15. November / 45. Jahrgang
Organisation läßt in den meislien Betrieben zu wünschen
übrig. Trotzdem es sich bei den hergestellten
Erzeugnissen fast durchwegs um Arlikel handelt, die
in größeren Mengen hergestellt werden und zu billigen
Preisen am Markt erscheinen müssen, fehlt: bei fast
allen Betrieben die notwendige Uebersicht für die Feslstellung
der Kosten und der Preise und infolgedessen
auch für die Beurteilung der Rentabilitätslage und
die Erfolgsaussichten.
Infolge direkter und indirekter Kriegseinwirkungen
konnte bisher lediglich eine Glashütte wieder in Beirieb
genommen werden. Erst nach Beseitigung der
Kriegseinwirkungen kann an die Lösung jener wirtschaftlichen
"Probleme gegangen werden, die auf die
Dauer auch den lothringischen Hütten die erforderliche
Leistungsfähigkeit bringen, damit sie neben der übrigen
Hohlglasindustrie des Reiches existenz- und konkurrenzfähig
bleiben
4. Was ist zu tun?
Wie in den übrigen nunmehr mit dem Reich wiedervereinigten
deutschen Wirtschaftsgebieten muß auch
im lothringischen Raum in der Glasindustrie an eine
Bereinigung der Produktionsprogramme
gegangen werden, Dort wo es sich nicht ausschließlich
um Erzeugnisse handelt. deren Wert durch eine tv-371
pische Geschmacksrichtung bestimmt wird, muß das
Fabrikationsprogramm spezialisiert werden,
um auf diese Weise im Belrieb zu größeren Auflagen,
am Markt zu größeren Aufträgen und insgesaml
zu konkurrenzfähigen Kosten und Preisen zu kommen
In engstem Zusammenhang damit sieht die Anzleichung
an die Geschmacksrichtung am
deutschen Markt. Auch hierdurch ergeben sich bereits
m Betrieb eine Reihe von Kosteneinsparungen, da in
Zukunft weniger Formen und Muster herzustellen sind
ınd folglich im Betrieb die Serien größer und das
\bsatz-Sortimenl einfacher gestaltet werden können
Besondere Bedeutung kommt aber der technischen
\ngleichung an die deutschen Verhältnisse zu. In
jelen Betrieben wird noch nach veralteten Fabrikajonsmethoden
produziert, Die veralleten maschinellen
und Sonstigen Betriebseinrichtungen sind allmählich
lurch moderne zu ersetzen, der Fertigungsfluß ist häu«-ig
vollkommen neu zu gestalten, um So zu einer höheren
Arbeitsergiebigk eit, das heißt mittels
ainer durchgreifenden Rationalisierung
zu einem höheren Leistungsstand zu kommen,
Erst nach Schaffung gleicher Vorauszetzungen
wird die lothringische Glasindustrie mit
der übrigen deutschen Glasindustrie Schritt halten
können.
CLEMENS BECKER, Saarbrücken
Lothringens Nahrungs- und SGenukuüittelinduftric.
| durch die stark auf landwirtschafiliche Erzeugung
ausgerichtete Wirtschaft Lothringens ist das
Vorhandensein einer beachtlichen Nahrungsmittelindustrie
ein Umstand, der z. B. der Stadt Metz, als Zentrum
dieser Industrie, einen Namen geschaffen hat, der weit
über die Grenzen Lolthringens hinaus mit den hier hergestellten
Erzeugnissen verknüpft ist. Wenn es sich auch
ausschließlich um Mittel- und Kleinbetriebe handelt, so
ist ihr Vorhandensein doch ein Ausgleich gegenüber
dem Erzbergbau und. der Eisenschaffenden Industrie,
denn im Nahrungsmittelgewerbe finden noch viele
Kräfte Beschäftigung, die in der Schwerindustrie nicht
unterkommen konnten,
Einzelne Erzeugnisse, wie Milchprodukte und Obstkonserven,
werden über den Bedarf des Gebietes hinaus
produziert, bilden also jetzt. schon einen Beitrag
zur Versorgungsdeckung auch der Nachbargebiete, während
bei wieder anderen Artikeln Lothringen Zuschußgebiet
ist. Die Ausrichtung nach allgemeinen Gesichtspunkten
unserer Ernährungssicherung wird zweifellos
in fernerer Zuxunft das Gebiet zu einem für die Versorgung
beachtlichen werden lassen. Wenn erst einmal
die landwirtschaftliche Urerzeugung nach deutschem
Vorbild auf Mehrerzeugung umgestellt ist und die Schäden
des Krieges überwunden sind, wird insbesondere für
das benachbarte Saarland, Lothringen seine Rolle als
Versorgungsquelle für Milch und Erzeugnisse daraus,
Kartoffeln, Obst und Gemüse in verstärktem Maße
wieder einnehmen,
Was heute über die einzelnen Industriezweige gesagt
werden kann, ist mehr eine Feststellung des
gegenwärtigen Standes: die Entwicklungsmöglichkeiten
der loihringischen Nahrungs- und Genußmittelindustrie
m Rahmen der großdeutschen Wirtschaft mit ihrer
schier unerschöpflichen Aufnahmefähigkeit sind. denk:
»ar günstig, so daß dieser Industrie eine gute Zukunf!
vorausgesagt werden kann.
Die Milchwirtschaft war bis in die jüngste
Vergangenheit Lieferant des Saarlandes. In allen
wechselseitigen Abkommen Deutschland-Frankreich war
mmer wieder auf Drängen der loihringischen Landwirtschaft
die Lieferung von Frischmilch und Butter
vorgesehen. Saarbrücken besonders war stets Haupt:
ıbnehmer lothringischer Milch. Neben der Frischmilchıusfuhr
wird Käse verschiedener Ärt erzeugt, der über
‚othringen hinaus Absatz in Frankreich fand. Vorrodukte
gingen nach dem Jura und wurden dort zu
Jertigware besonderer Art verarbeitet, Die Magermilch
liente in nicht unbeachtlichem Maße zur Aufzucht von
jungvieh und Schweinen. Die kommende Preisstabilisierung
wird, wenn der Viehbestand wieder erreicht
st, der Landwirtschaft lohnende Einnahmequelle sein
n 8 größeren Unternehmungen werden etwa 160 Per
;onen beschäftigt, dabei sind die zahlreichen genossen
schaftlichen Molkereibelriebe nicht berücksichtigt.
Eng verknüpft mit der Urerzeugung des Landes
und weit bekannt ist die Obstkonservenindustrie.
Metzer Erdbeeren und Metzer Mirabellen sind
iiber Lothringen hinaus als Gülebezeichnung für diese
jeiden Fruchtarten ein Begriff geworden. Drei größere
Internehmungen mit mehr als 300 Gefolgschaftern beschäftigen
sich mit der Verwertung dieser Landes
»rzeugnisse in der Hauptsache, wobei selbstverständ
SCh auch alle anderen Obstsorten und Gemüse ver.