Die öffentliche Kundgebung der rheinischen Beamtenschaft
am Sonntag in dem Sroßen Festsaal der Stadthalle hatte
mehr ernsten Charakter. Sie wollte vor aller Oeffentlichkeit
auf die Not der Rheinlande hinweisen und daneben auch
besonders brennende Beamtenfragen behandeln. Im Mittel—
punkte der Tagung standen darum zwei Vorträge. Studien⸗
rat Dr. Brühl-Düsseldorf sprach über das Thema: „Das
Rheinland im Wandel der Zeit unter Berücksichtigung der
Einwirkung des rheinischen Beamtentums“ und der Bundes—
vorsitzende Flügel behandelte die Frage; „Der Beamte im
neuen Volksstaat.“ Herr Postinspektor Görgen-Bonn eröff
nete die rroe durch Begrüßung der Vertreter der
Reichs-⸗, Staats- und Kommunalbehörden, der Vertreter
politischer Parteien, der Vertreter der Großorganisationen
und der benachbarten Verbände. Eine in der Hauptaus—
schußsitzung angenommenen Entschließung, die zu der poli—
tischen Lage an Rhein und Saar Stellung nahm, wurde
verlesen und einstimmig gutgeheißen. Als Vertreter der
zahlreich erschienenen Regierungsvertreter sprachen Abtei—
lungspräsident Zahn und Oberregierungsrat Dr. Koch herz⸗
liche Worte. Den Gruß der Stadt Koblenz überbrachte
Stadtdirektor Schwalge, und den des Bayerischen Beamten—
bundes Herr Mang. Für den Beamtenbund des Saar—
gebietes hielt Herr Rektor Schneider folagende Bearükungs—
ansprache:
Meine sehr verehrlen Damen und Herren, liebe Kolleginnen und
Kollegen aus dem Rheinland. Wie in den vergangenen Jahren, so
haben Sie uns auch diesmal wieder zu Ihrer Tagung eingeladen
HRamens der Bundesleitung des Beamtenbundes des Saargebiekes
danke ich Ihnen für diese freundliche Einladung aufs herzlichste.
Mein gan pee Dank gilt dem Vorsihenden des Provinzkartells
—2* and, Herrn Kollegen Görgen, und dem Vorsitzenden
des Orkskartells Koblenz, Herrn Kollegen Krämer, für die warmen
und von Herzen kommenden Worke der Begrüßung.
Sieben Milglieder unserer Bundesleitung sind heute noch mil mir
hier anwesend, Und ich darf Ihnen aus ehrlichem Herzen heraus
bersichern: „Wir sind gern zu Ihnen gekommen.“ Die Trierer und
Krefeider Tage mit ihrer rheinischen Fröhlichkeit und Herzlichkeit
ner immer noch in uns nach. Und als diesmal Ihr Ruf nach
Koblenz und an den deutlschen Rhein zu uns kam, da war es für
uns eine ausgemachte Sache, daß wir wieder zu Ihnen mußlen.
Und nun sind wir da, und wir danken Ihnen, daß Sie uns gexufen
haben, und wir freuen uns mit Ihnen, daß wir wieder einige Stun—-den
im Kreise rheinischer Freunde verbringen können.
Und doch, meine Damen und Herren, so gern wir Ihrer Ein—
ladung gefoigt sind, in unsere Freude mischt sich ein Stücklein Weh.
mut. Hennd inimer noch ist für uns die Siunde nicht gekommen,
wo wir gleichberechtigt mit Ihnen zusammen lagen können. Immer
noch find wir nur Gast bei Ihnen, kroh Genf, krotz Locarno und
troß Thoiry. Alle unsere Hoffnungen, die wir in den vergangenen
Jahren immer wieder leise in uns aufkeimen ließen, sind bis zur
Stunde leider noch unerfüllt geblieben.
Und nun spricht man in diesen Tagen wieder von der Rheinland⸗
räumung. Und wir Saarländer verbinden damit unwillkürlich:
Befreiung der Saar. Saarland und Rheinland gehören unkrennbar
zusammen. Wie seit altersgrauen Tagen unsete Saar zur Wosel
und zum Rheine hineilt, so zieht es unsere Herzen unaufhörlich
und einzig und allein nur zu unseren deutschen Brüdern, zu un—
serem deuischen Vakterlande. Was naturgegeben und naturnokwendig
zusammengehörl, läßt sich dauernd nicht gewaltsam krennen
Daß das Saarland mit dem Rheinland sich verbunden fühlt, das
hat wie Sie gestern abend schon gehört haben, unsere Jahrkausendfeier
bewiesen. Und wenn der hochverehrte Herr Oberbürgermeister
bon Koblenz seine Eindrücke und sein Erleben bei uns aus diesen
Tagen zusammenfaßte in die Worke: „Es war wie ein Goklesurkeil,
das bewies, daß das Saarland deutsch ist bis auf den letzken
Mann“, dann koͤnnen wir Saarländer für dieses ehrende Bekennknis
dem Herrn Oberbürgermeister nur kiefgerührten Herzens die
Hand drücken und ein dankbares Amen dazu sagen. Ja, meine
DHamen und Herrten, im Saarland ward damals ein Gottesurkeil
gefprochen flüür alle. die es hören wollten. Oh man »os verstanden
Die
2.
