Full text : 45.1940 (0045)

]. Oktober / 45. Jahrgang

erinnern. Damals mußte der vollständig verbrauchte
Erzeugungsapparat mit Kreditmilleln neu aufgebaut
werden. Die Folge war eine einmalige Kapitalbereinigung
 gelegentlich der Goldmarkumstellung oder sogar
vielfach eine später noch folgende Sanierung zu Lasten
der Inhaber oder auch der Gläubiger.
VL
Bei Bemessung der Höhe der Abschreibungen ist
der Unlternchmer mit Rücksicht auf das Niederstwertprinzip
 in seiner Handelsbilanz an keine Grenzen
gebunden. Die Höhe der Abschreibungen richlel sich
nmal nach dem Maß des Verzehrs am einzelnen Wirlschaftsgut.
 Der sorgfältige Unternehmer muß aber
außerdem seine Abschreibungen nach den betriebswirtschaftlichen
 Nolwendigkeiten des Uniernechmens bemessen.
 Maßgebende Richtschnur für die Höhe der Abschreibungen
 ist dabei grundsätzlich der Investitionsbedarf
 des Unternehmens. Soll der Wert der
dem Betriebe dienenden Wirtschalftsgüter erhalten werden,
 so ‚sind jährlich mindestens die Beträge abzuschreiben,
 die den jeweiligen Erneuerungszugängen
entsprechen. Auf diese Weise werden die zur Finanzierung
 der Neuzugänge erforderlichen Mittel von
vornherein vom Rohertirag abgezweigt,
Die in der Handelsbilanz vorgenommenen Abschreibungen
 werden von der Steuerbehörde oft nicht anerkannt
 mit der Begründung, daß es bei der Bemessung
der Abschreibungssätze nicht auf die wirtschaftliche
 Nuizungsdauer, sondern lediglich auf die
technische Lebensdauer der Anlage ankomme.
Kine derart enge Auslegung steht jedoch mit den bisherigen
 grundsätzlichen Entscheidungen des Reichs-Äinanzhofs
 nicht im Einklang. Dice Abschreibungen sind
vielmenr nach der hbetriebsgewöhnlichen
Nutzungsdauer des Wirlschaftsgultes zu bemessen,
wobei unter „betriebsgewöhnlich‘ nicht nur die
lechnische, sondern auch die wirtschaftliche
Nutzungsdauer zu versichen ist.
Bei Durchführung der Betricbsprüfungen,
die seit 192G stattfanden, haben sich anfangs Schwierigkeilen
 wegen der Bemessung der Sätze ergeben, die
[ür die laufenden Absetzungen für Abnutzung eingeseizl
 werden durften. Im Laufe der Jahre haben sich
aber, nicht zuletzt: durch die gegenseitige Fühlunghahme
 von Betriebsprülern und Sachbearbeitern der
Firmen, gewisse Grundsätze herausgebildet, dic
die Anerkennung der Finanzverwaltung gefunden haben
 und mit denen die Firmen bei ihren späteren Bewerlungen
 - rechnen. Mierbei hat sich durchaus bewährt,
 daß allgemein geltende Rahmensälze,
elwa für das ganze Reich oder für ganze Wirtschaflsgruppen,
 wenn überhaupt, nur als Richt- oder Mindestsätze
 festgelegt wurden. Die Erfahrung hat immer
wieder gezeigt, daß der den wirklichen Verhältnissen
Onisprechende Abschreibungssalz nur unter Berücksichligung
 der besonderen betriebsindividuellen Gegebenheiten
 gefunden werden kann.
VIT
Nach der Umstellung der Betriebe auf die Kricgswirtschaft
 hat sich mehr und mehr gezeigt, daß die
von den Finanzbehörden bisher zugelassenen Abschreibungssätze
 hei den durch den Krieg bedingten Verhällnissen
 bei weitem nicht mehr ausreichen. Die
Ursache liegt außer bei den hohen Steuersätzen darin,
daß die Dilferenz zwischen kauflmännisch notwendigen
Und * steuerlich zulässigen Abschreibungen zu einer

