Full text : 3.1928 (0003)

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Saarbrücken, den 21. Juli 1928 Nummer 29
Inhalt: Nach der Entscheidung. — Der Wohnungsgeldzuschußz. — Von der Bundesleitung. — Aus den Verbänden.

NACHDEFEREFENIVUVSCHEIDUMNG

Die saarländische Besoldungsreform ist verabschiedet.
Herr Präsident Wilton hat sein Wort eingelöst. Wir
danken der Regierungskommission für ihre schnelle Ent⸗
scheidung.
Herr Minister von Ehrnrooth ist am 10. Juli aus seiner
Heimat wieder hier eingetroffen. Am 11. Juli fand die
e Vollsitzung der Regierungskommission statt. Herr von
EhrnrAh hat uns vor der Sitzung noch Gelegenheit ge⸗
geben, auch ihn über die letzten Wünsche der Beamtenschaft
zu unterrichten. Da die occuns trotz stundenlanger
Beratungen noch kein Ergebnis zeitigte, wurde die uns in
Aussicht gestellte Sondersitzung auf den folgenden Tag fest⸗
gesetzt. Sie fand ihre Fortseßung in der Schlußsitzung am
Freitag, den 13. Juli. Mitten aus der Sitzung heraus ließ
Herr Präsident Wilton der Leitung der Arbeitsgemein—
schaft der Beamtenverbände die Mütteilung zugehen, daß
die Besoldungsreform verabschiedet sei. Nach der Sitzung
wurden mir vom Herrn Präsidenten und Herrn Minister
Koßmann die wichtigsten Einzelheiten der Reform bekannt⸗
gegeben, so daß ich dadurch in der Lage war, dem im Lud⸗
wigspark versammelten Ausschuß des Beamtenbundes, der
durch Hinzuziehung der Vorsitzenden der angeschlossenen
Verbände und Oriskartelle und der Vertrauensleute der
Verbände stark erweitert worden war, das Ergebnis gleich
mitteilen zu können. Es kann einerseits bedauert wer—⸗
den. daß die Regierungskommission unserem Wunsche auf
Entsendung eines Vertreters nmicht entsprochen hat. Sie
hätte sich durch Augenschein davon überzeugen können, daß
meine Kennzeichnung der Lage in der vorigen Nummer
unseres Blattes ri 1— ig war. Andererseits war es ganz
gu't. da“ der Verlauf dieser Versammlung, der viele Mit—
glieder, vornehmlich unsere Damen, zu vorzeitigem Ver—
dassen des Saales veranlaßte, von Außenstehenden nicht
beobachtet wurde. Mehr soll über diese Ausschuß-Sitzung
micht berichtet werden.
Mit der Verabschiedung der Besoldungsvorlage ist der
Vorhang gefallen hinter einem Schauspiel, das reich war
an dramatischen Höhepunkten. Die zurückliegenden zehn
Monate waren eine harte Geduldsprobe für die saarlän—
dische Beamtenschaft. Auf und nieder ging die Stimmung.
Bis ins Fieberhafte wurde die Spannung gegen den Schluß
hin gesteigert. Nun ist es geschafft; eine Entscheidung
is F?froffen; Befriedigung hat sie leider nicht aus—
gelöst.
Die saarländische Besoldungsreform ist verabschiedet.
Umerem Wunsche gemäß hat die Regierungskommission dies⸗

nals nichts Besonderes geschaffen, sondern die Besol—
dungsverhältnisse des Reiches auf das Saargebiet über—
ragen. Damit ist ein jahrelang gehegter Wunsch der
Zaarbeamtenschaft endlich in Erfüllung gegangen. Seit
Jahren verfolgen wir nur das eine Ziel: Ideelle und
naterielle Gleichstellung mit den Kollegen im Reich. Die
deelle Gleichstellung ist nunmehr durchgeführt. Jeder
Beamte ist im Rahmen des gesamten Beamtenkörpers so
eee daß eine Ausnahme nirgends mehr vorkommt.
Die Uebernahme der deutschen Besoldungsordnung bedeu⸗
et für uns einen vollen Ezrfolg. Von dite sem Ge—
ichtspunkte aus gesehen, gibt es fuͤr uns keine Saar—
zebietsgrenze mehr. Jeder ist behandelt, wie er im Reich
hehandelt worden wäsre. Die Rüdgliederung der saar—
ändischen Beamtenschaft in den Verwaltungsapparat und
den Gesamtorganismus der Beamtenschaft des Reichs ist
porbereiteét und wird sich zur gegebenen Zeit reibungs—
os vollziehen. Dieses Erfolges freuen wir uns.
Die materielle Gleichstellung mit den Kollegen des
Reiches r̃ uns nicht gelungen. Wir sind zwar auch hier
einen Schritt vorwärtsgekommen, aber das Ziel unserer
Wünsche haben wir nicht erreicht. Noch fehlt uns zur
Stunde die schriftliche Mitteilung der Regierungskommis—
über den erfolgten Abschluß und die Einzelheiten der
Reform, sodaß wir heute noch nicht in der Lage sind, ein
voliständiges Bild uünserer Besoldungsneuregelung geben
u können; allein die wichtigsten Fragen sind uns schon be—
lannt und lassen eine Allgemeinbeurteilung der Angelegen
heit jetzt bereits zu.
Als Umrechnungsfaktor hatte uns die Regierungskommis—
ion 5,5 angeboten. Unsere Forderung lautete: Börsen-—
kurs! Der nunmehr beschlossene Umrechnungsfaktor be—
trägt für die Zeit vom 1. Oktober 1927 bis zum 31. Juli
1928: 5,6; ab 1. August 1928 beträgt er 5,7.
—— also fest, daß die Regierungskommission ihr
erstes Angebot nicht aufrecht erhalten, daß sie aber anderer—
eits auch unsere Forderung nicht erfüllt hat. So sehr wir
uns des ersten freuen, so sehr bedauern wir das
zweite. Eins ist jedenfalls gewonnen: Die Regierungs—
kommission hat un bisherige Errechnungsmethode auf—
gegeben. Was uns all die Jahre hindurch zu erreichen
nicht möglich war, ist uns endlich gelungen: Man
errechnet unsere Gehälter nicht mehr nach T̃euerungs—
zahien. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß damit
die seitherige Besoldungsfestsetzung ein für alle Mal auf

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