Full text : 3.1928 (0003)

Teil der Arbeit ehrenamtlich verrichten läßt, diese Tätig—
keit ausüben. Für jede andere Bank bedeuten Kunden,
die nur ihr Geld überweisen lassen, um es möglichst schnell
wieder abzuheben, eine finanzielle Belastung. Wir glauben
darum, daß die Gründung einer solchen Bank eine Lücke in
der Organisation der bestehenden Geldwirtschaft ausfüllt
und hoffen, daß sich bald ein reibungsloses Zusammenar—
beiten zum Vorteil aller ergibt. — Betont sei noch, daß
die Beamtenbank in ihrer Tätigkeit nicht über den Kreis
der Beamten hinausgeht. — Eine gleich günstige Wirkung
versprechen wir uns von der Tätigkeit der Beamtenbans
für die Geschäftswelt Die Verhältnisse brachten es mit
sich, daß bisher die Geschäftswelt oft genötigt war, Beamter
langen Zahlungsausstand einzuräumen. Der Beamte, der
Mitglied der Beamtenbank ist, wird künftig seine Ver—
pflichtungen durch die Beamtenbankt erledigen und sich ge—
gebenenfalls dort einen Kredit gewähren lassen. Diese Lö—
sung hat für beide Teile Vorzuge Der Beamte braucht
nicht die hohen Zinsen zu zahlen, die der Kaufmann ihm
notwendigerweise berechnen müßte, und der Kaufmann er—
hält sofort bares Geld. Wenn man dann noch bedenkt, daß
die Bank durch ihre Geschäftsführung jedem Beamten, der
Kredite in Anspruch nimmt, zwangsläufig zur gewissenhaften
 Wirtschaft erzieht, dann muß man wohl zugeben
daß auch außenstehende Kreise die Gründung einer Be—
amtenbank wohl begrüßen müßten. Wie weit darüber
hinaus die Beamtenbank imstande ist, für ihre Mitglieder
n ne panee abzuschließen, hängt von der Entwick—
lung ab und kann darum heute noch nicht beurteilt werden
Was verlangt die Beamtenbank von ihren Mitgliedern?
Die Beamtenbank verlangt von ihren Mitgliedern,
daß sie ihr Gehalt auf die Banküber—
weisen lassen,

daß sie durch Zahlung der Geschäftsanteeile
 der Bank das Betriebskäpital
schaffen,
daß sie jeden Restteil des Gehaltes bis
zu seiner wirklichen Verwendung auf
der Banklassen,
daß sie ihre Spargelder der Bank zur
Verfügungstellen.
Die Pflichten, die darüber hinaus den Mitgliedern der
Zank erwachsen, ergeben sich aus dem Wesen der Genossen—
chaftsbank. Jedes Mitglied fördert oder schädigt in der
Bank sich selbst
„Die „Saarländische Beamtenbank“ ist gegründet. Bun—
desleitung und Vorstand haben die Frage geprüft, das
Werk vorbereitet und die Bank ins Leben gerufen. Der
Beamtenbund als solcher hat damit seine Arbeit getan;
runmuß die Bank selbst zeigen, daß sie le—
densfähig ist. Eine Bank kann aber nur leben, wenn
hr Geld zufließt. Die saCrländische Beamten-—
schaft,die mit der Gründung der „ Beamten—
bank des Saargebietes“ ihre erste wirt—
schaftlicheOrganisationinsLebengerufen
hat, muß durch geschlossenen Beitritt zei—
gen, dakkameradschaftlicher Geist und so—
ziales Verstehen in ihr lebendig ist und
einsostarker WillezumLebeninihrwohnt,
daß sie das Werk, das sie zum,Leben ritef,
auch dauernd lebensfähig haben vwill—
Kollegen, sendet recht bald die der heutigen Nummer bei—
zgefügten Anmeldebogen ausgefüllt der Bank zu Der Schritt
kann nicht schwer sein! Was wir tun, tun wir für uns!
M.
(Auszug aus einem Vortrag, gehalten in der Propinz-Vertreter versammlung der SHessischen Beamtenbank e. G. mab. S. zu
Daormstadt.)

Wirtschaftliche Bindungen als Selbsthilfe und Selbstschutz⸗
maßnahmen hat es im Wirtschaftsleben immer gegeben. Als
soestell im 19. Jahrhundert der kapitalistische Großbetrieb auf
der ganzen Linie vordrang, um in das Arbeitsgebiet des hand—
werksmäßigen Kleinbetriebs einzubrechen. wurde für diesen der
Kampf um seine Existenz akut. Schultzes-Delitzsch unsterbliches
Verdienst war es, für die Vereinigung der Handwerker die rechte
Form gefunden und der „Innung der Zukunft“. die er die „Ge—
nossenschaft“ nannte, den Handwerkern den richtigen Weg ge—
wiesen zu haben, um auf ihre eigene Kraft gestützt, sich die Vor—
teile der Großzindustrie anzueignen und ihre wirtschaftliche Lage
zu verbessern, statt auf die Hilfe des Staates oder der Gemeinde
warten zu müssen.
Aber nicht nur die Verhältnisse des Handwerks und Gewerbes
haben während des verilossenen Jahrhunderts eine gewaltige

Umwäl ung durchgemacht; auch die Landwirtschaft hat eine nicht
minder tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Umgestaltung er—
zahren, die auch sie auf den Weg genossenschaftlicher Einigung
und Selbsthilfe unter Raiffeisens Führung drängte.
In der Form zwar verschieden, aber im Zweck und Ziel gleich.
ehen wir im Zeitalter des Kabitals noch andere Erwerbs- und
Wirtschaftskreise sich wirtschaftspolitisch organisieren. Wer kennt
richt und fühlt nicht die Kartelle, Syndikate und Konzerne mit
hrer riesenhaften Anhäufung von Kapitalien in der Großindu—
trie, die Wirtschaftsverbände der Mittel- und Kleinindustrie
»es Groß- und Kleinhandels, ia schließlich sogar der ireien Be—
ufe wie Aerzte und Rechtsanwälte u. a Alle drängen nach der
Sonnenseite des Wirtschaftslebens und nur dieienigen bleiben
auf der Schattenseite., bei denen nur außerordentlich langsam
das Verständnis für das gemeinsame Interesse und die klare

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An

die Saarländische Beamtenbank

Saarbrücken 3
— eT7 28
            
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