Full text : 3.1928 (0003)

Wir stehen im Saargebiet vor den Neuwahlen zum
Landesrat. Wenn auch der Landesrat leider nicht als voll—
wertige Volksvertretung anzusprechen ist, so ist er immer—
hin die Volksvertretung im Saargebiet, deren segens—
reiche Tätigkeit unbedingt anerkannt werden muß. Es ist
für die Saarbeamtenschaft eine Selbstverständlichkeit, daß
fie nicht durch die Aufstellung besonderer Kandidaten die
politische Lage noch erschweren will. Als vollständig
politisch neutrale Organisation muß sie auch auf die Auf—
fiellung parteipolitischer Grundsätze verzichten. Das hin—
dert aber den Beamtenbund nicht, seine Mitglieder zu
eifriger Mitarbeit in allen Parteien aufzufordern und am
diese Weise die Vertretung der Beamtenforderungen über—
all sicherzustellen. Die Parteien werden in den nächsten

WARUMBG

Seit Bestehen der Abrede von Baden-Baden ist in un—
sere Besoldungsverhältnisse eine zewisse Ordnung und
Stetigkeit hineingekommen. Zwar sind die Besoldungs—
tabellen noch nicht als Mark-Tabellen veröffentlicht
worden, aber sie waren doch mehr oder weniger auf den
Markzahlen des Reiches aufgebaut. Leider war es
der Reichsregierung in Baden-Baden nicht gelungen, die
Errechnung unserer Gehaltsbezüge nach dem Börsenkurs
 zu erwirken. Die Regierungskommission wandte
eine Methode am die der saarländischen Beamtenschaft die
gleiche Kaufkraft wie im Reich verbürgen sollte. Die
Beamtenschaft hat diese Methode stets abgelehnt und die
Gehaltsrechnung nach dem Börsenkurs gefordert.
Die Methode der Regierungskommission soll in Baden—
Baden vereinbart worden sein. Wir wissen nicht, ob das
stimmt, haben im Gegenteil Gründe, es zu bezweifeln.
Wie dem aber auch sei, die Methode ist fehlerhaft.
Sie ist eine Theorie, die, wie alle Theorien, bei einem
bestimmten Punkte versagt.
Der Sinn der Methode war, die Durchschnittsteuerung
des Saargebietes zu messen an der des Reiches. So ein⸗—
fach diese Formel anmutet, so fehlerhaft ist sie.
Schon die Feststellung der Durchschnittsteuerung birgt
Fehler in sich. Man hat nicht alle Bedürfnisse berüd—
sichtigt, sondern nur einen gewissen Teil derselben. Man
hat vor allem nicht alle Beamtenbedürfnisse erfaßt.
Und doch hat man von einer vielleicht 60- bis 70prozentigen
 AuUsgabe des Beamten seine 100prozentige Eien—
nahme sestgesetzt. Daß der Beamte ferner einen gewis—
sen Anteil seiner Bedürfnisse in Reichsmark, also zum
vollen Börsenkurs, zu leisten hatte, blieb gänzlich unbe—
rücksichtigt. Und endlich war nicht einzusehen, warum man
das kleine Saargebiet mit dem gesamten Reichsgebiet in
Vergleich stellt, wo doch ira Reich die Verhälinisse ganz
verschieden gelagert und dennoch im Grundgehals

Des Rates niemand sich beschwert:
plles Deine Hact mit Steclcenpferd.
Steckhennferd-VSeife
die beate Lilienmilch-Seife — Ueberall zu haben,

Ein gutes Nezept
— einfach und billig — zur Herstellung
vorzüglicher Suppen:
RNimm Massas Suppenwürfel.
Reiche Sortenauswahl.
1 Würfel für 2 Teller Suppe.

7

—2

J

Tagen die Kandidaten für die Wahlen aufstellen. Wir
iehmen es als selbstverständlich an, daß dabei auch die
Bbeamtenschaft gebührend beachtet wird, und daß auch Be—⸗
aimte herangezogen werden, die in ihren Berufsorgani—
ationen führend tätig sind.
Es ist natürlich selbstverständlich, daß Parteien, die mit
der Beamtenschaft in Verbindung treten wollen, diese Be—
imtenkandidaten so in ihre Liste einordnen, daß die Wahl
gesichert ist. Führer der Beamtenschaft müssen es ablehnen,
ich als Füllkandidaten behandeln zu lassen. Auch hier ver—
reten wir unsere alte Forderung: Wir verlangen Beach⸗
tung der Beamtenschaft im Rahmen der Gesamtbevölkerung.

M

28SENKURS?

und den sozialen Zulagen völlig gleich behandelt sind.
Fehler auf Fehler! Schließlich sei noch bemerkt, daß die
Methode insofern den Todeskeim in sich selbst trug, als
ie — theoretisch wenigstens — die Möglichkeit bot, eines
Tages völlig zu versanden. Der Umrechnungsfaktor war
zas Ergebnis einer Teilung der Saarteuerungszahl durch
zie des Reichs. Beispiel: Saar 1000 geteilt durch Reich
0 ⸗ 5. Neulich stieg im Reich die Miete, damit auch
die Reichssteuerungszahl. Beispiel: Saar 1000: Reich
250 ⸗ 4. Ich bemerke, daß diese Beispiele nur den Sinn
der Methode verdeutlichen sollen; sie sind nicht die tat—
ächlichen Zahlen. Und nun die thedretische Möglich—
eit, daß die Saarteuerungszahl durch irgendwelche Um—
tände sinkt, dagegen die des Reiches durch andere Tat—
achen ste igt. Dann kann eines Tages auch einmal
die Möglichkeit vorliegen, daß von unseren Gehältern
nichts mehr übrig bleibt. Beispiel: Saar 500: Reich 600
—O, ... Ich weiß degr wohl, daß das ein theoretisches Spiel
nit Zahlen ist, aber es verdeutlicht doch auch bis zu einem
Jewissen Grade den Wert von Methoden und Theorien.
durzum: Die Beamtenschaft hat die Methode der Re—
lierungskommission bisher stets abgelehnt wegen ihrer
Fehler und damit wegen ihres zweifelhaften Wertes.
Statt dessen hat sie all die Jahre hindurch den Bör,
enkurs gefordert, und sie hat natürlich auch stets ihre
Bründe dafür gehabt. Nun steht eine neue Besoldungs—
zeform vor der Tür. Und wieder erhebt die Beamten—
chaft einmütig die Forderung nach dem Börsenkurs.
Im Reich gibts zwischen den einzelnen Landschaften ge—
iau solche, ja noch größere Unterschiede als zwischen dem
Zaargebiet und dem Gesamtreich. Die Teuerungsverhält—
nisse in Berlin oder Hamburg sind sicher grundverschieden
non denen in Pommern, in der Eifel, im bayrischen Hoch—
aud. Und dennoch: der Lehrer und der Briefträger im
leinen Bauerndorf beziehen genau das aleiche Grundge—

—W
253

flüssig, ijn allen Apo-Neoferrol
 theken u. Drogerien
— — — erhöltl. bei Korper—
und Nervenschwache, Bleichsucht und Blutarmut.
lp hesonderen Fällen frage man den Hausarzt. 117

—2
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