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Koks. Noch war die Verkokung der Saarkohle technisch
 nicht so entwickelt, daß sie einen überall brauchbaren
 hochwertigen Hochofenkoks hätte liefern können.
Sie wurde zwar an der Saar als Koks in den Hochöfen
eingesetzt, doch konnte sie in Lothringen den Ruhrkoks
 nicht erselzen. So cntwickelt sich zwischen
Lothringen und dem Ruhrgebiet der Erz-Koks-Auslausch,
 dem scnon bald der Erwerb von Kohlenzechen
durch südwestliche Werke im Ruhrgebiet folgte. Daneben
 aber wandten die saarländischen, lothringischen
und rheinisch-westfälischen Konzerne ihr Augenmerk
auch dem lothringischen Kohlenrevier zu, wo sei!
einigen Jahrzehnten bereits de Wendel Saarkohle abbaute,
 Die technischen Schwierigkeiiten im Abbau
dieser Felder konnten bei Kriegsausbruch als gelöst
gelten; auch die Verkokung der Saarkohle zur Her
slelung eines brauchbaren Hüttenkoks war weiterentwickelt
 worden, so daß für die Zukunft eine engere
Verbindung zwischen der Saarkohle und den lolhringischen
 Hütten zu erhoffen war. Die lolhringische Saarkohlenförderung
 erreichte 1913 3,8 Millionen Tonnen,
Beim unglücklichen Ausgang des Weltkrieges fiel
der gesamte deutsche Industriebesitz in Lothringen in
französische Hand. Die traurigen Vorgänge bei der
Sequestrierung und gVerschleuderung des deulschen
 Besitzes sind oft genug beschrieben worden, so
daß hier nur die wirtschaftliche Bilanz gezogen zu
werden braucht. . Die lothringische Montanindustrie
wurde die Beute ailfranzösischer Unternehmungen, Soweit
 es sich nicht um den Besitz der einheimischen
de - Wendel - Gruppe handelte. Selbst einheimisches
elsaß-lothringisches Kapital blieb ausgeschaltet; die
Entwicklung der lothringischen Werke wurde fortan
von Paris aus bestimmt. Das halte zur Folge, daß den
lothringischen Werken die Rolle eines Konjunkturausgleichs
 zugeschoben wurde, der den altfranzösischen
Konzernwerken die Konjunkturschwankungen abzunehmen
 hatte. So wird es verständlich, daß allgemein
in der wirtschaftlichen Entwicklung Lothringens ein
Stillstand eintrat. Im Erzbergbau verlagerte sich das
Schwergewicht von Deutsch-Lothringen in das altfranzösische
 Minettegebiet; nur 1929 wurde die Förderung
 von 1913 in Lothringen noch ein einziges Mal
um ein geringes überschritten. Nur im gleichen Jahre
wurde auch die Roheisenerzeugung von 1913 noch
einmal erreicht; sie ist, im ganzen gesehen, erheblich
zurückgegangen. Stahlerzeugung und Walzwerksleistung
wurden dagegen etwas weiter entwickelt, indem die
reinen Roheisenwerke die Stahlgewinnung und -verarbeitung
 aus Gründen. der Wirtschaftlichkeit aufnehmen
 mußten. Trotzdem ist Lothringens Anteil an
der gesamtfranzösischen Roheisen- und Rohstahlerzeugung
 allgemein zurückgegangen.
Auch im lothringischen Kohlenbergbau blieb
die Entwicklung stehen; der Bergbau blieb bis 1936
auf die drei schon vor dem Weltkrieg bestehenden
Unternehmungen‘ beschränkt. Es bedurfte mehrfacher
staatlicher Vorstellungen, bis einzelne lothringische
Bergbaugesellschaften (die auch in den Besitz franzö6-sischer
 Konzerne übergegangen waren) in ihren reichen
Kohlenfeldern neue Schachtanlagen niederbrachten,
Der größte Teil der Förderzunahme im lothringischen
Kohlenbergbau (1938: 6,7 Millionen Tonnen) kommt
dabei noch auf das Konto des Kohlenraubs im deutschen
 Warnal, wo unter der Landesgrenze hindurch
französische Gesellschaften jährlich über 2 Millionen

