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Gebiet infolge der Kriegshandlungen sowohl das
Wasserleitungsnetz als auch die elektrischen Zuleilungen
zerstört waren. Um überhaupt zunächst einma}
mit den Aufräumungsarbeiten beginnen zu können,
mußte daher über die saarländisch-lothringische Grenze
hinweg von den Saargruben bzw. von Südosten her
aus dem Schweizer Netz bei gleichzeitiger Legung der
entsprechenden Zuleitungen Strom zugeführt werden.
Diese Arbeiten, welche eine erhebliche Kleinarbeit
in sich vereinigten, sind in der Zwischenzeit größtenteils
abgeschlossen. Darüber hinaus ist bereits ein
wesentlicher Teil desjenigen Materials, welches in die
verschiedensten Orte des besetzten und unbesetzten
Frankreichs verschleppt war, wieder auf die Grubep
zurückgeschafft.
Da in Anbetracht der zahlreichen zerstörten Verkehrseinrichtungen
in Frankreich die gesamte Rückführung
ciner eingehenden Organisation bedurfte,
wurde eine Rückführstelle in Paris eingerichlet,
welche die Aufgabe hat, die ‚einzelnen französischen
Bergungslager zu überwachen und den Rücktransport
so zu gestalten, daß die benötigten Materialien
entsprechend ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit
bei der Wiederinbetriebnahme der einzelnen Betriebseinrichtungen
an den verschiedenen Bestimmungsstellen
termingemäß eintreffen.
In der Zwischenzeit wurden gleichzeitig die an
Ort und Stelle notwendigen Vorarbeiten auf den
einzelnen Gruben in Angriff genommen. Dabei
wurde — soweit es möglich war und die notwendige
Energie nach und nach wieder zur Verfügung stand —
bereits mit der provisorischen Sümpfung der Gruben
begonnen, Man benutzte hierzu die vorhandenen Fördereinrichtungen,
welche mit Wasserkästen versehen
wurden,
Durch diese Maßnahmen gelang es, neben Fälkenberg
die Gruben Karl und Gargan der de Wendel-Gruppe
ebenfalls zu einer Teilaufnahme ihrer Förderung
bereitzustellen. Die Arbeiten auf den übrigen,
Gruben, welche erheblich, größere Wasserzuflüsse zu
verzeichnen haben, sind jedoch bei ihren zahlreichen
unterirdischen Verbindungen völlig von der Durchführung
des Gesamtpumpprogramms ‘abhängig. Da für
diesen Zweck über Tage größere maschinelle Einrichtungen
zu erstellen sind, und die notwendigen Maschinen
mit den zugehörigen Hilfseinrichtungen wie
Kabelwinden, Kabel, Rohrleitungen, Transformatoren
usw. zunächst herangeschafft werden müssen, wobei
gleichzeitig größere Fundamenie an den Schächten für
ihre Aufstellung herzurichten waren, kann mit diesem
Programm erst im November begonnen werden. In der
Zwischenzeit wurde jedoch versucht, die vorhandenen
Energieerzeugungsanlagen soweit wieder instandzusetzen,
daß nach Möglichkeit für diese Arbeiten auf die
Zuführung von Fremdstrom verzichtet werden kann
und die vorhandenen Kraftwerke die Teilversorgung
der Gruben wieder aufnehmen können. Hierzu gehört
auch die Instandsetzung der großen Kompressoranlagen,
welche für den Einsatz der Mammutpumpen he-Saarpfälzische
Wirtschaftszeitung Nr. 14
ıötigt werden und zu diesem Zweck völlig überholt
werden müssen.
Neben den eigentlichen Arbeiten auf den Gruben
xaren noch weitere Aufgaben sofort in Angrilf zu
ı1ehmen. Inspesondere mußie das Problem der Ah-,eilung
der zu erwartenden großen Sümprungswassernengen
eingehend untersucht und eine möglichst rasche
Xlärung herbeigeführt werden. Die vorhandenen Vor-Autanlagen
auf den Gruben und die Wasserläufe mußen
neu vermessen und auf ihre Benutzbarkeit hin
tberprüft werden. Die sich hierbei als dringend nolwendig
ergebenden Regulierungs- und Wiederinstandzetzungsarbeiten
sowohl an den Wasserläufen selbst
als auch an den Brücken mußten heschleunigt in An
griff genommen werden.
Daß auch das grubeneigene Bahnnelz, welches
»benfalls unter den Kriegseinwirkungen gelitten hat,
ner wesentlichen Ueherholung bedurfte. sei hier nur
zurz erwähnt.
Eine weitere Aufgabe bedeutete die Unterbrinzung
und Verpflegung der eingeselzten
\rbeitskräfte. Die vorhandenen Arbeiter- und
3Zeamtensiedlungen hatten größtenteils unter erhebichen
Plünderungen gelitten. Dabei waren die Wohnungseinrichtungen
zerstört bzw. entfernt worden, so
laß die nach und nach zurückkehrenden Gefolgschaftsniiglieder
notdürftig unter Benutzung der vorhandenen
Wohnungen unterzubringen waren. Unter Einsalz von
verschiedenen Firmen wurde sofort mit der Wiedernstandsetzung
begonnen, Die Einrichtung mehrerer
Großküchen ermöglichte für die Uebergangszeit die
Verpflegung der rückgekehrten und der aus dem Reichszebiet
abgestellten Arbeitskräfte. In Verbindung mit
zuständigen Stellen wurde‘ darüber hinaus eine Beschaffungsaktion
für Arbeitskleidung durchgeführt.
Ferner mußten die früheren sozialen Einrichtungen,
wie Krankenkassen, Invaliden- und
Pensionskassen ebenfalls wieder aufgezogen werden
Betrachtet man die derzeitige Lage in ihrer Ge-;amteniwicklung,
so kann abschließend gesagt werden,
daß seit Beginn der Uebernahme Ende Juli dieses
Jahres ein gewaltiges Aufgabengebiet in
Angriff genommen worden ist und die
hierbei erzielten Ergebnisse wesentlich
größer sind, als man zu Anfang erwarten
konnte. Allerdings wird für die nächste Zeit ein gewisser
scheinbarer Stillstand eintreten, da die Sümp-’ung
noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird, und
somit die Aufnahme der Förderung auf den weiteren
Gruben noch nicht möglich ist. Hierbei ist insbeson-Jere
zu berücksichtigen, daß nicht nur allein die reinen
Sümpfungsarbeiten durchzuführen sind, sondern da-2eben
auch die völlige Neueinrichtung der nun schon
über ein Jahr unter Wasser stehenden ausgedehnten
ürübenräume zu erfolgen hat. Erst nach erfolgter
Sümpfung läßt es sich übersehen, in welchem Zustand
sich das untertägige Streckennetz befindet und
was geschehen muß, um die Kohlengewinnung in der
Streben wieder aufzunehmen
Generaldirektor PAUL RAABE,
Generalbeauftragter für die Eisenerzgewinnung und „verteilung für die Gebiete Luxemburg und Lothringen
, x ,
Die lothringifchen Erzgruben.
Dieser Artikel wird in der ‚‚Saarpfälzischen Wirtschaftszeitung‘“ Nr. 15 vom 1 Dezemher 1040 veräffentlicht