung
 zu steuern, werden daher Betriebe, die in
folge Abwesenheit des Inhabers z. Zt. geschlossen sind
vor ihrer Wieaereröffnung durch einen kommissarisch
einzusetzenden Verwalter hinsichtlich der Bedürfnisfrage
 einer strengen Prüfung unterzogen.
Was in vielen Gaststätten als besonders auffallender
Mangel bezeichnet werden muß, sind die primitiven
bzw. das Fehlen hygienischer Einrichtungen, so wie
sie heute im nationalsozialistischen Deutschland ver
langt werden. In dieser Beziehung wird im lolhrin
gischen Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe vie:
Aufbauarbeit zu leisten sein und manche Ver
besserung getroffen werden müssen. In Zusammen
arbeit mit den Polizeibehörden sind die ersten Grund
lagen der organisatorischen Erfassung des Gewerbes
in Metz, Diedenhofen, Saarburg und einigen kleineren
Plätzen inzwischen so weit gediehen, daß in Kürze ein
Gesamitüberblick über die vorhandenen Betriebe möglich
 wird.

Hinsichtlich der Bedeutung für den Fremdenver
kehr, der in Zukunft zweifellos einen größeren Um
fang als in der zurückliegenden Zeit annehmen wird
steht Metz als die größte Stadt Lolhringens im
Vordergrund. Wenn auch Lothringen im Verhältnis zun:
Elsaß nicht in gleichem Umfange Anziehungspunkt für
Erholungsreisen ist, so kann doch schon heute gesag
werden, daß das Lothringer Land in mancher Be:
ziehung dennoch eine große Anziehungskraft ausüben
wird, da neben den stark industrialisierten Teilen aucl
Lothringen landschaftlich schr reizvolle Gegenden bietet
Die stark ausgebauten Befestigungswerke der Maginot
linie, die sich durch die Höhen vor Metz hinzicht,
werden sicherlich nicht verfehlen, den Reisestrom
auch über Lothringen zu lenken. Voraussetzung füı
eine Belebung dieses z. Zt. noch sehr daniederliegenden
Landes ist jedoch ein leistungsfähiges Gaststätten- und
Beherbergungsgewerbe. Es wurde daher bereits Vorsorge
 getroffen, daß die wenigen neu zu besetzenden
Hoteis erfahrenen und hewährten Fachleuten anvertraut
 wurden, die in der Lage sind, allen Anforderungen.
 die der deuische Reisende hinsichtlich der

Saarpfälzische Wirtschaftszeitung Nr. 1-Beköstigung

 und Unterbringung stellen kann, vollaut
nachzukommen. Die erforderlichen durchgreifender
Maßnahmen zwecks Beseitigung des für einen Deutschen
 unverständlichen französischen Stils sind bereits
 in Angriff genommen. In gleicher Weise, wie sich
das äußere Stadibild Metz bereits gewandelt hat, werden
 auch in Kürze die repräsentanliven Hotelbetriebe
die undeutschen Einrichtungen ablegen, und auch die
letzten Ueberreste, die an eine vergangene französische
Zeit erinnern, für immer beseitigt. Soweit das bestehende
 Gewerbe in Betracht kommt, wird es Aufgabe
 für die nächste Zukunft sein, diesen Betrieben
dabei an Hand zu genen, gemütliche und einladende
Betriebe zu schaffen. So wırd bei dem Wiederaufbau
der zahlreichen zerstörten Betriebe gleichfalls verfahren
 werden müssen. Da große Teile Lolhringens
geräumt und obendrein viel deutschstämmige Wirte
rücksichtslos ausgewiesen waren, kann der Wiederaufbau
 des Gaststätlen- und Beherbergungsgewerbes
in diesen Gebieten nur Schritt für Schritt vorgenommen
 werden. In! Zuge der sinnvollen Planung
vom Gesichtspunkte des Fremdenverkehrs aus wird
auch die Ueberprüfung der Betriebe hinsichtlich ihrer
Betricbsart eine besondere Bedeutung erhalten und
Klarheit aarüber senalfen, welchen Umfang die bestehenden
 Konzessionen besitzen.
Wenn auch unter aer französischen Herrschaft die
Fassung der deutschen Gewerbeordnung Anwendung
[and, so bestand nebenher noch das französische Gesetz
 über die Lizenzen. Hiernach konnte ein Hotel
(Beherbergungsbetrieb) ohne Lizenz eröffnet werden
Es bedurfte hierzu nur einer Anmeldung. Für reine
Kaffeehäuser mit Ausschank von. Kaffee, Tee, Bier.
Wein und anderen Getränken ohme Alkohol war eben:
lalls keine besondere Erlaubnis notwendig. Derartige
Betriebe bedurften lediglich der Anmeldung. Bezüglich
Zahlder Schankwirtschaften geben die Zäh-‘ungen
 von 1922 und 1928 gewisse Anhaltspunkte.
Hiernach belief sich die Gesamtzahl auf 4721 im Jahre
1922 und 4890 im Janre 1928. Die späteren Erhebungen
sind unvollständig. Es ist jedoch anzunehmen, daß mi‘
Beginn des Krieges etwa 4000 bis 4500 Betriebe vorhanden
 waren. Da der überwiegende Teil als Kleinbetrieb
 anzusprechen ist, und Großbetriebe auffallend
stark zurücktreten, wird in Zukunft nach Beendigung
der organisatorischen Vorarbeiten in fachlicher Hin
sicht eine große, umfangreiche, aber auch sicherlict
dankbare Aufgabe gestellt werden.
Dem Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe in
Lothringen wieder ein deutsches Gepräge, deutsches
Ansehen und neue solide Grundlagen zu geben, isi
genau so erforderlich, wie die Verpflichtung des lothringischen
 Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes am
Wiederaufbau der Gesamiwirtschaft tatkräftig mitzvwirken


ROBERT MARTIN. Saarbrücken

, x ,„
Kredittwefen in Lothringen.
Dieser Aufsatz wird in der .‚Saarnfälzischen Wirtschaftszeituno‘“ Nr. 15 vom 1. Dezember 1940 veröffentlicht.

Regierungsrat Dr. ROLKE. beim Reichsaufsichtsamt für Privatversicherungen

Das Derficherungstwuefen in Lothringen.
dieser Anfsatz wird in der „Saarnfälziechen Wirtechaftezeitung“ Nr 15 yam 1 Dezember 1040 veräffen!1;
            
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