Full text : 45.1940 (0045)

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Städte sind (von Metz abgesehen, das eine Sonderstellung
 einnahm und auch außerhalb des alten Herzogtums
 Lolhringen stand} über den Charakter kleiner
Landstädle nicht mehr hinausgekommen, seitdem die
alte Hauptstadt Deutsch-Lothringens, Wallerfangen an
der Saar, im Dreißigjährigen Kricg ihre Slellung einbüßte
 und im Gefolge des französischen Vorstoßes zur
Saar von der Festung Ludwigs XIV., Saarlouis, abge
löst wurde. Seilhor war keine der deutsch-lothringischen
 Städte mehr in der Lage, im deutschen Teil
des Herzoglums Mittelpunkt und Gegengewicht. gegen
Nanzig zu bilden. So stammt das einheimische Unterüchmertum
 weniger aus städlischer Wurzel, wie denn
auch Handwerk und Handel Lothringens bis in
die Gegenwarl hinein der führenden Stellung des Elsaß
unlerlegen waren, Fragt man nach der Herkunft lothringischer
 Unternehmerfamilien, so wird man zumeist —
selbst bei den de Wendels— die deutsche Herkunft feststellen.
 Der Anteil deutscher Häuser findet sich in der
Eisenindustrie ebenso wie in der Glasindustrie, bei
deren Vätern enge Beziehungen zur Saar, aber auch
zu den mitteldeutschen Glasmachergeschlechtern bestechen,
 Melzer Bürger betäligten sich als Unternehmer
in der Älteren Eisenindustrie, auch in der Fayenceindusirie;
 für das Metzer Bürgertum ist aber die Verbindung
 zur Landwirtschaft durch den Besitz ansehnlicher
 Güter weil menr kennzeichnend als die zur
Induslrie

Im Metzer Bezirk wie überhaupt in Wesllothringen
herrscht in der Landwirtschaft der Mittel- und Großbetrieb
 vor (Abb. 3}; da meistens die Güter verpachtet
waren, blieben sie bei längst überwundenen Betriebsformen
 stehen; Ende des 18, Jahrhunderts wird Lothringen
„Zu den sehlechtest bebauten Ländern Europas‘ ge-Anlchar



Chateau Salıns

3
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Saarburg
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I 5-20 ha
20-00 ha
———] über 100 ha

[wF]

Abb. 3
Verteilung der landwirtschaftlichen Betriebe nach der Betriebsgröße

Saarpfälzische Wirtschaftszeitung Nr. 14

© Diedenhofen West
© Diedenhofen Ost
© Stadtkreis Metz
© Landkreis Metz
® Bolchen
®© Chateau Salins
@ Forbach
® Saarburg
© Soargemünd

Bevölkerungsdichte -nach der
Volkszählung _v.8. März 1936

über 4000 Einwohner qkm
300-400 +
* 100-200 +
50-100 +
= unter 50

[IwF)

Abb.

zählt. Wo wie im Osten Kleinbesitz besteht, leidet er
unter zu starker Parzellierung; während hier die aufkommende
 Industrie dann aber Arbeitskräfte findet —
anfänglich über den Weg der Hausindustrie und der
nebenberuflichen Industriearbeit —, fallen die Bezirke
des Großgrundbesitzes ihrer geringen Volksdichte wegen
als Arbeiterersatzgebiete aus, Sie können
den zunehmenden Menschenbedarf der stürmisch wachsenden
 Industrie nient mehr decken; so entsteht für
lie lothringische Industrie das Problem des Arbeiterersatzes,
 das schließlıch nur durch die Heranziehung
zusländischer Arbeitskräfte bewältigt wird. Am stärksten
 wird davon betroffen das Minettegebiet, wo die
landwirtschaftliche Nutzung auf kärglichen Böden an
sich schon geringer war als im übrigen Lothringen.
Zweifellos wirken auch die Blutverluste des Landes in
den großen Kriegen des 17. Jahrhunderts, in den
Auswanderungsbewegungen des 18. Jahrhunderts und
)jei der Abwanderung aus dem französischsprachigen
‘‚andesteil nach 1871 nach (Abb. 4)
Mit der geringen Rolle des einheimischen Unternehmertums
 hängt auch die Tatsache zusammen, daß
die Kapitalversorgung der lothringischen Industrie
 nur selten bodenständigen Ursprungs ist. In
der Eisenindustrie herrschte neben der einzigen lothringer
 Unternenmung der de Wendels saarländisches.
luxemburgisches und niederrheinisches Kapital vor
Nach dem Weltkrieg trat an dessen Stelle innerfranzösisches
 Kapital. Während: das Elsaß ein kräfliges einheimisches
 Bankwesen hervorbrachte — nicht zuletzt
lank seiner großen Stellung im Handel — hliehen die
            
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