Full text : 3.1928 (0003)

seitigen Aussprachen und Erklärungen ihren befriedigen—
den Abschluß. Daß es bei dieser Gelegenheit — vom all—
gemeinen Beamtenstandpunkt aus gesehen: bedauer—
liche rweise — zur Gründung konfessioneller Beamten—
vereine gekommen ist, möge der Vollständigkeit halber nicht
unerwähnt bleiben.
Eine von uns gesuchte besondere Fühlungnahme mit den
politischen Parteien ergab sich im Jahre 1927 nicht. Mit
ihnen zusammen berieten wir in Heidelberg über die Bil—⸗
dung eines Sagarausschusses. Dem Wunsche der
Parteien, unsere Beamtenbelange durch sie im Saaraus—
schuß vertreten zu lassen, konnten wir nicht zustimmen.
Wir haben unsere eigene Vertretung gewünscht und e r⸗
halten. Die Wahlen zum Landesrat stehen vor der
Tür. In letzter Zeit war verschiedentlich wieder von der
Bildung einer eigenen Beamtenpartei die Rede. Ich
bemerke hierzu, daß diese Gerüchte jeder Grundlage ent—
behren. Wir im Saargebiet werden ebensowenig an die
Bildung einer eigenen Partei herangehen, wie sie der
große deutsche Beamtenbund im Reich plant. Niemand
wird es uns verargen, wenn wir im politischen Konzert
auch unsereBweamtenbelange gewahrt wissen wollen.
Das aber versuchen wir, wie in der Vergangenheit so auch
in diesem Jahre, dadurch zu verwirklichen, daß wir uns in
den vorhandenen politischen Parteien betätigen
und dort und durch sie unseren Beamteneinfluß zur Gel⸗—
tung bringen. Solcherart wollen wir im Volke mit
dem Volke arbeiten.
Daß sich der Beamte bei der Bevölkerung gar zu großer
Sympathie erfreuen dürfte, wird zurzeit niemand be—
haupten wollen. Die Besoldungsreform hat zur Entgiftung
der Atmosphäre nicht beigetragen. UAnd wie es im Reiche
ist, so ist es auch bei uns. Große Aufregung hat die Be⸗
treuungsaktion vor einem Jahre ausgelöst. Presse,
Parteien, Gewerkschaften haben sich mit der durch sie ge⸗
schaffenen Sachlage mehr oder weniger laut befaßt. In
Heidelberg haben wir mit den Vertretern der politischen
Parteien, der Wirtschaftskreise und der Arbeiterschaft ge⸗
bagt über Arbeiterunterstützung. Nach anfäng⸗
lichem Sträuben hat sich die Reichsregierung schließlich da—
zu verstanden, den Bergarbeitern für den erlittenen Lohn—
abbau und die eingelegten Feierschichten ebenfalls eine
Unterstützung zu gewähren. Von den Gewerklschaften ist
der Kreis der zu Unterstützenden größer gegogen worden
Wir haben die Maßnahmen der Reichsregierung nicht nur
begrüßt, sondern die Forderungen der Arbeiterführer auch
von uns aus als berechtigt anerkannt und unter⸗—
st ützt. Leider ist es uns nicht gelungen, die bis jetzt
noch n icht betreuten Kommunalbeamten und die bei uns
organisierten Angestellten in den Kreis der Betreuten ein—
bezogen zu sehen, trotz persönlicher Vertretung unserer
Wünsche im Reichsarbeitsministerium.
Der Eisenbahnerstreik im Dezember 1927 hat die
Beamtenschaft ebenfalls wieder in den Blickpunkt der

Bepölkerung gerückt. Man hat das Verhalten der Eisen—
ahnbeamtenschaft während und nach dem Streik zu be—
nängeln versucht. An Sympathie hat die Beamtenschaft
nischt gewonnen. Und daß die kommenden Dinge, soweit
sie mit unserer Besoldungsrefotm und der Durchführung
des Reichsgerichtsurteils zusammenhängen, hierin einen
Wandel zum Bessern eintreten lassen könnten, wird
niemand zu behaupten wagen. So unangenehm solche Fest—
tellungen sind, es wäre grundverkehrt, woliten wir hier
Pogel⸗Strauß-Politik treiben. Zum Streik selbst sei noch
ꝛrwähnt, daß, entgegen den Meldungen einiger Saar⸗ und
Reichsblätter, einzig und allein die Beamtenschaft
Vermittler zwischen Regierungskommission und Arbeiter—
chaft von Anfang an war und bis zur letzten Stunde auch
zeblieben ist. Die Regierungskommission hat von ihr
ingebotenen anderen Vermittlungsversuchen keinen
vebrauch gemacht.
Mit der Regierungskommission haben auch im ver—
zangenen Jahre mancherlei Besprechungen stattgefunden.
Anläßlich des Präsidentenwechsels im Juni haben wir er—
neut um Amnestie für die Beamtenschaft gebeten. Lei—⸗
der hat auch Herr Präsident Wilton bis heute von
seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht.
Zur Reichsregierung führten uns im abgelaufenen Ge—
schäftsjahr die Wege nur zweimal. Im Mai waren wir
von ihr nach Heidelberg eingeladen zu der schon mehr—
fach erwähnten Besprechung uüͤber die Bildung eines
Saarausschusses und die Arbeiteruͤnter—
tützung. Am 17. Dezember waren wir alsdann nach
Berlin gerufen zur Besprechung über die Auswirkung
des Reichsgerichtsurteils für die gesamte Beamtenschaft.
Bei dieser Gelegenheit haben wir auch, wie stets bei
olchen Anlässen, nicht versäumt, bei unserer Spitzenorgani⸗
ation, dem Deutschen und Preußischen Beamtenbund, vor⸗
zusprechen. Wie früher stand uns auch im vergangenen
Jahr die Unterstützung dieser Großorganisationen zur Ver⸗
fügung. Seit wir vor zwei Jahren in Trier waren,
haben sich die Fäden zu unseren rheinischen Kollegen noch
inniger geknüpft. Eine Abordnung der Saarbeamten⸗
chaft war auf dem Rheinischen Beamtentag in
Krefeld anwesend. Auch zum Hessischen Beam⸗—
tentag in Bingen hatten wir Vertreter entsandt.
So war auch im Jahre 1927 das Arbeitsfeld des Be⸗
aimtenbundes nicht geringer abgesteckt als das der früheren
Fahre. Weitaus den größten Teil an aufgewandter Zeit
und Kraft beanspruchte die Besoldungsarbeit,
von der in der vorigen Rummer schon gehandelt wurde.
Zehr zu unserer Freude fanden wir aber im vergangenen
Jahre endlich auch einmal Zeit, uns der Verwirklichung
fultureller und wirtschaftlicher Wünsche zu
widmen. Und so ist es uns dann einerseits gelungen, die
Verwaltungsakademie Saargebset ins Le—
ben zu rufen und andererseits die Saarländische
Beamtenbank zu gründen.

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