Full text : 45.1940 (0045)

Saarpfälzifche Wirtfchafts-Zeitung

Organ der Wirtfhaftskammer Saarpfal;z und der Induftrie- und Handelskammer zu Saarbrücen

Heft 3/4

Neuftadt an der Weinftraßfe, 15. Juni 1940 | 45. Jahrgang

OBERREGIERUNGSRAT MINZENMAY
Leiter des Arbeitsamts Ludwigshafen am Rhein

Der kriegswirtfchaftliche Arbeitseinfat; in dem neuen Kriegsabfchnitt

Der deutfhen Kriegsführung Fommt heute — im
Begenfaß zum Weltkriege und im Segenfaß zu unferen
Feindländern — zuftatten, daß aud im Bereich des Arbeits:
zinfaßes bereits im Frieden erakte VBorarbeiten geleiftet wurden:
 der „Arbeitseinfaß-Mobilmacdhungsplan‘“ wurde bei
Kriegsbeginn automatifdh ausgelöft. Der einzelne Menfich
Fam dort zum Einfaß — bei der Wehrmacht oder innerhalb
der Wirtihaft oder aber nacheinander in beiden Ab.
jhnitfen — , wo er der Krieasführung am meijten zu nußen
jchien.
Nährend des erften Kriegsabfchnittes lag — vom Polen:
Feldzug abgefehen — der Schwerpunkt der Kriegsführung
an der „inneren Front“, namentlidh bei der Herftellung des
nofwendigen Kriegsmaterials. Yın Arbeitgeinfaß lagen da:
Sei die Schwierigkeiten haupffächlidh in der Berforgung der
Metall, der Chemie und der Bauwirtfehaft mit Arbeits:
fräffen und hier wieder hauptfächlih mit Facharbeitern und
mit handfeften Hilfskräffen.
Zur Zeit fliehen wir in einem neuen Kriegsabfehnitf.
Der BewegungsFrieg fordert auf der einen Seite einen ver-Rärkten
 Menfcheneinfaß im Felde und auf der anderen Seite
zinen erhöhten Kräftebedarf in der Kriegswirffhaft, vornehmlidh
 zur Durchführung des Munitkionsprogramms und
jur weiteren Berftärkung des Kriegsmaterials,
Die bereitg heftehende Spannung im Arbeitseinfaß erhSht
 fi alfo nochmals. Ybr ift in dreifacher Hinficht mit
allen nur denkbaren Mitteln zu begegnen:
ı. Sm gefamten Bereid der Produktion
mußin näcfter Zeit alles vollends abgedroffelt
 merden, was nicht der Wehrmacht, was
nicht dem unbedingten Lebensbedarf der Bevölkerung und
was nicht der Ausfuhrwirtfhaft dient. Die Produktion
jelbft wickelt fie bekanntlich nad dem Grade der Dringlidcfeit,
 alfo nad) beftimmten Mangftufen, die dem Kriegsablauf
ent{prechend fändigem Wechfel unterworfen find, ab. Wer
Heute, au in einzelnen Abteilungen des Werkes oder au
alg fogenannte Füllarbeit, Friegs- und (ebensunwichfige oder
auffchiebbare Arbeiten durchführen Lißt und damit Nobmaterial
 und Arbeitskraft unnstia verbraucht, fchwächt die
Rrieasführung.
2. Die notwendige Produktion muß
auf die rationelle Weife, vor allem
unter {parfamfier Berwendung von Ar.
beitskraft und Material, erfolgen, Mit
der FHeinften Arbeitgfrafteinheit muß. die höchftmögliche
Suütermenge erzeugt werden. Betriebe, die umftändlih und
teuer arbeiten, nicht die einfachtt möglidhen Arbeitsvorgänge
zrdacht haben, die viel Leerlauf im Produktionsablauf zeigen,
zinen veralteten Mafdinenvark haben, verlieren ihre YAufträge

 zu Gunften von Betrieben, die organifatorifd) und tech
nifch gut durchrafionalifiert find.
Da felbitverfttändlid) Feine zufäßlidhen Facharbeiter und
Seine Förperlidy robuften Kräfte neu aus dem Boden ae
tampft werden Ffönnen, müffen diefe Kräfte auf dem
Wege einer großzügigen, planvollen Um
ididtungs- und Umfehulungsaktion ge:
vonnen werden. Das heißt: qualifizierte Kräfte,
vor allem feltene „echte‘‘ Facharbeiter, die heute nicht Furz
"riftig herangefchult werden Fönnen, dürfen Feinesfallg mehr
an YArbeitsftellen für „Angelernte‘ fteben und fie dürfen
nicht nebenbei mit zweitrangiger Arbeit, mit irgendwelchen
Füllarbeiten befehäftigt werden. Dasfelbe gilt für di
;örperlidy robuften Männer,- die heute nod) fogenannte
‚Leichtarbeit‘‘ verrichten. Ne höher der Seltenheitgwert
zineg Menfchen ift, um fo überlegter muß fein Arbeitseinfat
zrfolgen. Der einzelne Menfeh muß alfo an die höchftmög:
fie „Stufe der Arbeit‘ gebracht werden.
Dies bedeutet, daß zur Zeit in der gefamten deutfchen
MWirtfchaft nochmals eine „Seneralüberprüfung“
zller arbeitenden Menfdhen durchgeführt werden
muß: wo fteben Menfchen no am falfihen Pla, wo Finnen
Menfchen noch eingefpart werden, wo fönnen Menfchen fl!
yie Mangelberufe herangeholt und herangefehult werden? Damit
 ift verbunden eine ftarfe Umfehichtung von Arbeits
fräften, eine ftaffelweife planvolle Aufrüdung von Kräften,
und zwar von CLeichtarbeit, zu mittelfhwerer Arbeit, zu
dywerarbeit, ebenfo von Einfachttarbeit, zu Angelernter:
ırbeit, zu edyter Facharbeit. Yn der Metallinduftrie 3. DB.
zibt es einfache, Leicht zu bedienende Automatenarbeit, die in
zielen Fällen aud von Frauen und von fhwacden Kräften
zeleiftet werden Fann. Kräfte, die fid an diefen Stellen be
vährt haben; Fommen nunmehr an fehwierigere Arbeiten
jeran, 3. B. an NRevolverdrebbänke mit Serienberitelungen
Die hier wiederum freiwerdenden Kräfte Fommen an Revol:
serdrehbänke, wo fie fhwierigere Einzelitüce herzufiellen
haben. Bon diefen Drehbänken wiederum werden die beiten
Rräfte weggenommen und an Spisbänke und damit an
"Owierigite Dreharbeiten geftellt. Senau fo liegt die Rufen
weife Herauffehleufung von Menfchen in Förperlihen oder in
geiftigen YArbeitsbereichen., Dazu find häufig befonder:
Schulungseinrichtungen der Betriebe notwendig.
Zur Ueberprüfung diefer Wirtkfhafts. und Arbeitsver.
Jältniffe der Betriebe, der Einfhränkung und rationellen
Durchführung der Friegs- und lebenswichtigen Produktion,
ser Umfeoidtungs- und Scohulungsmöglichfeifen der Gjefolg
“haften und der Herausgabe überzähliger Arbeitsfräfte wer
den zur Zeit Reichs, Landes- und DBezirfsfommiffionen ein
zefent, in denen neben den Arbeitsbehörden noch die Wirt
"haftstammern und die Ruftungsinfpektionen und fom
            
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