Saarpfälzische Wirtschaftszeitung Nr. 14

Tonnen Saarkohle heraushollen. Ein Fortschritt, der
[ür die Zukunft wohl entscheidende Bedeutung haben
wird, sei hier nicht vergessen, auch wenn er nicht ein
Verdienst des französischen Saarbergbaus ist, sondern
das Ergebnis langjähriger Arbeit im deutschen Saarland:
 Es ist gelungen, auch aus Saarkohle einen auszezeichneten
 Koks zu machen, der den Anforderungen
ın Härte im Hochofen vollauf gewachsen ist und daher
für die Zukunft in der Kohlenwirtschaft der lothrinsischen
 Werke eine hervorragende Rolle spielen wird

IV

Mittel- und Kleinindusitrie.

Von den übrigen Industrien Lothringens sleht ein
arheblicher Teil heute in unmittelbarer Verbindung
mit der eisenschaffenden Industrie oder dem Kohlenbergbau.
 Der Kreis der Nebenprodukte ist bei
Xohle und Eisen so umfangreich geworden, daß die
Werke sich die verschiedenartigsten Betriebe zur
Weiterverarbeitung der Nebenprodukte angegliedert
ı1aben. Das geradezu klassische Nebenprodukt der
othringischen Hütten ist die im Thomasstahlwerk anlallende
 phosphorhaltige Schlacke, kurz als: Thomas-;schlacke
 bezeıchnet und als Thomasschlackenmehl
vorwiegend der Landwirtschaft als Kunstdünger zukommend.
 Bis zum Weltkrieg war die lothringische
Minette der wertvollste Phosphoriräger, den das deutsche
 Volk im Reichsgebiet hatte; auch nach dem Weltkrieg
 sind große Pnosphormengen dem Reich in Form
ler Einfuhr lotnringischer Erze zugeflossen. Die Hoch-»Menschlacke
 findet als Baustoff und als Ausgangsstoff
für die Backstein- und die Schlackenzementherstellung
Verwendung. Eine Besonderheit lothringischer Hüttenwerke,
 die mit dem Bedarf der Erzgruben zusammenaängt,
 ist die Fabrikation von flüssiger Luft, die als
Sprengmittel im Erzpergbau Verwendung findet, und
von Karbid für die 'Speisung der Grubenlampen.
Als NepDenprodukte der Kokereien sind Rohteer.
Teeröl, Benzol und schwefelsaures Ammoniak allgenein
 bekannt geworden; an sie schließen sich kleinere
chemisch-technische Betriebe zur Weiterverarbeitung
an. Das Schwergewicht der Kokereien liegt ähnlich wie
an der Saar bei den Hültlenwerken, so daß die Kokereiaebenprodukte
 meist unter den Nehenpradukten der
Hütten erscheinen.

Von größerer Bedeutung geworden ist die Krafiterzeugung,
 die auf der Grundlage der abfallenden
Sohlen erheblich ausgebaut worden ist; die große
Ueberlandzentrale von Kreutzwald ist als der größte
Versorger Lothringens mit elektrischer Energie weit:
hin bekannt geworden
Auffallend gering ist der Umfang der eisen- und
metallverarbeitenden Industrien in Loth
:ingen. Obgleich der starke Maschinen- und Anlagenyedarf
 der großindustriellen Werke genügend Anreize
‘ür die Entwicklung der verarbeitenden Industrien gevoten
 hätte, sind diese Zweige nicht über Ansätze
hinausgekommen, Das liegt zweifellos einmal daran,
laß ein großer Teil der lothringischen Eisenproduk-:jon
 als Roheisen oder Halbzeug das Land verließ und
nicht in die letzte Verfeinerung vordrang, die der Verarbeiter
 verlangt, Es wirkt dabei auch die Frage der
Versorgung mit geeigneten Facharbeilern mit, denn eine
fortgeschrittene Verarbeitung verlangt einen hochwertigen
 Facharbeiterstamm. Bei den Prahlemen die aber
            
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