Full text : 45.1940 (0045)

15. November / 45. Jahrgang

Betriebe der einzelnen Orte und der verschiedenen
Hanaelszweige aufgezählt sind. Aber auch dieses Material
 kann, da derartige Bücher bald überholt sind,
nur mit gewisser Vorsicht benulzt werden, Eine Zusammenfassung,
 der im Adreßbuch aufgeführten Betriebe
 ergipnt für das Jahr 1939 ungefähr folgendes
Bild:

Handelszweig Anzahl der Geschäfte
Lebensmittel 2430 (einschl, Filialbetriebe‘)
Tabakwaren 210
Textilwaren 480
Schuhe 215
Leder 69
Möbel 132
Kohlen 247
Eisenwaren 139
Drogen 77
Garagen 149
Papierwaren 96
Rundfunk 82
Samenhandlungen 123

Angaben über den Handel mit Gold- und Silberwaren,
 mit Landmaschinen und mit verschiedenen
anderen Warenarten fehlen noch

Veber die Besitzverhältnisse ist zu sagen, daß Unternehmer
 mittleren und kleineren Umfanges meist in
den Händen von Lothringern waren, während die
großen Unternehmen, die vor allem in der Nachkriegszeit,
 insbesondere in der Zeit von 1932 bis 1939 ent:
standen waren, sich in Händen von Juden, in .geringerem
 Umfang von Imnnerfranzosen befanden, So
waren in Metz die großen Kaufhäuser in jüdischem
Besitz; epenfalls hatten die beiden Einheitspreisgeschäfte
 Juden als Inhaber. Stark mit Juden durchsetzt
 war vor allem der Textil-, Möbel-, Pelz- und
Schuheinzelhandel. In Metz bestanden allein 10 jüdische
Möbelgeschäfte. Unter den Pelzhändlern. von Metz
waren 8 nichtarische Betriebe. Daß unter diesen Umständen
 an eine gedeihliche Entwicklung der heimischen
 mittelständischen Beiriebe nicht zu denken
war, ist nur zu leicht verständlich. Die alteingeseSssenen
 Betriebe hatten, sofern sie nicht zur völligen
Bedeutungslosigkeit herabgesunken waren, nur uniergeordneten
 Einfluß. Zum Teil ist die ungesunde Entwicklung
 verursacht durch Auswüchse in einzelnen
Formen des Hausierhandels. Jüdische Hausierer
arbeiteten mit Methoden, die jeden Handel in Verruf
bringen müssen. In einem Bericht der Metzer Handelskammer
 heißt es von ihnen: „Es sind Leute unter
ihnen, die wiederholt Konkurs gemacht haben, trol[Zzdem
 aber unter dem Namen eines Bruders, Vetters
oder Freundes weiter handeln. Ihr Name endet meist
mit ‚ski‘ oder ‚itz‘.“ Diese jüdischen Hausierbetriebe
hatten oft einen erheblichen Geschäftsumfang. So bebeschäftigle
 eine einzige jüdische Hausierfirma zwanzig
Kraftwagen, die mit einer Bemannung von je 4 bis 5
Juden tagtäglich im Lande herumfuhren. Systematisch
wurde Dorf für Dorf und Haus für Haus bearbeitet
und wurden Waren aller Art angeboten. Als die deutschen
 Truppen in Metz einzogen, hatten diese geschäftstüchtigen
 Männer bereits das Land verlassen,
Mit ihnen waren auch die Besitzer der größeren jüdischen
 Ladengeschäfte verschwunden, vielfach unter
Mitnahme ihrer ganzen Warenvorräte. Eine besondere
Stellune nahmen im lothringischen Lebensmitteleinzel-379



aandel die Filialbetriebe und Verbrauchergenossenschaften
 cin. Die Zahl der Verkaufsstellen war vop
Jahr zu Jahr im Steigen begriffen. Es bestanden bei
Eintreffen der deutschen Truppen:
Der Filialbetlrieb Les Eco — Zentrale Metz —
mit 650 Verkaufsstellen in Frankreich. da
von 300 in Lolhringen;
der Filialbetricb Sanal — Zentrale Nancy — mit
400 Tilialen in Frankreich, davon 200 in
Lothringen;
die Verbrauchergenossenschaft Les Coopcrateurs
Sitz Nancy — mit 850 Filialen in Frankreicn,
 davon 70 in Lothringen.
Daneben bestanden noch eine Reihe von Werkskonsumanstalten
 und kleinerer Verbrauchsgenossenschaften.
Einkaufsvereinigungen aller Art wurden
gebildet. Die Armee, die Eisenbahn und sonstige Behörden
 richteten überall derartige „Betriebe ein. Diese
Entwicklung ist keineswegs verwunderlich angesichts
ler Tatsache, daß sich Filialbetriebe und andere Unlternehmen
 des besonderen staatlichen Schutzes erfreuten
Die Verhältnisse im Einzelhandel waren
»eim Eintreffen der deutschen Behörden keinesvegs
 erfreulich. In Metz, Diedenhofen sowie in
zielen anderen Orten, in denen sich die jüdischen Geschäfte
 breit gemacht hatten, waren zahlreiche Läden
geschlossen. In den geräumten Gebieten waren die
Betriebe teilweise zerstört. im allgemeinen resi1os aus
zeplündert.

Die im nichtgeräumten Gebiet noch vorhandenen
ffenen Läden verfügten kaum noch über Vorräte. Die
;eit 1938 herrschende Kriegspsychose hatte schon vor
Xriegsausbruch den Unternehmergeist erlahmen las-;jen.
 Während des Krieges wurde in den nichtgeräumen
 Gebieten, auch in Metz, nur soviel eingekauft, als
zerade zur Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig
war. Ueberall herrschte deshalb bei Eintreffen der
leutschen Behörden ein ausgesprochener Warenmansel,
 der durch Hamsterkäufe der Bevölkerung ver-;tärkt
 wurde. Es war notwendig, Maßnahmen zu tref-'en,
 einerseits zur Sicherung der Ernährung, andererjeits
 zur Erhaltung der noch vorhandenen Bestände in
ınderen Waren. Auf dem Lebensmittelsektor mußten
zunächst Lieferungen der notwendigsten Waren aus
jem Reich erfolgen. So kamen in größeren Mengen
Kartoffeln, Zucker, Teigwaren und Kaffeemittel aus
ler Saarpfalz. In erheblichem Umfange wurden auch
WVaren in Frankreich eingekauft

Am 4. Juli 1940 wurden sämtliche Einzelhandelsjetriebe,
 außer den Geschäften mit Lebensmitlel-,
\potheker- und Drogenwaren, geschlossen, um einen
vollständigen Ausverkauf zu verhindern. Ihre Wicdersräffnung
 erfolgie mit Einführung der Bezugsscheine
Der Aufbau der Organisation des Einzelhandels
 stieß auf große Schwierigkeilen, Die Verindung
 mit den Betrieben außerhalb von Metz konnte
‚orerst überhaupt nicht aufgenommen werden, da jeg:
iche Postverbindung fehlte und der Bahnverkehr ruhle
Die bisherigen Organisationen konnten nicht herangezogen
 werden, da sie ihre Mitglieder im allgemeinen
jie betreut hatten. Die einzige Möglichkeit bestand
Zarin. so rasch wie möglich einige Vertraucnnsioenle 7U
            
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