378
Erlangung von Krediten für diese meist über Normalbestellungen
der Firmen weit hinausgehenden Käufe
war der Beauftragte bei der Handelskammer Metz
behilflicn. Außerdem vermiltelte er den Firmen Passierscheine,
Devisenbescheinigungen und Zollberechtigungsscneine,
Bei aller Bedeulung, die dem Warenbezug aus
Frankreien naturgemäß in der ersten Zeit zukommen
mußte, durfte nicht übersehen werden, möglichst
rasch die Verbindung zwischen dem lothringischen
Großhandel und den reichsdeutschen
Erzeugerfirmen herzustellen. Daß
diese Aufgabe nicht einfach zu lösen ist, wird verständlich,
wenn man sich vergegenwärtigt, welche
Schwierigkeiten sich z. B. aus den Bewirtschaftungsmaßnanmen
des Altreichs ergeben. Auch hinsichtlich
der Einbeziehung Lothringens in die reichsdeutschen
Kartellorganisationen des Großhandels werden sich
noch Schwierigkeiten zeigen, die man nur durch Uebergangsmaßnahmen
lösen kann.
Neben der laufenden Betreuung des Großhandels
steht seine organisatorische Erfassung im Vordergrund
der Arbeit. In jeder Branche müssen außer
den Großhandelspetrieben, die z. Zt. arbeiten, die verwaisten
Betriepc erfaßt werden. Auf Grund des so
gewonnenen Gesamtüberblicks wird entschieden, welche
der verwaltungsbedürftigen Betriebe durch kommissar
sche Verwalter fortgeführt und welche zu
liquidieren sind. Die Frage, ob ein Betrieb liquidiert
wird, hängt einzig und allein davon ab, ob das Unternehmen
für die Versorgung nolwendig ist oder nicht.
Allgemein kann gesagt werden, daß der lothringische
Großhandel nicht als übersetzt anzusprechen ist.
Besondere Schwierigkeiten haben sich bei der Erfassung
des Großhandels hinsichtlich der Abgrenzung
zu anderen Wirtschaftsstufen ergeben,
Häufig trifft man in Lothringen sog. Demi-Grossisten
an, die sich zwar als Großhändler bezeichnen,
auch gewisse Großhandelsfunktionen erfülten.
im übrigen aher nach den Richtlinien, die im Alt-Saarpfälzische
Wirtschaftszeitung Nr. 1%
‚eich gelten, nicht als Großhändler anerkannt werden
zönnen.
Man wird den leistungsfähigen Großhandel des an
‚othringen angrenzenden Altreichsgebietes auf die
Dauer nicht vom Wettbewerb in Lothringen ausschließen
können... Das Schwergewicht des lothrinzischen
Großhandels liegt nach Zahl und Bedeutung
jer Betriebe im westlichen Teil Lothringens. Deshalb
wird vor allem der östliche Teil dieses Gebietes als
1atürliches Absalzgebiet für den saarpfälzischen Großjandel
in Frage kommen. Bei dem Wiederaufbau und
ler Wiedereinräumung des seinerzeit freigemachten
othringischen Grenzgebietes mußten in verschiedenen
Sparten bereits saarpfälzische Großhändler herangezogen
werden, insbesondere zur Lieferung von Lebensmitteln,
Textil- und Eisenwaren, sowie Baumaterialien.
Vorübergehend bedarf der lothringische
Großhandel eines gewissen Schutzes,
ähnlich wie er dem Saargebiet nach der Rückgliederung
1935 für eine gewisse Zeit gegenüber der
Konkurrenz aus dem Altreichsgebiet zugestanden wurde,
Die Grundlage hierzu bietet die Verordnung zur Sicheung
des geordneten Aufbaues der Wirtschaft in Loth-:ingen
vom 10, Oktober 1940.
Heute schon haben eine ganze Anzahl lothrinzischer
Großhandelsuniernehmen die Folgen der kriezerischen
Ereignisse im Westen soweit überstanden
Jaß sie eines besonderen Schutzes kaum noch hbelürfen
und den reichsdeutschen Wettbewerb nicht zu
'ürchten brauchen. Wenn auch die übrigen Betriebe
nit Unterstützung der in Lothringen eingesetzten
‚eichsdeutschen Stellen die Schwierigkeiten überwunlen
haben werden, die sich zwangsläufig aus, einer so
»nschneidenden Umstellung ergeben, wie sie die Einzliederung
eines Gebietes in das Wirtschaftsgefüge eines
ınderen „ıandes darstellt, werden sich die lothrinzischen
und saarpfälzischen Großhändler in kamerad
üichem Wettstreit messen und sie werden in gemein
;amer Verbundenheit nach besten Kräften die Ver
sorgung den lothringischen Marktes sicherstellen
Dipl.-Volkswirt Dr. ADALBERT FOURNELLE, Metz
Der Einzelhandel in Lothringen.
| DE Fahrt durch die lothringischen Lande zeigt, daß
im überwiegenden Teil Lothringens Landwirtschaft
getrieben wird und daß sich die industrielle Tätigkeit
auf einen verhältnismäßig kleinen Teil des Landes beschränkt.
Dem entspricht auch die Bevölkerungsdichte.
Nur wenig Orte von Bedeutung sind vorhanden, Die
größte Stadt ist Metz, das mit den jetzt eingemeindeten
Orten vor dem Kriege ungefähr 105000 Einwohner
zählte, Städte mit 20000 bis 100000 Einwohnern
fenlen vollständig. Die größte Bevölkerungsdichte
weist das Gebiet um Diedenhofen auf (Grundlage
Erz) und die Gegend um St. Avold. Merlenbach
Hauptgrundlage Kohle).,
Dem Aufbau der Bevölkerung entspricht auch die
Verteilung des Handels, insbesondere des Einzelhandels.
In Metz, der Metropole des Landes, ist der Sammelpunkt
der einzelhändlerischen Tätigkeit. Dort befinden
sich die hedeutenderen Geschäfte hier sind die srößten
Xaufhäuser des Landes. Zahlenmäßige Angaben über
len Einzelhandel sind von früher her kaum zu erıalten.
Wer die Berichte der Handelskammer Metz
iurchliest, dem wird auffallen, daß der Einzelhandel
aur in kurzen Sätzen erwähnt wird und positive Zahen
nicht zu finden sind. Auch von den lothringischen
Verbänden, von denen es eine Reihe gab, ist Zahlennaterial
nicht zu erhalten. Diese Verbände waren
zeine Interessenvereinigungen, umfaßien nur einen Teil
ler Angehörigen eines Berufszweiges und sind auch
hinsichtlich der Betreuung der Mitglieder nicht mit den
Organisationen des Altreiches zu vergleichen.
Auch das Handelsregister gibt keinerlei Unterlagen.
la es seit Jahren nicht mehr genau geführt wurde.
Eintragungen neuer Betriebe sind vielfach nicht erfolgt
und Löschungen unterblieben. Das einzige Hilfsmittel,
das Angaben über den Einzelhandel enthält,
ist das jährlich erscheinende Adreßhuch in dem die