Full text : 45.1940 (0045)

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suchen und mit ihnen die wichtigsten Fragen zu besprechen.
 Zunäcnst war die Verbindung durchaus lose,
verdichtete sich aber allmählich zu einer erfreulichen
Zusammenarbeit, Durch den verstärkten Einkauf in
Frankreich gelang es dann auch, mit Betrieben außerhalb
 von Metz in Verbindung zu treten. So wurden

Saarpfälzische Wirtschaftszeitung Nr. 1:

beispielsweise für den lolhringischen Textileinzelhande:
Gemeinschaftseinkäufe organisiert, ein Verfahren, das
auch bei einer Reihe anderer Handelszweige ange:
wandt wurde. Die Ergebnisse sind ein Beweis dafür.
daß der lothringische Einzelhandel bestrebt ist, wiedeı
die Sielle einzunehmen, die ihm gebührt.

CLEMENS BECKER, Saarbrücken

Handelsmittler in Lothringen.

H andelsmittlertätigkeit wird bestimmt von der wirt.
schaftlichen und strukturellen Lage eines Gebietes
von der Bevölkerungsdichte und von der Güte der Ver
kehrseinrichtungen. Wenn wir daher im Saarland einer
großen Zahl von selbständigen Handelsmittlern auf
dem Gebiete der Warenvermilllung, im Versicherungs:
wesen und als Grundstücksmaklern begegnen, so hal
dies seinen Grund in der Aufnahmefähigkeit des Mark:
tes an Verbrauchs- und industriellen Gütern, im Bedürfnis
 nach Versicherungsschutz oder dem gesteigerten
 Wechsel an Haus- und Grundbesitz. HfTer finden
selbständige Kaufleute Abnahme für große Warenmengen,
 hier ist die Forderung nach Beratern und
Vermittlern für Maschinen und Geräte groß, und ganz
von selbst ergeben sich hieraus Geschältsmöglichkeiten
für Versicherungsvermittler und Grundstücksmakler
Betrachten wir dagegen den Aufbau der lothringischen
Wirtschaft, so ergibt sich von selbst, daß ein Feld zu
einer so ausgedehnten Tätigkeit von Handelsmittlern
dort nicht gegeben ist, daß man im Gegenteil von einem
nur schwach entwickelten Stand der Handelsmittler
 sprechen kann,
Die Stärke der lothringischen Wirtschaft ist die
landwirtschaflliche Urerzeugung, dementsprechend ist
auch die Bevölkerungsdichte nur 111 Einwohner auf
den Quadratkilometer im Gegensatz zum Saarland, wc
428 Menschen auf dem gleichen Raum leben und
arbeiten. Industrielle Tätigkeit — abgesehen von einer
Verbrauchsgüter- und Genußmittelindustrie, die über
den gesamten Raum verstreut ist — finden wir in zwei
Zentren, im Gebiet an der Saargrenze um Forbach:
Stieringen, Merlenbach mit seinen Gruben, und im Gebiet
 um Dieaenhofen mit seinen Hülten sowie zuletzt
als Verbrauchsgüterplatz größeren Ausmaßes Metz
Es ist daher eine natürliche Folge, daß die Mehrzahl
 der Handelsmittler im Warengeschäftszweig am
Platze des größten Verbrauches, in Metz, und eine
nicht geringe Zahl von technischen Vertretern im In:
dustriegebiet ansässig sind. Ueber die Lage dieser
Handelsmittler und über inre Zukunftsaussichten ein
abschließendes Urteil abzugeben, dürfte heute noch
verfrüht sein. Soviel kann jedoch gesagt werden, daß
die politischen Verhältnisse auf die wirtschaftliche Lage
von Handelsmittlern weit tliefgreifendere Wirkungen
ausübt als auf die Lage manch anderer Berufszweige.
Handelsvertreterlätigkeit ist immer eine Frage der Persönlichkeit
 und des Vertrauensverhältnisses zu den
Unternenmungen, für die Geschäfte abgeschlossen werden
 sollen. Wenn nun durch die Wiederangliederung
Lothringens plötzlich alle Fäden, die Handelsvertreter
zur französischen Wirtschaft geknüpft hatten, abreißen
mußten, so ergibt sich, daß die Angehörigen dieses
Berufsstandes zunächst ihre ganze Aufmerksamkeit auf

die Wiederanknüpfung ebensolcher Beziehungen zu}
deutschen Wirtschaft legen müssen. Sie können nich
wie Groß- und Einzelhandel Bestellungen nunmehr
bei altreichsdeutschen Firmen aufgeben, sondern müs
sen erst Partner suchen, die sich ihrer Vermittlung
bedienen wollen. Die Zeitspanne der Wiedereinschal
tung wird deshalb in der Regel sehr viel länger als
bei andern Zweigen der Wirtschaft sein. Es ist vorhei
schon gesagt worden, daß Handelsmitllertätigkeit ein«
Persönlichkeitsirage ist

Sind Persönlichkeiten im neuerkämpiften Raum verhanden,
 die eine rasche und für die Wirtschaft des
Gebietes nützliche Tätigkeit alsbald aufzunehmen
in der Lage sind?

Diese Frage kann bejaht werden. Einmal sind es
Männer, die schon vor 20 Jahren als Handelsmittleır
tätig waren und von damals her noch über Beziehun-:
gen zur deutschen Wirtschaft verfügen, die sie sict
jetzt wieder zu Nutzen machen können, und zum
anderen Male sind Nachwuchskräfte vorhanden, die
ainsalzfreudig genug sind, um in absehbarer Zeit als
Vertrauensleute für Großhandel und Industrie zur Ver
‘ügung zu stehen. Beste Kenninis des lothringischer
Marktes und der Abnehmer bringen alle mit. Die Ein:
führung in die deutschen Verhällnisse wird durch die
Arbeit. der Organisationen der gewerblichen Wirtschafl
hier mehr als in den altreichsdeulschen Gebieten ge:
fördert werden müssen, um so die Voraussetzungen
für den Konkurrenzkampf mit Berufskameraden, die
aus benachbarten Gebieten kommend in Lothringen
arbeiten wollen und werden, zu schaffen, denn wic
man die lothringischen Vertreter nicht auf einen engbegrenzten
 Bezirk beschränken will, wird man aui
die Dauer Lothringen nicht nur den ein
heimischen Vertretern vorbehalten kön:
nen. Im Augenblick muß jedoch die Forderung nack
bevorzugter Berücksichtigung der lothringischen Han
delsmittler mit allem Nachdruck vertreten werden. Die
deutschen Unternehmungen, die ihre Erzeugnisse deır
lothringischen Markt zuführen wollen, werden gut tun
in jedem Fall durch Inanspruchnahme des C.d.Z. Be
auftragten bei der Handelskammer Metz festzustellen
ob nicht ein lothringischer. Handelsmittler für ihre be
sonderen Zwecke bestellt werden kann.
Besteht nun die Möglichkeit einer solchen, vor allem
fachlichen Vermittlung?
Auch diese Frage kann — wenn auch mit gewisser
Einschränkungen — bejaht werden. Untersuchunger
über die Verhältnisse haben ergeben, daß, gemesser
an dem Wirtschaftsvolumen, genügend Kräfte vorhan
den sind, ohwohl ein pinseitigee Tilehersewicht der
            
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