Full text : 3.1928 (0003)

mern. Was entsteht daraus? Eine Vielgeftalt der Zuständig—
—
Gegeneinander, das wie ein schwerer Druck ceuf der Wirtschafts⸗
entfaltung ruht und einheitliche, planvolle. den Bedürfnissen
der Bewohner und landschaftlichen Gegebenheiten rechnungtra—
gende Wirtschaftspolitik fast hoffnungslos macht. Welche Berge
von Akten sind jahrzehntelang zweischen Bayern und Preußen
in der Frage der Mainkanalisotion entstanden, welche Zeit und
Menschenkraft darin vertan worden! Wie kann man in einem
olchen Gebiet einheitliche Siedlungspflege, einheitliche Verkehrs⸗
volitit, einheitliche Elektrisierung, einheitliche Gasversorgung
ermöglichen? Im Halbmesser von 30 Kilometern um Frankfurt
bestehen noch mehr oder weniger unökonomische Gaswerlke;
während die naturgemäße Elektrizitätsversorgung durch Preußen-—
werk, Bayernwerk, Mainkraftwerke, Großkraftwerk Frankfurt
und Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk geschehen müßte,
hestehen allein in Hessen-Rassau und im Freistaat Hessen noch
z5 Einzel-Elektrizitaͤtswerke.
Die einzelnen deutschen Länder stellen keine räumlich geschlof⸗
enen Gebiete dar, sondern umfassen außer dem Haupt- und
S„tammlander noch ein oder mehrere getrennt liegende Exklaven
Gebietsausschlüsse) oder — wie man sie auch nennt — Enklaven
Gebietseinschlüssen. Im deutschen Reiche gibt es zirka 200 Ge⸗
dietseinschlüsse. Das statistische Reichsamit hat kürzlich eine
genaue Zusammenstellung gemacht und in ihr jeden Wohnplatz,
ede Gemeinde., jedes Waldstück, die eine Enklave darstellen
rach Größe, Einwohnerzahl usw. verzeichnet. Dabei hat sich
herausgestellt, daß ein Viertel sämtlicher Gebietseinschlüsse gar
zicht bewohni ist, das etwa drei Viertel weniger als 1500 Hek⸗
groß sind und zugleich weniger als 1500 Einwohner be—
itzen.
Die Nachteile, die sich aus dieser „Gemengelage“ deutschen
Landes ergeben, sind vielfältig Für das Stommland bedeutet
e Absplitterurg von Landesteilen, namentlich, wenn dieser
Fall häufig ist und die Gebietssplitter weitab liegen, eine be—
rächtliche Verwaltungserschwernis: Reisen der Beamten, Ein⸗—
ichtung detachierter Stellen, Schwierigkeiten der Kontrolle, ver⸗
hältnismäßig höhere Ausgaben in der Enklave selbst. die be⸗
ondere Behörden nötig hat.
Am schlimmsten daran ist aber meist die Bevölkerung eines
olch isolierten Gebietes; ein paar drastische Beispiele gibt Lan—
deshauptmann Hübner in der im Auftrage des Provinzial⸗—
russchusses der Propinz Sachsen herausgedgebenen Denkschrift:

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Mitteldeutschland auf dem Wegt zur Einheit“, aus der folgender
Fall angesührt sein mag:
„Im Süden Thüringens liegt der preußische Landkreis Ziegen⸗
ück, der in einen größeren und 5 ganz kleine Teile zerfällt.
kreisstadt ist Ranis. Wenn ein Landwirt aus Blintendorf zum
andratsamt will, so hat er ene 49 Kilometer Landweg
u überwinden. Das zuständige Amtsgericht Ziegenrück ist „nur“
4 Kilometer weit. Aber er kann auch mit der Bahn fahren.
dann muß er 15 Kilometer bis zur rahestaner Lobenstein
handern. Von dort kann er nach Ziegenrück fahren. Bis nach
tanis hat er noch einmal 15 Kilometer Fußweg. Ist ihm auch
as zu anstrengend, so kann er bequemer nach Ranis kommen,
idem er in nächster Nähe in die Bahn steigt und in einem
roßen Bogen, nordostwärts ausholend, nach Pößneck fährt.
bon dort bis Ranis braucht er nur noch 8 Kilometer zu laufen.
ber sein Schienenweg betrug 120 Kilometer nach Pößneck!
Pie oft aber muß nicht der Kreiseingesessene in seine Kreisstadt
— in der sich Kreiskasse. Kreiskrankenhaus. Finanzamt be—
nden!“
Eine Aenderung dieser Verhältnisse herbeizuführen, is drin⸗
send geboten. Das kann nicht von heute auf morgen geschehen;
Lderhandlungen der Länder untereinander müssen gesührt wer—
en, Verhandlungen, die sich lange hinziehen werden.
Neben den politischen Maßnahmen sind die wirtschaftlichen
Naßnahmen in vollem Gange. Vereinfachungen, Rationalisie⸗
ung bei allen Verwoltungen. Greifen wir eine Verwaltung
eraus, die Reichspostverwaltung: Stactssekretär Sautter führte
m 24. Januar im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller
us, daß in den letzten Jahren bei der deutschen Reichspost 15 000
Fahr⸗ und Krafträder zu Fuß gehende Kräfte ersetzen, über
900 Stempelmaschinen neben 700 Freistemplern, 10 80 Schreib⸗,
dechen- und Druckmaschinen, 150 Registrierkassen, 280 Adrema—
raschinen 850 enerne eine Personalersparnis von
iber 30 vp. H. allein bei den Postscheckämtern bewirkt hätten.
zn der Verwaltungsratssitzung vom 24. und 25. Februar be⸗
ichtete Reichspostminister Dr. Schätzel über die bei der Post⸗
erwaltung schon durchgeführte oder noch im Gange befindliche
Ferwaltungsreform, wobei er u. a. erklärte, daß das Personal
es Reichspostministeriums um 115 Köpfe, daß die Oberpost⸗
irektion um 14, die Bezirkswerkstätten um 31 vermindert, das
andpostwesen umgestallet würde. 740 Kräfte seien bei der
durchprüfung der Verehrsämter erspart worden. Die gesamten
ersönlichen Ausqaben seien 1927 gegen 1913 im Verhältnis

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