15. November / 45. Jahrgang
KARL SCHWESINGER, Saarbrücken, Beauftragter für die Salzwirtschaft in Lothringen
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Die lothringifchen Salinen.
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D* lothringischen Salzvorkommen sind schon seit
vielen Jahrhunderten entdeckt und seitdem von
allen jeweiligen Besitzern der bunten geschichtlichen
Zeitfolge ausgewertet worden. Herzöge, Bischöfe und
Fürsten besaßen im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte
das Salzımmonopol, das den einzelnen sehr
viel Geld einbrachle.
In den Jahren 1885—87 schlossen sich die einzelnen
Salinen zu einem gemeinsamen Verkauf zu«
sammen und gründeten das „Salzverkaufscontor Duß“,
dessen Name allen älteren Kaufleuten des westlichen
Gebietes noch bekannt sein dürfte
sämtlichen Räumen herrschte ein wüstes Durcheinınder
Dazu kam noch, daß die Schleusen bei Saaralben
ıufgezogen waren und ein großer Teil des Ortes unter
Nasser stand.
Die dringendsten Säuberungs- und Repa-»aturarbeiten
in den Salinen, sowie Entwässern
les Belriebsgeländes und viele Arbeiten mehr, wurden
‚on den Betriebsleitern und Arbeitern, die bei der Räunung
ebenfalls nauptsächlich in die Gegend von Nanzig
zurückgezogen wurden, und sich sofort zum Wicderıufbau
zur Verfügung stellten, schnellstens in Angriff
zenommen. Alle Werksangehörigen wurden sofort nach
ZAückkehr in die Heimat eingestellt und zu den drinzendsten
Arbeiten eingesetzt. Teils kamen die Männer
aus deutscher Gefangenschaft oder aus französischen
Militärdiensten, teils aus den Gebieten des Innern Frank-‚eichs,
die die Evakuierten aufgenommen hatten. Manch
siner dieser Männer fand statt seines Wohnhauses einen
Schutthaufen und hat sich im ersten Augenblick wohl
aoffnungslos nach der nächsten Zeit gefragt. Welch
Aufatmen wird ’es dann gewesen sein, zu sehen, daß
die Salinen,.auf denen die Arbeiter vielfach lange Jahre
und Jahrzehnte beschäftigt waren, durch die Umsicht
der deutschen Truppen, die jede unnötige Zerstörung
vermieden haben, wohlerhallen sind und man schon
wieder auf die Mitarbeit des einzelnen am Wiederaufbau
wartet.
Bis zum Ende des Krieges 1914-18 stellte die
Jothringische Salinenwirtschaft einen starken Zweig der
deutschen Salzwirtschaft dar, Leider sind mit dem Gebiet
Lothringen auch die 7 lolhringischen Salimen im
Jahre 1919 an Frankreich gefallen. Das lolhringische
Siedesalz ist allerdings immer noch in deutschen Westgebieten
bekannt geblieben und teilweise dort auch
verkauft worden, sei es durch Vertragsabschlüsse mit
der deutschen Salzindustrie oder durch Belieferung des
Saargebietes bis zur Abstimmung und Angliederung
1935
Die nunmehr wieder von der deutschen Wirtschaftsführung
zu betreuenden lothringischem Stellen sind
folgende:
Solvay & Cie., Saaralben, der ein großes Sodawerk
angeschlossen ist.
Saline Saltzbronn, Saaralben.
Salıne Gagnerot, Saaralben. ,
Saline Haras, Rech bei Saaralben.
Solvay & Cie., Salzburgen.
Saline Salzach bei Wich.
Kuhlmann A.-G., Duß, die aus Salinenbetrieb
und einer großen chemischen Fabrik besteht
Mit vereinten Kräften und vor allen Dingen unter
vollem Einsatz aller Betriebsangehörigen und besonlers
der Betriebsleiter ist es in ganz kurzer Zeit
gelungen, die Salinen wieder betriebsfähig
zu machen. Eine Schwierigkeit bedeutete die Rückiransport
der Maschinen und des Materials aus dem
besetzten Frankreich. Auf Grund vieler Bemühungen
ist aber auch dies gelungen. Die Waggons mit dem
Material konnten heimwärts rollen und die Maschinen
an ihren alten Plätzen wieder aufgebaut werden
Als inzwischen auch die Stromversorgung
wieder hergestellt war, seizle beispielsweise ein Werk
in Saaralben alles daran, seinen Schornstein wieder
rauchen zu lassen und kraizte die letzten verbliebenen
Kohlenreste zusammen. um die Sudpfannen ansterken
zu können,
Auch die Kohlenversorgung war in die Wege ge.
leitet und somit die Weiterarbeit sichergestellt
Die übrigen Salinen in und um Saaralben können
ihre Pfannen wieder anfeuern, so daß seit Anfang
November der volle Betrieb in sämtlichen Salinen
wieder aufgenommen ist.
Die Salinen Salzach, Salzburgen und Duß hatten
'hren Betrieb nur während der heftigen Kämpfe beim
Yurchbruch der Maginotlinie eingestellt und sofort die
Produktion wieder aufgenommen. Selbstverständlich
waren auch hier Schwierigkeiten vorhanden, Beispielsweise
war die Stromversorgung durch Zerstörung
4es Ueberlandnetzes unzureichend, so daß sich die Salinen
vorübergehend mil Dampfmaschinen und anderen
Hilfsmitteln helfen mußten. Als das Werk Kuhlmann
Die Salinen in und um Saaralben waren zu
Beginn des Krieges auf Veranlassung der französischen
Militärverwaltung geräumt worden, wobei die wichtigsten
Maschinen und Materialien nach dem Innern
Frankreichs, meist nach den Salinen des Nanziger
Beckens, rücktransportiert waren.
Die Bohrlöcher, wohl der wichligste Teil der Salinen,
wurden von den Betriebsleitern vor dem Ver:
lassen der Saline sorgiältig abgedeckt und zuzemen:
tiert, damit den Quellen der Salinen kein Schaden entstehen
konnte.
Um Saaralben haben schwere Kämpfe getobt, die
das Städtchen stark mitgenommen haben. Die Salinen,
meist am Rande des Ortes gelegen, sind vom deutschen
keuer verschont geblieben.
Leider mußte man beim ersten Betreten feststellen,
daß die zeitweise in den Salinen einquartierten französischen
Truppen nicht gerade schonend mit dem
Eigentum ihrer lothringischen Landsleute umgegangen
sind. Aus den Salinenräumen, und sogar auch aus den
holzverkleideten Salzlagerräumen, hatte man Pferdeställe
gemacht. Was verschlossen, war aufgebrochen,
zusammengeschlagen und ausgeräumt worden. Nicht
nur. daß alle Fensterscheiben eingeschlagen waren, in