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8. Jahrgang Saarbrücken, den 10. März 1928 Nummer 10
Juhalt: Um die Verhandlungen über die Besoldungsreform — Die Verhandlungen mit den Regierungsvertretern am
5. März 1928. — Beamten-Ausschußwahlen bei der Eisenbahn. — Wo bleibt die B. K. KVon der Bundes⸗
leitung. — Aus den Verbänden. — Beamten-Rundschau.
UM DIE VERHANDLUNCGEN UBER DIFE BESOLDVUNGSREFORM
Die geplanten Verhandlungen zwischen der Fachkom⸗
mission der Regierung und der Vertretung der Arbeits—
gemeinschaft der Beamtenverbände find an dem Wider—
standes des Vertreters der Lokomotivbeamten gegen den
Vorschlag, die angesetzte Verhandlung der Arbeitsgemein—
schaft der Beamtenverbände allein zu überlassen und die
angebotene Sonderverhandlung anzunehmen, gescheitert.
Die Arbeitsgemeinschaft richtete noch am Abend desselben
Tages ein Schreiben an die Regierungskommission —
—8— heutige Nummer — in dem sie unter Hinweis auf
ie Vorkommnisse um einen neuen Verhandlungstermin
bat und neue Verhandlungen mit der Regierungskom—
mission im Beisein des Vertreters der Lokomotivbeamten
ablehnte. Die Regierungskommission beantwortete diese
Eingabe mit einem Schreiben vom 2. März 1928. Darin
wurde unter anderem den Beamtenverbänden mitgeteilt
daß sie an ihrem bisherigen Standpunkt festhalte, au
einer Einladung aller Beamtenorganisationen besteher
müsse und darum auch die Vertretüng der Lokomotivbe
amten eingeladen würde. Die Arbeitsgemeinschaft war
damit vor eine Entscheidung gestellt, der gegenüber sie nu
nach sachlichen Gesichtspunklen zu entscheiden hatte. Rein
organisatorisch betrachtet, hätte die Arbeitsgemeinschaft au
hrem Standpunkt beharren und gemäß ihrem Beschluß jede
Verhandlung im Beisein des Vertreters der Lokomotivbe⸗
amten ablehnen müssen. Auf der anderen Seite war zu
bedenken, daß durch ein Festhalten an dem Standpunkte
die Verhandlungen überhaupt nicht zustande kommen wür—
den. Die Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände stellte
darum nur das sachliche Moment in den Vordergrund und
beschloß, an der Sitzung am Montag, den 5. März 1928
teilzunehmen und sich nicht der Gesahr auszusetzen, daß
wegen einer an sich richtigen Einstellung die Verhand—
lungen scheitern würden. Unter allen Umständen sollte es
zu Verhandlungen kommen, und die Arbeitsgemeinschaft
ie alle persönlichen und organisatorischen Momente zu—
rü
Von der Regierungskommission wurde zum 5. März zu
Verhandlungen eingeliaden. Zwei Tage vorher stellte der
Verlreter der Lokomotivbeamten den Antrag, die Ar—
deitsgemeinschaft möge, um die Einheitlichkeit der Be—
amtenschaft zu wahren, ihn an den Vorbesprechungen
teilnehmen iassen. Unter Außerachtlassung der vorange—
gangenen Vorkommnisse, wiederum nur geleitet von dem
Hedanken, jede Zersplitterung zu vermeiden, war die Ar—
beitsgemeinschaft bereit, die Lokomotivbeamten an den
Borbesprechungen teilnehmen zu lassen, wenn sie sich vor—
her verpflichteten, den in der Vorbesprechung festgelegten
Brundsätzen, wenn die Mehrheit dafür sei, sich zu fügen
ind die Sprecher der Arbeitsgemeinschaft auch für sich als
Lerhandlungsführer anzuerkennen. Außerdem wurde H.
hödicke gegenüber betont, daß diese vorgeschlagene Zusam—
nenarbeit nichts an der Stellung zum Beamtenbund und
jur Arbeitsgemeinschaft ändern solle. Da Herr G. glaubte,
nicht auf das Recht der Darlegung seiner Wünsche ver—
zichten zu können, schien die Zusammenarbeit der Arbeits—
zgemeinschaft mit den Vertretern der Lokomotivbeamten
zwecklos, und die Arbeitsgemeinschaft lehnte es ab, Herrn
5. an den Vorbesprechungeen teilnehmen zu lassen. Nach
urzer Beratung einigte sich die Arbeitsgemeinschaft auf
die niedergelegten Vorschläge, so daß fie mit einheitlichem
VProgramm zu den Verhandlungen gehen konnte.
Zu den Dingen selbst ist vom Standpunkte der Arbeits—
gemeinschaft folgendes zu sagen:
Die Arbeitsgemeinschaft hatte es aus organisatorischen
Fründen für richtig gehalten, eine Verhandlung mit der
Regierung im Beisein des Vertreters der Lokomotivbeam—
ten abzulehnen. Die Gründe zu diesem Handeln sind be—
reits in der letzten Nummer ausführlich dargelegt worden.
Von jedem, der organisatorische Dinge zu würdigen ver—
teht, muß die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft an—
erkannt werden. Die Arbeitsgemeinschaft hat bisher alle
Vorarbeiten geleistet, hat alle Verhandlungen geführt,
hatte auch die in Frage kommenden Vorverhandlungen
eingeleitei. Sie mußte darum um so mehr überrascht sein,
ich plötzlich vor die Tatsache der Hinzuziehung einer außer⸗
halbstehenden Fachgruppe gestellt zu sehen.
Die Vertreter der Regierungskommission scheinen die Be—
denken der Arbeitsgemeinschaft ja auch gewürdigt zu haben,
da sie sich bereit erkllärten, mit den Lokomotivbeamten be—
'onders zu verhandeln. Es muß mit aller Deutlichkeit fefst—
gestellt werden: Die Arbeitsgemeinschaft hat sich nie da⸗
jegen gewandt, daß mit den Vertretern der Lokomotivbe⸗
imten verhandelt würde; sie lehnte nur eine gemeinsame
Lerhandlung ab. Die Arbeitsgemeinschaft hat nach dem
Scheitern der ersten Verhandlung durch ein Schreiben neue
Rerhandlungen im Beifein der Vertreter der Lokomotiv—