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rTauscth — Auft wunscho Tellzanfung —
)at, das wird die Zukunft beweisen. Und ie man es nicht ver⸗
tanden haben, nun, melne lieben Freunde, dann wird im Saatland
zum zweiten Mal ein Gottesurtell gesprochen werden, und das soll
as erste an Deutlichkeit noch übertreffen.
Mit Ihnen aber hoffen wit nun wieder don neuem, daß dle
Tage der Fremdherrschaft füt Sle und für uns bald wieder dor—
iber sein möchten. Und aus tiefstem Herzen heraus wünschen wir
nit Ihnen, daß der Tag der Freiheit bald anbrechen möchte füt
Rhein und Saar. Dann, lieber Herr Kollege Görgen, lleber Herr
Zollege Flügel, werden wir Ihnen auch den Beamtkenbund des
Zaargebietes gern und freudigen Herzens und vollständig wieder
u tkreuen Händen zurückgeben.
Mit dieser frohen Zukunftshoffnung überbringe ich Ihnen nebst
esten Wünschen für Ihre Taqung den Brudergruß der deultschen
Zaarbeamtenschaft.
—D
räge näher einzugehen. Herr Studienrat Dr. Brühl
eichnete ein umfassendes Bild rheinischer Geschichte. Ich
vill nur aus der Rotzeit des Rheinlandes eine Zahl wieder—
zeben, die er erwähnte. Aus dem Rheinland waren 1923124
8000 Personen ausgewiesen, darunter befanden sich 40 900
Imlen. und zwar überwiegend untere und mittlere Be—
imten.
Herr Flügel zeigte den deutschen Beamten im neuen
Kolksstaat, um anschließend eine der wichtigsten Fragen,
den Kampf um das Berufsbeamtentum, zu behandeln. Klar
ind eindeutig wies Flügel die Angriffe und Vorwürfe zu—
rück und zeigte an drastischen Beispielen, daß es im Inter—
sse von Volk und Staat liegt. das deutsche Berufsheamten—
um zu erhalten.
Mit einem Dank an alle, die zum Gelingen des 9. Rhei—
rischen Beamtentages beigetragen hatten, und mit einem
hoch auf das deutsche Vaterland schloß der Vorsitzende des
Landesverbandes Rheinland, Herr Görgen, die Koblenzer
dagung.
Für den Sonntag nachmittag waren Besichtigungen und
Ausflüge in die Umgebung vorgesehen. Durch eine be—
ondere Einladung waren wir gebeten worden, an einer
Weinkellerbesichtigung in Winningen teilzunehmen. Da
vir aber noch an demselben Abend nach Saarbrücken zurück—
ehren wollten, mußten wir verzichten Wir benutzten den
zerrlichen Herbstnachmittag zu einer Rheindampferfahrt
rach Bingen, die unvergleichlich schöͤn war. Der Schnellzug
»rachte uns dann in wenigen Stunden in unsere liebe
zeimatstadt zurück.
Der 9. Beamtentag des Landesverbandes Rheinland des
Deutschen Beamtenbundes ist vorüber und das Ortskartell
Zoblenz darf stolz sein, den Besuchern eine gastliche Stätte
zereitet zu haben. Auch wir nehmen gerne Gelegenheit,
illen Beteiligten für die freundliche Aufnahme herzlichen
dank zu sagen. Beamtentagungen sind Feiertage! Für den,
der in der Arbeit der Beamtenschaft steht, bedeuten sie einen
villkommenen Ausgleich und ein freundliches Ausruhen
Zzeamtentagungen sind notwendig als Arbeitstagungen.
zie haben aber auch noch eine andere Bedeutung. In dem
ztreit der Meinungen um oft kleinliche Fragen innerhalb
der Beamtenschaft könnte man manchmal beinahe den Glau—
»en an das große Zusammengehörigkeitsgefühl und an die
zemeinsamen Aufgaben, Wege und Ziele verlieren. Das,
was verbindet, was uns allen gemeinsam ist, was uns um—
chließt, der Dienst am Vaterland, tritt oft zu sehr zurück.
Wenn man dann aber doch einmal mit Kollegen in großer
Zahl zusammentrifft, wenn man in der Fremde durch Men—
chen herzlich aufgenommen wird, die nur die gleiche Lebens—
rufgabe mit einem verbindet, wenn man in erhebenden
lugenblicken gemeinsamen Erlebens doch den gewaltigen
ßulsschlag gleichdenkender und gleichhandelnder Menschen
gerspürt. dann empfängt man Kräfte zu neuer Arboit dann
ten Preisen!
2enkeammen.
— —— CDEGEQSZb.mh.
Gecr. 1820 — Saearbr. 3. Friedrich Ehbertsstr. 10 — Tel. 244
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