15. November / 45. Jahrgang
hergestellt wurde: „War Lothringen nicht schon politisch
mit der Rheinprovinz verbunden worden, so
hätte es wenigstens mit dem Saargebiet zu einem dem
rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgebiet ebenbürtigen
vereinigt werden sollen.‘ 1 ‚Denn‘. so ersänzt Friedrich
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König die Worte Marlin Spahns, „die Möglichkeit
der Verschmelzung hätte bestanden, da Deutsch-Lothringen,
in dem die Vorkommen von Eisen und Kohle
hauptsächlich lagen, geographisch, wirlschaftlich und
völkisch mit dem Saargebiel zusammenschört ?
Dr.:Ing. WAECH TER, Generaldirektor der Saargruben AG., Saarbrücken, Beauftragter für die lothringischen Steinkohlengruben
Die lothringifchen Koblengruben.
DE“ Erschließung des lolhringischen Steinkohlenbeckens,
das eine Fortsetzung des saarländischen
Vorkommens darstellt, ist bereils kurz nach den Befreiungskriegen
begonnen worden. Es wurden bis 1860
zahlreiche Bohrungen niedergebracht, die gut abbauwürdige
Kohlenflöze erschlossen. Wegen der großen
Wasserzuflüsse in dem überlagernden mächtigen Buntsandstein
gelang es aber nur wenige Schächte abzuteufen.
Es fehlte damals und auch noch die nächsten
Jahrzehnte bis in die 90er Jahre hinein an Abteufverfahren,
die den Abschluß der siarken Wassermengen
sicher gewährleisteten. Die ältesten Schächte im lothringer
Steinkonlengebiet sind. der Karl- und Josefschacht,
die zwischen 1854 und 1860 niedergebracht
wurden, sowie die Schächte Vuillemin und Wendel,
die 1866 begonnen wurden, In den Jahren 1895 bis
1900 teufte dann die Bergwerksgesellschaft La Houve
bei Kreutzwald zwei Schächte ab. Kurz vor 1900 wurden
ferner durch die Gesellschaft Saar und Mosel, an
der hauptsächlich die Großindustriellen Thyssen und
Stinnes beteiligt waren, zwischen. Merlenbach und
Heiligenbronn eine Reihe Schächte niedergebracht. Die
Förderung des gesamten Gebietes slieg bis zum Jahre
1913 auf rund 3,8 Millionen Tonnen. Die Gruben wurden
nach dem unglücklichen Ausgang des Weltkrieges
von der französischen Regierung unter Sequester gestellt
und später an die alten Gesellschaften, die sich
nach französischem Recht neu konstituiert und die
deutschen Partner durch französische ersetzt hatten,
wieder für 99 Jahre verpachtet, In den nächsten Jahren
teuften diese weitere Schächte ab und erstellten mehrere
neue Anlagen, so daß ihre Förderung bis 1938
auf 6,6 Millionen Tonnen anslieg. Im Jahre 1931 verpachtete
die Gesellscnaft La Houve ihre beiden Kreutzwalder
Gruben an Saar und Mosel. .
Nach dem Weltkrieg nahmen zwei weitere Gesellschaften,
und zwar die von Falkenberg und St. Avold,
den Betrieb auf. Die Errichtung ihrer Anlagen und
das Abteufen der Schächte wurden von dem französischen
Staat in wesentlichem Maße dadurch gefördert,
daß ihre Finanzierung über Reparationskonto
erfolgte. Von den beiden Gruben kam Falkenberg Ende
1936 in Förderung, während die Schächte bei Folschweiler
die Abteufarbeiten noch nicht beendet haben,
Zu Beginn des jetzigen Krieges wurde in ähnlicher
Weise wie in dem deutschen Grenzgebiet auch in Lolhringen
eine Räumung der Gruben durchgeführt. Lediglich
die Grube Falkenberg, welche in einem angeschlossenen
Kraftwerk die geförderte Kohle im elektrische
Energie umselzt, blieb bis Juli 1940 noch in
Betrieb, da sie zur Stromversorgung der Maginot-Linie
mit herangezogen war. Gegenüber dem deutschen Bestreben,
trotz Stillegung der Gruben durch Notbeleg:
schaften die Sicherstellung der Substanz zu gewähr-“1
M. Syvahn. Eisaß-Lothringen (1919). S. 272 ff.
leisten, beschränkte man sich auf der lolhringischen
Seite lediglich auf die direkte Räumung und verzichlete
auf die in den ersten Monaten und auch späterhin noch
mögliche Unterhaltung des Grubengebäudes: sowohl die
Wetterführung als auch die Wasserhaltung wurden eingestellt.
Da fast alle Gruben slarke Wasserzullüsse halten,
ersoffen die Schächte nach kurzer Zeit. Lediglich
in den Gruben Karl und Gargan konnten nach ihrer
VJebernahme durch den Chef der Zivilverwaltung im
fuli 1940 die Fördersohlen mit einfacheren Mitteln
wieder vom Wasser befreit werden. Die Grube Falkenberg,
welche nur kurze Zeit unbeaufsichtigt geblieben
ınd bereits beim Vorgehen der Truppen durch ein
Spezialkommando besetzt worden. war, wurde ebenfalls
innerhalb von 8 Wochen wieder gesümpft und
in Betrieb genommen. Sämtliche anderen Gruben dazegen
erfordern zur Wiederaufnahme des Unterlagejetriebes
umfangreiche Sümpfungs- und
Wiederherstellungsarbeiten. Um diese gewaltige
Aufgabe, bei welcher neben der Beseiligung
der Standwasser teilweise minulliche Wasserzuflüsse
von 31 cbm und mehr zu bewältigen sind, in mögüichst
kurzer Zeit durchführen zu können, wurde ein
umfassendes Pumpprogramm aufgestellt und eine Anzahl
der auf diesem Gebiet erfahrenen deulschen Firnen
zur Mitarbeit herangezogen. Einem glücklichen
Umstand war es zu verdanken, daß aus französischen
Beständen eine Reihe von Hochleistungspumpen mit
zgenügender Druckhöhe übernommen werden konnte,
so daß die Arbeiten nicht erst durch die Konstruktion
von Spezialpumpen noch weiter hinausgeschahen werden
mußten.
Wesentlich erschwert wurden die Vorbereitungsarbeiten
zur Sümpfung durch den Zustand der Tagesanlagen.
Die französische Armee hatte nicht nur verzucht,
auf den Anlagen von Saar und Mosel und St.
\vold durch den Ausbau und die Fortschaffung wichtiger
Betriebseinrichtungen in das Innere Frankreichs
ajine Wiederaufnahme des Betriebes zu erschweren,
sondern war darüber hinaus dazu übergegangen, die
noch zurückgelassenen Einrichtungen unbrauchbar zu
nachen, Der ausnahmsweise strenge Verlauf des Winters
1939/40 hatte zudem erhebliche Frostschäden
sowohl an den Maschinen und Kesseln als
auch an den sonstigen Betriebsanlagen hervorgerufen
Wie sich erst nach und nach bei der Wiederinstandsetzung
der einzelnen Betriebsabteilungen herausstellte.
waren zanlreiche Rohrleitungen geplatzt. Die Dampflzessel
auf einzelnen Anlagen waren in erheblichem
Maße durch das nicnt recntzeitige Ablassen des Wassers
in ihren Rohrbündeln deformiert und zerstört, so
laß die Wiederinbetriebnahme nur nach größeren Regaraturarbeiten
möglich sein wird. Als besonders erschwerend
muß es bezeicnnet werden, daß im ganzen
ZT. König, Deutschlothringen (1923), S. 73 und 81.