ji. Oktober / 45. Jahrgang
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Generaldirektor ZAN GEN, Leiter der Reichsgruppe Industrie, Berlin
Die volkstuirtfchafiliche Bedeutung der NbieHreibungsfeage‘
Vor ungefähr 1% Jahren hat mir der Reichskommissar
für die Preisbildung Gelegenheit
gegeben, in Stuttgart vor seinen Milarbeilern aus
Jem ganzen Reich Ausführungen zu machen über die
arundsätze der Preispolitik, wie sie von der Industrie
aus gesehen werden. Ich habe bei dieser Gelegenheit
u. a. zwei Dinge hervorgehoben:
Erstens,daß es nicht so sehr auf die Höhe des Gewinnes
an einem Erzeugnis oder in einem Jnternehmen
ankommt, als auf die Vermeidung inflatorisch wirkender
Preise und auf die Verwendung der Betriebsüberschüsse.
Ich habe belont, daß die
Hauptsache die volkswirtschaflliche Verwendung der
Jeberschüsse ist und der Preiskommissar dort eingreifen
sollte, wo enigegen nalionalsozialistischer Wirlschaftsauffassung
eine Verschwendung der wUcber
schüsse Platz greift.
Zweitens habe ich darauf hingewiesen, daß die
Preispolitik so geführt werden muß, daß jede einzelne
Industriesparte lebensfähig bleibt. Die systematische
Mischung von Erträgen innerhalb eines Unternehmens
(abgesehen von den stets üblich gewesenen
Ausgleichen) kann schwere Schäden volkswirlschaftlicher
Art nach sich ziehen, Ich denke dabei in ersier
Linie an die Gefährdung unserer Urslofferzeugung.
Was wir hier für die Landwirtschaft bejahen, muß
analog Anwendung dÄinden für die Pflege der industriellen
Rohstofferzeugung. Die Vorläuschung einer
Prosperilät der Grundsloffindustrie infolge einer derartigen
Mıschung von Ergebnissen aus verschiedenen
Produktionszweigen bringt nämlich die Gefahr der Vernachlässigung
der Gewerbezweige der Urstoffindustrie
mit sich.
Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Gewinnerzielung
das natürliche Strcben eines jeden Unternehmens
sein muß. Es ist irrig, in einem Betrieb, der
wenig verdient, das Ideal zu sehen. Es ist im allgemeinen
zu unterstellen, daß angemessene Gewinne
nur in leistungsfähigen Betrieben enisiehen,
daß infolgedessen unzureichende Gewinne oder gar
Verluste zurückzulühren sind auf volkswirtschaltlich
schlecht laufende Betriebe. Beides gibt .nalürlich mit
der Einschränkung, daß nicht Einflüsse vorhanden sind,
die außernalb des Machtbereiches der Unternehmer
sclbst liegen, z. B. das Festhalten. an durch unverschuldete
Selhbstkostensteigerungen überholten Preisen
oder die gegenüber dem Ausland leuere Gestehung von
Rohsiolfen ohne ausreichenden Zollschutz oder z. B.
Kursverluste oder Kursgewinne im Exportgeschäft
uw a m.
Der rentable Betrieb ist der volkswirtschaftlich
beste, Der Unternehmer eines solchen Belriebes
ist nicht nur in der Lage, seine induslrielle Leistung
auf ein Höchstmaß zu bringen, sondern auch die Ihm
als Betriebsführer obliegende Fürsorgepflicht fur seine
Gefolgschaft zu erfüllen. Der unrentable Betrieb schafft
weder das eine noch das andere. Bei der geringslien
Krisenerscheinung ist er auf fremde, vielfach auf
Staatshilfe angewiesen. Er ist nicht in der Lage, seine
* Aus ‚Industrie und Steuer‘ Nr. 18 v. 15. 9. 1940
Belegschaft auch nur vorübergehend durchzuhalten,
weil ihm die nolwendigen Reserven Ichlen, und ist deshalb
gegenüher dem stark fundierlen Unternehmen zum
Schaden der Allgemeinneit im Hintertreffen, Der nalionalsozialislische
Grundsalz betont ja In ersler Linie
die Selbstinilfe und die Leistung, und beides Isl nur
mit cinem gut fundierlen Unternehmen möglich.
Gent man diesen Grundsätzen nach, dann müßte
man eigenllich die Gewinne, die dem Unternehmen
verbleiben, schonender behandeln als
liejenigen Gewinne, die zur Ausschültung gelangen. In
liesem Sinne haben Finanzverwallungen anderer Län:
ler schandelt.
Ich habe dies vorausgeschickl, weil meines Krachns
auch die Abschreibungen auf obigen Grundsätzen
aufgebaut sein müssen.
IL.
Es bedarf gar keiner Erörterung, daß die Reichsinanzverwaltung
versuchen muß, die Kosten des
Krieges in einem möglichst großen Umfange aus
‚aufenden Steuereingängen zu decken. Ich
ıabe daher volles Verständnis dafür, daß die Steuerschraube
im Kriege besonders scharf angezogen wird,
[ch nabe mich deshalb in vielen Besprechungen mit
lem Reichsfinanz- und dem Reichswirtschaftsminister
licser grundsätzlichen Einstellung nicht verschlossen,
ıber immer wicder dahin gewirkt, daß die Belriecbszubstanz
der Wirtschaft erhalten bleiben muß, daß
"erner die Wirtschaft die für den Krieg nolwendigen
inveslionen und sonsligen Aufwendungen machen üupd
lic Betriebe für jetzt und später auf der Höhe halten
zann. Das bedingt, daß den Betrieben nicht Mittel entzogen
werden, die diesen Zwecken dienen, denn nicht
ıur im Kriege, sondern vornehmlich für die Umstelung
auf die Friedenswirischaft nach dem Kriege wer
Jen der Industrie, wie der Wirtschaft überhaupt, große
mit erheblichen Kosten verbundene Aufgaben gesteht
Auch das Gebiet der Abschreibungen habe
ch mit dem Herrn Reichsfinanzminister und Herrn
Stantssekrelär Reinhardt behandell. Ich ‚habe daraul
hingewiesen, daß, anstatt die Möglichkeil steuerfreich
\bschreibungen zu beengen, eine großzügige Behand
ung der Abschreibungsfragen dringend nolwendig sel
ıamenilich, soweit es sich um die verslärkle Ausuülzung,
um den vielfachen Raubbau an den Anlagen
‚sowie Einrichtungen und um Investionen für vorüberzehenden
Kriegsbedarf handelt. Ich habe bei beiden
"Zerren volles Verständnis gefunden, daß die Abschreiyungsirage
gerade im jelzigen Zeitpunkl für die Erhalung
der Substanz der Wirtschaft von besonderer Be
leutung ist,
Diesen Fragen kommt im Augenblick ganz besanlere
Bedeulung zu, weil nicht elwa erst seit Begimn
les Krieges die gesamien Anlagen und Einrichtungen
ler Indusirie einer slarken Ucberbeansprushung
ausgeselzt sind, sondern weil schon in der
Vorkriegszeit bei der Durchführung des Vierjahres
plans und der Aufrüstung außerordentliche Lei-;tungen
von den Belrieben verlangt worden sind, In
zolen Werken mußte schon vor Kriegsbeginn zum