Full text : 3.1928 (0003)

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der Beamtenbund erscheint Zeitschrift
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Nummer 52

3. Jahrgang Saarbrücken, den 29. Dezember 1928
Inhalt: 1928 — Die Frage der Sonderprüfung — Von der Bundesleitung — Aus den Verbänden

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Wenn am Montag abend die Silvesterglocken erklingen,
dann sinkt das Jahr 1928 in den unendlichen Zeitraum der
Vergangenheit. Dann gehört das Jahr 1828 der Geschichte
an. Jahre sind an den Menschen in den sich ewig gleich—
bleibenden Zeitlauf eingelegte Abschnitte, sind Ruhepole im
dahinstürmenden Leben, von denen aus sie rückschauend das
Geschehene überblicken können, und von denen aus sie vor⸗
ausschauen in die Zukunft, um sinnend und deutend aus
der Vergangenheit die Zukunft zu enträtseln.
Das Jahr 1928 wird in der Geschichte des deutschen Volkes
der Zeitperiode zuzurechnen sein, die in ihrer ganzen Ge—
staltung voraus bestimmt ist durch die Auswirkungen des
Friedensvertrages von Versailles. Eine besondere Be—
deutung kann ihm unter Beachtung von politischen Gesichts—
punkten nicht zugesprochen werden, denn keine der großen
Fragen, die das deutsche Volk auf dem Wege zu einer neuen
GHestaltung seiner Lebensformen und Weligestaltungsan—
sprüchen lösen muß, ist in diesem Jahre ihrem Ziele näher
zekommen. Nach wie vor lastet der unerträgliche Druck der
Reparationslasten auf dem deutschen Volke. Und nur unter
Richtbeachtung der eigenen Lebensnotwendigkeiten vermag
die deutsche Wirtschaft diese Riesensummen aufzubringen
Alle Versuche aber, die deutschen Kriegslasten endlich ein—
mal zahlenmäßig festzustellen, haben auch in diesem Jahre
zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. Ebenso ist es nicht
gelungen, die Rheinland- und Saarfrage zu loͤsen. Immer
noch ist Deutschland durch die Anwesenheit fremder Be—
atzungstruppen im Rheinland in seiner Staatshoheit be—
schränkt, und den Bemühungen der Reichsregierung, das
Rheinland von diesem Drucke zu befreien, war bis heute
ein Erfolg nicht beschieden. Auch die Hoffnungen der Saar—⸗
bevölkerung, zum Reiche zurückzukehren, schwanden stets,
venn man, das Gebiet theoretischer Erörterungen ver—
lassend, an eine praktische Lösung der Saarfrage herangehen
walste

Auf dem Bundestag des Deutschen Beamtenbundes in
Berlin im Oktober dieses Jahres hat der Bundesvorsitzende
n seiner Begrüßungsanspraäche nachdrücklich darauf hin—
jewiesen, daß die Lebensbedingungen und Lebensvoraus—
etzungen der deutschen Beamtenschaft abhängig seien von
er innen- und außenpolitischen Gestaltung des deutschen
Keiches. Wenn man dem Gedanken noch hinzufügt, daß,
»estimmt durch die oben angedeuteten Bindungen Deutsch—
ands durch den Versailler Vertrag, auch die innerpolitischen
berhältnisse in Deutschland diktiert werden durch die Außen—
»olitik, dann wird man erkennen, welche starken Wechsel—
pirkungen zwischen Staatspolitik und Beamtentum be—
ehen. Die praktische Auswirkung dieser Gedanken hat die
eutsche Beamtenschaft und die Beamtenschaft des Saar—
ebietes in den Jahren nach 1918 nur zu deutlich erfahren.
nnerhalb eines mit der Vernichtung bedrohten Volks—
örpers ist es unmöglich, daß es eine Schicht geben kann, die
avon unberührt geblieben sein sollte. Das kann am aller—
etzten die Schicht sein, der die Aufgabe zufällt, das öffent—
che Staatsleben zu tragen und zu vertreten, die Beamten—
haft. Sie war es auch, die mit am stärksten betroffen
oburde durch die im Friedensvertrag von Versailles beding—
en Gebietsveränderungen. Als Vertreter von Reich und
rändern waren die Beamten die ersten, die Haus und Hof
m Stiche lassen mußten, um in der Fremde einer ungewissen
zukunft entgegen zu gehen. Für die gesamte deutsche Be—
mtenschaft aber waren die letzten zehn Jahre eine Zeit,
»ie an die Aufopferungsfähigkeit für den Staat und die Hin—
gabe an die Volksgemeinschaft höchste Anforderungen stellte.
Ende des Jahres 1927 war durch die Verabschiedung der
Keichsbesoldungsordnung die wirtschaftliche Frage der Be—
imtenschaft zu einem gewissen Abschluß gekommen. Die
durchführung der beschlossenen Gesezesmaßnahmen blieben
em Jahre 1928 vorbehalten. Die damals amtierende
Keichsregiorung war sich darüber klar daß im Interesse dos

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