Full text : 3.1928 (0003)

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Nummer 36

3. Jahrgang Saarbrücken, den 8. September 1928
F nhalt: Warnungen! — Au⸗ sũ hrungs besummungen zur Verordnung betr. die Besoldung der staatlichen Beamten des ——
gebietes vom 13. Juli 1928. — Von der Bundesleitung. — Aus den Verbünden.

WVARNUMNCGENI

Die Lebensgestaltung der Kriegs- und Nachkriegszeit
7 — die Menschen unbarmherzig in eine ganz —5 —
ichtung. Die Not der Zeit, deren Auswirkung sich nur
ganz wenige — und die taten es auf Kosten der Mit—
menschen — entziehen konnten, zwang die Menschen, sich
sehr viel, viel zu viel mit materiellen Dingen zu befassen.
Der Lebenskampf war härter geworden, die dazu not—⸗
wendigen Lebensenergien gaben der ganzen Lebensführung
ihre Note und unserem Zeitalter einen stark materiali—
stischen Einschlag. Mag es auch dem Einzelmenschen noch
möglich sein, sich dieser Zeiteinstellung mehr oder weniger
zu entziehen, unmöglich aber ist es für Organisationen, die
mit in erster Linie die wirtschaftlichen Belange ihrer Mit—
glieder zu vertreten haben. Es fehlte in der wirtschaft⸗
lichen Gestaltung der jüngsten Vergangenheit das Gleich—
maß, das eine Regelung wirtschaftlicher Fragen auf längere
Sicht möglich gemacht hätte. So ergab sich denn die Tat—
sache, daß fortwährend um die Anpassung der Einkommen
an den Gesamtwirtschaftsstand gekämpft werden mußte.

Es ist selbstverständlich, daß mit an erster Stelle die Be—
amtenorganisationen von der angedeuteten Entwicklung
betroffen wurden. Es hat nie im Sinne der Beamtenorga—
nisationen gelegen, fast nur Interessenvertretung zu sein. Sie
wollten daneben immer auch ideelle und kulturelle Dinge
zu ihrem Rechte kommen lassen. Und doch waren die Ver—
hältnisse stärker als der gute Wille. Die Beamtenorgani—
sationen mußten in der Vergangenheit in allererster Linie
wirtschaftlichen Dingen ihre Aufmerksamkeit und ihre Ar—⸗
beitskraft zuwenden. Der Beamte wollte leben, verlangte
von seiner Organisation, daß sie ihm die Lebensmöglichkeit
erkämpfe. Das wär nicht leicht und hat Jahre hindurch die
besten Kräfte verbraucht. Und wir brauchen nur an den
gegenwärtigen Stand der Besoldungsfrage im Saargebiet
zu denken, uüm uns darüber klar zu sein, daß auch die nächste
Zukunft noch keine grundlegende Aenderungen bringen
wird

Und doch müssen wir Beamten immer wieder einmal den
Versuch machen, aus dieser einseitigen Lebensgestaltung
herauszukominen, wir müssen Raum und Zeit gewinnen,
uͤns auch einmal mit geistigen Dingen zu beschäftigen. Wir
müssen uns auch daruͤber klar sein, wohin Beamtenschaft
und Staat treiben, wenn die Zustände der letzten Jahre
verewigt würden und nur der Kampf ums nacdte Leben im
Mittelpunkt der Lebensarbeit bleiben sollte. Heute wollen
wir auf zwei Erscheinungen hinweisen. die kennzeichnend

sind und auf Gefahren hinweisen, die sich aus der Entwick—
lung der letzten Jahre zwangsläufig ergeben.
Zuerst nennen wir die sich fortlaufend wiederholenden
Finanzskandale. Es vergeht kaum eine Woche, ohne daß
die Zeitungen neue Alarmnachrichten bringen. Es handelt
sich bei den Veruntreuungen — und das ist für uns wichtig
— sehr häufig um amtliche Kassen. Das sind Erscheinungen,
die die Beamtenschaft angehen und mit denen sie fich aus
zwei Gründen auseinandersetzen muß. Eine Häufung solcher
mnerfreulichen Vorkommnisse kann leicht das Ansehen der
Beamtenschaft untergraben. Was der Einzelne tut, wird
der Allgemeinheit zur Last gelegt. Die Beamtenschaft muß
hren Schild rein halten, denn nur dann ist sie imstande,
hre Stellung zu r und ihre Aufgaben für Staat und
Colk zu erfüllen. Als Beamte dürfen wir uns unter keinen
Imständen mit der Feststellung der Tatsachen begnügen,
ondern wir müssen versuchen, die wahren, tieferen Zusam—
nenhänge und Ursachen zu erkennen und klarzulegen.
Was treibt wohl den einen oder den anderen auf die
Bahn des Verbrechens? Es ist sicher zum allergrößten Teil
der weiter oben gekennzeichnete Geist unserer Zeit, der auch
nicht vor der Beamtenschaft halt macht. Die Sucht nach
»em Gelde erfaßt die Menschen, läßt fie straucheln und Amt
ind Pflicht vergessen. Sicher hat es immer schwache Men⸗
chen gegeben, denen es an der sittlichen Kraft fehlte und
zie darum der ersten Versuchung zum Opfer fielen. Wenn
olche Erscheinungen aber häufiger werden, dann müssen
Vore ne gegeben sein, die die Menschen der Verfüh—
ung zugaͤnglicher machen. Diese Voraussetzungen sehe ich
u den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beamtenschaft in
jen letzten 10715 Jahren. Es ist wirklichüberflüs—
ig, imeinzelnen nachzuweisen, daß die Be—⸗
imtenschaft jahreläng mit dem nacken
deben kämpfen mußte. Das sind Tatsachen, die
amtlich längst anerkannt sind. Auf der anderen Seite gab
es aber Schichten, die trotz der allgemeinen Not aus dem
Bollen wirtschafteten, die sich ngememeheeh erwarben.
denen es sehr gut ging. Der Beamte, der nun in Ausübung
eines Amtes mit salsen Schichten tagtäglich in Berührung
ommt, der mitansehen muß wie da und dort Geld verdient
vird, dessen Einkommen se vᷣsi aber nur zum Notwendigsten
teicht, schwebt natürlich dauernd in Gefahr. Mancher ist
»er Versuchung erlegen und hat sich und seine Familie un—⸗
zlücklich gemacht. Wir sind als Beamten die igphen die
inehrliche Amtsführung verteidigen wollten. ber wir
zerlangen etwas anderes! Es genügt nicht, daß man die
            
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