Full text : 3.1928 (0003)

UMSCHAU
Für die saarländische Beamtenschaft gehen die Dinge
ihrer Entscheidung entgegen. Die Besoldungsreform wird
in allernächster Zeit zum Abschluß gebracht werden. Daß
damit eine Frage von allergrößker Bedeutung zur Ent—
scheidung steht, braucht nicht besonders betont zu werden
Normale Entwicklung der Wirtschaftsverhältnisse voraus—
gesetzt, wird die neue Besoldungsordnung mindestens auf
einige Jahre die Lebensverhältnisse der deutschen Beam—
tenschaft bestimmen, und aus dieser Tatsache heraus ist
es auch zu verstehen, daß die Beamtenschaft mit leiden—
schaftlichem Interesse die Entwicklung der Dinge verfolgte
und jede Strömung und Gegenströmung genau beobachtete
und beurteilte. gened der Besoldungsneuordnung sind
Kampfteiten und verlangen von der Beamtenschaft Diszi—
plin, ruhige Ueberlegung und nüchternen Blick. Daß sich
dabei für den einen oder den anderen die Dinge nicht
schnell genug entwickeln und die Spannkraft verloren geht,
ist natürlich, darf aber die Führung nicht beeinflussen und
muß von der Beamtenschaft als das, was es ist, beurteilt
und gewertet werden. Für die Saarbeamtenschaft liegen
in dieser Hinsicht die Dinge besonders schwierig, weil wir
zunächst den Abschluß der Verhandlungen im Reiche ab—
warten mußten, darum alle Teile des Kampfes miterlebten
und mit um das Schicksal der Vorlage bangten und sorgten.
Rach Weihnachten begann dann unsere Ärbeit hier. Die
Bundesleitung hatte schon lange vorher versucht, die Vor—
arbeiten in Gang zu bringen und durch die Bekanntgabe
klarer Ziele und Richtlinien die Beamlenschaft zu unter—
richten und zu geschlossener Gemeinschaft zusammenzufassen.
Es kann wohl gesagt werden, daß das, was die Führung
wollte, voll und ganz erreicht worden ist. Bundesleitung
Vorstand, Ausschuß und Arbeitsgemeinschaft einigten sich
auf einer Linie und forderten unveränderte Uebernahme
der Reichsbesoldungsordnung. In der Jahresausschußsitzung
 wurde die Arbeit im Bunde anerkannt und dem
Bundesvorsitzenden der besondere Dank der Beamtenschaft
ausgesprochen.
Wenn sich daraus ergibt, daß die Beamtenschaft in ihrer
überwiegenden Mehrheit die durch Bundesvorstand und
Arbeitsgemeinschaft vorgezeichneten Wege für richtig hält
und die geleistete Arbeit anerkennt, dann muß man sich
um so mehr wundern, wenn wiederholt in letzter Zeit ab—
seitsliegende Dinge so in den Vordergrund geschoben
worden sind, daß es oft den Anschein hat, als haändle es
sich um schwerwiegendste Fragen, und als sei die Beamten—
schaft in sich vollständig unklar und gespalten. Das trifft
auf keinen Fall zu. Arbeitsgemeinschaft und Bundeslei—
tung haben klare Ziele aufgestellt und sind auf dem für
richtig erkannten Wege bisher unbekümmert vorwärts ge—
schritten und hoffen bestimmt, daß es möglich sein wird,
für die Beamtenschaft befriedigende Ergebnisse zu erzielen.
Fragen zweiter Ordnung müssen aber in enischeidenden
Zeiten nicht unnatürlich betont und in den Vordergrund
geschoben werden. Wenn Dinge reformbedürftig find wird

die Bundesleitung die letzte sein, die Aenderungen und
Verbesserungen widerstreben würde. Eines muß aber doch
einmal gesagt werden: Organisatorische und wirtschaftliche
Berbesserungen werden doch letzten Endes nur durch prak⸗
ische Arbeit herbeigeführt, nicht durch Reden. wenn es
auch verlodend sein mag, sich auf dem letzteren Wege billige
Lorbeeren zu pflücken.
Man kann auch verschiedener Meinung darüber sein,
ob es richtig ist, einen Satz, dessen Vorgeschichte und Zu—
ammenhänge man nicht kennt, zum Anlaß einer großen
Aktion zu nehmen, und man kann sich auch die Frage vor—
jegen, ob es taktisch klug ist, Dinge, die durch eine ein—
sache Rückfrage hätten geklärt werden können, ungeklärt
zu lassen und auf eigene Faust zu handeln. Was wird
mit all dem erreicht? Zu einem Zeitpunkte, wo die füh—
renden Vertreter der Beamtenschaft aufs äußerste ange—
paunnt sind und sein müssen, um jede drohende Gefahr von
der Sache abzuwenden, da werden RNebensäüchlichkeiten,
Kleinigkeiten, Unwahrheiten hervorgezogen und der Bun—
desleitung nicht nur die Arbeit erschwert, sondern was
diel schlimmer ist, die Arbeit verleidet. Es muß einmal
ffen ausgesprochen werden: Ss geht es nicht weiter. Die
Beamtenschaft muß der selbstgewählten Führerschaft ver—
rauen und alle Quertreibereien entschieden zurückweisen.
dier geht es nicht um diesen oder jenen; hier geht es um
die Veamtenschaft. Jetzt gilt es, der deutschen Saarbe—
imtenschaft annehmbare Lebensbedingungen auf Jahre zu
erkämpfen, darum müssen im Augenblick alle Dinge, die
aicht auf der Linie liegen, zurücktreten und Raum lassen
ur freien Arbeit am Hauptwerk.
Unter Beachtung der eben dargestellten Gedankengänge
st auch folgender Vorfall zu werten. Die Arbeitsgemein—
chaft der Beamtenverbände hatte seit Beginn der Besol—
dungsverhandlungen immer wieder betont, daß sie außer—
ordentlichen Wert darauf lege, von der Regierung zu
Verhandlungen herangezogen zu werden und zwär zu einem
Zeitpunkt, da es noch praktisch möglich sei, die Wünsche der
Beamtenschaft zu berücksichtigen. Vor einiger Zeit wurden
don Seiten der Regierung solche Verhandlungen in Aus—
icht gestellt. Bei der Einladung zu diesen Verhandlungen
zum Donnerstag voriger Woche wurde dem Vorsitzenden des
Beamtenbundes seitens der Regierungsvertreter der Wunsch
mitgeteilt, die Beamtenschaft möchte eine Abordnung von
2oder 3 Köpfen entsenden. Als Grund wurde angegeben,
daß die Regierung mit den Vertretern der Beamlenschafi
wirklich verhandeln und alle Einzelheiten der Vorlage
durchsprechen wolle. Das sei natürlich nur in einem kleinen
Kreise möglich. Erscheine dagegen die Beamtenschaft
mit einer großen Abordnung, dann müßten natur—
zemäß die Regierungsvertreter sich Reserve auferlegen und
es käme wohl kaum zu einer wirklichen Verhandlung. Da
es sich ja um Vorverhandlungen drehte, denen später
Hauptverhandlungen im großen Kreise folgen sollten, konn—
ten sich die Vertreter der Arheitsgemeinschaft den Erwäͤ—

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