267

iöheren Besteuerung und damit gerade bei den kriegswichtigen
 Betrieben, auf die es heute ankomml, zur
[HNiquidilät führt, Eine Finanzierung der erforderlichen
Ersatzinvestierungen aus Rohüberschüssen ist bei der
aculigen steuerlichen und sonsligen Belastung mil
öffentlichen und sozialen Abgaben nicht immer mög-‚ich.
 Die Mittel für diese Einrichtungen können daher
ıur noch durch eine Erhöhung der allgemeinen Abschreibungssätze
 beschafft werden. Zur Deckung des
»rforderlichen Inveslierungsbedarfs mußten zum Teil
schon jetzt Schulden aufgenommen werden. Eine weicrc
 Verschuldung wäre unausbleiblich. Eine zunchnende
 Verschuldung würde aber eine Erhöhung der
Jnkosten und damit letzten Endes eine Erhöhung der
Preise hedeuten. Die Unternehmen des Vierjahresans
 und der Kriegswirtschaft brauchen daher drinzend
 steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, die ihrem
Investierungsbedarl entsprechen.
Es könnte eingewendet werden, daß die bisherigen
\bschreibungssätze ausreichen, um die Miltel für die
erforderlichen Ersatzinveslierungen bereitzustellen. Das
sche insbesondere daraus hervor, daß oft Maschinen,
die auf cinc Reichsmark abgeschrieben
seicn, immer noch ihren Diensl versehen. Demgegenüber
 ist jedoch auf das Folgende hinzuweisen:
1. Die für die Ersatzbeschaffung in Form von Abschreibungen
 zurückgestellten Mittel sind oft nicht
ihrem ursprünglich bestimmten Zweck zugeführt, sondern
 für andere Ausgaben verwendet worden, wie z.B.
für die Beschaffung von Reserve-Aggregalen und für
unproduklive Zwecke, wie höhere soziale und
steuerliche Leistungen, Umstellungskosten u. a. m.
2. Viele Anlagen sind noch im Betrieb, obwohl sic
an sich ersatzbedürftig sind. Es fehlt die Ersatzmöglichkeit
 infolge Rohstoffmangels oder infolge
Geldknappheit, weil andere Aufgaben (Versuchskosten
usw.) vorgehen.
3. Die bisherigen Abschreibungssäize gehen olt
nicht von den wirklichen Anschaffungskosten, sondern
von den fiktiven Anschaffungkskosien der
Goldmark-Eröffnungsbilanz aus, die zum
Teil ganz erheblich unter den tatsächlichen Anschaflfungskosten
 liegen.
Anläßlich der Umwandlungen sind dic sleuerlichen
 Werte oft heraufgesetizt worden. Diese Maßaahmen
 beruhen aber nicht durchweg darauf, daß die
pisherigen Abschreibungen zu hoch gewesen wärcn.
Meistens waren die wieder aufgewerteten Wirlschaftsgüter
 in der Goldmark-Eröffnungsbilanz zu niedrig cingesetzt
 worden. Auch ist zu bedenken, daß zwischen
dem Zeitpunkt der Anschalfung der Wirtschaftsgüter
ınd dem Zeitpunkt der Umwandlung größere Verlustperioden
 gelegen haben, in denen die angesamnımellen
 AÄbschreibungsbelräge wieder aufgezehrt
worden sind.

VII

Meine bisherigen allgemeinen Ausführungen gewinnen
 im Rahmen der Kriegswirtschaft praklische
Bedeutung vor allem in den folgenden 5 Punkten
1. Schichtarbeit und unilerlassene
Reparaluren.
Bei der Bemessung der Abschreibung in der augenblicklichen
 Zeit ist das Moment der Verbrauchsbedingtheit
 von größter Bedeutung. Die Krivgsage
 stellt besonders große Anforderungen an die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.