Full text : 45.1940 (0045)

366

Saarpfälzische Wırtscnattszeitung Nr. 14

Sind so die Veränderungen, die an dem technischen
 Zusland und der Leistungslähigkeit der Stahlund
 Walzwerke erfolgt sind. recht unbedeulend, so hat
man im allgemeinen die Zahl der Hochöfen, die man
in betricbsfähigem Zustande hielt. ungefähr auf 50 bis
60 60. manchmal noch weniger, dessen gehalten, was
wir in Ordnung gehalten hatten. Es wird also eine
ziemliche Arbeit sein, den Rest wieder in Stand zu
seizen. Auf dem Gebiete der Kokereien dagegen
haben die Franzosen ziemliche Erweilerungen
geschaffen. Bis in den Woltkrieg hinein gab es nur
eine kleine Kokerei hei de Wendel in Großmövern. Im
letzten Dezennium sind dort eine Anzahl neuer Batterien
 entstanden. Darüber hinaus aber wurden in
Hagendingen und Diedenhofen zwei leistungsfähige
Kokereien an den Moselhäfen der beiden Werkc errichlet
 und damit eine Verbesserung der Gasversorgung
 der Hütten eingeleitel,
Ist so die Veränderung auf dem rein hüttentechnischen
 Gebiete, abgesehen davon, daß noch ein paar
Elektroöfen nei den Thomaswerken so gewissermaßen
als Mode ohne eigenilichen Verwendungszweck aufgestellt
 wurden, schr gering gewesen; so ist Bemerkenswerles
 auf dem Gebiete des Wasserstraßenanschlusses
 für die lothringer Eisenindustrie geschaffen
 worden. Die Mosel wurde von Metz bis Diedenhofen
 für 280-Tonnen-Schiffe in nicht uneleganter Weise
kanalisiert, und zu jedem Hütlenwerk wurde ein anständiger
 Hafen — nalürlich alles auf Reparationskonto
 — geschalfen. Damit wurde die lothringische
Eisenindustrie mit dem gesamien französischen Kanalnetz
 verbunden, so daß man das Eisen nach Paris,
nach Bordeaux, ja nach Marseille auf dem Wasserwege
 in größtem Umfange verschiffen konnte und verschifft
 hat. Die einzelnen Hütten besitzen 20, 30, 40
und mehr Kähne, die vor der Flucht der Generaldirektoren
 und der sonstigen französischen Beamien in
größtem Umfange mit Eisen beladen nach Südfrankreich
 auf den Weg gebracht wurden. Für die Ladung
der meisten Schifle hat man nicht einmal eine Rech;
nung ausgestellt, Es kam eben nur darauf an, so rasch
wie irgend möglich noch rechl viel ferliges Walzeisen
wegzuschalfen in der Hoffnung, cs in Sicherheit zu
bringen, che unsere Truppen ins Land kämen und
Schilfe und Ladung schnappten. Diese Hoffnung haf
sich in den allerwenigsten Fällen erfüllt.
Hat so die Wassersiraße wieder einmal den Beweis
 erbracht, daß sie noch benutzbar ist, wenn auch
wie in diesem Falle alle Eisenbahnen und auch wohl
die Landstraßen mit Truppen- und Flüchtlingsiransporten
 überfüllt waren, so war diese Kanalverbindung
auch zu allen übrigen Zeiten wertvoll. Kokskohlen aus
Nordirankreich und Nordbelgien wurden über diese
Kanäle bis dirckt an die Kokereien gefahren, und Erz
ging den Weg zurück zu den entsprechenden Hütten,
Derselhe Pendelverkehr wurde lance Zeit zwischen

Erz- und Kohlengruben und Hülten über Straßburg
ıach dem Niederrhein und der Ruhr aufrechterhalten

Es ließe sich noch vieles über den Zustand der
Jütten, insbesondere die mangelhafte Instandhaltung,
zauberkeit, Fehlen von Aufenthaltsräumen, ordentichen
 Waschgelegenheiten und ähnliches sagen. Aber
»s sei genug damit. Wir mußlen zuerst einmal Ordı1ung
 schaffen, das, was an Instandhaltungen ver-;äumt
 war, nachholen und was zerstört war, wiederıerstellen.
 Das ist im großen und ganzen so gut
zcraten, wie es in der kurzen Zeit unter Einsetzung
ıller Kräfte der Werke möglich war. Wir haben natürich
 noch nicht den Wiederaulbau und die Wiedernstandsetzung
 der Hochöfen in Angriff nehmen können,
 die seit Jahren sliillgelegen haben. Aber es ist
leißig gearbeitet worden.

Wir waren leider nicht in der Lage, die‘ Hütten
;ofort wieder in Betrieb zu nehmen, da die Franzosen
‚or ihrem Rückzuge alle ‘Eisenbahnbrücken zerstört.
lie Kanalschleusen gesprengt und alles von Straßenrücken
 vernichtet natten, was nur im entferntesten
zum Uebergang unserer Truppen auch über den armseligsten
 Wasserlauf hätte dienen können. Wir mußten
also warten, bis wir wenigstens eine Eisenbahnverbindung
 nach irgendeinem - Kohlengebiet hal-‚en.
 .Die erste Verbindung, wenn auch eine sehr mangel-1afte
 und umständliche, war die nach dem Saarland.
Sie kam etwa Ende Juli in Gang und damit ergab sich
»rst die Möglichkeit, die einzige Koksofenbatterie, die
wir unter Heranziehung aller Kohlenbestände aus der
Nachbarschaft in Betrieb gehalten hatten, mit frischer
{ohle zu versorgen. Erst Ende August war dann die
Yerbindung nach Nordfrankreich wieder hergestellt, so
laß wir daran denken konnten, neben dem kleinen
ınd bescheidenen Hochofen- und Stahlwerksbetrieb
von Großmövern einen solchen auch in Rombach zu
°iskieren. Von da an ging cs aufwärts. Aber dann
kamen die Rückschläge, da das ganze Transporiwesen
ler gleichzeitigen Belastung für den Krieg und die
Wirtschaft angesichts seiner außerordentlich begrenzlen
 Leistungsfähigkeit nicht gewachsen war. Aber heute
st das alles schon anders, Die ganz außergewöhnliche
Tatkraft, mit der die deutschen Eisenbahner, ob im
Dienste der Reichsbahn oder des Militäreisenbahnchefs.
lie Pioniere und die Organisalion Todt ihre Aufgabe
— Brücken und Tunnels instandzusetzen. — angepackt
1aben, trägt ihre Früchle. Man kann‘ nur mit stolzer
Höochachtung von diesen außersewöhnlichen Leistuvgen
 sprechen.

Wir aber hoffen, daß unsere Arbeit es uns ermöglicht;,
 in steigendem Maße dem Führer das Eisen
zur Verfügung zu stellen, das er für seine verschiedenartigsten
 Zwecke braucht. Gleichzeitig soll diese Arbeit
 aber ein Segen für die schwer geprüfte Bevölkerung
 des alten deutschen loihrinser Landes werden

fg”

WILH. MOSER JUN. + SAARBRÜCKEN 3 ‘

| Oelt-, Lack- und Farben-Großhandiung
Försterstrake 27

A
Fernsprecher 24514
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.