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Zeitschrift
des Beamtenbundes
des Saargebietes
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3. Jahrgang Saarbrücken, den 2. Juni 1928
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Inhalt: atenwoihtplim — Die Arbeit des DBB. — Von der Bundesleitung. — Aus den Verbänden — Beamten—⸗
undschau.
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ORGANISATIONSDISZSIPLIN
Im Volksmund heißt es: „Was lange währt, wird end⸗
lich gut!“ Wenn der Sinn des Wortes auf die Arbeit der
Regierungskommission an der Besoldungsreform zutreffen
würde, dann müßte das entstehende Werk allen Wünschen
der Beamtenschaft entsprechen und Frieden schaffen in der
saarländischen Beamtenschaft. Leider ist dem bis jetzt nicht
so! Das, was uns die Regierungskommission über ihren
Entwurf mitteilte, ist alles andere als eine Erfüllung
unserer Wünsche und wird berechtigte Ansprüche nie und
nimmer befriedigen. Wir wollen auch heute noch nicht
die Hoffnung aufgeben, daß das letzte Wort in der ganzen
Frage noch nicht gesprochen ist.
Wie wir schon in der letzten Nummer mitteilten, wird
bis zur nächsten Sitzung der Regierungskommission am 30.
Mai die redaktionelle Bearbeitung des Entwurfes beendet
sein, so daß dann die Regierungskommission endgültig die
Vorlage verabschieden kann. Es ist damit zu rechnen, daß
das Material dann sofort der Beamtenschaft zur Stellung—
nahme zugehen wird. Mit diesem Zeitpunkt tritt die ganze
Besoldungsaktion in ein entscheidendes Stadium. Der Be—⸗
amtenbund, eine auf rein demokratischen Grundsätzen auf—
gebaute Organisation, wird die Entscheidung, wie es immer
bei wichtigen Fragen geschehen ist, in die Hand der Gesamt—
beamtenschaft legen. Verbände und Vereine werden sich
mit der Besoldungsfrage zu befassen haben, und Sache des
Bundes wird es sein, die Meinungen der Einzelnen zu
einer Stellungnahme zusammenzufassen, um dann mit, den
in der Arbeitsgemeinschaft der Beamtenverbände zusam—
mengeschlossenen Beamtenverbänden eine gemeinsame Linie
zu finden. Wir betonen noch einmal, daß die nächste
Zeitentscheidende Arbeitvondergesamten
Beamtenschaftfordert, und nur wennjeder
EinzelnestrengsteOrganisationsdisziplin
bewahrt, kann die Möglichkeit bestehen,
drohendes Unheilabzuwehren.
Wir wissen, daß der Gang der Verhandlungen um die
Besoldungsreform bei vielen Beamten Mißmut, Ungeduld
und Veraͤrgerung ausgelöst hat, und es ist auch zu ver—
stehen, wenn die Beamtenschaft sich gegen den kommenden
Entwurf, vorausgesetzt, daß er den Ankündigungen der
Regierung entspricht, entrüstet auflehnen wird. Und doch
veriangen wir strengste Organisationsdizsiplin. Nur ein
einheitlicher Wille fuͤhrt zum Ziel. Es bleibt Sache jedes
Verbandes, die Vorlage von seinem Standpunkt aus zu
prüfen und zu beurteilen, und doch darf niemand vergessen,
daß es um Dinae der Gesamtbeamtenschaft geht, und dak
es neben den Eigeninteressen solche der Gesamtbeamten⸗
schaft gibt. Der Bund und die Arbeitsgemeinschaft haben
nach einmütigen Beschlüssen ihre Forderungen aufgestellt,
die Wünsche vertreten und um die Vollendung innt
Die Arbeit war nicht immer leicht, besonders nicht leicht,
veil wir nicht zum schnellen Erfolge führen konntien. Es
st darum auch verständlich, wenn hier und da augenblick—
iche Unwille einmal durchbrach und sich in Vorwürfen
zegen die Führung Luft machte. Töricht aber ist es, wenn
nan aus augenblicklicher Verstimmung heraus durch Ver—
veigerung der Beiträge passiven Widerstand leisten oder
zar den Organisationen den Rücken kehren will. Nur Kurz-—
ichtigkeit kann zu solchen Schritten verleiten. Man lege
ich ernstlich die Frage vor: Hat die Veamtenvertretung
AUes getan, was zu tun möglich war? Wie stände es um
Beamtendinge, wenn es keine Großorganisationen gäbe?
Ist der Sache der Beamten für die Zukunft gedient, wenn
zie Beamtenorganisationen in sich geschwächt werden? Vor
rllem aber vergesse mannicht, daß letzten
Fndes nicht der Beamtenbund und nicht die
Arbeitsgemeinschaft an der unglücktlichen
dageschuld sind, sondern der Widerstand der Re—
gierung gegen berechtigte Forderungen. Mit Kritik oder
intätigem Beiseitestehen allein ist es bei der Organisa—
ionsarbeit auch nicht getan. Unter den heutigen Ver—
zältnissen, wo beim Kampf um Meinungen und um An—
prüche die Massen aufmarschieren und wirken, muß auch
die Beamtenschaft geschlossen sein und tätig mitarbeiten.
Db die Beamtenorganisation schon so weit ist? Ob wir
das Ziel erreicht haben? Man möchte es bezweifeln Wir
habenin diesem Winter zweimaldurchFra—
jebogendieBeamtenschaftum Angabenzur
Beschaffung von statistischem Material ge—
beten! Zweimal war das Ergebnis kläglich! Und der
Erfolg? Heute, wo man uns unzulängliches Wohnungs⸗
geld anbietet, fehlt uns wichtiges Material, um zahlen⸗
mäßig zu beweisen, wie sehr man uns unxecht tut. Or-—
ranisationsdisziplin hätte verlangt, daß
edes Mitglied das kleine Opfer an Zeit
aAnd Mühe gebracht hätte, um der Führung
das Rüstzeug zum Kampfe in die Hand zu
geben!
Organisationsdisziplin! Die nächsten Tage werden der
Zaarbeamtenschaft wichtige Fragen zur Entscheidung vor—
egen. Möchte es gelingen, einen Weg zu finden, der end⸗
ich den Kampf um die Besoldung durch Erfüllung der